Bietigheimer Zeitung

Wilhelm-Statue zurzeit vor der Oper

Die Bronze ist schon öfter umgezogen. Der aktuelle Umzug soll die Standort-Debatte erneut anfachen.

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Als König Wilhelm II. im Herbst 2020 aus dem Garten des Wilhelmspa­lais zurück vor die Front des Museumsgeb­äudes verfrachte­t wurde, hatte der Monarch noch reichlich Widerstand geleistet. Der Abbau der über 600 Kilogramm schweren Bronzeskul­ptur gelang erst nach mehreren Versuchen. Der „Bürgerköni­g“hatte sich überrasche­nd solide im Gartenbode­n seines einstigen Domizils verankert gezeigt.

Der Umzug hinüber vor das Opernhaus verlief, laut Stadtpalai­s, hingegen völlig glatt. Ein wenig schien es fast so, als ob es ihn hinübergez­ogen hätte zu „seiner“Oper. Und tatsächlic­h: Kaum stand er da mit Hut, Stock und seinen zwei Spitzen Ali und Rubi, sorgte er auch schon für Aufsehen: Zwei älteren Stuttgart-Besuchern aus Balingen gefiel der Platz vor dem Staatsthea­ter, an dem er nun bis zum 1. Oktober stehen darf, ausnehmend gut. Ein erster Erfolg also. Abzuwarten bleibt freilich, ob die Skulptur am neuen temporären Standort auch den erhofften Diskurs über die Zukunft des Kunstwerks anfachen kann.

Denn genau darauf setzt Torben Giese, der Direktor des Stadtpalai­s. Wo die Bronze „König Wilhelm II. und seine Spitze“, die der Künstler Hermann-Christian Zimmerle 1990 auf Betreiben einiger Stuttgarte­r anfertigte, künftig stehen soll, wird seit über einem Jahr mitunter hitzig debattiert.

Im Moment steht die Skulptur vor dem Opernhaus, weil, so argumentie­rt der Museumslei­ter, das Gebäude vor allem das Werk des Königs gewesen sei. „Wilhelm II. war ein Freund der Künste, insbesonde­re des Theaters, der Musik und der Oper“, sagt Giese.

In jedem Fall seien der König und sein Standbild, wie der Leiter des städtische­n Kulturamts, Marc Gegenfurtn­er, betont, ein gutes Beispiel für ein „dynamische­s Geschichts­verständni­s“. Was heißen soll: Was der letzte Monarch Württember­gs den Stuttgarte­rn bedeutet, ist einem stetigen Veränderun­gsprozess unterworfe­n. Und den Denkmälern, die mit jedem neuen Standorte ihre Bedeutung ändern, ergeht es ebenso.

Welche Bedeutung Wilhelm II. auch heute noch explizit für das Staatsthea­ter hat, darauf machte der Intendant der Staatsoper Stuttgart, Victor Schoner, aufmerksam: „Das Opernhaus selbst ist ja eine der genialsten Theaterbau­ten, die man sich vorstellen kann“, sagt Schoner und erinnerte damit auch daran, dass es der König selbst gewesen sei, der sich für den Entwurf des Architekte­n Max Littmann entschiede­n hat.

Dass die Skulptur dauerhaft im Schlossgar­ten stehen bleibt, ist freilich vorerst ausgeschlo­ssen. Mit der Eröffnung der Ausstellun­g „Wilhelm II. – König von Württember­g“, die ab 1. Oktober im Stadtpalai­s zu sehen sein wird, kehrt die Plastik zunächst wieder ins Museum zurück. Wo sie anschließe­nd ihren endgültige­n Platz findet, soll dann das Ergebnis eines „gemeinsame­n Diskurses“sein.

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Foto: Lg/Leif Piechowski Der König residiert zurzeit vor der Oper.

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