Der Platz auf den Stra­ßen ist be­grenzt

Bietigheimer Zeitung - - Vorderseit­e -

Kreis Lud­wigs­burg. Wenn es dar­um geht, mehr Raum für Rad­ler und we­ni­ger für Au­to­fah­rer zu schaf­fen, tun sich Städ­te und Ge­mein­den schwer. Än­de­run­gen brau­chen Zeit.

Rad­we­ge Wenn es dar­um geht, mehr Raum für Rad- und we­ni­ger für Au­to­fah­rer zu schaf­fen, tun sich vie­le Kom­mu­nen schwer. Än­de­run­gen dau­ern. Von un­se­ren Re­dak­teu­ren

Wo mög­lich, wer­den Rad­strei­fen an­ge­legt.

Anet­te Hoch­muth

Spre­che­rin Stadt Bie­tig­heim

Ba­den-Würt­tem­bergs Ver­kehrs­mi­nis­ter Win­fried Her­mann will, dass Kom­mu­nen stär­ker auf den Rad­ver­kehr set­zen – auch zu­las­ten der Au­to­fah­rer. Das be­ton­te er jüngst in Korn­west­heim beim ers­ten lan­des­wei­ten Rad­kon­gress. Doch wie soll das im Land­kreis Lud­wigs­burg ge­hen, wo zu Stoß­zei­ten oh­ne­hin der Ver­kehrs­kol­laps droht? Die BZ hat nach­ge­fragt.

In der Stadt Lud­wigs­burg sei es schwie­rig, ei­ne Au­to- für ei­ne Rad­spur zu op­fern, sagt Mat­thi­as Kno­bloch, Lei­ter des Fach­be­reichs Nach­hal­ti­ge Mo­bi­li­tät. Auf der B27 als Durch­fahrts­stra­ße zur und von der Au­to­bahn sei es oh­ne­hin eher ein über­re­gio­na­les The­ma. Die Über­le­gung ge­he eher in die Rich­tung, par­ken­de Au­tos weg­zu­neh­men, ge­ra­de in viel­be­fah­re­nen Stra­ßen, wie Schwie­ber­din­ger oder Frank­fur­ter Stra­ße. „Grund­sätz­lich ha­ben wir in Lud­wigs­burg aber ei­nen re­la­tiv ver­nünf­ti­gen Rad­ver­kehr“, sagt Kno­bloch. Teil­wei­se sei es et­was eng in der In­nen­stadt.

In Zu­kunft soll in Lud­wigs­burg we­ni­ger auf gro­ße Kon­zep­te ge­setzt wer­den, son­dern ge­zielt „der Lü­cken­fluss im Fahr­rad­netz ge­fun­den wer­den.“. Da­zu wol­le man auch mit ADFC und Bür­gern zu­sam­men­ar­bei­ten. In der Mar­ba­cher Stra­ße wur­de be­reits ei­ne Au­to­spur für ei­nen Rad­weg ge­op­fert: 2,1 Ki­lo­me­ter für 1,2 Mil­lio­nen Eu­ro. So rich­tig an­ge­nom­men wird die Stre­cke nicht. Ak­tu­ell liegt ein An­trag zur Prü­fung auf dem Tisch, be­rich­tet Kno­bloch. Idee ist, den Rad­weg zu ei­ner Um­welt­spur zu er­klä­ren, auf der auch Bus­se fah­ren dür­fen.

Die meis­ten Kom­mu­nen im Kreis ha­ben kei­ne oder kaum vier­spu­ri­ge Stra­ßen, wo man ein­fach ei­ne Spur ab­zwa­cken könn­te. An­de­re Lö­sun­gen sind mehr Ein­bahn­stra­ßen, Rad­strei­fen, An­lie­ger­stra­ßen.

„Wir ha­ben kei­ne Stra­ßen, von de­nen ei­ne Fahr­bahn für rei­ne Fahr­rad­strei­fen um­ge­nutzt wer­den könn­te“, sagt Bie­tig­heim-Bis­sin­gens Spre­che­rin Anet­te Hoch­muth. „Wo mög­lich, wer­den Rad­fahr­strei­fen an­ge­legt“, nennt sie die Bei­spie­le Grö­nin­ger Weg oder Carl-Benz-Stra­ße. Auch in der Schwarz­wald­stra­ße wä­re dies mög­lich. Al­brecht Kurz, Vor­sit­zen­der des ADFC Bie­tig­heim-Bis­sin­gen, führt aus: „Ak­tu­ell fehlt der Stadt dort noch das Ge­län­de.“Er hofft dass sich bin­nen der nächs­ten zehn Jah­re et­was tut. Le­dig­lich ei­nen Schutz­strei­fen für Rad­fah­rer hält er dort für zu we­nig. „Da muss ein durch­ge­zo­ge­ner Strich als Ab­gren­zung hin, über den die Au­to­fah­rer nicht drü­ber dür­fen.“Der Ver­kehrs­ent­wick­lungs­plan der Stadt sieht noch ei­ni­ge Mög­lich­kei­ten zur

Ver­bes­se­rung: „Netz­lü­cken schlie­ßen, We­ge ver­kür­zen, ver­brei­tern und si­che­rer ge­stal­ten“, fasst Hoch­muth zu­sam­men. Ähn­li­ches gilt für Rad­schul­we­ge.

„Ich wür­de dem Mi­nis­ter ger­ne vor­schla­gen ei­ne Spur auf der L1107 zu op­fern. Al­ler­dings müss­te er mir sa­gen, wie der Ver­kehr dann funk­tio­nie­ren soll“, meint Bön­nig­heims Bür­ger­meis­ter Al­brecht Dau­tel. Um an­sons­ten Fahr­spu­ren zu op­fern „sind un­se­re Stra­ßen zu schmal.“An un­über­sicht­li­chen Kreu­zun­gen soll die Si­cher­heit für Rad­ler er­höht wer­den. Und: „Wir ha­ben zum Bei­spiel ent­lang der Er­lig­hei­mer, Kirch­hei­mer und Meims­hei­mer Stra­ße be­glei­ten­de Rad­we­ge, die sehr gut funk­tio­nie­ren.“Glei­ches gel­te für die Rad- und Fuß­we­ge nach Ho­hen­stein und Ho­fen. „Al­ler­dings fehlt nach Ho­fen noch ei­ne Be­leuch­tung.“Dass in der In­nen­stadt ei­ne Tem­po-20-Zo­ne kom­men muss, „ver­schlech­tert aus mei­ner Sicht die Si­tua­ti­on für die Rad­fah­rer und Fuß­gän­ger.“

Auch Sach­sen­heim tut sich auf­grund en­ger Stra­ßen und viel Ver­kehr schwer mit Rad­strei­fen. Bei neu­en Pla­nun­gen spie­len „die Ver­kehrs­räu­me für Rad­fah­rer im­mer ei­ne wich­ti­ge Rol­le“, be­tont Stadt­spre­che­rin Ni­co­le Raich­le. Das Ein­füh­ren von Ein­bahn­stra­ßen in Wohn­ge­bie­ten kön­ne grund­sätz­lich „ziel­füh­rend sein“. Si­che­re Que­rungs­mög­lich­kei­ten für Rad­fah­rer sei­en eben­falls „im­mer ein zen­tra­ler Ent­wurfs­ge­dan­ke“. Der­zeit fin­den mit Schu­len und Rad­fahr­ver­bän­den Ab­stim­mun­gen

statt. 2020 sol­len die­se in ei­ne bes­se­res Be­schil­de­rung mün­den. Hier hofft die Stadt auf Mit­hil­fe von Land­rats­amt und Re­gie­rungs­prä­si­di­um. „An den bei­den Schul­stand­or­ten in der Kern­stadt Groß­sach­sen­heim ist die Füh­rung für Rad­fah­rer im Gro­ßen und Gan­zen gut und si­cher ge­re­gelt“, meint Raich­le.

Fo­to: Hel­mut Pang­erl

Ein Rad­strei­fen wie ent­lang der Carl-Benz-Stra­ße in Bis­sin­gen kann bei en­gen Stra­ßen ei­ne Lö­sung sein.

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