| Ko­mö­die

Blu-ray Magazin - - Service - MI­RI­AM HEINBUCH

Pe­ter Ha­se, Wer ist Dad­dy?, Ga­me Night

Um als jun­ges Lang­ohr ne­ben ei­nem fie­sen, al­ten, Ha­sen­pas­te­te-lie­ben­den Mann zu über­le­ben und an sein Ge­mü­se zu kom­men, braucht es ei­ni­ges: Mut, In­tel­li­genz und Freun­de, die ei­nem aus der Pat­sche hel­fen. Was man nicht braucht: Selbst­über­schät­zung und Ho­sen.

Die Ge­schich­te der Un­ter­hal­tungs­bran­che ist vol­ler Tier­fi­gu­ren, de­nen man zwar ein Ober­teil zu­ge­dacht hat, die man aber un­ten­rum in punc­to Be­klei­dung leer aus­ge­hen lässt. Do­nald Duck geht un­ten oh­ne, sei­ne en­ge­ren An­ge­hö­ri­gen (Dai­sy ein­be­grif­fen) eben­so. Dann wä­re da noch Th­ad­dä­us Ten­ta­kel, be­kannt als Ne­ben­fi­gur bei Spon­ge­bob, der Bär Pad­ding­ton so­wie der art­ver­wand­te Puh der Bär. Und wir al­le er­in­nern uns an das Fuß­ball­mas­kott­chen Go­leo, das der gan­zen Welt zeig­te wo er die Lo­cken, be­zie­hungs­wei­se das dich­te Fell hat. Aber nicht al­le the­ma­ti­sie­ren die­sen mo­di­schen Faux­pas gleich zu Be­ginn – das tut man bei „Pe­ter Ha­se.“Da­mit ist Pe­ter al­so in bes­ter Ge­sell­schaft, und das nicht nur im pop­kul­tu­rel­len Sin­ne. Die­ses Hä­schen hat vie­le Freun­de, bei de­nen er schon ei­ne Art An­füh­rer­rol­le hat und als An­stif­ter für ris­kan­te Ak­tio­nen agiert. Da wä­re schon mal sei­ne Fa­mi­lie – al­so was von ihr üb­rig ist, da die El­tern nicht mehr le­ben. Und das liegt auch an der ei­nen Per­son, mit der Pe­ter so gar nicht klar kommt, sei­nem Erz­feind: Der al­te McG­re­gor (Sam Neill) will ihm an den Kra­gen, und wür­de das auch fast schaf­fen, kä­me dem klei­nen Müm­mel­mann nicht die Künst­le­rin Bea (Ro­se Byr­ne, „Bad Neigh­bors“) zu Hil­fe. Und das darf sie be­stimmt öf­ter tun, denn die Tie­re schlei­chen sich gern in den Gar­ten des fie­sen al­ten Man­nes, um sich reich­lich an sei­nem le­cke­ren, üp­pi­gen Ge­mü­se zu be­die­nen. Wenn der al­te Grum­mel al­so schon recht früh im Film das Zeit­li­che seg­net, dann weiß man, dass et­was Neu­es kom­men muss. Oder ge­nau­er ge­sagt: je­mand.

Tho­mas McG­re­gor (Domhnall Glee­son, „Star Wars – Epi­so­de VIII: Die letz­ten Je­di“) ist ein pe­ni­bler Per­fek­tio­nist, der auf je­des De­tail in den Spiel­zeug­aus­la­gen vom Kauf­haus Har­rod‘s ach­tet, wo er hofft, zum stell­ver­tre­ten­den Ge­schäfts­füh­rer be­för­dert zu wer­den. Als er über­gan­gen wird, hat er ei­ne ziem­lich hef­ti­ge Re­ak­ti­on. Gut, dass es ihn ganz zu­fäl­lig aufs Land ver­schlägt, wo er ge­ra­de von sei­nem ihm un­be­kann­ten Groß­on­kel ein Haus ge­erbt hat. Pe­ter hat ei­nen neu­en Erz­feind und er ist jün­ger, agi­ler und ein­falls­rei­cher als der letz­te. Al­ler­dings kommt der bei Bea ziem­lich gut an und das be­ruht auf Ge­gen­sei­tig­keit. Mö­gen die Spie­le be­gin­nen!

Ha­sen­le­ben da­mals und heu­te

Dass die­se Mi­schung aus Re­al­film und Ani­ma­ti­on der lie­be­vol­len Ge­müt­lich­keit der li­te­ra­ri­schen Vor­la­ge des „Pe­ter Rab­bit“in Form der Bü­cher von Bea­trix Pot­ter nur noch be­dingt ent­spricht, be­zie­hungs­wei­se dass der Film ein­fach an­ders wirkt, kann man sich an­hand der Zu­sam­men­fas­sung schon den­ken. Vi­su­el­le Hin­wei­se auf die Kin­der­bü­cher gibt es aber bei­spiels­wei­se in Beas Haus zu fin­den, und auch in der Aus­ge­stal­tung der Tier­fi­gu­ren. Pe­ters blaue Ja­cke ist na­tür­lich da­bei. Zu­dem wird be­haup­tet, dass Bea so­zi­al iso­liert sei, ei­ne Si­tua­ti­on, die auch Bea­trix Pot­ter er­lebt hat. Es ist ja auch ir­gend­wie klar, dass sich ein mo­der­ner Film von der über hun­dert Jah­re al­ten Ar­beit Pot­ters un­ter­schei­det. Da­mals gab es für so ei­nen Ha­sen ja noch gar nicht die Mög­lich­keit, zur Punk­band Ran­cid ab­zu­fei­ern. Den­noch er­kennt man vie­les wie­der, von der Ja­cke Pe­ters, die McG­re­gor im Gar­ten auf­hängt oder des Ha­sen über­mü­ti­ge Art. Man muss aber trotz schön ein­ge­bau­ter Re­fe­ren­zen sa­gen, dass die­ser Film vor al­lem et­was für die­je­ni­gen ist, die Pe­ter Ha­se-Neu­lin­ge sind, denn es ist ein ty­pi­scher ak­tu­el­ler Fa­mi­li­en­film mit or­dent­lich Tem­po, vie­len pop­kul­tu­rel­len An­spie­lun­gen und ei­ni­gem an Spek­ta­kel. Wäh­rend das die Kin­der be­lus­ti­gen dürf­te, soll­ten Er­wach­se­ne mit ei­nem star­ken Hang zur Nost­al­gie die Er­war­tun­gen vi­el­leicht doch et­was zu­rück­schrau­ben. Wer oh­ne Er­in­ne­run­gen aus Kin­der­zei­ten an die Sa­che her­an­geht, fin­det hier über­dreh­te Cha­rak­te­re, tie­ri­sche Action, ei­ne recht gu­te Aus­wahl an Pop­songs so­wie ei­ne Haupt­rol­le mit der Syn­chron­stim­me von Christoph Ma­ria Herbst. Na­tür­lich gibt es auch ei­ne Bot­schaft dar­über, sich nicht ego­is­tisch in den ei­ge­nen In­ter­es­sen zu ver­ren­nen oh­ne nach links und nach rechts zu se­hen, weil man nur noch den ei­ge­nen Stand­punkt wahr­nimmt.

Nicht in­no­va­tiv, aber lus­tig

Was die Tech­nik an­geht, hält der Film vi­su­ell den wirk­lich gu­ten, ak­tu­el­len Stan­dard die­ser Art von Film. Es gibt al­so kaum et­was zu be­an­stan­den. Die Ani­ma­tio­nen se­hen bril­lant aus, das Fell der Ha­sen ist schick, die Au­gen glän­zen im Licht und das un­ver­schäm­te Grin­sen beim Prot­ago­nis­ten Pe­ter Ha­se sitzt. Die Far­ben sind schön kräf­tig und ge­sät­tigt. Wenn es bei der Action knallt, dann kommt das sound­tech­nisch auch gut rü­ber. Hin­ter der Fa­mi­li­en­ko­mö­die ste­hen Re­gis­seur und Dreh­buch­au­tor Will Gluck („Freun­de mit ge­wis­sen Vor­zü­gen“, „An­nie“) und Dreh­buch­au­tor Rob Lie­ber („Die Co­o­pers – Schlim­mer geht im­mer“). Wäh­rend ei­ni­ge ih­rer Ein­fäl­le ziem­lich wit­zig sind und sie den Tie­ren sü­ße, klar un­ter­scheid­ba­re Per­sön­lich­kei­ten ge­ge­ben ha­ben, sind an­de­re zu viel des Gu­ten oder zün­den nur be­dingt.

Das Re­sul­tat ist nicht schlecht, es ist so­gar recht spa­ßig, nur auch et­was in­kon­sis­tent. Im Ver­gleich zu bei­spiels­wei­se den „Pad­ding­ton“-Fil­men, die ja eben­falls ei­ne Mi­schung aus CGI und Re­al­film dar­stel­len und auf ei­ner re­la­tiv al­ten Vor­la­ge ba­sie­ren, die schwer vom Nost­al­gief­ak­tor ist, fehlt es ein­fach noch et­was an der in je­der­lei Hin­sicht kon­se­quen­ten und zu­tiefst lie­be­vol­len Aus­füh­rung, die „Pad­ding­ton“mit­bringt. Wahr­schein­lich hät­te es sich ge­lohnt, den so­wie­so schon leicht re­bel­li­schen Film noch sub­ver­si­ver zu ge­stal­ten – das passt auch zu Bea­trix Pot­ter, die üb­ri­gens in „Die zau­ber­haf­te Welt der Bea­trix Pot­ter“von Re­née Zell­we­ger ver­kör­pert wur­de. Ab­ge­se­hen da­von ist „Pe­ter Ha­se“ein wei­test­ge­hend wit­zi­ger und leicht an­ar­chis­ti­scher Film, der de­fi­ni­tiv sei­ne Mo­men­te hat. Er fügt dem der­zeit häu­fig sehr lau­ten und schnel­len Fa­mi­li­en­film-Gen­re nichts wirk­lich Neu­es hin­zu, passt aber gut in die mo­men­tan gän­gi­ge Schie­ne. Au­ßer­dem könn­te er man­ches Kind da­zu ver­lei­ten, doch lie­ber mehr Ge­mü­se zu es­sen. Üb­ri­gens: Ho­sen hat au­ßer den Men­schen nie­mand hier an. Zu­sätz­lich zum Film gibt es ein Mi­ni Mo­vie, ein Dan­ce-Along und ein Ma­king-of, so­wie ei­ne klei­ne Gärt­ner-Ein­lei­tung, die den Klei­nen ge­fal­len dürf­ten. Der Film er­scheint auch als 4K-Ver­si­on.

Der jun­ge McG­re­gor (Domhnall Glee­son) ist kein Ha­sen­fan

Bea (Ro­se Byr­ne) eilt den Lang­oh­ren stets zu Hil­fe

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