BLU-RAY SPE­ZI­AL: 25 JAH­RE DINOMANIA JU­RAS­SIC WORLD DAS GE­FAL­LE­NE KÖ­NIG­REICH

Seit ei­nem vier­tel Jahr­hun­dert exis­tie­ren auf dem Pla­ne­ten Er­de wie­der zwei do­mi­nan­te Spe­zi­es: die Di­no­sau­ri­er und die Men­schen. Zum Ju­bi­lä­um wird es da­her end­lich mal Zeit, dass der Ter­ror ge­gen die ei­ne Spe­zi­es end­lich mal ein En­de fin­det. Blöd nur, das

Blu-ray Magazin - - Vorderseite - FAL­KO THEUNER

Wir le­ben in ei­ner Welt mit be­to­nier­ten Städ­ten, in de­nen Tie­re, wenn über­haupt, im Zoo wahr­ge­nom­men wer­den. Hier und da flat­tern noch ein paar Vö­gel und In­sek­ten her­um. Kat­zen und Hun­de be­rei­chern mensch­li­che Häus­lich­kei­ten. Schwei­ne, Fische, Hüh­ner und Rin­der wer­den ge­wiss auch noch exis­tie­ren, denn ir­gend­wo­her muss ja das Fleisch kom­men, was im Su­per­markt und spä­ter in un­se­ren Pfan­nen liegt. Doch die rest­li­che Tier­welt scheint das Le­ben der meis­ten Städ­ter kaum zu be­ein­flus­sen, we­der im po­si­ti­ven noch im ne­ga­ti­ven Sin­ne. Das war nicht im­mer so. Es gab Zei­ten, da stand der Mensch et­was wei­ter unten in der Nah­rungs­ket­te, muss­te Angst vor an­de­ren Tie­ren ha­ben und zu­gleich auf die Jagd ge­hen. Aus die­ser Zeit des „Kräf­te-Gleich­ge­wichts“stammt wohl auch die Ur-Angst vor wil­den Krea­tu­ren, die dem Ho­mo Sa­pi­ens über­le­gen sind bzw. in ir­gend ei­ner Form ge­fähr­lich wer­den kön­nen. Ob­wohl sie tief im kol­lek­ti­ven Ge­dächt­nis ver­wur­zelt ist, wür­de sie heut­zu­ta­ge aber ge­wiss kaum noch be­dient wer­den, wenn da nicht das all­seits be­lieb­te Hor­ror- bzw. Mons­ter-Film-Gen­re wä­re. Der Krea­tu­ren-Hor­ror ruft den Zu­schau­ern ins Ge­dächt­nis, dass der Mensch durch­aus wie­der von sei­nem ho­hen Ross ge­sto­ßen wer­den könn­te, weil es We­sen gibt, die trotz des mensch­li­chen Um­welt­ein­flus­ses über­le­ben wol­len.

RE­VO­LU­TI­ON

Als „Ju­ras­sic Park“1993 in die Ki­nos kam, be­dien­te Ste­ven Spiel­bergs da­ma­li­ges Tech­nik­wun­der eben­je­nes Mons­ter-Gen­re und ließ fleisch­fres­sen­de Di­no­sau­ri­er auf harm­lo­se The­men­park-Be­su­cher los. Zu­gleich zeig­te der Strei­fen aber auch ei­ne wun­der­ba­re, viel­fäl­ti­ge Na­tur vol­ler fas­zi­nie­ren­der Don­ner­ech­sen, die ein Sinn­bild für sämt­li­che Tie­re die­ses Pla­ne­ten sind – Ins­be­son­de­re aber auch ein war­nen­des Sinn­bild der in­zwi­schen aus­ge­stor­be­nen Ar­ten. Es zeigt Di­no­sau­ri­er zu­gleich als Be­dro­hung und als ein Wun­der, oh­ne das die Welt um ei­ni­ges är­mer wä­re – als ein Teil ei­nes ab­ge­schlos­se­nen Öko­sys­tems, das nur so in sei­ner Voll­stän­dig­keit und Viel­falt funk­tio­niert. Die­se Kom­bi­na­ti­on aus Hor­ror und Wun­der schlug an den Ki­no­kas­sen ein wie ei­ne Bom­be und trat ei­ne gan­ze Di­no-Ma­nie los. Auch oh­ne die heu­te be­kann­ten Ti­cket-Auf­schlä­ge für 3D oder Über­län­ge spiel­te der Film über ei­ne Mil­li­ar­de US-Dol­lar ein und ver­zau­ber­te das Pu­bli­kum mit spek­ta­ku­lä­ren Ef­fek­ten, die es bis da­hin in die­sem Ma­ße noch nie ge­ge­ben hat­te. Auch wenn es schon vor­her di­gi­ta­le Tricks im Film zu bestau­nen gab, wie et­wa bei „Ter­mi­na­tor 2“(1991) oder auch „Abyss“(1989), so gilt „Ju­ras­sic Park“den­noch als ent­schei­den­der Weg­be­rei­ter für die di­gi­ta­le Re­vo­lu­ti­on im Be­reich der Ef­fek­te.

EVO­LU­TI­ON

25 Jah­re spä­ter gibt es kaum noch ei­nen Film, der kei­ne vi­su­el­len Ef­fek­te be­sitzt. Di­gi­tal ist gut, di­gi­tal ist güns­tig. Und der Fan­ta­sie sind da­mit kaum Gren­zen ge­setzt. Den­noch hat sich da­mit ein ganz ent­schei­den­der Fak­tor für im­mer aus den Fil­men bzw. aus den Her­zen der Zu­schau­er ver­ab­schie­det. Es in­ter­es­siert ein­fach kei­nen

mehr. Wenn man sich selbst fragt, wann man zu­letzt von auch nur ei­nem Ef­fekt über­rascht wur­de, so liegt die Ant­wort meist in den 1990ern oder noch wei­ter zu­rück. Viel­leicht war so­gar „Ju­ras­sic Park“der letz­te Film, den Sie ge­se­hen ha­ben, bei dem Sie wirk­lich von der fil­mi­schen Il­lu­si­on ge­fan­gen wa­ren, oh­ne dass Sie zu sich selbst sag­ten: „Das ist ja nur CGI. Ein CGI-Mons­ter, Wahn­sinn! Und da­vor soll man Angst ha­ben?“. Oder „Avat­ar“? Oder „Gra­vi­ty“? Zu­ge­ge­ben: „Pla­net der Af­fen: Sur­vi­val“hat­te auch sol­che Mo­men­te, die ei­nen die Augen rei­ben lie­ßen, auf­grund der vi­su­el­len Un­si­cher­heit, ob es nicht viel­leicht doch ech­te Af­fen sei­en. Dem­zu­fol­ge ha­ben sich die Tech­no­lo­gi­en der com­pu­ter­ge­ne­rier­ten Darstel­lung so stark wei­ter­ent­wi­ckelt, dass der Zu­schau­er er­neut ge­täuscht wer­den kann. Es ist halt nur ei­ne Fra­ge des Gel­des, die eben­so bei solch ana­lo­gen Tricks wie den eben­falls in den „Ju­ras­sic Park“-Fil­men ein­ge­setz­ten Ani­ma­tro­nics auf­kommt. Letz­te­re ge­win­nen al­so wie­der an Po­pu­la­ri­tät, wes­halb Crea­tu­re-De­si­gner wie Ne­al Scan­lan in den neu­en „Star Wars“-Epi­so­den und nun auch im neu­es­ten „Ju­ras­sic World“-Film „Das ge­fal­le­ne Kö­nig­reich“ei­ne Men­ge zu tun be­kom­men. Die Wahr­heit liegt al­so ir­gend­wo da­zwi­schen, wes­halb die Di­nos im letzt­ge­nann­ten Strei­fen mit­hil­fe de­tail­liert er­stell­ter Plas­ti­ken, Pup­pen, Ani­ma­tro­nics so­wie mit CGI-Mo­del­len und den Mög­lich­kei­ten der di­gi­ta­len Rea­li­täts­er­wei­te­rung oder -re­du­zie­rung zum Le­ben er­weckt wer­den. Wäh­rend die Nahaufnahme vom schla­fen­den T-Rex im Trans­port­kä­fig noch mit ei­ner be­ein­dru­ckend gro­ßen Ani­ma­tro­nic rea­li­siert wur­de, ent­stam­men al­le dy­na­mi­sche­ren Be­we­gun­gen der an­schlie­ßend er­wach­ten Schön­heit aus dem Com­pu­ter. Auf die­se Wei­se wur­de in die­sem Fall das Bes­te bei­der Spe­zi­al-Ef­fekt-Wel­ten ge­nutzt.

GEFALLENES KÖ­NIG­REICH

Vier Jah­re sind ver­gan­gen, seit der „Ju­ras­sic World“ge­tauf­te The­men­park aus si­cher­heits­tech­ni­schen Grün­den sei­ne Pfor­ten schlie­ßen muss­te. Ei­gent­lich soll­te es das si­chers­te Di­no-Pa­ra-

dies für die gan­ze Fa­mi­lie sein, das je­mals er­baut wur­de. Aber auch die Ti­ta­nic wur­de schließ­lich als „un­sink­bar“ein­ge­stuft, wes­halb den Park ei­ne ähn­li­che Ka­ta­stro­phe er­eil­te, weil die ge­winn­ori­en­tier­ten In­ves­to­ren des Un­ter­neh­mens InGen ein zu ho­hes Ri­si­ko ein­gin­gen. Im skru­pel­lo­sen Dr. Hen­ry Wu (BD Wong, der in die­ser Rol­le be­reits im Ori­gi­nal von 1993 auf­trat) fan­den sie ge­nau den kran­ken Geist, der ih­nen mit Hil­fe mo­derns­ter Gen­tech­nik ei­ne per­fek­te, neue At­trak­ti­on schaf­fen soll­te. Die­ser mix­te die Ge­ne der ge­fähr­lichs­ten Krea­tu­ren der Welt zu­sam­men, wor­aus der Di­no-Mensch-Hy­brid „In­do­mi­nus Rex“ent­stand. Dem ent­ge­gen stell­te sich der „Di­n­oflüs­te­rer“Owen (Chris Pratt) zu­sam­men mit der Si­cher­heits­be­auf­trag­ten Clai­re (Bryce Dal­las Ho­ward), dem Tier­pfle­ger Bar­ry (Omar Sy) und ei­ni­gen an­de­ren Cha­rak­te­ren, die mehr oder we­ni­ger frei­wil­lig in das Sze­na­rio ver­wi­ckelt wur­den. Als wä­re das Di­no-Cha­os nicht schon ge­nug, mach­te ih­nen auch noch der InGen-Se­cu­ri­ty Guard Vic Hos­kins (Vin­cent D’Ono­frio) mit sei­nen pa­ra­mi­li­tä­ri­schen Söld­nern das Le­ben schwer, die eher schie­ßen, an­statt auf die Tie­re art­ge­recht ein­zu­ge­hen. Nach der Be­kannt­schaft mit ei­nem von Owens be­son­de­ren Freun­den war al­ler­dings auch das Vic-Hos­kins-Pro­blem ge­löst. Der T-Rex hat als Kö­nig sein Re­vier ver­tei­digt und aus Is­la Nu­blar wur­de ei­ne men­schen­freie Zo­ne, in der die Don­ner­ech­sen fried­lich le­ben konn­ten. Bis heu­te …

RET­TUNGS­AK­TI­ON …

Wer ein­mal Fe­de­ri­co Ber­to­luc­cis und Fre­de­ric Br­re­mauds Gra­phic-No­vel „Lo­ve: Band 2 – Der Fuchs“an­ge­schaut hat, dürf­te be­reits ei­nen Ein­druck da­von ha­ben, wie vi­su­ell bom­bas­tisch der Aus­bruch ei­nes In­sel-Vul­kans dar­ge­stellt wer­den kann. Die röt­lich oran­ge­ne Glut der La­va ver­mengt sich mit dem Tür­kis des Was­sers. Un­men­gen an Tie­ren ver­su­chen pa­nisch, von der In­sel zu flie­hen und die schwar­ze Wol­ke des Vul­kan­aus­bruchs ver­wan­delt das bro­deln­de Land in ei­ne düs­te­re Un­ter­welt. Es ist die­ses hef­ti­ge Welt­un­ter­gangs­sze­na­rio, das ei­nen Teil von „Das ge­fal­le­ne Kö­nig­reich“prä­gen wird. Auch wenn Clair und Owen kein Paar mehr sind, so ver­bin­det sie den­noch ei­ne enor­me Lie­be zu die­sen Ur­zeit­we­sen so­wie die ge­mein­sa­me Er­in­ne­rung an das Über­le­ben des vor­an­ge­gan­ge­nen To­des­sze­na­ri­os. Oh­ne ih­re Be­mü­hun­gen wür­den al­le Di­no­sau­ri­er dem Un­ter­gang von Is­la Nu­blar be­din­gungs­los aus­ge­lie­fert sein und er­neut aus­ster­ben. Zu­dem lebt Blue, Owens bes­te Rap­tor-Kum­pe­line noch auf der In­sel, wes­halb für den Tier­schüt­zer noch ei­ne per­sön­li­che Mo­ti­va­ti­on für die Ret­tungs­ak­ti­on hin­zu­kommt. Der blaue Rap­tor ge­hört näm­lich zu den elf sel­te­nen Spe­zi­es, die von der In­sel ge­ret­tet wer­den sol­len.

… ODER WAFFENBERGUNG?

Wie­der ist es al­ler­dings die Gier der Men­schen, die das Fass zum Über­lau­fen bringt. Auch hier sei kurz ein ge­zeich­ne­tes Bei­spiel ge­nannt, um die Vi­si­on der An­t­ago­nis­ten die­ses Films zu ver­deut­li­chen: „Di­no-Ri­ders“. In die­ser Trick­se­rie aus den 1980ern fech­ten tech­no­lo­gisch fort­ge­schrit­te­ne Au­ßer­ir­di­sche ih­ren Krieg auf ei­nem prä­his­to­ri­schen Pla­ne­ten aus. Bei­de Sei­ten rüs­ten hier­für Di­no­sau­ri­er mit mo­derns­ten Waf­fen­sys­te­men aus, um sie als Kriegs­ge­fähr­ten zu nut­zen. An­ders als bei die­ser Wer­bung für Ty­co-Ac­tion-Fi­gu­ren, die ähn­lich wie „Trans­for­mers“, „He-Man“, „Mask“und „Thun­der­cats“funk­tio­nier­te, sol­len die fürs Mi­li­tär nutz­bar ge­mach­ten Di­no­sau­ri­er in „Ju­ras­sic World: Das ge­fal­le­ne Kö­nig­reich“aber we­der von Sol­da­ten be­rit­ten, noch mit Ka­no­nen aus­ge­rüs­tet wer­den. Das wür­de dann schon zu sehr in Rich­tung B-Wa­re ge­hen.

Den­noch sol­len die Don­ner­ech­sen als steu­er­ba­re bzw. in­tel­li­gen­te Waf­fen fürs Mi­li­tär fun­gie­ren. Ei­nen klei­nen Vor­ge­schmack lie­fer­te ja be­reits das Ve­lo­ci­rap­to­ren-Quar­tett ab, dem ehe­mals Blue an­ge­hör­te. Die Mit­glie­der die­ser nur be­dingt ge­zähm­ten Grup­pe tru­gen Head­sets mit Ka­me­ras und er­hiel­ten von ih­rem ge­ne­ti­schen Vet­ter In­do­mi­nus Rex, der hier von ih­nen als neu­es Al­pha-Tier ak­zep­tiert wur­de, den Be­fehl, ge­zielt Men­schen an­zu­grei­fen. Und auch der Wi­der­sa­cher Hos­kins äu­ßer­te ei­ni­ge Ge­dan­ken zum mi­li­tä­ri­schen Po­ten­zi­al die­ser Tie­re. Lo­gisch, dass sich mit so et­was im Be­reich der Kriegs­füh­rung viel Geld ma­chen lässt. Da­her müs­sen die Prot­ago­nis­ten bald er­ken­nen, dass die als Ret­tung an­ge­ge­be­ne Ak­ti­on in Wirk­lich­keit ein Plan zur Be­schaf­fung des „Ma­te­ri­als“für die Waf­fen­pro­duk­ti­on so­wie für die ent­spre­chen­de ge­winn­brin­gen­de Ver­stei­ge­rung der Tie­re ist. Rap­to­rin Blue, die hier eben­falls als Prot­ago­nis­tin er­scheint, wird da­her in ein ge­hei­mes La­bor ent­führt, aus dem es zu ent­kom­men gilt.

DER IN­DO­RAP­TOR

Wie in je­dem „Ju­ras­sic“-Film gibt es auch hier ei­nen so­ge­nann­ten „Ty­ran­nen“– ei­nen be­son­ders ge­fähr­li­chen Di­no­sau­ri­er, der al­le bis­he­ri­gen Haupt-“Mons­ter“toppt. Wie­der ein­mal ist es ei­ne neue Form ei­nes Rap­tors, so­zu­sa­gen die „Darth Va­der“-Ver­si­on von Blue. Doch was un­ter­schei­det den von InGen ent­wi­ckel­ten In­do­rap­tor von sei­nem Vor­gän­ger In­do­mi­nus Rex bzw. was macht ihn um­so viel ge­fähr­li­cher als das wei­ße Un­ge­tüm? Da ein We­sen, das in­tel­li­gen­ter und stär­ker als ein Mensch ist, sich tar­nen kann und ei­ne groß­ar­ti­ge Wahr­neh­mung hat, schwer zu über­tref­fen ist, blei­ben nicht mehr vie­le Fak­to­ren üb­rig. Zum ei­nen ist der In­do­rap­tor klei­ner und wen­di­ger als sein Vor­gän­ger. Und da er mi­li­tä­risch ein­ge­setzt wer­den soll, be­herrscht er auch den Schleich-Mo­dus sehr gut, in­dem er wie ein Top-Spi­on un­be­merkt in Häu­ser und an­de­re Ge­bäu­de ein­drin­gen kann. Ei­ne zwei­te Ei­gen­schaft ist ei­ne of­fen­ba­re Re­sis­tenz ge­gen Ge­wehr­ku­geln. Da Re­gis­seur J. A. Bayo­na im glei­chen Ma­ße die Ins­ze­nie­rung ei­ner Na­tur­ka­ta­stro­phe („The Im­pos­si­ble“) be­herrscht wie in­tel­li­gen­te Fan­ta­sy („Sie­ben Mi­nu­ten nach Mit­ter­nacht“) oder auch ei­ne be­klem­men­de Hor­ror-At­mo­sphä­re („Das Wai­sen­haus“), geht „Ju­ras­sic World: Das ge­fal­le­ne Kö­nig­reich“noch wei­ter in die dra­ma­tur­gi­sche Rich­tung der Cap­com-Vi­deo­spie­le „Re­si­dent Evil“bzw. „Di­no Cri­sis“. Was wä­re

schließ­lich un­heim­li­cher, als ein un­auf­halt­sa­mer, tie­ri­scher Jä­ger, der nachts un­be­merkt wie je­mand in ei­nem Hitch­cock-Film durch ei­ne Vil­la schleicht, um ganz be­wusst ein be­stimm­tes Ziel aus­zu­schal­ten? In die­sem Fall trägt sein Op­fer den Fa­mi­li­en-Na­men Lock­wood, wes­halb er sich Zu­gang zum ent­spre­chen­den An­we­sen und Kin­der­zim­mer ver­schafft.

UMBRELLA VS. INGEN

Der al­te Ben­ja­min Lock­wood (Ja­mes Crom­well – be­kannt u. a. aus „I, Ro­bot“) ist ne­ben dem Vi­sio­när John Ham­mond ei­nes der Grün­dungs­mit­glie­der von InGen. Wie einst Ham­mond ver­tritt auch er sei­ne ganz ei­ge­ne Vi­si­on be­züg­lich der Di­no­sau­ri­er. Seit Mas­ra­nis Tod im ers­ten „Ju­ras­sic World“-Film, liegt die Bür­de nun bei Lock­wood, über den zu­künf­ti­gen Kurs InGens und das Ver­mächt­nis Ham­monds zu ent­schei­den. Doch an­ders als Ham­mond, der haupt­säch­lich das Po­si­ti­ve, Uto­pi­sche in al­lem sah, muss sich Ben­ja­min nun mit al­lem Ne­ga­ti­ven aus­ein­an­der­set­zen. Vor­ran­gig ist er durch das Ab­le­ben der an­de­ren Teil­ha­ber zu­neh­mend der un­ein­ge­schränk­te Be­stim­mer, wes­halb das Mo­tiv für das Ein­drin­gen ei­ner bio­lo­gi­schen Waf­fe wie den In­do­rap­tor in die Lock­wood-Vil­la klar auf der Hand liegt. Das Ziel des Kil­ler-Di­nos scheint Mai­sie Lock­wood zu sein, die En­ke­lin und mög­li­cher­wei­se die spä­te­re Er­bin des Kon­zerns. Doch wie soll man ein na­he­zu un­ver­wund­ba­res, schwar­zes Un­ge­tüm los­wer­den, wenn nicht ge­ra­de ei­ne El­len Ri­pley zur Ver­fü­gung steht, um es in die Wei­ten des Alls stür­zen zu las­sen?

DI­NOS UND AN­DE­RE AL­TE BE­KANN­TE

In je­dem Fall wer­den wie­der ein­mal mensch­li­che Mi­li­tärs ge­gen al­le Ar­ten von Di­no­sau­ri­ern kämp­fen und es bleibt zu hof­fen, dass letz­te­re die Er­de ein Stück weit zu­rück er­obern kön­nen, da­mit wir im an­ge­kün­dig­ten drit­ten Teil des „Ju­ras­sic World“-Fran­chise tat­säch­lich ei­ne posta­po­ka­lyp­ti­sche „Ju­ras­sic World“zu se­hen be­kom­men. Denn ganz wie Ian Mal­colm im ers-

ten „Ju­ras­sic Park“- Film von 1993 sag­te: „Das Le­ben fin­det ei­nen Weg“Und da sich noch je­der ger­ne an die­sen kalt­schnäu­zi­gen Cha­os-Theo­re­ti­ker er­in­nert, der al­les in Fra­ge stell­te und auch noch in Teil zwei „Ver­ges­se­ne Welt“(1997) recht mit sei­nen pro­phe­zei­en­den Ein­wür­fen be­hal­ten soll­te, tritt Jeff Gold­blum auch in „Ju­ras­sic World: Gefallenes Kö­nig­reich“noch ein­mal kurz als Ian Mal­colm auf, um vor ei­nem Aus­schuss phi­lo­so­phi­sche Fra­gen zum Ver­bleib der Don­ner­ech­sen und zu den Fol­gen für die Mensch­heit zu er­ör­tern. Die Chan­ce, mal wie­der neue, war­nen­de Pro­phe­zei­un­gen aus­zu­sto­ßen, die dann doch wie­der von den meis­ten ka­pi­tal­gei­len Lob­by­is­ten igno­riert wer­den, lässt er sich da­bei na­tür­lich nicht neh­men.

WEI­TE­RES WIE­DER­SE­HEN

Ein wei­te­rer al­ter Be­kann­ter dürf­te der T-Rex des ers­ten Teils sein, der in In­si­der-Krei­sen auch lie­be­voll „Re­xy“ge­nannt wird und nach wie vor als ge­sicht­ge­ben­de Iko­ne für das ge­sam­te Fran­chise gilt. Fast schon scheint es, als ha­be die „Grand Da­me“des Di­nospek­ta­kels et­was für den Prot­ago­nis­ten Owen üb­rig – da sie ihm nun schon zum zwei­ten Mal die Haut ret­tet, in­dem sie ei­nen at­ta­ckie­ren­den Fleisch­fres­ser (hier ist es ein Car­notau­rus, statt wie zu­vor der In­do­mi­nus Rex bzw. im Ori­gi­nal­film die Rap­to­ren) an­greift. Dass der weib­li­che T-Rex den­noch bes­ser als Ge­fahr ernst ge­nom­men wer­den soll­te, be­weist die an­fäng­li­che Ber­gungs­ak­ti­on des ak­tu­el­len Fil­mes, bei der die ge­ne­ti­schen In­for­ma­tio­nen des In­do­mi­nus Rex aus dem Mo­sa­s­au­rus-Be­cken mit­tels ei­nes Mi­ni-U-Boots ge­bor­gen wer­den sol­len. Selbst­ver­ständ­lich läuft die Ber­gungs­ak­ti­on schief und die Men­schen mit der ge­ne­ti­schen Pro­be wer­den auf dem Weg zum Hub­schrau­ber von – Sie ah­nen es be­reits – un­se­rer klei­nen „Re­xy“über­rascht, wäh­rend der Mo­sa­s­au­rus eben­falls für die ein oder an­de­re Über­ra­schung gut ist, so­lan­ge sich die Men­schen in Was­ser-Nä­he auf­hal­ten. Und da ein Groß­teil des Films in Ha­waii ge­dreht wur­de, heißt es hier recht häu­fig: Sur­pri­se! Nicht nur auf Is­la Nu­blar.

We­sent­lich ge­fähr­li­cher noch als jed­we­der Al­losau­rus, Sty­gimol­loch, Si­no­ce­ra­tops oder Ba­ryo­nix, um nur ein paar der neu­en Di­nos na­ment­lich in den Raum zu wer­fen, sind al­ler­dings die mensch­li­chen An­t­ago­nis­ten: Eli Mills (Ra­fe Spall) als ge­wief­ter In­tri­gant, Gun­nar Ever­sol (To­by Jo­nes) als Auk­tio­na­tor und Ken Wheat­ley (Ted Le­vi­ne) als be­waff­ne­te InGen-Exe­ku­ti­ve hei­zen den Hel­den des Fil­mes mäch­tig ein.

„Ju­ras­sic World: Das ge­fal­le­ne Kö­nig­reich“kommt ab dem 07. Ju­ni in die Ki­nos und läu­tet so­mit ei­ne neue Ära des den Ki­no­gän­ger be­glü­cken­den Ju­ra-Zeit­al­ters ein, das ur­sprüng­lich vor et­wa 145 Mil­lio­nen Jah­ren en­de­te und nun in der Ge­gen­wart zu­min­dest auf den Kino-Lein­wän­den ei­ne Re­nais­sance er­fährt. Will­kom­men in „Ju­ras­sic World“, ei­ner Welt, in der es end­lich wie­der mehr Tier­ar­ten gibt und der Mensch ein paar Glie­der der Nah­rungs­ket­te nach unten ge­pur­zelt ist, um sei­nem zu­vor so sel­ten ge­nutz­ten Angst-Ge­fühl ei­nen wah­ren Exis­tenz­grund zu ge­ben.

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