Pre­acher

Blu-ray Magazin - - Serie - LEON JOEST

Dra­ma-/Hor­ror-Se­rie OT: Pre­acher Sea­son 3 L: US J: 2018 V: So­ny Pic­tu­res Ho­me B: 1.77 : 1 T: DD 5.1 R: Micha­el Slo­vis, John Gril­lo, Way­ne Yip, Mil­li­cent Shel­ton D: Do­mi­nic Co­oper, Ruth Neg­ga, Jo­seph Gil­gun, Ian Col­let­ti LZ: 438 min FSK: 16 W-Co­ver: k. A. VÖ: 22.11.18 × 3 Ex­tras: 2/10

Der Got­tes­pre­di­ger und Sa­t­ans­bra­ten kehrt zum drit­ten Mal auf den Bild­schirm zu­rück und muss sich na­tür­lich auch in der neu­es­ten Staf­fel von „Pre­acher“zu­sam­men mit den üb­li­chen Ver­däch­ti­gen Tu­lip (Ruth Neg­ga), und Cas­sidy (Jo­seph Gil­gun), al­ten und neu­en Ge­fah­ren stel­len. Al­ler­dings sind sie nun nicht mehr im tro­cke­nen Te­xas oder dem ver­ruch­ten aber le­ben­di­gen New Or­leans un­ter­wegs, son­dern am Ort von Jes­ses Ju­gend, dem länd­li­chen und ein­sa­men An­gel­vil­le, Loui­sia­na. Die Wie­der­ver­ei­ni­gung mit der Fa­mi­lie ist je­doch nicht der wah­re Grund, der Jes­se wi­der­wil­lig un­ter das Dach und in die Ar­me sei­ner zwie­lich­ti­gen Oma treibt. (SPOILER-Warnung: Wer Staf­fel 2 noch nicht ge­se­hen hat, soll­te dies erst ein­mal nach­ho­len be­vor er wei­ter­liest.) Die Ur­sa­che für sein selt­sa­mes Ver­hal­ten liegt in der Tat­sa­che, dass Tu­lips schick­sals­haf­te Be­geg­nung mit den fa­na­ti­schen An­zug­trä­gern in Weiß zu ih­rem end­gül­ti­gen Tod führ­te und das ge­fürch­te­te Groß­müt­ter­chen die ein­zi­ge bleibt, die Tu­lip noch mit Hil­fe dunk­ler Kräf­te aus dem Fe­ge­feu­er fi­schen kann, be­vor ih­re See­le kom­plett dem welt­li­chen Le­ben ent­schwun­den ist.

Das Ver­mächt­nis

Staf­fel 3 schließt qua­si naht­los an die Ge­scheh­nis­se der ers­ten bei­den Staf­feln an und führt den Zu­schau­er nicht nur in den tat­säch­li­chen Sumpf, son­dern auch in die sump­fi­ge und düs­te­re Ver­gan­gen­heit von Jes­se Cus­ter (Do­mi­nic Co­oper), die zwar auch in Staf­fel Nu­me­ro Dos hier und da mal an­ge­schnit­ten, aber bis jetzt nie all­zu aus­führ­lich be­han­delt wur­de. Die Ge­schich­te hin­ter Jes­ses ur­sprüng­li­cher Flucht vor sei­ner ei­ge­nen Fa­mi­lie, die dunk­len, über­na­tür­li­chen Ge­schäf­te sei­nes Clans und die Skru­pel­lo­sig­keit sei­ner Gr­an­ma wer­den über zehn Fol­gen auf­ge­deckt und so manch ein ver­stö­ren­des De­tail aus dem Le­ben des Jes­se Cus­ter of­fen ge­legt.

Nur beim Fa­mi­li­en­dra­ma soll es na­tür­lich nicht blei­ben, denn zum ei­nen ist der fah­nen­flüch­ti­ge Gott nach wie vor ver­schwun­den und nebst be­reits be­kann­ten, glatz­köp­fi­gen Fa­na­ti­kern tre­ten zu al­lem Über­fluss nun auch noch die Na­zis auf den Plan (so­wohl die Klan-Süd­staa­ten- als auch die Arm­bin­den tra­gen­de Ori­gi­nal­aus­füh­rung) und ver­sal­zen Cus­ter & Co. or­dent­lich die Blut­sup­pe. Es wird schnell klar, dass der Fa­mi­li­en­be­such zu ei­ner Be­dro­hung ge­wor­den ist, die weit­aus schlim­me­res als nur den Tod in pet­to hat. Die Se­rie selbst ba­siert auf den gleich­na­mi­gen Gra­phic No­vels, die ge­schrie­ben von Garth En­nis und ge­zeich­net von Ste­ve Dil­lon in den spä­ten 1990er-Jah­ren er­schie­nen sind und seit­dem ei­nen fes­ten Pos­ten un­ter düs­te­ren, aber hu­mor­vol­len Kult-Klas­si­kern ein­ge­nom­men ha­ben. Die Hand­lung der drit­ten Staf­fel ori­en­tiert sich zwar nach wie vor ent­fernt am ge­zeich­ne­ten Vor­bild, al­ler­dings weicht die TV-Ver­fil­mung spä­tes­tens seit der zwei­ten Staf­fel vom Ori­gi­nal ver­stärkt ab, wo­durch es mitt­ler­wei­le nicht mehr mög­lich ist, ei­ne Staf­fel ei­nem ge­nau­en Band zu­zu­ord­nen. Wer al­so die Co­mics be­reits kennt, er­lebt mit der Se­rie völ­lig neue Aspek­te, wes­halb sich dort des Schau­en von An­fang an lohnt. Die chro­no­lo­gi­sche Rei­hen­fol­ge soll­te un­be­dingt ein­ge­hal­ten wer­den, denn die Se­rie er­laubt sich kaum Pau­sen für Re­ka­pi­tu­la­tio­nen. Tech­nisch kann man mit „Pre­acher“zu­frie­den sein, auch wenn die recht gu­te Tech­nik nur sel­ten wirk­lich zum Glän­zen kommt. Das Bild ist scharf, die Far­ben der Si­tua­ti­on an­ge­mes­sen in­ten­siv und auch der De­tail­grad auf ho­hem Ni­veau. Auch die Syn­chro­ni­sa­ti­on kann sich hören las­sen. Der ein oder an­de­re Witz geht zwar in der Über­set­zung un­ter, aber die deut­sche Syn­chro bleibt dem eng­li­schen Ori­gi­nal­ton treu, ist ähn­lich dy­na­misch und auch die Rä­um­lich­keit wur­de ei­ni­ger­ma­ßen bei­be­hal­ten. Rund­um kann man sich al­so mit der drit­ten Staf­fel von „Pre­acher“auf ei­ne wür­di­ge Fort­set­zung der kul­ti­gen Dra­ma­se­rie mit or­dent­lich Hu­mor und Go­re in recht gu­ter tech­ni­scher Qua­li­tät freu­en.

Herr­schaft­lich: Die Se­rie zeigt ei­nem im­mer wie­der Din­ge, mit de­nen man nicht ge­rech­net hät­te

So äs­the­tisch und fluf­fig kön­nen ge­fähr­li­che Sze­na­ri­en aus­se­hen

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