28 | What Hap­pe­n­ed To Mon­day

Sci­ence Fic­tion

Blu-ray Magazin - - Aktuelles - TO­NY MEN­ZEL

Die Welt der na­hen Zu­kunft steckt in ei­ner Kri­se. Hun­ger und Cha­os ma­chen sich breit, aus­ge­löst durch Über­be­völ­ke­rung. Um das Le­ben auf dem Pla­ne­ten wie­der zu sta­bi­li­sie­ren, wird ei­ne stren­ge Ein-Kind-Po­li­tik aus­ge­ru­fen. Bringt ei­ne Fa­mi­lie den­noch meh­re­re Kin­der her­vor, wer­den die­se in Kryo­kam­mern ge­steckt und auf un­be­stimm­te Zeit in Schlaf ver­setzt, ob frei­wil­lig oder nicht. Es ist ein Sze­na­rio, das so vie­le be­fürch­ten und das bis auf klei­ne De­tails er­schre­ckend re­al wirkt. Mit sei­nem cle­ve­ren Dreh­buch nutzt der Film die­se Prä­mis­se und baut auf ihr ei­ne span­nen­de Ge­schich­te vol­ler mo­ra­li­scher Zwei­fel und gna­den­lo­ser Ac­tion auf. Im Mit­tel­punkt steht da­bei die schwe­di­sche Schau­spie­le­rin Noo­mi Ra­pace, die gleich sie­ben Rol­len auf ein­mal be­wäl­ti­gen muss.

Sie­ben­lin­ge

Im Jah­re 2043 bringt Ka­ren Sett­man sie­ben Kin­der zur Welt und ver­stirbt noch wäh­rend der Ge­burt. Die glei­chen Töch­ter wer­den an ih­ren Groß­va­ter Ter­rence (Wil­lem Da­foe) über­ge­ben. Um al­le Kin­der be­hal­ten zu kön­nen, be­nennt er sie nach den Wo­chen­ta­gen, baut ih­nen ein Ver­steck hin­ter sei­nem ei­ge­nen Apart­ment und als sie alt ge­nug wer­den, er­laubt er je­weils ei­ner von ih­nen täg­lich, das Haus zu ver­las­sen. Und zwar im­mer dann, wenn ihr ei­ge­ner Wo­chen­tag an der Rei­he ist.

Sie al­le tei­len ei­ne ein­zi­ge Iden­ti­tät, be­nannt nach ih­rer Mut­ter Ka­ren. Über die Jah­re per­fek­tio­nie­ren sie ihr Schau­spiel. Je­den Abend tau­schen sie sich über die Er­eig­nis­se des Ta­ges aus, um auch stets auf dem Lau­fen­den zu sein. Bald zeigt sich je­doch, dass so man­che von ih­nen klei­ne, aber fol­gen­schwe­re Ge­heim­nis­se für sich be­hält.

Als er­wach­se­ne Frau im Jahr 2073 ist Ka­ren Sett­man ei­ne er­folg­rei­che Ban­ke­rin, kurz vor der Be­för­de­rung. Gleich­zei­tig wächst die Un­zu­frie­den­heit un­ter den Schwes­tern, die noch im­mer in ih­rer ei­gen­ar­ti­gen WG zu­sam­men le­ben. Die Si­tua­ti­on spitzt sich zu, als Mon­day ei­nes Mon­tags nicht nach Hau­se zu­rück­kehrt. Die üb­ri­gen Sechs be­ge­ben sich auf die Su­che nach ihr und ge­ra­ten in den Fo­kus des „CAB“(Child Al­lo­ca­ti­on Bu­reau/ Be­hör­de für Kin­der-Zu­wei­sung), ge­lei­tet von der kal­ten Ni­colet­te Cay­man (Glenn Clo­se). Es be­ginnt ein knall­har­ter Über­le­bens­kampf.

Klei­nes Bud­get, gro­ße Wir­kung

In ers­ter Li­nie ist die­ser Sci­ence-Fic­tion-Thril­ler ein Actionfilm, mit vie­len Kämp­fen, Schie­ße­rei­en und so ei­ni­gen To­ten. Dass er es gleich­zei­tig schafft, ein halb­wegs rea­lis­ti­sches dys­to­pi­sches Zu­kunfts­bild zu zeich­nen, das den ein oder an­de­ren zum Nach­den­ken an­re­gen dürf­te, ist bei ei­nem ers­ten Blick hin­ter die Ku­lis­sen doch et­was über­ra­schend. Das Dreh­buch schrieb Max Bot­kin, der be­reits mit „Ro­bo­sa­pi­en: Re­boo­ted“ei­nen ers­ten Er­folg als Au­tor ver­zeich­nen konn­te. Re­gis­seur Tom­my Wir­ko­la war dem Sci­ence-Fic­tion-Gen­re da­ge­gen bis­her gänz­lich fern und mach­te sich ei­nen Na­men mit Fil­men wie „Hän­sel und Gre­tel: He­xen­jä­ger“, der „Kill Bill“-Par­odie „Kill Bul­jo“und dem Na­zi-Zom­bie­film „De­ad

Snow“. Ac­tion und Kla­mauk stan­den al­so bis­her auf sei­ner Spei­se­kar­te. Und auch wenn sei­ne Hand­schrift in den Ac­tion­sze­nen noch im­mer spür­bar ist, wen­det er sich die­ses Mal ei­nem deut­lich erns­te­ren The­ma zu. Haupt­dar­stel­le­rin Noo­mi Ra­pace fin­det sich da­ge­gen sehr gut in ih­rer an­spruchs­vol­len Rol­le wie­der. Die Schwe­din er­lang­te in­ter­na­tio­nal erst­mals als Lis­beth in der „Mill­en­ni­um“-Tri­lo­gie Be­kannt­heit. Zu­letzt war sie auch in ame­ri­ka­ni­schen Pro­duk­tio­nen wie „Ali­en: Co­venant“und „Bright“ver­tre­ten. Die Dreh­ar­bei­ten für „What Hap­pe­n­ed To Mon­day“fan­den üb­ri­gens größ­ten­teils in Bu­ka­rest statt. Die ver­reg­ne­ten Sze­nen der fu­tu­ris­tisch an­ge­hauch­ten Groß­stadt, so­wie der Ein­satz ei­ner ein­zi­gen Darstel­le­rin für zahl­rei­che Rol­len, las­sen den Film über sein ver­gleichs­wei­se nied­ri­ges Bud­get hin­weg täu­schen. Auch wer­den die hoch­ka­rä­ti­gen Schau­spie­ler nur be­grenzt ein­ge­setzt. Wil­lem Da­foe tritt bei­spiels­wei­se nur in Rück­blen­den auf, was sei­ne Rol­le aber nicht we­ni­ger wich­tig und stets prä­sent wir­ken lässt.

Was pas­sier­te mit Mon­tag?

Die größ­te Stär­ke des Films ist tat­säch­lich das Kon­zept der sie­ben Schwes­tern. Zu se­hen, wie sie nach und nach aus ih­rem ge­wohn­ten All­tag ge­ris­sen wer­den und ein­an­der ver­lie­ren, regt zum Mit­fie­bern an. Da­bei hel­fen auch die has­sens­wer­ten Wi­der­sa­cher. Es ist aber vor al­lem die Tat­sa­che, dass gleich sie­ben gleich­be­rech­tig­te Fi­gu­ren in der Ge­schich­te agie­ren, die je­der be­droh­li­chen Sze­ne ei­nen ex­tra Kick ver­schafft. Denn im Ge­gen­satz zu an­de­ren Ge­schich­ten mit nur ein oder zwei Hel­den ist es hier stets un­ge­wiss, wer le­bend aus ei­ner Si­tua­ti­on her­aus kom­men wird. Und wenn erst ein­mal Blut spritzt, ist der Film auch nicht zim­per­lich. Der Über­le­bens­kampf ist span­nend zu ver­fol­gen und lässt den Film spä­tes­tens zur Mit­te hin voll­kom­men im Ac­tion­gen­re ver­sin­ken. Die Sci­ence-Fic­tion-The­ma­tik kommt da­bei lei­der et­was zu kurz und wenn sie an­ge­spro­chen wird, dann nur we­nig sub­til. Als ein Auf und Ab aus klei­nen Sie­gen und gro­ßen Nie­der­la­gen, bis hin zum span­nen­den Fi­na­le, ist hier aber ein tol­les Stück Un­ter­hal­tung ge­lun­gen, das den Ver­gleich mit mo­der­nen Klas­si­kern wie „Mi­no­ri­ty Re­port“nicht scheu­en muss.

Vom Film gibt es hier­zu­lan­de ne­ben der Blu-ray-Stan­dar­de­di­ti­on ei­ne Li­mi­ted Edi­ti­on im Steel­book. Ei­ne 4K-Va­ri­an­te ist bis­her nur in Frank­reich er­hält­lich und in Deutsch­land eher un­wahr­schein­lich. Das ist zwar scha­de, doch be­reits mit der re­gu­lä­ren Blu-ray wird viel für das Ge­nie­ßer-Au­ge ge­bo­ten. Die Schär­fe ist mehr als vor­bild­lich und lässt selbst kleins­te De­tails in den Ge­sich­tern er­ken­nen. Die Farb­pa­let­te ist für ei­nen Sci­ence-Fic­tion-Film an­ge­nehm na­tür­lich. Ähn­lich wie das De­sign der Welt, setzt man auch bei der Farb­ge­bung auf Rea­li­täts­nä­he und ver­zich­tet auf ex­tre­me Farb­fil­ter, die im Gen­re nicht un­üb­lich sind. Trotz­dem kann der Film star­ke Kon­tras­te vor­wei­sen. So sticht Ka­ren Sett­mans ro­ter Lip­pen­stift eben­so her­vor, wie so man­cher Blut­sprit­zer. Ein­zig in ei­ner Sze­ne ge­gen En­de wir­ken klei­ne De­si­gnent­schei­dun­gen in Kom­bi­na­ti­on mit mit­tel­mä­ßi­gem CGI ein we­nig miss­glückt. An­de­rer­seits wur­de so viel wie mög­lich prak­tisch um­ge­setzt. Bei­spiels­wei­se die fu­tu­ris­tisch und abs­trakt aus­se­hen­den Kryo­kam­mern.

Auch akus­tisch wur­de viel rich­tig ge­macht. Um­ge­bun­gen klin­gen be­lebt, die Ac­tion­sze­nen, be­son­ders die Schie­ße­rei­en hau­en or­dent­lich rein. Dia­lo­ge sind meist gut ver­ständ­lich, ein­zig in ei­nem wich­ti­gen An­fangs­ge­spräch mit Wil­lem Da­foe schei­nen die Stim­men lei­der schlecht ab­ge­mischt. Ins­ge­samt lässt sich auch bei den tech­ni­schen Aspek­ten sa­gen, dass hier das Bes­te aus dem Bud­get her­aus­ge­holt wur­de.

Cla­ra Reed, hier mit Wil­lem Da­foe, spielt die jun­ge Ver­si­on der sie­ben Sett­man-Schwes­tern Klei­ne Ge­heim­nis­se mit gro­ßen Fol­gen: Das Le­ben der Sie­ben­lin­ge ist plötz­lich sehr auf­re­gend ge­wor­den Dass Glenn Clo­se ei­nen zum Schau­dern brin­gen kann, hat sie...

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