Net­work

Blu-ray Magazin - - Retro - MK

Je mehr Zu­schau­er ein­schal­ten, des­to mehr Geld fließt in die Ta­sche des je­wei­li­gen Me­dien­un­ter­neh­mens. So weit so gut, Pro­fit ist al­les an­de­re als ver­werf­lich. Aber das An­ge­bot ist mo­nu­men­tal und die Kon­kur­renz gna­den­los. Um sich die Auf­merk­sam­keit der Zu­schau­er zu si­chern, grei­fen man­che Sen­der zu un­kon­ven­tio­nel­len Mit­teln. Zwei jun­ge Män­ner er­schei­nen auf der Bild­flä­che, ei­ner lässt sich den Mund zu­nä­hen, der an­de­re fängt mit blo­ßen Hän­den ei­ne Ana­kon­da im Ama­zo­nas. Die po­la­ri­sie­ren­den Ul­k­nu­deln Jo­ko und Klaas sind kei­ne Sel­ten­heit. For­ma­te wie „Das Dschun­gel­camp“pro­fi­lie­ren das Pro­gramm am Sams­tag­abend. Was ha­ben die­se Sen­dun­gen ge­mein­sam? Die Zu­schau­er kön­nen nicht glau­ben, was sie da se­hen. Ge­nau­so geht es der Be­völ­ke­rung in „Net­work“, als der Nach­rich­ten­spre­cher Ho­ward Bea­le (Pe­ter Finch) an­kün­digt, in sei­ner letz­ten Sen­dung Selbst­mord zu be­ge­hen. Die Ein­schalt­quo­ten schie­ßen in die Hö­he, der Sen­der krem­pelt sein Kon­zept voll­kom­men um und die Pro­gramm­che­fin Dia­na Chris­ten­sen (Faye Du­na­way) ver­liert ihr Ver­ant­wor­tungs­be­wusst­sein im ek­sta­ti­schen Kampf um die bes­ten Quo­ten. Ob­wohl „Net­work“be­reits 1976 ent­stand, ist die Klin­ge der ame­ri­ka­ni­schen Sa­ti­re im­mer noch scharf. Der Ver­zicht auf Hin­ter­grund­mu­sik gibt dem Ge­sche­hen ei­ne bit­te­re Ernst­haf­tig­keit, die sich in­sze­na­to­risch durch aus­drucks­star­ke Darstel­ler wie ein Un­wet­ter über dem Zu­schau­er aus­brei­tet. Für Fil­me die­ses Bau­jahrs nicht un­üb­lich, hal­len die Syn­chron­stim­men und der Bild-Kon­trast ver­läuft sich stel­len­wei­se ins Ver­wa­sche­ne. Aber „Net­work“be­sitzt ein­fach den Charme ei­nes Ol­dies, den man sich gern an­sieht.

Faye Du­na­way als Pro­gramm­che­fin Dia­na Chris­ten­sen, die im­mer wei­ter von der jour­na­lis­ti­schen Ethik ab­schweift

Bea­le (Pe­ter Finch) macht ei­ne kon­tro­ver­se An­kün­di­gung

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