KIL­LING SOL­DIER

DER KRIE­GER

Blu-ray Magazin - - Thriller - FAL­KO THEU­NER

Und so glie­dert sich die ka­na­di­sche Pro­duk­ti­on „Kil­ling Sol­dier“(2017) in eben ge­nau die Rei­he der klas­si­schen Gen­re-Fil­me ein, die mehr auf spek­ta­ku­lä­re Hand­ge­men­ge set­zen, denn auf in­no­va­ti­ve Hand­lun­gen und die den Mar­ti­al-Arts-Fans ge­nau das ge­ben, was durch die im­mer nied­ri­ger wer­den­den Bud­gets im Ac­tion-Seg­ment un­glaub­lich rar ge­wor­den ist: Su­per­äs­the­ti­sche und form­voll­endet in­sze­nier­te Kampf-Cho­reo­gra­fi­en, die ih­res­glei­chen su­chen. Die Ge­schich­te wie­der­um er­scheint da­her wie ein sim­pler, aber nicht ganz über­flüs­si­ger Rah­men, der die Kämp­fer- und Hel­den-Fan­ta­si­en des po­ten­zi­el­len Zu­schau­ers be­dient, so­wie die Aus­ein­an­der­set­zun­gen in ein an­ge­mes­se­nes Licht rückt. Ken­ner von Bru­ce-Lee-Strei­fen wis­sen nur all­zu gut, wie solch ei­ne For­mel aus­sieht. Meist steckt ei­ne omi­nö­se Un­ter­grund­or­ga­ni­sa­ti­on hin­ter al­ler­lei bö­sen Ta­ten und muss ent­we­der im Rah­men ei­nes Tur­niers oder ein­fach nur so in­fil­triert und zur Stre­cke ge­bracht wer­den. Manch­mal wird auch zu­nächst ei­ne wich­ti­ge Per­son ge­tö­tet, wie et­wa der Lehr­meis­ter, da­mit der Held ei­ne Ent­schul­di­gung für all die fol­gen­de Ge­walt hat. Da­her über­rascht es nicht, dass in dem Sci­ence-Fic­tion-an­ge­hauch­ten Strei­fen „Kill Or­der“, wie vor­lie­gen­der Film im Ori­gi­nal heißt, das nicht min­der be­kann­te Su­per­sol­da­ten-Mo­tiv à la „Uni­ver­sal Sol­dier“im Mit­tel­punkt steht.

Das Er­be der Lees

Na­tür­lich ist der jun­ge Prot­ago­nist Da­vid Lee (Chris Mark) solch ein ex­pe­ri­men­tel­ler Über­mensch, der un­ter den hal­lu­zi­no­ge­nen Ne­ben­wir­kun­gen sei­nes Trai­nings und sei­ner Me­di­ka­ti­on enorm zu lei­den hat. Zugleich ist er aber auch ein High-School-Schü­ler, der un­ter sei­nen Klas­sen­ka­me­ra­den als Au­ßen­sei­ter gilt. Was er wirk­lich drauf hat, kann er erst de­mons­trie­ren, als schwer be­waff­ne­te Sol­da­ten den Klas­sen­raum be­tre­ten, um ihn mit Waf­fen­ge­walt fest­zu­neh­men. Sei­ne Au­gen be­gin­nen blau zu glü­hen und schon be­ginnt die bru­ta­le wie auch fet­zi­ge Jeet-Ku­ne-Do-Show. Da die Sol­da­ten mehr mit Ge­weh­ren als mit Hän­den und Fü­ßen kämp­fen, ob­sie­gen an die­ser Stel­le al­ler­dings erst ein­mal die vi­su­el­len Ef­fek­te, dank der die ah­nungs­lo­sen Pro­fi­kil­ler durch die Lüf­te ge­schleu­dert und zum Ver­wun­dern des Klas­sen­leh­rers al­le­samt aus­ge­schal­tet wer­den. Spek­ta­ku­lä­rer sind da schon die spä­te­ren Mar­ti­al-Arts-Mo­men­te an­zu­schau­en, die er mit ei­ni­gen Su­per­sol­da­ten-Geg­nern im Ver­lauf der Hand­lung teilt. Dann näm­lich tan­zen Ka­me­ra, Kämp­fer und ei­ni­ge vi­su­el­le Ef­fek­te für den Zu­schau­er ein durch­aus se­hens­wer­tes Äs­t­he­tik-Bal­lett.

Be­ruf aus Lei­den­schaft

Kann es wirk­lich Zu­fall sein, dass Re­gis­seur und Dreh­buch­schrei­ber Ja­mes Mark den glei­chen Na­men wie der Haupt­dar­stel­ler trägt? Nein, denn er und sein jün­ge­rer Bru­der Chris sind bei­de St­unt­men aus Lei­den­schaft, wes­halb sie sich bei ih­rem al­ler­ers­ten selbst ge­schaf­fe­nen Film so rich­tig aus­to­ben. Das, was in den meis­ten Re­al­ver­fil­mun­gen von ja­pa­ni­schen Man­gas und Ani­mes oft un­frei­wil­lig ko­misch er­scheint, wur­de hier re­la­tiv gut in­te­griert, so dass es wie aus ei­nem Guss wirkt. Es stört al­so kei­nes­wegs, wenn sich die Kämp­fer durch Wän­de prü­geln, kur­ze Zooms enor­me Kraft si­mu­lie­ren oder sich ein an ei­ner Wand ab­ge­prall­ter Kör­per so­fort wie­der in An­griffs­po­si­ti­on be­gibt, um naht­los wei­ter­zu­kämp­fen. Ob nun mit Nah­kampf­waf­fen, All­tags­ge­gen­stän­den oder mit ba­rer Faust – ob nun ge­gen ei­nen, zwei oder ei­ne gan­ze Hor­de an Geg­nern – je­de Be­we­gung sitzt per­fekt, so­dass sich ein sehr flüs­si­ges und ra­san­tes Ac­tio­n­er­leb­nis ein­stellt. Auf die­se Art be­wei­sen die bei­den Mark-Brü­der, wie gut es sein kann, wenn man sich auf das kon­zen­triert, was man wirk­lich drauf hat. Dass es sich den­noch um ei­nen nied­rig bud­ge­tier­ten Di­rect-To-DVD-Film han­delt, lässt sich wie­der­um an den mit­tel­mä­ßi­gen dar­stel­le­ri­schen Leis­tun­gen, an den Kli­schee-Dia­lo­gen und der wie oben be­schrie­be­nen sim­plen Hand­lung er­ken­nen. Aber das er­scheint schon fast ei­ne Vor­aus­set­zung für die­ses ker­ni­ge, leicht ver­ruch­te Vi­deo­the­ken-Ac­tio­ner-Ge­fühl zu sein, das man vi­el­leicht noch aus den 1990ern kennt. Un­term Strich ist es ei­ne ähn­li­che St­unt­men-Pa­ra­de­schau wie in den „John Wick“-Fil­men oder auch bei „Hard­core Hen­ry“, die sich viel Zeit da­für lässt, das Kön­nen der kampf­be­währ­ten St­unt-Pro­fis in all sei­nen Fa­cet­ten zu de­mons­trie­ren. Auch hand­werk­lich wur­de der Film ganz gut ge­stal­tet. So ex­pe­ri­men­tiert der Ka­me­ra­mann Jus­tin Lo­vell mit ei­ni­gen un­ge­wohn­ten Per­spek­ti­ven, er­gänzt die Ac­tion durch zu­sätz­li­che Ka­me­ra-Dy­na­mik, oh­ne dass es zu un­über­sicht­lich wird, und lässt auch sonst das Ge­zeig­te wie aus ei­nem A-Klas­se-Film wir­ken. Das 2.35:1-Wi­de­screen-Bild und der er­höh­te Kon­trast sor­gen für ech­tes Ki­n­of­lair und die gu­te Schär­fe kann eben­falls mit Big-Bud­get-Pro­duk­tio­nen mit­hal­ten. Bei der Klang-Qua­li­tät hät­te man vi­el­leicht noch et­was am So­und­spek­trum schrau­ben kön­nen, da­mit es na­tür­lich klingt. Den­noch wirkt der Sound ins­ge­samt frisch und dy­na­misch, oh­ne dass Rä­um­lich­keit und Si­gna­lor­tung jetzt über­be­an­sprucht wer­den.

O-oh, da ist je­mand sau­er! Wenn erst mal die Au­gen blau glü­hen, ist Schluss mit Lus­tig. Die Kampf­ma­schi­ne Da­vid Lee wird von Chris Mark ge­spielt

Die Kampf­sze­nen sind ein fein cho­reo­gra­phier­ter Tanz für die Sin­ne des ge­neig­ten Zu­schau­ers

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