| Ani­ma­ti­on

Ges­tern, heu­te und für im­mer

Blu-ray Magazin - - Service - TORS­TEN FRÖHLICH

Your Na­me, Ki­ckers, Wan­na be The Stron­gest In The World, An­ti Ma­gic Aca­de­my, Tou­ken Ran­bu Ha­na­ma­ru, Na­gi No Asu­ka­ra, Pa­ra­sy­te The Ma­xim, Bat­man Nin­ja, Na­ru­to Ship­pu­den, Shi­ro­ba­ko

Es be­ginnt mit ei­ner Su­che nach sich selbst oder doch mit ei­nem Ge­fühl? Ist es gar ein Ort, ei­ne Per­son oder ein­fach der Ruf des Schick­sals? Im Mit­tel­punkt die­ser Fra­ge­stel­lun­gen ste­hen zwei Teen­ager, die bis da­to rein gar nichts mit­ein­an­der zu tun hat­ten. Mits­u­ha wohnt ge­mein­sam mit ih­rer klei­nen Schwes­ter Yots­u­ha ir­gend­wo in ei­nem klei­nen, ja­pa­ni­schen Berg­dorf. Schon lan­ge trägt sie die Sehn­sucht nach ei­nem pul­sie­rend-auf­re­gen­dem Le­ben in ei­ner Me­tro­po­le im Her­zen. Ta­ki wie­der­um kommt di­rekt aus dem Epi­zen­trum des Tru­bels, To­kio, und wid­met sich ei­nem Stu­di­um, wäh­rend er sich durch sei­nen Kell­ner­job mehr schlecht als recht durch den All­tag schlägt. Im Ge­gen­satz zur länd­li­chen Idyl­le ist er stets von Stress ge­trie­ben. Da­bei wünscht er sich, er wä­re nicht ganz so schüch­tern und könn­te end­lich das Mys­te­ri­um „Frau“ver­ste­hen. In ih­ren Träu­men be­ge­ben sich die bei­den Sehn­süch­ti­gen dann zu ih­ren Wun­schor­ten. Doch zeigt sich bald, dass ih­re Träu­me rea­ler zu sein schei­nen, als ur­sprüng­lich ge­dacht. Viel­mehr tau­schen Mits­u­ha und Ta­ki ih­re Kör­per nach dem Ein­schla­fen und be­strei­ten fort­an den All­tag des je­weils un­be­kann­ten Ge­gen­übers, um dann wie­der in ih­re ei­ge­ne mensch­li­che Hül­le zu­rück­zu­keh­ren. Da die­ser Iden­ti­täts­und Rol­len­wech­sel nicht täg­lich ge­schieht und auch sonst ein Mys­te­ri­um bleibt, kön­nen sich die bei­den in ih­rem neu­en Da­sein aus­pro­bie­ren. Mits­u­ha führt Ta­ki ge­ra­de­wegs in ein Ren­dez­vous, wäh­rend die­ser sie er­mu­tigt, ih­rem stren­gen Va­ter en­er­gi­scher ent­ge­gen­zu­tre­ten.

Als ei­nes Ta­ges die Ver­bin­dung zwi­schen den bei­den un­er­war­tet ab­bricht, be­gibt sich Ta­ki auf die Su­che nach dem Mäd­chen, das er nur aus sei­nen Träu­men kennt.

Nicht per­fekt, aber gran­di­os

Re­gis­seur Ma­ko­to Shin­kai („5 Cen­ti­me­ters per Se­cond“) be­wegt sich ge­wis­ser­ma­ßen in fil­mi­schen Ge­wäs­sern, die auch schon Ani­me-Le­gen­den wie Ha­yao Miyaz­aki („Mein Nach­bar To­to­ro“), Ma­mo­ru Ho­so­da („Sum­mer Wars“) und Sa­to­shi Kon („Per­fect Blue“) be­fah­ren ha­ben. Shin­kai ge­lang es mit „Your Na­me“al­ler­dings, den welt­weit er­folg­reichs­ten Ani­me al­ler Zei­ten auf die Lein­wand zu brin­gen, der rund 358 Mio US-Dol­lar an den Ki­no­kas­sen ein­spiel­te. Die Fil­m­ad­ap­ti­on folgt da­bei ei­nem vor­an­ge­gan­ge­nen Ro­man und ei­nem Man­ga. Die ja­pa­ni­sche „Jun­ge-trifft-Mäd­chen-Ge­schich­te“mit dem Ele­ment der ver­tausch­ten Kör­per­rol­len ist an sich kein neu­er Ki­no­stoff. Den­noch schafft es „Your Na­me“, mehr als ei­ne blo­ße, kli­schee­haf­te Roman­ze zwei­er Pu­ber­tie­ren­der zu sein. Die Ge­schich­te um Ta­ki und Mits­u­ha ist viel­mehr ein Prunk­stück für Jung und Alt und ver­webt ei­ne No­te aus Ro­man­tik, Aben­teu­er so­wie ei­ner Pri­se Mys­te­ry zu ei­nem per­fek­ten or­ga­ni­schen Un­ter­hal­tungs­film. The­men wie die Her­aus­for­de­run­gen des Her­an­wach­sens im Zu­ge ei­ner sich ent­wi­ckeln­den Iden­ti­täts­fin­dung, um­man­telt von Fra­gen zur Schick­sals­fü­gung wer­den ge­konnt aus­ba­lan­ciert. Auch Sehn­süch­te nach all dem, was man ge­ra­de nicht hat, im Sin­ne der Ge­gen­über­stel­lung von Ru­he und Hek­tik, Mo­der­ne und Tra­di­ti­on in un­se­rer sich ra­sant ent­wi­ckeln­den Welt, wer­den dem Mit­füh­len­den ge­ra­de­zu ent­ge­gen­ge­wor­fen. Die ste­ti­ge Su­che nach dem Glück, wel­ches bei­den Te­enagern so fern scheint, lässt den ge­neig­ten Zu­schau­er hof­fen und ban­gen und trägt die Span­nung bis zum Schluss, wo­bei ein wei­te­rer ent­schei­den­der Twist für zu­sätz­li­che Span­nung sorgt. Da­bei ver­zau­bert die mär­chen­haf­te Bild­ge­walt mit all ih­rer Far­ben­pracht und ei­nem na­he­zu hy­per­rea­lis­ti­schen, ul­tra­schar­fen Ani­ma­ti­ons­stil, der die Fra­ge ent­ste­hen lässt, war­um das auch hand­lungs­tech­nisch recht bo­den­stän­di­ge Dra­ma nicht mit rea­len Schau­spie­lern um­ge­setzt wur­de. Die Band RADWIMPS un­ter­malt die fu­rio­se Ku­lis­se mit ei­nem pas­sen­den, ein­gän­gi­gen Sound­track-Mix aus Pop und Rock. Ma­ko­to Shin­kai ge­lingt mit „Your Na­me“ein Stück vol­ler Ma­gie, das vom Er­zähl­tem­po her und auch be­züg­lich in­no­va­ti­ver Darstel­lungs­for­men kei­nes­wegs per­fekt ist. Hier könn­te sich Shin­kai ei­ni­ges von sei­nem Kol­le­gen Ma­mo­ru Ho­so­da ab­schau­en. Den­noch ist „Your Na­me“ein an­rüh­ren­der Film, der ge­konnt Über­na­tür­lich-Abs­trak­tes mit den Co­m­ing-Of-Age-Ge­schich­ten zwei­er Teen­ager ver­webt und da­bei trotz ro­man­ti­scher Ele­men­te nicht ins Tal des Kit­sches ab­stürzt. Ne­ben der Standard-Blu-ray (22 Eu­ro) ist wei­ter­hin ein 4K-Steel­book (für rund 40 Eu­ro) so­wie ei­ne Li­mi­ted Collec­tor’s-Edi­ti­on samt Sound­track-CD, Book­let, Haar­band und Art­cards er­hält­lich. Letz­te­res wird von ei­ni­gen Händ­lern für un­ver­schäm­te „Samm­ler­prei­se“ge­han­delt.

Ei­ne zwei­ge­teil­te Ster­nen­schnup­pe mit weit­rei­chen­den Fol­gen. Das Dra­ma be­ginnt …

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