Tomb Rai­der

Der Ki­no-Neu­start der be­kann­tes­ten Vi­deo­spiel­hel­din ver­spricht spek­ta­ku­lä­re Aben­teu­er mit Ali­cia Vi­kan­der als La­ra Croft

Blu-ray Magazin - - Blu-Ray-Tests - FAL­KO THEU­NER, INES MANNTEUFEL

An­geb­lich soll es ja die Angst vor ei­nem Rechts­streit mit Ge­or­ge Lu­cas ge­we­sen sein, die die da­ma­li­gen Ent­wick­ler Co­re-De­sign da­zu be­wog, aus dem „In­dian Jo­nes“-mä­ßi­gen Archäo­lo­gen ih­res ge­plan­ten „Tomb Rai­der“-Spiels ei­ne Archäo­lo­gin zu ma­chen. Im Rück­blick war dies ver­mut­lich die bes­te Ent­schei­dung, die der geis­ti­ge Va­ter To­by Gard und sein Team tref­fen konn­ten, denn wo stün­de das Vi­deo­spiel-Fran­chise heute, wenn es kei­ne La­ra Croft gä­be? Be­trach­tet man sich das Grund­kon­zept der weib­li­chen Ga­ming-Fi­gur, so lässt sich zu­nächst fest­stel­len, dass La­ra kei­nes­wegs als die eman­zi­pier­te Iko­ne be­gann, die sie heute in je­dem Fall sein dürf­te. Statt­des­sen stell­te man ganz klar ih­re weib­li­chen Run­dun­gen her­aus (bei­be­hal­te­ner Re­chen­feh­ler?), falls man dies von der eher ecki­gen Gra­fik über­haupt so sa­gen konn­te. Mit ih­rer Ober­wei­te in Me­lo­nen-Grö­ße, den Ho­tPants und dem haut­engen Bo­dy war sie de­fi­ni­tiv ein Sex-Sym­bol, das sich zu­dem auch noch per Knopf­druck steu­ern ließ. Die Spie­ler hat­ten al­so die vol­le Kon­trol­le über ei­ne auf­rei­zen­de, knapp be­klei­de­te Frau und konn­ten sie in der drei­di­men­sio­na­len Welt übe­r­all hin be­we­gen. Und da auch hier der be­kann­te Spruch zu­trifft „Sex sells“, wur­de das Spiel ein vol­ler Er­folg. Dass sich ne­ben der si­cher­lich an­ge­peil­ten Kern­ziel­grup­pe männ­li­chen Ge­schlechts aber auch aus­ge­spro­chen vie­le Spie­le­rin­nen mit La­ra auf Aben­teu­er-Feld­zug be­ga­ben, dürf­te da­mals ei­ne klei­ne Über­ra­schung für die Ent­wick­ler ge­we­sen sein. In An­be­tracht des­sen, dass weib­li­che Fi­gu­ren in Vi­deo­spie­len aber eher Ne­ben­cha­rak­te­re wa­ren, die bis da­hin häu­fig nur als Ent­füh­rungs-Op­fer oder schmü­cken­des Bei­werk dien­ten, war solch ei­ne Re­ak­ti­on auf ei­ne der we­ni­gen weib­li­chen Iden­ti­fi­ka­ti­ons­fi­gu­ren nur lo­gisch. Zu La­ras stärks­ten Kon­kur­ren­tin­nen zähl­ten im Er­schei­nungs­jahr des al­ler­ers­ten Teils 1996 ge­ra­de ein­mal Jill Va­len­ti­ne aus „Re­si­dent Evil“und die un­ter ei­nem High-Tech-An­zug ver­bor­ge­ne Sa­mus Aran aus den „Me­tro­id“-Tei­len. Star­ke Frau­en wie Chun-Li aus den „Street Figh­ter II“-Spie­len oder auch Ni­na Wil­li­ams aus dem da­mals ge­ra­de erst er­schie­ne­nen „Tek­ken 2“wa­ren eher ein Zei­chen da­für, dass in Beat ’Em Ups nur we­ni­ge Ali­bi-Frau­en in der Kämp­fer­aus­wahl des je­wei­li­gen Spiels zu fin­den wa­ren, wäh­rend der Groß­teil dem männ­li­chen Ge­schlecht an­ge­hör­te.

At­trak­ti­ve Spiel­me­cha­nik

Doch au­ßer ei­ner weib­li­chen Haupt­dar­stel­le­rin gab es auch noch wei­te­re Grün­de, die „Tomb Rai­der“at­trak­tiv mach­ten. Hier gab es exo­ti­sche Schau­plät­ze zu er­kun­den, Schal­ter-Rät­sel zu lö-

sen, Klet­ter- und Ge­schick­lich­keitspas­sa­gen zu be­wäl­ti­gen so­wie ein we­nig Pis­to­len-Ac­tion zu ab­sol­vie­ren. Zu­dem konn­te La­ra schwim­men und muss­te sich un­ter Was­ser vor Hai­en und dem dro­hen­den Null­wert der Sau­er­stoff­an­zei­ge in Acht neh­men. All die­se Zu­ta­ten sorg­ten für den nö­ti­gen Spiel­spaß, tru­gen zum Kult­sta­tus bei und mach­ten aus „Tomb Rai­der“ein ähn­lich gro­ßes pop­kul­tu­rel­les Phä­no­men wie et­wa die „In­dia­na Jo­nes“-Ki­no­fil­me. In den Fol­ge­jah­ren wur­den in re­la­tiv kur­zen Ab­stän­den Fort­set­zun­gen auf den Markt ge­schleu­dert, die sich in Sa­chen Spiel­ei­gen­schaf­ten so­wie Hand­lung kaum vom Ori­gi­nal un­ter­schie­den. La­ras Dra­ma, als toughe Schatz­jä­ge­rin im­mer wie­der an die fal­schen Auf­trag­ge­ber zu ge­ra­ten, wie­der­hol­te sich al­so stets aufs Neue, wo­bei le­dig­lich die ge­such­ten Ar­te­fak­te und die An­t­ago­nis­ten aus­ge­tauscht wur­den. Da­bei blieb es nicht nur bei exo­ti­schen Dschun­gel­tie­ren und Men­schen, die La­ras Weg kreuz­ten, auch phan­tas­ti­sche Ele­men­te blie­ben dem „Tomb Rai­der“-Uni­ver­sum nicht fremd. So be­geg­ne­te La­ra un­ter an­de­rem auch Di­no­sau­ri­ern und UFOs oder reis­te gar ins my­thi­sche At­lan­tis.

Der vier­te „Tomb Rai­der“-Teil „Le­gends“stell­te hand­lungs­tech­nisch vor­erst das En­de der Spiel­rei­he dar. Hier wur­de erst­mals ei­ne Epi­so­de aus La­ras Ver­gan­gen­heit er­zählt und ein Teil ih­rer Ge­ne­sis of­fen­bart: Als Te­enager wird sie Zeu­ge des ver­meint­li­chen To­des ih­res Men­tors Wer­ner, der ihr zeig­te, wie man Gr­ab­stät­ten an­de­rer Völ­ker plün­dert … bzw. ak­ti­ve Archäo­lo­gie be­treibt. Jah­re spä­ter taucht er quick­le­ben­dig und als La­ras Wi­der­sa­cher wie­der auf und wird am En­de der „Le­gends“-Hand­lung wie­der­um Zeu­ge von La­ras Ab­le­ben. Durch das spie­geln­de Er­eig­nis konn­te der Re­zi­pi­ent be­reits er­ah­nen, dass es wo­mög­lich nicht das letz­te Ka­pi­tel der Aben­teu­re­rin sein wür­de. Doch bis es zur ge­heim­nis­vol­len und düs­te­ren Au­fer­ste­hung La­ras kom­men soll­te, zo­gen meh­re­re Jah­re ins Land, die le­dig­lich durch das fünf­te Spiel „Tomb Rai­der Chro­ni­cles“(2000) un­ter­bro­chen wur­den. Hier er­zäh­len sich die Gäs­te der Croftschen Be­er­di­gung Ge­schich­ten über La­ras Ver­gan­gen­heit, die der Spie­ler in­ter­ak­tiv mit­er­le­ben kann.

La­ra Croft à la Hol­ly­wood

Ab 2001 konn­ten Ki­no­gän­ger mit­ver­fol­gen, wie Po­wer­frau An­ge­li­na Jo­lie die Vi­deo­spiel-Iko­ne auf der gro­ßen Lein­wand ver­kör­per­te. Mit ei­nem Ein­spiel­ergeb­nis von über 274 Mil­lio­nen Dol­lar war „Tomb Rai­der“bis da­hin nicht nur die er­folg­reichs­te Vi­deo­spiel­ver­fil­mung, son­dern auch der er­folg­reichs­te Ac­tion-Film mit ei­ner Frau in der Haupt­rol­le. Zwei Jah­re spä­ter folg­te end­lich die lang er­sehn­te Spie­le-Fort­set­zung „The An­gel Of Dar­kness“, in der La­ra wie einst ihr Men­tor of­fen­bart, dass sie ih­rem ver­meint­lich töd­li­chen Schick­sal doch ent­kom­men konn­te und nun ent­spre­chend ih­res Images ei­nes tot­ge­glaub­ten Ra­che­en­gels eben dunk­le Klei­dung be­vor­zugt. Als Wer­ner er­mor­det wird, ge­rät La­ra ins Fa­den­kreuz der Mor­der­mitt­ler und durch­lebt, an­statt ir­gend­wo im Dschun­gel nach wert­vol­len Re­lik­ten un­ter­ge­gan­ge­ner Zi­vi­li­sa­tio­nen zu su­chen, ein „Ja­son Bourne“-Sze­na­rio durch Pa­ris – stets auf der Flucht und zugleich auf der Jagd nach den wah­ren Tä­tern. Auf­grund der all­ge­mein schlech­ten Kri­tik an dem Spiel muss­te Co­re-De­sign die Se­gel strei­chen, wäh­rend Ei­dos In­ter­ac­tive von nun an Crys­tal Dy­na­mics das Ru­der über­ließ. Be­vor al­so 2006 mit „Tomb Rai­der Le­gends“das ge­fei­er­te Vi­deo­spiel-Re­boot über die La­den­the­ken ging, konn­ten Ki­no­gän­ger noch ein­mal An­ge­li­na Jo­lie (dies­mal oh­ne den völ­lig un­nö­ti­gen Push-Up) in „La­ra Croft – Tomb Rai­der: Die Wie­ge des Le­bens“(2003) be­wun­dern. Das neu­es­te Spiel der Rei­he setz­te da­mals Maß­stä­be in Sa­chen Gra­fik, Phy­sik und der zu­vor so ha­ke­li­gen Steue­rung, wes­halb „Tomb Rai­der“-Fans ih­re Lieblings-Spiel­rei­he ge­ret­tet sa­hen. Mit die­sem klei­nen Neu­start kam auch ei­ne neue Hand­lung da­zu: La­ra sucht in „Le­gends“näm­lich erst­mals nach Ex­ka­li­bur, ei­nem Re­likt, das sie mit ih­rer Mut­ter in Ver­bin­dung bringt, mit der sie als Kind über dem Hi­ma­la­ya ab­stürz­te. Wäh­rend ih­re Mut­ter de­fi­ni­tiv ver­starb, dürf­te das Re­likt im­mer noch ir­gend­wo dort drau­ßen sein und so­gar die ma­gi­sche Kraft be­sit­zen, La­dy Croft aus dem Jen­seits zu­rück zu ho­len. Die­se Su­che nach ih­rer Mut­ter be­schäf­tigt La­ra auch noch in der dar­auf fol­gen­den Ge­schich­te des Nach­fol­ge­spiels „Tomb Rai­der Un­der­world“(2008), in der die For­sche­rin nach dem my­thi­schen Ham­mer Thors Aus­schau hält, dem eben­falls Kräf­te nach­ge­sagt wer­den, die ei­ne Ver­bin­dung zum To­ten­reich er­mög­li­chen sol­len. Zwi­schen­durch kam mit „Tomb Rai­der An­ni­vers­a­ry“(2007) üb­ri­gens noch mal ein Re­make des ur­sprüng­li­chen Ori­gi­nals auf den Markt, so­dass sich die Ge­samt­zahl der ver­öf­fent­lich­ten Spie­le der Haupt­rei­he bis 2008 auf neun Tei­le be­rief. Neun Tei­le, die al­le For­men von kom­mer­zi­el­len Hö­hen­flü­gen bis hin zu er­folg­lo­sen Rohr­kre­pie­rern durch­lebt ha­ben und trotz der Über­nah­me durch Crys­tal Dy­na­mics nicht mehr den Stand am Markt hat­ten, wie zum Er­schei­nen des al­ler­ers­ten Spiels.

Ein Neu­an­fang: „Tomb Rai­der“(2018)

Wer sich vor Jah­ren das letz­te Mal mit „Tomb Rai­der“– sei es in Form der al­ten Spie­le oder der Co­mics oder der bei­den Ver­fil­mun­gen mit

An­ge­li­na Jo­lie – be­schäf­tigt hat und jetzt die ers­ten Sze­nen zum dies­jäh­ri­gen „Tomb Rai­der“-Film an­schaut, der wird sich mög­li­cher­wei­se ver­wun­dert die Au­gen rei­ben. Kann die­se drah­ti­ge Frau in der Haupt­rol­le tat­säch­lich La­ra Croft sein? Wo ist das bauch­freie Tanktop? Wo sind die sty­lis­hen Pis­to­len? Wo die Ja­mes Bond-Ge­dächt­nis-Gim­micks? Aber vor al­lem an­de­ren: Wo sind die üp­pi­gen und durch die se­xy Klei­dung noch be­ton­ten Brüs­te? Klar, die schwin­del­er­re­gen­den Klet­te­rei­en, in­fer­na­li­schen Schuss­wech­sel, le­bens­ver­ach­ten­den St­unts er­in­nern dann schon an die al­ten Zei­ten, ge­nau­so die an­ti­ken Schät­ze und mi­li­tan­ten Ge­heim­bün­de, aber was um al­les in der Welt ist bloß mit La­ra ge­sche­hen? Die­je­ni­gen hin­ge­gen, die der „Tomb Rai­der“-Spie­le­se­rie über die Jah­re treu ge­blie­ben sind, wun­dern sich über das neue Er­schei­nungs­bild der Hob­by-Archäo­lo­gin und Gr­ab­räu­be­rin nicht. Viel­mehr wird für sie das An­schau­en der Sze­nen zu ei­nem ein­zi­gen gro­ßen Déjà-Vu. Wer­fen wir al­so ei­nen Blick auf die letz­ten Tei­le der po­pu­lä­ren Spie­le­rei­he und wir er­hal­ten ei­nen Vor­ge­schmack auf das, was uns als­bald auf der gro­ßen Lein­wand er­war­ten wird.

Von der Sex­bom­be zur Po­wer­frau

Be­reits 2010, zwei Jah­re nach der Ver­öf­fent­li­chung von „Tomb Rai­der Un­der­world“, wur­de ein neu­er Teil der Rei­he an­ge­kün­digt. An und für sich war dies ein er­wart­ba­rer Schritt, doch aus zwei­er­lei Grün­den er­fuhr die Mit­tei­lung grö­ße­re Auf­merk­sam­keit, als es die An­kün­di­gun­gen frü­he­rer „Tomb Rai­der“ge­tan hat­ten. Im Jah­re 2009 war der bri­ti­sche „Tomb Rai­der“-Pu­blis­her Ei­dos vom ja­pa­ni­schen Spie­le­rie­sen Squa­re-Enix („Fi­nal Fantasy“) über­nom­men wor­den, des­sen Ma­na­ger und Ak­tio­nä­re nun gro­ße Er­war­tun­gen an den Er­folg der po­pu­lärs­ten Ei­dos-Mar­ke stell­ten. Und statt „Bu­si­ness As Usu­al“ver­sprach der Chef des wie­der mit der Ent­wick­lung be­trau­ten Studios Crys­tal Dy­na­mics ei­nen Neu­start der Rei­he, ei­ne Ent­ste­hungs­ge­schich­te, die mit al­lem auf­räu­men wür­de, was die Spie­ler bis­her von La­ra Croft zu wis­sen ge­glaubt hat­ten. Ei­nen Slo­gan hat­te man sich zu­vor schon für das Spiel mar­ken­recht­lich ein­tra­gen las­sen: „A Sur­vi­vor Is Born“(„Ei­ne Über­le­ben­de ist ge­bo­ren wor­den“) Und tat­säch­lich war die­ser Slo­gan auf lan­ge Zeit die ver­läss­lichs­te In­for­ma­ti­on zum neu­en Spiel, denn mit kon­kre­ten De­tails hielt sich das Ent­wick­ler­stu­dio zu­nächst ziem­lich be­deckt. Klar war, dass die Spie­ler die­ses Mal die taf­fe Prot­ago­nis­tin von ei­ner an­de­ren, ver­letz­li­chen Sei­te ken­nen­ler­nen soll­ten. Ge­stran­det auf ei­ner In­sel und tau­send Ge­fah­ren aus­ge­setzt, wür­de das chro­no­lo­gisch ers­te Aben­teu­er der jun­gen La­ra Croft ein glaub­wür­di­ger Kampf ums pu­re Über­le­ben wer­den, bei dem die Spie­ler ei­ne of­fe­ne, wil­de Spiel­welt ent­de­cken und er­kun­den dürf­ten. Zu die­sem rea­lis­ti­sche­ren Storyan­satz pass­te der be­kann­te La­ra Croft-Gla­mour-Look frei­lich ganz und gar nicht, ers­te Art­works prä­sen­tier­ten dann auch Bil­der ei­ner jun­gen Frau mit ge­pei­nig­tem, dreck­ver­schmier­tem Ge­sicht; weit weg von den Schmoll­lip­pen und coo­len Son­nen­bril­len frü­he­rer „Tomb Rai­der“-Co­ver. Auch hin­sicht­lich der Kör­per­pro­por­tio­nen wur­den neue We­ge ein­ge­schla­gen. Zwar hat­te sich die Darstel­lung La­ra Crofts seit der gro­tesk über­zeich­ne­ten Män­ner­fan­ta­sie des ers­ten „Tomb Rai­ders“schon er­heb­lich ge­än­dert, doch auch in „Tomb Rai­der Un­der­wold“war die Prot­ago­nis­tin im­mer noch ein „Ba­be“ge­we­sen, üp­pig, se­xua­li­siert, häu­fig at­trak­tiv aber un­pas­send ge­klei­det. Nicht so hier, von der Ana­to­mie bis zur Er­for­der­nis­sen und Um­stän­den ent­spre­chen­den Klei­dung wur­de deut­lich, dass die Ent­wick­ler den Cha­rak­ter „La­ra Croft“ernst nah­men und nicht als spiel­ba­ren Sex­bot vor­füh­ren woll­ten.

Aben­teu­er Über­le­ben

Was sich ab­seits der Haupt­fi­gur mit fort­schrei­ten­der Ent­wick­lungs­zeit schon an­deu­te­te, wur­de schließ­lich of­fen­sicht­lich, als das schlicht „Tomb Rai­der“ti­tu­lier­te Re­boot-Spiel nach ge­hö­ri­ger Ver­schie­bung im März 2013 end­lich für die gän­gi­gen Sys­te­me er­schien: Von der of­fe­nen Welt hat­te man sich bei Crys­tal Dy­na­mics schon vor ge­rau­mer Zeit ver­ab­schie­det, doch auch die spiel­me­cha­ni­sche Um­set­zung des Über­le­bens­kamp­fes war nur ober­fläch­lich ins Spiel-De­sign im­ple­men­tiert wor­den.

Statt­des­sen lehn­te sich der „Tomb Rai­der“-Neu­start an den größ­ten di­rek­ten Kon­kur­ren­ten der Se­rie an, die „Un­char­ted“-Rei­he von Ent­wick­ler Naugh­ty Dog, ih­rer­seits einst als „Tomb Rai­der“-Va­ria­ti­on ent­stan­den. Grif­fi­ge De­ckungs-Shoo­ter-Mecha­nik, prä­zi­ses Waf­fen-Hand­ling und spie­le­risch harm­lo­se, aber vi­su­ell be­ein­dru­cken­de Klet­ter­par­ti­en ver­ein­ten sich al­so mit auf­wän­di­ger ci­ne­as­ti­scher Ins­ze­nie­rung, ganz wie beim über­aus be­lieb­ten Mit­be­wer­ber. Die Ge­schich­te wie­der­um blieb dem ur­sprüng­li­chen Kon­zept groß­teils treu. Da­rin ist La­ra Croft, lan­ge be­vor sie als Dop­pel­pis­to­len schwin­gen­de, un­er­schro­cke­ne Su­per­ar­chäo­lo­gin in die Ana­len ein­geht, als frisch gra­du­ier­te Jung-Archäo­lo­gin Mit­glied ei­ner Ex­pe­di­ti­on mit dem Schiff „En­duran­ce“auf der Su­che nach Ya­ma­tai, ei­ner my­thi­schen In­sel im ge­fähr­li­chen Dra­chend­rei­eck vor der Küs­te Ja­pans. Ein ge­wal­ti­ger Sturm bringt je­doch ihr Schiff zum Ken­tern, die haus­ho­hen Wel­len spü­len La­ra an den Strand ei­nes un­be­kann­ten Ei­lands. Al­lein

und oh­ne ih­re Hilfs­mit­tel macht sie sich dar­an, ih­re Freun­de und Kol­le­gen zu fin­den, stößt je­doch schon sehr bald auf ers­te Hin­wei­se, dass die In­sel of­fen­bar be­wohnt ist … und zwar von ziem­lich ge­fähr­li­chen Leu­ten. Schnell muss sie ler­nen, sich ih­rer Haut zu er­weh­ren, möch­te sie hier über­le­ben. Doch ist sie da­für auch be­reit, selbst zu tö­ten? In ex­zel­lent in­sze­nier­ten Zwi­schen­se­quen­zen wird der Ge­wis­sens­zwie­spalt La­ra Crofts glaub­haft deut­lich ge­macht, zu ih­rer ers­ten Tö­tung muss sie sich re­gel­recht zwin­gen. Was dann folgt, wird mit dem 2007 ge­präg­ten, aber durch das „Tomb Rai­der“-Re­boot po­pu­la­ri­sier­ten Be­griff der „ludo­nar­ra­ti­ven Dis­so­nanz“her­vor­ra­gend be­schrie­ben. Da­mit ge­meint ist der Wi­der­spruch zwi­schen der Spiel­me­cha­nik und der Er­zäh­lung ei­nes Com­pu­ter­spiels. Im Fal­le von „Tomb Rai­der“ist die­ser Wi­der­spruch so of­fen­sicht­lich wie sel­ten sonst. Wäh­rend die Ge­schich­te La­ra als zart­füh­len­de, mit sich schon ob des Tö­tens ei­nes ver­letz­ten Hir­sches ha­dern­de jun­ge Frau dar­zu­stel­len ver­sucht, die die er­leb­te Ge­walt mit zit­tern­der Stim­me re­flek­tiert, stürzt sich La­ra Croft dann als vom Spie­ler ge­steu­er­ter Avat­ar mit gro­ßer Freu­de ins Bal­ler­ver­gnü­gen, schickt die Scher­gen ei­nes üb­len Kults zu Dut­zen­den mit sau­be­ren Kopf­schüs­sen über den Jor­dan und be­dient sich auch ger­ne ih­rer Spitz­ha­cke, um Geg­ner im Nah­kampf aus­zu­schal­ten. Die Ac­tion ist fan­tas­tisch und macht un­glaub­lich Spaß, und auch La­ras Cha­rak­ter­zeich­nung in den Zwi­schen­se­quen­zen ist glaub­haft dar­ge­stellt, doch zu­sam­men er­ge­ben die­se bei­den Hälf­ten kein Gan­zes.

Par­al­le­len und Un­ter­schie­de

Es wird in­ter­es­sant sein zu se­hen, ob und wie der neue Film, der sich in­halt­lich stark an das „Tomb Rai­der“-Re­boot an­zu­leh­nen ver­spricht (gan­ze Sze­nen wir­ken di­rekt wie aus dem Spiel ent­nom­men), die­ses Di­lem­ma zwi­schen jun­ger, ge­wal­tu­n­er­fah­re­ner Prot­ago­nis­tin und spek­ta­ku­lär auf­be­rei­te­tem Men­schen­tö­ten lö­sen will. Re­gis­seur Ro­ar Ut­haug („Cold Prey“) hat mit sei­nem his­to­ri­schen Actionfilm „Escape“aus dem Jah­re 2012 al­ler­dings schon un­ter Be­weis ge­stellt, dass er in der La­ge ist, die Hel­din sei­nes Fil­mes glaub­haft Ge­walt aus­üben zu las­sen, oh­ne sie in ei­nen Blut­rausch zu ver­set­zen. Schön wärs, ge­län­ge ihm das in „Tomb Rai­der“ähn­lich gut. Doch nicht nur das 2013er Spiel stand Pa­te für die Ver­fil­mung, auch beim zwei Jah­re spä­ter ver­öf­fent­lich­ten Nach­fol­ger „Ri­se Of The Tomb Rai­der“be­dien­ten sich die Dreh­buch­au­to­ren. Wer den ge­spielt hat, durf­te sich be­reits mit den An­t­ago­nis­ten des Films, der re­li­giö­sen Ge­heim­or­ga­ni­sa­ti­on „Trini­ty“, zur Ge­nü­ge her­um­schla­gen. Da „Trini­ty“im er­wei­ter­ten Uni­ver­sum der Re­boot-Spie­le, zu dem in­zwi­schen auch meh­re­re le­sens­wer­te Co­mic-Mi­ni­se­ri­en ge­hö­ren, wohl auch wei­ter­hin ei­ne grö­ße­re Rol­le spie­len wird, scheint die­ses Zu­sam­men­le­gen der Wi­der­sa­cher bei­der Ge­schich­ten im Di­ens­te der Er­schaf­fung ei­ner grö­ße­ren My­tho­lo­gie durch­aus sinn­voll. Auch der Cha­rak­ter Ma­thi­as dürf­te fin­di­gen Spie­lern nicht ganz un­be­kannt er­schei­nen, zu­mal er ja im 2013-„Tomb Rai­der“ei­ne doch recht prä­gnan­te Rol­le spiel­te. Im Film wird der zwie­lich­ti­ge Ge­sel­le von Wal­ton Gogg­ins („The Ha­te­ful Eight“) ver­kör­pert, der hier als ein ge­stran­de­ter Kol­le­ge von Lord Croft er­scheint. Sie­ben Jah­re ist er schon auf der In­sel, die La­ra nun erst­mals auf ih­rer Su­che nach des Va­ters Spu­ren be­tritt. Zu­rück­ge­las­sen und oh­ne Hoff­nung auf Ret­tung scheint er sich dort ähn­lich wie der von Mar­lon Bran­do ver­kör­per­te Co­lo­nel Wal­ter E. Kurtz in „Apo­ca­lyp­se Now“ein ei­ge­nes Reich er­rich­tet zu ha­ben und nach ge­nau je­nem Schatz zu su­chen, an dem Lord Croft in­ter­es­siert war.

Ob noch wei­te­re Ele­men­te der Fort­set­zung, wel­che vie­le po­si­ti­ve Aspek­te des Vor­gän­gers wie das Sam­meln, Ja­gen und Craf­ten sinn­voll aus­bau­te, ih­ren Weg in den Film fin­den, bleibt ab­zu­war­ten. Mög­li­cher­wei­se spart man sich das Ma­te­ri­al auch für die si­cher schon an­ge­dach­te Fort­set­zung auf. Da­für hat La­ras Su­che nach ih­rem Va­ter (Do­mi­nic West spiel­te be­reits in „Tes­ta­ment Of Youth“Ali­cia Vi­kan­ders Film­va­ter) im Film gleich meh­re­re Vor­bil­der, nicht nur in den frü­he­ren Spie­len, auch in den An­ge­li­na-Jo­lie-Tei­len. Die Va­ter-Toch­ter-Be­zie­hung der Crofts ist ei­nes der be­stän­digs­ten Mo­ti­ve des ge­sam­ten Fran­chise, lei­der auch ei­nes der kli­schee­haf­tes­ten, wes­we­gen die bis­lang ge­zeig­ten, dar­auf Be­zug neh­men­den Sze­nen am­bi­va­len­te Ge­füh­le hin­ter­las­sen: Sor­ge vor me­lo­dra­ma­ti­schen Ge­mein­plät­zen auf der ei­nen Sei­te, auf der an­de­ren Hoff­nung dar­auf, dass der Re­gis­seur, der auch in sei­nen frü­he­ren Gen­re­pro­duk­tio­nen schon ein Händ­chen für in­ter­es­san­te Cha­rak­te­re be­wies, der Va­ter-Toch­ter-Be­zie­hung span­nen­de und emo­tio­na­le Sei­ten ab­ge­win­nen kann.

Die Wahl der Haupt­dar­stel­le­rin könn­te sich auch in die­ser Hin­sicht als Se­gen er­wei­sen, denn wenn Ali­cia Vi­kan­der in „Ex Ma­chi­na“schon ei­nem Ro­bo­ter glaub­haf­te Ge­fühls­re­gun­gen ver­lei­hen kann, dann soll­te es doch mit der Ver­kör­pe­rung ei­ner taf­fen, mensch­li­chen Aben­teu­re­rin mit la­ten­tem Va­ter­kom­plex kei­ne Pro­ble­me ge­ben, das bo­den­stän­di­ge, nah­ba­re Er­schei­nungs­bild der La­ra Croft der Re­boot-Spie­le über­zeu­gend auf die Lein­wand trans­por­tie­ren zu kön­nen.

Gu­ten Ge­wis­sens lässt sich al­so auf die zu­vor ge­stell­te Fra­ge „Kann das wirk­lich La­ra Croft sein?“ant­wor­ten: Sie kann es nicht nur sein, sie ist es!

La­ra Croft ist tot, lang le­be La­ra Croft!

Die bes­te Freun­din: So­phie (Han­nah John-Ka­men)

Lu Ren (Da­ni­el Wu) hilft La­ra bei ih­rem Aben­teu­er

Die Schwe­din Ali­cia Vi­kan­der ist die neue La­ra Croft

Do­mi­nic West als Lord Richard Croft, La­ras Va­ter

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