Bul­let He­ad

Blu-ray Magazin - - Thriller - PHIL­IPP WOLF­RAM

Es gibt Din­ge, die pas­sen ein­fach nicht so rich­tig zu­sam­men und trotz­dem gibt es im­mer wie­der Leu­te, die ver­su­chen, sie ir­gend­wie mit­ein­an­der zu ver­bin­den. Im Fal­le des Cri­me-Thril­lers „Bul­let He­ad“ist die­ser je­mand der Re­gis­seur und Au­tor Paul So­let, der ver­sucht, ei­nen wild ge­wor­de­nen Kampf­hund und ein re­de­ge­wand­tes Bank­räu­ber-Trio zu ei­nem schrul­li­gen Mix aus Ta­ran­ti­no-es­ken Dia­lo­gen und der Vier­bei­ner-Ver­si­on von „Der Wei­ße Hai“zu ver­ei­nen. Das ist ei­ne kon­stru­ier­te und sehr spe­zi­el­le Prä­mis­se. Kein Wun­der al­so, dass So­let rund neun Jah­re ge­braucht hat, ehe er sein kru­des Skript über Tier­quä­le­rei und tief­grün­di­ge Be­rufs­ver­bre­cher ver­fil­men durf­te. Doch ir­gend­wie schafft es der ei­gen­ar­ti­ge Low-Bud­get-Strei­fen dank sei­nes ex­zel­len­ten En­sem­bles und ei­ner durch­weg stim­mi­gen Ins­ze­nie­rung, ei­ne un­ter­halt­sa­me und äu­ßerst sty­li­sche Fil­mer­fah­rung zu lie­fern, die die sonst in­fla­tio­när ge­brauch­ten Be­zeich­nun­gen „ori­gi­nell“oder „nie da­ge­we­sen“auf je­den Fall ver­dient. Die vom Pech ver­folg­ten Kri­mi­nel­len sind St­a­cy (Adri­en Bro­dy), Wal­ker (John Mal­ko­vich) und Ga­ge (Ro­ry Cul­kin), die sich nach ei­nem ver­mas­sel­ten Über­fall in ei­ner al­ten La­ger­hal­le in De­troit vor der Po­li­zei ver­ste­cken. Doch ganz so ver­las­sen ist ih­re tem­po­rä­re Zuflucht doch nicht. Denn Ga­ge macht bei sei­ner Er­kun­dung des Ter­rains Be­kannt­schaft mit dem ag­gres­si­ven Vier­bei­ner De Ni­ro, der hier nach ei­nem ver­lo­re­nen Hun­de­kampf von sei­nem skru­pel­lo­sen Herr­chen Blue (An­to­nio Ban­de­ras) zu­rück­ge­las­sen wur­de. Wäh­rend sie fort­an ver­su­chen, vor De Ni­ro zu flüch­ten, be­rich­ten die Räu­ber in den Ver­schnauf­pau­sen von al­ten Auf­trä­gen und schlim­men Kind­heits­er­in­ne­run­gen.

Ku­rio­ses Hund-und-Maus-Spiel

So­let be­zeich­net sich selbst als Tier­freund. War­um er aber ei­ne ver­mas­sel­ten Bank­über­fall als Plot-Ve­hi­kel für sei­ne wich­ti­ge Mes­sa­ge über Tier­miss­hand­lung ge­wählt hat, wird wohl im­mer sein Ge­heim­nis blei­ben. Das Er­geb­nis kann sich den­noch se­hen las­sen. Mit dy­na­mi­schen Ka­me­ra­be­we­gun­gen und ein­falls­rei­chen Set­pie­ces schafft es „Bul­let He­ad“, sei­ne bi­zar­re Sto­ry über die ge­sam­te Zeit hin­weg span­nend zu ge­stal­ten. Die Zeit­sprün­ge in die be­weg­ten Ver­gan­gen­hei­ten der drei Ver­bre­cher sor­gen auf­grund der ge­lun­ge­nen Darstel­lun­gen von Bro­dy, Mal­ko­vich und Cul­kin so­wie der cle­ve­ren Prä­sen­ta­ti­on für die nö­ti­ge Ab­wechs­lung von der tie­ri­schen Hetz­jagd, die al­ler­dings in ei­nem der­art ab­sur­den Fi­na­le mün­det, das selbst An­to­nio Ban­de­ras es nicht mehr ret­ten kann. An der Hand­lung mö­gen sich al­so die Geis­ter schei­den – auf der tech­ni­schen Sei­te gibt es al­ler­dings kei­ne gro­ßen Streit­punk­te. Die de­tail­rei­che und schar­fe Op­tik wird von der sub­til ein­ge­setz­ten blau-oran­ge­nen Farb­ge­bung ge­prägt. Die ver­lust­freie 5.1-Ton­spur lie­fert ei­ne gu­te Sur­round-Ku­lis­se. Das Ma­king-of ist eben­falls hoch­wer­tig und gibt ei­nen gu­ten Ein­blick in die Ent­ste­hung ei­nes Films, der als un­ver­film­bar galt. Gut, dass er es doch auf die Lein­wand ge­schafft hat. So ei­nen Film ha­ben Sie wirk­lich noch nicht ge­se­hen!

Der bru­ta­le Hun­de­be­sit­zer: An­to­nio Ban­de­ras als Blue, der si­cher­lich kei­ne No­mi­nie­rung als Tier­schüt­zer des Jah­res zu er­war­ten hat

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