Sco­re

Die meis­ten kön­nen sich ei­nen Film nicht oh­ne vor­stel­len, man­che Fil­me­ma­cher ver­zich­ten be­wusst als sti­lis­ti­sches Mit­tel dar­auf: Wir wid­men ihr gleich ein gan­zes BluNo­te Ca­fé, der Film­mu­sik. Hier geht es dies­mal ganz um Blu-rays, die die Ge­schich­te der Fi

Blu-ray Magazin - - Special Interest -

Sco­re Ei­ne Ge­schich­te der Film­mu­sik

Wie ro­man­tisch wä­re wohl ei­ne Film­sze­ne zwi­schen zwei Lie­ben­den oh­ne die pas­sen­de mu­si­ka­li­sche Un­ter­ma­lung? Oder wie furcht­ein­flö­ßend wä­re ein Hor­ror­film, wenn die Mu­sik die Span­nung nicht auf die Spit­ze trei­ben wür­de? Wä­re der Schre­cken dann nicht viel­leicht so­gar wit­zig? Und wä­re ein Go­ril­la auf ei­nem Turm oh­ne Film­mu­sik nicht eher Slap­stick als im­po­sant? Auf ähn­li­che und an­de­re Fra­gen lie­fert „Sco­re“Ant­wor­ten. Be­nannt nach dem eng­li­schen Wort für Film­mu­sik, zeigt die Do­ku­men­ta­ti­on von Re­gis­seur und Dreh­buch­au­tor Matt Schra­der die Ge­schich­te der Mu­sik, die aus ei­nem Film erst ein Ge­samt­er­leb­nis macht. Die Do­ku kon­zen­triert sich da­bei vor­nehm­lich auf die US-ame­ri­ka­ni­sche Bran­che. Es ist al­so die Ge­schich­te der Film­mu­sik Hol­ly­woods. Zwar ist das ei­ner­seits scha­de und wirft die Fra­ge auf, ob nicht ei­ne Mi­ni-Se­rie noch bes­ser funk­tio­niert hät­te. An­de­rer­seits sorgt das für an­dert­halb kna­cki­ge und recht un­ter­halt­sa­me St­un­den nur über die Mu­sik, die uns vor der Lein­wand ver­zau­bert. An­ge­fan­gen mit den ers­ten Stumm­fil­men, zu de­nen Kla­vier oder Or­geln ge­spielt wur­den, re­den be­rühm­te Film­kom­po­nis­ten dar­über, was die Mu­sik zu „End­sta­ti­on Sehn­sucht“ oder „Psy­cho“so be­son­ders ge­macht hat und wie sie die Stim­mung ver­än­dert ha­ben. Bran­chen-In­si­der er­klä­ren, wie wich­tig die Mu­sik für den Wie­der­er­ken­nungs­wert der „Ja­mes Bond“-Fil­me oder der Ita­lo-Wes­tern ist. Es sind ziem­lich il­lus­tre Ge­stal­ten, die vor der Ka­me­ra ver­sam­melt sind. Da wä­ren un­ter an­de­rem die Kom­po­nis­ten Dan­ny Elf­man und Trent Rez­nor, den man durch die Band Ni­ne Inch Nails kennt, John Wil­li­ams und Hans Zim­mer – mit letz­te­ren wer­den wir uns in die­ser Aus­ga­be noch wei­ter be­schäf­ti­gen – so­wie Re­gis­seur Ja­mes Ca­me­ron. Mehr als 60 Fach­per­so­nen hat der Re­gis­seur und ehe­ma­li­ge CBC- und NBC-Jour­na­list Matt Schra­der zum The­ma Film­mu­sik be­fragt. Das ist schon ziem­lich be­ein­dru­ckend für ein Pro­jekt, das zu­nächst durch Crowd­fun­ding bei Kick­star­ter fi­nan­ziert wur­de. „Sco­re“gibt Ein­bli­cke in die Zu­sam­men­ar­beit und Kom­mu­ni­ka­ti­on zwi­schen Film­kom­po­nist und Re­gis­seur, aber auch wie Film­mu­sik un­se­re Rea­li­tät be­ein­flusst – zum Bei­spiel wenn ein an­ge­hen­der Prä­si­dent sie im Wahl­kampf be­nutzt, üb­ri­gens oh­ne vor­her die Ge­neh­mi­gung ein­zu­ho­len. Zu­dem darf der Zu­schau­er Flie­ge an der Wand sein wenn in den Ab­bey Road Stu­di­os, die je­dem Beat­les-Fan ein Be­griff sein dürf­ten, ei­ne Kom­po­si­ti­on ge­probt wird. Wenn man be­denkt, dass Schra­der sei­ne Kar­rie­re als in­ves­ti­ga­ti­ver Jour­na­list an den Na­gel ge­hängt hat, um die­sen Film zu dre­hen, ist schon ir­gend­wie klar, dass dies kei­ne kri­ti­sche Do­ku­men­ta­ti­on ist. Es ist ei­ne Lie­bes­er­klä­rung an die Film­mu­sik, von den mar­kan­ten Tö­nen, die den wei­ßen Hai an­kün­di­gen, bis zu den idyl­li­schen Klän­gen, die die al­te Hei­mat der Hob­bits kenn­zeich­net. Auch die Film­kom­po­nis­ten selbst sind vor al­lem da­mit be­schäf­tigt, ih­re Be­geis­te­rung für ih­ren Beruf zu tei­len und zu be­to­nen, wie wich­tig die Mu­sik für das Ge­samt­er­leb­nis Film ist. Ist das ei­ne um­fas­sen­de Be­trach­tung al­ler Aspek­te, die mit dem be­sag­ten Sco­re zu tun ha­ben? Nein, ab­so­lut nicht. Wer sich aus­kennt lernt wahr­schein­lich nur we­nig Neu­es. Es ist aber ein sehr spa­ßi­ges und oft auch wirk­lich ver­zau­bern­des Film- und Mu­sik­erleb­nis. Tech­nisch ist der Film durch­wach­sen, aber so­li­de: Un­ter­schied­li­che Auf­nah­me­stät­ten und Ar­chiv­ma­te­ri­al sor­gen da­für, dass die Qua­li­tät et­was wech­selt. Ins­ge­samt ist sie aber gut ge­lun­gen. „Sco­re“bie­tet ei­nen gro­ben und zu­gleich schö­nen Rund­um­schlag zum Sound von Hol­ly­wood. Se­hens- und hö­rens­wert!

Hans Zim­mer Live in Pra­gue

In der gol­de­nen Stadt Prag fand das Kon­zert ei­nes Man­nes statt, der ei­ne gol­de­ne Kar­rie­re als Film­kom­po­nist hin­ge­legt hat und uns das al­les nun auf ei­nem Sil­ber­ling mit­er­le­ben lässt: Es geht na­tür­lich um die Blu-ray „Hans Zim­mer – Live in Pra­gue“. Wie „Sco­re“be­reits ge­zeigt hat, sind die Auf­nah­men für Fil­me teil­wei­se mit ei­nem Groß­auf­ge­bot von Mu­si­kern ver­bun­den. Wenn al­so Hans Zim­mer sei­ne Kom­po­si­tio­nen live prä­sen­tiert, dann ge­schieht das auch mit ei­ner mas­si­ven Büh­nen­be­set­zung. Die Auf­nah­men vom 7. Mai 2016 aus Prag zei­gen Zim­mer mit ei­ner Band, Orches­ter und Chor, 72 Mu­si­ker sind es ins­ge­samt. Was da­bei zu­erst auf­fällt ist der Sound, denn die­ser klingt so sau­ber, dass es schon ein we­nig vom Live-Ge­fühl weg­nimmt, als der Auf­tritt mit ei­nem Med­ley aus „Dri­ving“(„Dri­ving Miss Dai­sy“), „Dis­com­bu­la­te“(„Sher­lock Hol­mes“) und „Zoos­ters Break­out“(„Ma­da­gas­car“) be­ginnt. Da­für freut man sich über die Dol­by At­mos-Ton­spur. Po­si­tiv ist der Büh­nen­auf­bau: Hans Zim­mer ist zwar vor­ne plat­ziert, aber ein­ge­bet­tet in die ers­te Rei­he von Mu­si­kern – von Star­al­lü­ren sind hier kei­ne Spu­ren zu se­hen. Da­zu gibt er sich als sehr sym­pa­thi­scher Ge­schich­ten­er­zäh­ler, wie als er ei­ne An­ek­do­te teilt von dem Mor­gen, an dem ihn Rid­ley Scott um 9 Uhr aus dem Bett klin­gel­te, um ihn für sein Pro­jekt „Gla­dia­tor“zu er­wär­men. Das Ram­pen­licht über­lässt er aber auch gern sei­nen Mu­si­kern. So liegt der Fo­kus bei „Che­va­liers De San­gre­al“(„Da Vin­ci Co­de“) ganz auf sei­nen Strei­che­rin­nen. Die meis­ten sei­ner Film­kom­po­si­tio­nen sind zeit­los, und so wer­den sie auch ge­spielt: Als et­was Ei­gen­stän­di­ges, von Mu­si­kern, die Spaß an der Mu­sik ha­ben. Ein biss­chen was fürs Au­ge gibt es auch, in Form von stil­vol­len Pro­jek­tio­nen auf ei­ne Lein­wand im Hin­ter­grund, die das Ge­samt­bild sub­til er­gän­zen. Hier ist eben ge­nau das die Haupt­at­trak­ti­on, was sich sonst als ele­men­ta­res Puz­zle­stück in das gro­ße Gan­ze ein­fügt, der Sco­re. Film- und Mu­sik­fans wer­den ge­lieb­te Stü­cke aus Fil­men wie „Kö­nig der Lö­wen“, „Rain Man“und „In­ter­stel­lar“ge­bo­ten. Als schö­ne Bei­ga­be gibt es ein be­bil­der­tes und in­for­ma­ti­ves Book­let. Ab dem 28. April ist Hans Zim­mer für elf Termine auf Tour im deutsch­spra­chi­gen Raum un­ter­wegs.

A John Wil­li­ams Ce­le­bra­ti­on Ope­ning Ga­la Con­cert – Los An­ge­les 2014

Deut­lich klas­si­scher kommt die Hom­mage an die Mu­sik von John Wil­li­ams auf „A John Wil­li­ams Ce­le­bra­ti­on“da­her. Das Sin­fo­nie­or­ches­ter Los An­ge­les Phil­har­mo­nic fei­er­te das 2014/2015 Er­öff­nungs­kon­zert samt Ga­la, in­dem sie dem heu­te 86jäh­ri­gen Film­kom­po­nis­ten ih­ren Tri­but zoll­ten. Ent­spre­chend sieht man in der Walt Dis­ney Con­cert Hall auch ei­nen tra­di­tio­nel­len Orches­ter­auf­bau mit dem Di­ri­gen­ten Gus­ta­vo Du­da­mel. Und wie das bei ei­ner Hom­mage so ist, er­scheint John Wil­li­ams selbst erst ge­gen En­de der Show auf der Büh­ne, um ei­nen Auf­tritt als Di­ri­gent hin­zu­le­gen. Das heißt aber kei­nes­wegs, dass man hier kein be- und ver­zau­bern­des Mu­sik­erleb­nis er­hält. Wil­li­ams Kom­po­si­tio­nen, für die er be­reits seit den 70er Jah­ren welt­be­rühmt ist, schei­nen ein­fach nicht zu al­tern. Die Stü­cke, die auch hier ton­tech­nisch sehr sau­ber prä­sen­tiert wer­den, stam­men aus Fil­men wie „Schind­lers Lis­te“, „Catch Me If You Can“, „Star Wars“und auch ei­nem Strei­fen, der oh­ne die zwei Tö­ne von Wil­li­ams so gar nicht vor­stell­bar wä­re, näm­lich „Der wei­ße Hai“. So un­ter­streicht die Blu-ray bes­tens, dass Pop­kul­tur und ei­ne klas­si­sche Dar­bie­tung durch­aus Hand in Hand ge­hen kön­nen. Be­son­ders die weh­mü­ti­gen Klän­ge von Itz­hak Perl­man an der Vio­li­ne las­sen den Mu­sik­fan mit­füh­len, und ge­ben dem Zu­schau­er wie­der et­was vom Live-Ge­fühl zu­rück. Die Struk­tur von Wil­li­ams Stü­cken ist wie da­für ge­macht, klas­sisch auf­ge­führt zu wer­den, und das bringt das Los An­ge­les Phil­har­mo­nic wirk­lich sehr gut her­über. Es liegt in der Na­tur der Sa­che, dass bei ei­nem Orches­ter­kon­zert vi­su­ell we­ni­ger los ist als bei ei­nem Auf­tritt auf ei­ner Kon­zert­büh­ne, aber auch hier kommt zwi­schen­durch or­dent­lich Be­we­gung in die Sa­che, z. B. als ein ju­gend­li­cher Chor vor dem Klang des wei­ßen Hais flüch­tet oder ein be­stimm­ter Bö­se­wicht und schwer at­men­der Va­ter den Saal be­tritt. Zu­dem wer­den im­mer wie­der Bil­der ein­ge­blen­det, die mit den ver­schie­de­nen Fil­men zu tun ha­ben. Wer mehr von John Wil­li­ams se­hen möch­te, wird üb­ri­gens im Bo­nus­ma­te­ri­al fün­dig, denn es gibt ein 13mi­nü­ti­ges In­ter­view mit ihm und Gus­ta­vo Du­da­mel. Auch hier darf der Fan sich über ein Book­let freu­en.

Die gro­ßen Film­kom­po­nis­ten lo­cken! Ih­re mu­si­ka­li­schen Kom­po­si­tio­nen tra­gen un­heim­lich viel zur Ge­samt­kom­po­si­ti­on Film bei. Da ist es nur ge­recht­fer­tigt, dass die Film­mu­sik selbst mal im Ram­pen­licht ste­hen darf, und so auch ganz an­ders auf Mu­sik­fans wir­ken kann. MI­RI­AM HEIN­BUCH

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