THE big sick

Blu-ray Magazin - - Komödie - TORS­TEN FRÖH­LICH

OT: The Big Sick L: US J: 2017 V: Welt­ki­no B: 1.77 : 1 T: DTS-HD MA 5.1 R: Micha­el Showal­ter D: Anu­pam Kher, Ray Ro­ma­no, Hol­ly Hun­ter

LZ: 120 min FSK: 12 W-Co­ver: k. A.

Der ge­bür­ti­ge Pa­kis­ta­ni Ku­mail (Ku­mail Nan­jia­ni) ist der gan­ze Stolz sei­ner El­tern. Als er­folgs­ga­ran­tie­ren­der Spross im Land der un­be­grenz­ten Mög­lich­kei­ten sol­le er sich doch sei­ner Wur­zeln und Tra­di­ti­on be­wusst und treu er­ge­ben sein. Dass da na­tür­lich so ein zweck­mä­ßi­ges Wohn­loch, auch WG ge­nannt, nur un­gern ge­se­hen ist, be­deu­tet nur den An­fang ei­nes Wirr­warrs an nicht er­füll­ten Er­war­tun­gen. Sei­ne Be­rufs­wahl, sich als Stand-Up-Co­me­di­an zu ver­din­gen, will so gar nicht in das Bild sei­ner kon­ser­va­tiv ge­präg­ten Fa­mi­lie pas­sen. Dass die­se da­bei durch­aus ihr Fett weg­be­kommt, ist da nur noch ein klei­ner Fun­ken, der die Stim­mung zum Bers­ten bringt. So be­lus­tigt er sich über sei­ne Mut­ter, die ihm schein­bar die Da­men­wahl nach streng vor­ge­ge­be­nen Kri­te­ri­en ab­zu­neh­men ver­sucht. Wäh­rend ei­nes Auf­tritts sei­ner all­wö­chi­gen Come­dy­rei­he lernt er die quir­li­ge Emi­ly (Zoe Ka­zan) ken­nen. Keck, wort­ge­wandt und spitz­zün­gig im­po­niert die Blon­di­ne dem ver­dutz­ten Jüng­ling. Es folgt ei­ne hei­ße Nacht. Doch bleibt es nicht bei ei­nem OneNight-Stand. Ob­gleich bei­de ihr Sing­le-Da­sein aus­kos­ten möch­ten, ver­bin­det der ge­mein­sa­me Hu­mor und führt zu ei­nem Er­blü­hen in­ni­ger Ge­füh­le. Äu­ßerst un­güns­tig nur, dass Emi­ly nicht so recht in das Beu­te­sche­ma sei­ner El­tern Az­mat (Anu­pam Kher) und Shar­me­en (Zeno­bia Shroff) pas­sen will, wün­schen die­se sich doch ei­ne Schwie­ger­toch­ter mit pa­kis­ta­ni­schen Wur­zeln. Ein schmerz­haf­ter Zwie­spalt für den jun­gen Ko­mö­di­an­ten, muss er sich doch zwi­schen Tra­di­ti­on und Lie­be ent­schei­den, oder für ei­nen di­plo­ma­ti­schen Mit­tel­weg. Als er sich in sei­ner Ver­zweif­lung ent­schließt, die Be­zie­hung zu ver­heim­li­chen, fliegt nach kur­zer Zeit die Ver­tu­schungs­ak­ti­on auf und die ent­täusch­te Emi­ly ver­lässt ihn Hals über Kopf.

Oh nein - bit­te nicht wie­der ei­ne weich­ge­spül­te US-ame­ri­ka­ni­sche Ro­man­tik­ko­mö­die mit dem Tief­gang ei­nes aus­dör­ren­den Bäch­leins und Cha­rak­te­ren, die so na­tür­lich wie das Bo­tox in ih­ren Ge­sich­tern sind! Doch glück­li­cher­wei­se um­kurvt „The Big Sick“die fast schon üb­li­che Ro­man­tic-Come­dy-Öd­nis in wei­tem Bo­gen.

Ein pa­kis­ta­ni­sches Mär­chen

Plötz­lich bricht bei Emi­ly ei­ne ag­gres­si­ve In­fek­ti­on aus, die da­zu führt, dass sie über meh­re­re Wo­chen in ein künst­li­ches Ko­ma ver­setzt wer­den muss. Vol­ler Sor­ge be­gibt er sich auf die Kran­ken­sta­ti­on, um dort Beth (Hol­ly Hun­ter) und Ter­ry (Ray Ro­ma­no) zu tref­fen. Die­se prä­sen­tie­ren sich sehr ver­wun­dert und ab­wei­send be­züg­lich des Ex-Part­ners ih­rer Toch­ter und äh­neln in ih­rer Starr­köp­fig­keit Ku­mails El­tern mehr, als zu ver­mu­ten wä­re. Da sie aber eben­so wie der jun­ge Ver­flos­se­ne in Emi­lys Schick­sal ver­eint sind, be­gin­nen sie sich an­zu­nä­hern. Mit je­dem Mo­ment mehr am Kran­ken­bett wird sich Ku­mail sei­ner Ge­füh­le be­wusst. Wird er je die Mög­lich­keit er­hal­ten, Emi­ly ge­gen­über Far­be zu be­ken­nen?

Als Judd Apa­tow, sei­nes Zei­chens Freund und Pro­du­zent von Ko­mö­di­en („Wie beim ers­ten Mal“), von der wahn­wit­zi­gen Lie­bes­ge­schich­te um den pa­kis­tan­stäm­mi­gen US-Un­ter­hal­ter Ku­mail Nan­jia­ni und des­sen Ehe­frau Emi­ly Gor­don er­fuhr, er­mun­ter­te er die bei­den, ein Dreh­buch zu ver­fas­sen. Da­durch be­flü­gelt, mach­te er sich so­gleich an die Pro­duk­ti­on der rüh­ren­den Ge­schich­te. Als Re­gis­seur wur­de Micha­el Showal­ter („Bax­ter – Der Su­per­auf­rei­ßer“) ge­won­nen, der sich bis da­to eher ge­ring­fü­gig in der Film­bran­che ei­nen Na­men mach­te. Dass „The Big Sick“zu ei­ner Über­ra­schung wäh­rend des Sun­dance-Fes­ti­vals und zu ei­nem Ge­heim­tipp für den Os­car avan­cie­ren wür­de, war nicht vor­her­zu­se­hen. Nicht wirk­lich in­no­va­tiv als Stoff, ver­zau­ber­te er den­noch das ver­zück­te Pu­bli­kum. Da­bei ist die Au­then­ti­zi­tät der Li­ai­son ei­ne zu­ge­ge­ben nicht zu

ver­nach­läs­si­gen­de Rand­no­tiz. Dem Film­team ge­lingt es, be­fürch­te­te Kli­schees zu um­schif­fen und im­mer wie­der tol­le Mo­men­te vol­ler In­ten­si­tät zu schaf­fen. So fährt die Ge­schich­te ziel­si­cher laut­star­ke La­cher ein, um dann wie­der die Ernst­haf­tig­keit der La­ge glaub­haft zu ver­mit­teln.

Die in an­de­ren Pro­duk­tio­nen nicht sel­ten breit ge­tre­te­nen, kul­tu­rel­len Kon­flik­te wer­den nicht un­nö­tig auf­ge­bla­sen. Ob­gleich The­men wie fa­mi­liä­rer All­tags­ras­sis­mus und re­li­gi­ös-tra­di­tio­nel­le Ver­krus­tung be­leuch­tet wer­den, ge­schieht dies nicht mit mora­lisch-mah­nen­dem Zei­ge­fin­ger. Stets be­hält sich der Film die Leich­tig­keit und sei­nen herz­er­fri­schen­den und teils bis­si­gen Hu­mor.

Ei­ne Be­set­zung zum Ver­lie­ben

Ver­fei­nert wird das Gan­ze durch ein groß­ar­ti­ges Mi­men­spiel. Dass man beim sich selbst dar­stel­len­den Ku­mail Nan­jia­ni die Echt­heit nicht in Fra­ge stellt, scheint ein­leuch­tend. Den­noch de­mons­trie­ren auch die an­de­ren Darstel­ler ein­drucks­voll ih­re Spiel­freu­de. Zoe Ka­zan, die bis­her durch Rol­len wie „Im Tal von Elah“be­kannt wur­de, kann man in ih­rer Rol­le als leicht ver­spul­te, lie­bens­wer­te Emi­ly nur ins Herz schlie­ßen. Hol­ly Hun­ter („Das Pia­no“) weiß in ih­rem Scharf­sinn zu über­zeu­gen, wo­hin­ge­gen Ray Ro­ma­no („Al­le lie­ben Ray­mond“) als ent­spann­tes und den­noch lus­ti­ges Ge­müt da­her­kommt. Auch Ku­mails Film­fa­mi­lie nimmt man die ein­ge­fah­re­ne, kul­tu­rel­le Ein­bahn­stra­ße ab. Trotz al­ler Bor­niert­hei­ten der Fi­gu­ren blei­ben die­se in ih­rer Art herz­lich.

Die Tech­nik prä­sen­tiert sich eben­so auf ei­nem au­then­ti­schen Ni­veau. So ist der Look wie aus der Sze­ne­rie ge­grif­fen. Die Far­ben sind na­tür­lich und ge­er­det, Schär­fen und Kon­tras­te sou­ve­rän ge­trof­fen. Der Film setzt sei­ne Ak­zen­te eben nicht durch über­bor­den­de Ef­fekt­be­to­nung, son­dern fo­kus­siert sich auf das Hand­lungs­ge­sche­hen sei­ner Ak­teu­re. Da­bei bleibt er mit sei­ner Mu­sik­aus­wahl stets prä­sent, oh­ne die Klang­un­ter­ma­lung in den Vor­der­grund zu rü­cken. Bild und Ton sind so­mit stets die har­mo­ni­sche Ba­sis für die Hand­lung. Die gan­ze Bo­den­stän­dig­keit und Leich­tig­keit ist al­so die Sum­me al­ler ein­zel­nen fil­mi­schen Ele­men­te. „The Big Sick“ist in sei­ner Aus­ge­wo­gen­heit aus an­ge­neh­men Hu­mor, tra­gi­schen Ge­scheh­nis­sen und auf­rich­ti­gen Emo­tio­na­liä­ten ein klei­nes Ju­wel des ro­man­ti­schen In­de­pen­dent-Films. Mit­rei­ßen­de Darstel­ler las­sen den Film in sei­ner Kurz­wei­lig­keit glän­zen.

Ach die lie­be Fa­mi­lie - man hat es oft nicht leicht mit ih­nen, den­noch will man sie glück­lich ma­chen und kann sich kaum ein Le­ben oh­ne sie vor­stel­len

Auch Emi­lys El­tern Beth (Hol­ly Hun­ter) und Ter­ry (Ray Ro­ma­no) ha­ben kla­re Vor­stel­lun­gen da­von, was sie sich für ih­re Toch­ter wün­schen

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