Thril­ler

Blu-ray Magazin - - Service - MAR­TIN GLEITSMANN

God Of War, Hig­her Po­wer, Blut­ra­che, Ha­ga­zussa, Brims­to­ne, Twin Peaks: Fi­re Walk With Me, Lock­down, Ghost­land, De­ad Girl, Blood Feast (2016), To End All Wars, Pay Day, Mol­ly’s Ga­me, Fi­nal Ta­ke Off

Räu­men wir gleich zu Be­ginn ein mög­li­ches Miss­ver­ständ­nis aus dem Weg: Der Film „God Of War“ist sei­nem Na­men zum Trotz kei­ne Ver­fil­mung von So­nys enorm po­pu­lä­rer „God Of War“-Spie­le­se­rie um den dau­er­grim­mi­gen Halb­gott Kra­tos. Bleibt die Fra­ge, ob sich den­noch ein se­hens­wer­ter Strei­fen hin­ter dem be­kann­ten Ti­tel ver­birgt.

Gor­don Chan ist ein enorm viel­sei­ti­ger Fil­me­ma­cher, der sich ein­fach auf kein Gen­re und auf kei­nen Re­gie­an­satz fest­le­gen las­sen möch­te. Als Dreh­buch­au­tor (dar­un­ter für Fil­me wie den Ja­ckie Chan-Klas­si­ker „Ac­tion Hun­ter“) be­gann er sei­ne Kar­rie­re im pro­spe­rie­ren­den Hong­kong-Ki­no der Acht­zi­ger Jah­re, schon bald saß er dann aber doch lie­ber auf dem Re­gie­stuhl, wo­bei er die Dreh­bü­cher sei­ner Fil­me meist noch im­mer selbst ver­fass­te. Im Wes­ten ist der em­si­ge Re­gis­seur am ehes­ten be­kannt für sei­ne ac­tion­las­ti­gen Fil­me wie Jet Lis „Fist Of Le­gend“oder Ja­ckie Chans „Thun­der­bolt“, in sei­ner Hei­mat je­doch wird Chan eben­so als Pro­fi für Dra­men, Thril­ler und auch hei­te­re Stof­fe ge­schätzt. Ei­ni­ge der be­lieb­tes­ten und bes­ten Ste­phen-Chow-Ko­mö­di­en wie die „Fight Back To School“-Fil­me oder auch der groß­ar­ti­ge „King Of Beg­gars“ge­hen auf sein Kon­to. Es lässt sich al­ler­dings nicht wirk­lich ab­strei­ten, dass eben­so viel­fäl­tig wie die Gen­res sei­ner Fil­me auch de­ren Qua­li­tät ist. Darf sich „Fist Of Le­gend“ganz zu­recht ein Gen­re-High­light und mo­der­ner Mar­ti­al-Arts-Klas­si­ker nen­nen, ist sein 1997er „Ak­te X“-Ver­schnitt „Ar­ma­ged­don“mit An­dy Lau an­de­rer­seits völ­lig zu Recht im Or­kus des Ver­ges­sens ver­schwun­den. Und je we­ni­ger Wor­te um sei­nen zwei­ten Ja­ckie Chan-Film „Das Me­dail­lon“oder aber die grot­ti­ge Vi­deo­spiel-Ver­fil­mung „King Of Figh­ters“ge­macht wer­den, um so bes­ser.

Schlach­ten-Epos

Die Tat­sa­che, dass Gor­don Chans jüngs­ter Film nun sei­nen Weg nach Deutsch­land ge­fun­den hat, ist al­so durch­aus mit ge­dämpf­ter Eu­pho­rie auf­zu­neh­men. Zu­dem han­delt es sich bei dem 2017 in die chi­ne­si­schen Ki­nos ge­kom­me­nen „God Of War“um ein wei­te­res waf­fen- und rüs­tungs­star­ren­des His­to­rien­epos aus dem Land der Mit­te, ein Gen­re, das beim west­li­chen Pu­bli­kum nicht un­be­dingt mehr je­ne Fas­zi­na­ti­on aus­löst, die ein „He­ro“, ein „Hou­se Of Fly­ing Dag­gers“oder erst recht ein „Crou­ch­ing Ti­ger, Hid­den Dra­gon“noch er­zeu­gen konn­ten. Gor­don Chan selbst hat­te mit „Pain­ted Skin“, „Mu­ral“und der „The Four“-Tri­lo­gie schon sei­nen Bei­trag ge­leis­tet, um ein Ge­fühl des Über­drus­ses an­ge­sichts von Ge­ne­rä­len in prunk­vol­len Rüs­tun­gen, pa­trio­ti­schen Schwert­kämp­fern und kon­fu­zia­nis­ti­schen Weis­hei­ten auf­kom­men zu las­sen. Von Gor­don Chans vor­he­ri­gen His­to­ri­en­schin­ken un­ter­schei­det sich „God Of War“al­ler­dings durch den Ver­zicht auf ex­pli­zit fan­tas­ti­sche Ele­men­te. Zwar über­tref­fen zu­wei­len auch hier die Sprün­ge der Hel­den olym­pi­sche Spit­zen­leis­tun­gen und er­stau­nen die flin­ken und akro­ba­ti­schen Be­we­gun­gen schwer ge­pan­zer­ter Kämp­fer, den­noch blei­ben die­se Über­trei­bun­gen im üb­li­chen Rah­men solch his­to­ri­scher Ac­tion­fil­me.

His­to­ri­sche Ku­lis­se

Apro­pos Rah­men, den ge­schicht­li­chen Rah­men der Hand­lung bil­det hier die be­rühm­te

Ming-Dy­nas­tie im 15. Jahr­hun­dert, als Chi­na un­ter den An­grif­fen ja­pa­ni­scher Pi­ra­ten lei­det, die noch da­zu mit chi­ne­si­schen Kol­la­bo­ra­teu­ren zu­sam­men ar­bei­ten.

Kämp­fe auf ho­her See soll­ten an die­ser Stel­le al­ler­dings ge­nau­so we­nig er­war­tet wer­den wie Au­gen­klap­pen und Pa­pa­gei­en. Ei­gent­lich han­delt es sich bei den Pi­ra­ten näm­lich eher um klas­si­sche In­va­si­ons­trup­pen. Dank des tak­ti­schen Ge­schicks ih­res An­füh­rers Ku­ma­sa­ma („Fist Of Le­gend“-Star Ya­sua­ki Ku­ra­ta) set­zen die Ein­dring­lin­ge den Chi­ne­sen schon or­dent­lich zu. Nach ei­ner spek­ta­ku­lä­ren Nie­der­la­ge der Ming-Trup­pen er­hält der eben­so kampf­star­ke wie stra­te­gisch be­gab­te Ge­ne­ral Qi Ji­guang (Vin­cent Zhao) al­so den Auf­trag, es den Ja­pa­nern und ih­ren Ver­bün­de­ten mit glei­cher Mün­ze heim­zu­zah­len. Zu­vor müs­sen die ei­ge­nen Leu­te aber erst ein­mal ge­fun­den und für die ei­ge­ne Sa­che ge­won­nen, dann na­tür­lich bes­ser aus­ge­bil­det und schließ­lich auch noch raf­fi­nier­te Schlach­ten­plä­ne ent­wor­fen wer­den. Und lei­der ist auch der in­te­gers­te und ta­len­tier­tes­te Ge­ne­ral nicht vor In­tri­gen im ei­ge­nen La­ger ge­feit.

Vi­su­ell ein­neh­mend

Freun­de or­dent­lich mar­tia­li­scher Aus­ein­an­der­set­zun­gen vor ma­le­ri­sche­ren Ku­lis­sen er­war­tet in „God Of War“ein wah­res Fest für die Au­gen. Von hand­fes­ten Ein­zel­kämp­fen über blu­ti­ge Mas­sen­schlach­ten bis zu spek­ta­ku­lä­rem Ka­no­nen­don­ner und zer­stö­re­ri­schen Ex­plo­sio­nen: Gor­don Chan und sein St­unt­team las­sen sich wahr­lich nicht lum­pen, wenn es um die Il­lus­tra­ti­on der Kon­flikt­aus­tra­gun­gen geht. In­halt­lich aber lei­det der Film auch an Sym­pto­men, die im chi­ne­si­schen His­to­ri­en­film all­zu häu­fig vor­kom­men.

So be­ginnt der Film bei­spiels­wei­se mit ei­nem mehr­mi­nü­ti­gen Vor­trag aus dem Off über die his­to­ri­sche Si­tua­ti­on, der mit Na­men und Ent­wick­lun­gen über­frach­tet ist und eher ver­wirrt als er­hellt. Im An­schluss braucht der Film deut­lich zu lang, um Hel­den, Wi­der­sa­cher und zen­tra­le Kon­flik­te kon­kret zu eta­blie­ren. Im­mer wie­der ver­liert sich die Er­zäh­lung in Ne­ben­schau­plät­zen, die der Haupt­hand­lung Schwung und Span­nung steh­len. Es bleibt da­bei im­mer­hin ge­nug üb­rig, um das In­ter­es­se des Pu­bli­kums nach an­fäng­li­cher Ori­en­tierunglo­sig­keit auf­recht zu hal­ten, deut­lich wird aber, dass „God Of War“um ei­ni­ges pa­cken­der und dra­ma­ti­scher hät­te aus­fal­len kön­nen.

Die Cha­rak­te­re hät­ten von mehr Dra­ma durch­aus pro­fi­tie­ren kön­nen, wie in vie­len an­de­ren His­to­rie­nepen aus Chi­na mu­ten sie bis­wei­len näm­lich eher wie Schach­fi­gu­ren an denn wie rich­ti­ge Men­schen. Im­mer­hin ist das Be­mü­hen der Ma­cher um Am­bi­va­lenz an­zu­er­ken­nen, so­wohl im chi­ne­si­schen Haupt­hel­den, des­sen be­ruf­li­cher Ehr­geiz und Pa­trio­tis­mus auf Kos­ten sei­nes Pri­vat­le­bens geht, als auch im ja­pa­ni­schen An­t­ago­nis­ten, der über­ra­schend sym­pa­thisch ge­zeich­net ist. Gleich­wohl bleibt die Am­bi­ti­on aber auch im Ver­suchs­sta­di­um ste­cken, denn ans Herz geht das Schick­sal der Cha­rak­te­re trotz sehr an­stän­di­ger Schau­spiel­leis­tun­gen ins­ge­samt nicht, es bleibt le­dig­lich bei ei­ner ober­fläch­li­chen An­teil­nah­me.

Wer je­doch ac­tion­rei­ches His­to­ri­en­spek­ta­kel ger­ne auch ge­nießt, oh­ne nun un­be­dingt emo­tio­nal tief er­grif­fen zu wer­den, der hat am üp­pi­gen, schaud­rig-schö­nen „God Of War“si­cher viel Freu­de, auch wenn die Qua­li­tät der Gen­re-High­lights „Red Cliff“und „The War­lords“knapp ver­fehlt wird.

Stil muss schon sein: Oh­ne De­tails wie die fein ge­ar­bei­te­ten Schil­de wä­re ei­ne über­zeu­gen­de Aus­stat­tung ein­fach nicht das sel­be

Der Kampf ge­gen Pi­ra­ten ge­stal­tet sich hier schon et­was an­ders, als man das von hie­si­gen Fil­men mit den hoch­see­taug­li­chen Räu­bern kennt

Schi­cke Ef­fek­te ge­hö­ren da­zu: Ein klei­ner knal­len­der Vor­ge­schmack dar­auf, was man vi­su­ell von die­sem Film er­war­ten kann

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