UHD

Blu-ray Magazin - - Aktuelles - FAL­KO THEUNER

Die Rei­se der Pin­gui­ne II (UHD), Un­ser blau­er Pla­net II, Justi­ce Le­ague (UHD), Thor: Tag der Ent­schei­dung (UHD), Dun­kirk (UHD),Pla­net der Af­fen (UHD)

Auch Do­kus wol­len in­zwi­schen von den Vor­tei­len be­ste­hen­der Fran­chi­ses zeh­ren. Da­her gibt es bei den grö­ße­ren Do­ku­men­ta­tio­nen ne­ben den ähn­li­chen Na­mens­fin­dun­gen ku­rio­ser­wei­se auch Fort­set­zun­gen, ob­wohl in den meis­ten Fäl­len nicht ge­nau die sel­ben Tie­re dar­in vor­kom­men und de­ren Ge­schich­te wie bei­spiels­wei­se in „Die Un­glaub­li­chen 2“wei­ter­erzählt wird. Gleich­wohl kann der Zu­schau­er aber ein ähn­li­ches Er­leb­nis er­war­ten, bei dem die glei­che Er­zähl­wei­se an­ge­wen­det und das glei­che The­ma be­han­delt wird. Nur das nun mo­der­ne­re Tech­no­lo­gie zur Ver­fü­gung steht und ei­ni­ge Schwach­stel­len des Ori­gi­nal­pro­dukts be­ho­ben wur­den. Als Luc Jac­quets „Rei­se der Pin­gui­ne“2005 in die Ki­nos kam, mau­ser­te sich der Film auf­grund sei­ner fast epi­schen Er­zähl­wei­se und den drol­li­gen Prot­ago­nis­ten zu ei­nem un­er­war­tet gro­ßen Er­folg und ge­wann so­gar den Os­car als bes­ter Do­ku­men­tar­film. Im Prin­zip zeigt die zwölf Jah­re spä­ter ver­öf­fent­lich­te Fort­set­zung noch ein­mal die glei­che Ge­schich­te, wo­bei man sich dies­mal er­freu­li­cher­wei­se da­ge­gen ent­schied, den Kommentar aus der Ich-Per­spek­ti­ve der ein­zel­nen Pin­gui­ne zu ge­stal­ten. Statt­des­sen gibt es nur ei­nen Kommentar von Udo Wacht­veitl aus dem Off, der mit wohl ge­wähl­ten Wor­ten die ein­zel­nen Si­tua­tio­nen ver­deut­licht. Wäh­rend der Kai­ser-Pin­gu­in, dem die Hand­lung folgt, zum ers­ten mal im Film durch die Eis­wüs­te wat­schelt, hört der Zu­schau­er da­her haupt­säch­lich die tap­sen­den Ge­räu­sche des nied­li­chen Ge­sel­len. Swui! Platsch! Aus­ge­rutscht! Als der Prot­ago­nist den Nist­platz er­reicht, an dem hun­der­te Art­ge­nos­sen in der Ge­gend her­um­ste­hen und ih­ren Nach­wuchs schüt­zen bzw. füt­tern, ver­ur­sacht die kur­ze An­mer­kung des Kom­men­ta­tors fol­gen­den Ge­dan­ken­gang: Der Pin­gu­in sucht sein Jun­ges und bleibt plötz­lich rat­los ste­hen, als hät­te er zum ers­ten Mal die pa­ni­sche Er­kennt­nis ge­habt „Die se­hen ja al­le gleich aus!“Vor­sich­tig tappt er durch die Pin­guin­rei­hen, be­trach­tet ein Jun­ges arg­wöh­ni­scher als das an­de­re, lässt al­ler 20 Schrit­te ei­nen keh­lig-trom­pe­ti­gen Laut raus und ent­facht im Zu­schau­er die nicht un­be­grün­de­te Sor­ge, dass er sein Jun­ges in die­sem wir­ren Ge­tüm­mel nie­mals wie­der fin­den wür­de, wäh­rend es kläg­lich ver­hun­gert.

Kla­re Ver­bes­se­rung

Solch emo­tio­na­le Spit­zen nutzt die Dis­neyna­tu­re-Do­ku ge­konnt aus, um mit­tels ei­nes Rück­bli­ckes die Si­tua­ti­on zu er­klä­ren und auf­grund der län­ge­ren War­te­zeit na­tür­lich auch noch die Dra­ma­tur­gie zu stei­gern, in­dem es den Zu­schau­er auf die Fol­ter spannt. Im ge­wis­sen Rah­men ist die­se Art der chro­no­li­gi­schen Ve­rän­de­rung im Do­ku-Sek­tor durch­aus ge­stat­tet, da es kein di­rek­ter Ein­griff ins Ge­sche­hen ist und dem Zu­schau­er kei­ne In­ter­pre­ta­ti­on auf­ge­zwun­gen wird. Aber es ist trotz­dem hart an der Gren­ze. An­de­rer­seits macht es das Gan­ze span­nen­der, für den Zu­schau­er un­ter­halt­sa­mer. Auch die Mu­sik ist im Ver­gleich zum ver­spiel­ten Sound­track des Vor­gän­gers nun et­was de­zen­ter, or­ga­ni­scher und er­wach­se­ner ge­wor­den – ein ge­lun­ge­ner Schritt, der die Do­ku nun ernst­zu­neh­men­der er­schei­nen lässt. Für den Hu­mor sor­gen die put­zi­gen Tie­re schon von ganz al­lein, oh­ne dass es noch zu­sätz­lich wie in ei­ner Slap­stick-Ein­la­ge orches­tral kom­men­tiert wer­den muss. Die Ka­me­ra­fahr­ten und Ein­stel­lun­gen wur­den da­bei der­ma­ßen per­fek­tio­niert, dass z. B. die Wan­de­rung wie ei­ne Sze­ne aus „Der Herr der Rin­ge“wirkt und so­wohl die gran­dio­sen, de­tail­rei­chen Pan­ora­men als auch die fast schon per­sön­li­chen Na­h­auf­nah­men ech­te Au­gen­öff­ner sind. Ent­schei­det man sich hier für die UHD-Blu-ray-Ver­si­on, die uns für die­sen Test aus­schließ­lich zur Ver­fü­gung stand, wird man Zeu­ge der Po­ten­zie­rung der oh­ne­hin schon her­vor­ra­gen­den Bild­pa­ra­me­ter. In den bes­ten Mo­men­ten (wie z.B. ab der 19. Mi­nu­te), al­so wenn kein Schnee­sturm das Bild ver­rauscht (wo­bei das Rau­schen hier häu­fig in den To­ta­len enorm zu­nimmt) und kei­ne nach­be­ar­bei­te­te Nacht­sicht-Auf­nah­me für grö­ße­re Un­schär­fen sorgt, kann der Be­trach­ter ein su­per­kla­res Bild mit un­zäh­li­gen De­tails be­wun­dern. Die Tie­re sind so klar ab­ge­grenzt, dass sie in ih­rer Plas­ti­zi­tät zum grei­fen echt aus­se­hen. Je­de Dau­ne wird knack­scharf dar­ge­stellt, je­de mi­kro­sko­pisch klei­ne Une­ben­heit im ab­so­lut wei­ßen Schnee scheint sicht­bar, wäh­rend sich der „Frack“der Tie­re in per­fek­tem Schwarz vom Hin­ter­grund ab­hebt und das Gelb ih­rer Schnä­bel und Wan­gen kräf­ti­ger strahlt, als es in der Na­tur viel­leicht mög­lich ist. Auch die su­per­kla­ren Mas­sen­auf­nah­men las­sen ei­nen schwin­de­lig wer­den und ab der 74. Mi­nu­te er­scheint das Glit­zern des Mee­res wie ein spek­ta­ku­lä­res, ul­tra­schar­fes Feu­er­werk.

Da ist es fast schon scha­de, dass als Bild­sei­ten­ver­hält­nis das be­son­ders brei­te 2.35 : 1 ge­wählt wur­de, an­statt des weit ver­brei­te­ten Bild­schirm­for­ma­tes 1.78:1. Der DTS-HD MA 5.1-Au­dio­mix trägt zur enor­men Im­mer­si­on bei, in­dem er sämt­li­che Ge­räu­sche sehr hoch­auf­lö­send, drei­di­men­sio­nal und de­tail­liert wie­der­gibt, was mit ei­ner Ton­auf­nah­me aus der Ent­fer­nung ei­gent­lich un­mög­lich sein dürf­te. Der hoch­wer­ti­ge Sound­track tut sein rest­li­ches.

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