„Ich rech­ne­te da­mit, dass was pas­siert“

Bietigheimer Zeitung - - Südwestums­chau -

Pro­zess 17-jäh­ri­ger Haupt­an­ge­klag­ter sagt aus und bit­tet das Op­fer der Hun­de­at­ta­cke um Ent­schul­di­gung

Ei­ne schma­le Nar­be am Hin­ter­kopf des 16-Jäh­ri­gen zeugt von der At­ta­cke zwei­er Kampf­hun­de. In dür­ren Wor­ten schil­dert der Jun­ge vor dem Land­ge­richt Hei­del­berg, wie zwei Ame­ri­can Staf­fordshire Ter­ri­er ihn am Pfingst­mon­tag bei Lei­men im Rhein-Neckar-Kreis vom Rad ge­zo­gen und schwer ver­letzt hat­ten. Noch heu­te mei­ne er manch­mal, das Krat­zen von Hun­de­nä­geln zu hö­ren. Laut Staats­an­walt­schaft hät­te der Ju­gend­li­che die Ver­let­zun­gen bei­na­he nicht über­lebt.

Für den An­griff der Hün­din und des Rü­den müs­sen sich seit Di­ens­tag vor der Ju­gend­kam­mer drei jun­ge Män­ner ver­ant­wor­ten. Der 17 Jah­re al­te Haupt­an­ge­klag­te in Fuß­fes­seln räumt ein, im Um­gang mit Hun­den leicht­sin­nig ge­we­sen zu sein. Von ei­ner Maul­korb­pflicht ha­be er nicht ge­wusst, die Auf­for­de­rung sei­nes äl­te­ren Bru­ders, des Hun­de­hal­ters, die Tie­re an­zu­lei­nen, igno­rier­te er. Das Op­fer und sei­ne drei Freun­de auf Rä­dern hät­ten den Hun­de­füh­rer und sei­nen Be­glei­ter ge­be­ten, die auf dem Feld frei lau­fen­den Hun­de am Hals­band fest­zu­hal­ten. Nach­dem die Grup­pe die Hun­de pas­siert ha­be, rief der Ge­schä­dig­te

nach ei­ge­nen Wor­ten „Co­co, jetzt kannst du mich nicht mehr fan­gen.“Da­mit be­zog er sich auf ei­nen frü­he­ren Vor­fall, bei dem der Haupt­an­ge­klag­te die Hün­din auf ihn los­ge­las­sen hat­te, bis er in Trä­nen aus­ge­bro­chen sei.

Nach der Be­mer­kung lässt der Hun­de­füh­rer die Hün­din los und heißt sei­nen 22-jäh­ri­gen Be­glei­ter, das­sel­be zu tun. Die Tor­tur für das Op­fer dau­ert meh­re­re Mi­nu­ten. Dann tren­nen die Hun­de­füh­rer die Tie­re von dem blu­ten­den Jun­gen.

Der 17-jäh­ri­ge Hun­de­füh­rer sagt: „Ich rech­ne­te da­mit, dass was pas­siert, dach­te aber, Kon­trol­le wä­re noch mög­lich.“Er bit­tet vor Ge­richt den Ge­schä­dig­ten, den Cou­sin sei­nes bes­ten Freun­des, um Ver­zei­hung. Auch der äl­te­re Bru­der ent­schul­digt sich: „Es tut mir un­end­lich leid.“Er räumt den Vor­wurf fahr­läs­si­ger Kör­per­ver­let­zung ein, weil er sei­ne Kampf­hun­de ei­nem Min­der­jäh­ri­gen über­las­sen hat­te. Den Haupt­an­ge­klag­ten droht laut Staats­an­walt­schaft ei­ne Ju­gend­stra­fe von bis zu fünf Jah­ren.

Ein Hund der Ras­se Ame­ri­can Sta ordshire Ter­ri­er.

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