Ho­tel Trans­sil­va­ni­en 3

Ein Mons­ter Ur­laub

Blu-ray Magazin - - Animation - TORSTEN FRÖH­LICH

Man könn­te mei­nen, al­les läuft ge­schmiert im Hau­se Dra­cu­las: das fa­mi­li­en­geführ­te Ho­tel, Toch­ter Ma­vis ei­ge­ne jun­ge Fa­mi­lie und auch die alt­be­währ­ten Bud­dys dür­fen nir­gends feh­len. Den­noch ist all das kein Grund zur Freu­de für das al­lein­ste­hen­de Fa­mi­li­en­ober­haupt. Nach un­zäh­li­gen Jah­ren des tris­ten Sing­le-Da­seins sehnt sich Pa­pa Dra­cu­la nach Ab­wechs­lung. Dies ist ent­spre­chend we­der sei­ner Toch­ter noch al­len an­de­ren Weg­be­glei­tern ver­wehrt ge­blie­ben. Doch wie lässt sich ein 540 Jah­re al­ter Greis am bes­ten ver­kup­peln, wenn sein Al­ter das Aus­wahl­fens­ter je­der Da­ting-App sprengt?Na klar! Ei­ne Kreuz­fahrt in der Son­ne wird’s schon rich­ten und die Mid­life-Cri­sis des al­ten Her­ren bei­sei­te fe­gen. So steu­ert die sym­pa­thi­sche Gru­sel­trup­pe ge­ra­de­wegs an Bord des Lu­xus­li­ners Le­ga­cy und da­mit vol­len Kurs Rich­tung At­lan­tis, der mys­ti­schen un­ter­ge­gan­ge­nen Stadt. Apro­pos ver­sun­ken: Na­tür­lich darf auf der Rou­te das Ber­mu­da-Drei­eck nicht feh­len. Mö­gen es die aben­teu­er­lichs­ten Or­te und Hal­te sein, Va­ter Dra­cu­la ist we­ni­ger nach Be­sich­ti­gung zu­mu­te. Viel­mehr spielt sich Schiffs­ka­pi­tä­nin Eri­cka, ei­ne Men­schen­frau, in den Fo­kus sei­ner Be­gier­de. Und es hat Zing ge­macht! Ganz „la­dy­li­ke“oder eben nicht ist die­se zu­nächst „not amu­sed“be­züg­lich ih­rer Mons­ter­pas­sa­gie­re und schmie­det höch­stei­ge­ne frag­wür­di­ge Plä­ne für die Rei­se.

Ur­laub & zwei­ter Früh­ling

Auch der drit­te Ab­le­ger der Film­rei­he treu: Fa­mi­liä­re All­tags­pro­ble­me wer­den im Mons­ter­ge­wand kind­ge­recht the­ma­ti­siert und auf­be­rei­tet. So sind auch hier vie­le Au­gen­zwin­ke­rei­en zu be­stau­nen. Die Kreuz­fahrt bie­tet im Sin­ne des Ur­laubsthe­mas viel Spiel­raum für ei­nen Kes­sel Bun­tes, wes­halb die Bil­der noch we­sent­lich far­ben­fro­her und wuch­ti­ger ins Au­ge fal­len. Über­dies wird mit der Fi­gur des Abra­ham Van Hel­sing ein An­t­ago­nist ins Boot ge­holt, der den my­tho­lo­gi­schen Be­zug zum Vam­pir-Gra­fen ver­tieft. So steht der Vam­pir­jä­ger im Jahr 1897 kurz da­vor – als lang er­sehn­ter Tri­umph der Fa­mi­lie Van Hel­sing ge­gen die Blut­sau­ger – dem Gra­fen den Gar­aus zu ma­chen. In­so­fern wid­met sich Re­gis­seur Genn­dy Tar­ta­kovs­ky (Dex­ters La­bor, Po­wer­puff Girls) noch mehr der Vor­la­ge Bram Sto­kers. Den­noch ist das Spiel der Erz­fein­de nicht der Haupt­plot. Viel­mehr dreht sich al­les um die Fa­mi­lie. Kaum ver­wun­der­lich, wenn man be­denkt, dass Adam Sand­ler (Kinds­köp­fe 1 + 2) sei­ne Hän­de mit ihm Spiel hat­te. So er­fah­ren die jun­gen Film­freu­de, dass auch El­tern mal ei­ne Aus­zeit und Ur­laub be­nö­ti­gen und dass es völ­lig okay und nor­mal ist, wenn sich ein al­lein­er­zie­hen­der El­tern­teil neu ver­liebt. Dies ge­schieht je­doch we­ni­ger mo­ra­li­sie­rend, son­dern recht de­zent und ent­spannt. Die­se un­auf­ge­reg­te Wohl­füh­l­at­mo­sphä­re wird auch durch die sym­pa­thisch- mons­te­res­ken Ak­teu­re ge­tra­gen, die im hei­te­ren Ge­sche­hen stän­dig da­zu­ler­nen. Jeg­li­che Form von Ge­walt als pro­ba­te Kon­flikt­lö­sungs­stra­te­gie wird durch lus­ti­ge Sze­nen ad ab­sur­dum ge­führt, so dass auch der End­kampf in po­si­tiv-mu­si­ka­li­scher Leich­tig­keit aus­ge­tra­gen wird.

Vi­su­ell spielt die Rei­he um Dra­cu­la, Ma­vis und Co. nach wie vor ge­konnt mit dem Stil von 1920er­und 1930er-Jah­re Car­toons. Das spie­gelt sich in den Fi­gu­ren-De­signs wi­der, aber auch in den Be­we­gungs­for­men und -ab­läu­fen. Da­durch hebt sich die Rei­he sehr gut von der üb­li­chen Kon­kur­renz ab und be­geis­tert so­wohl Jung als auch Alt. Die Mu­sik spielt na­tür­lich wei­ter­hin ei­ne gro­ße und po­si­tiv schwin­gen­de Rol­le, wes­halb vie­le be­kann­te Po­p­lie­der in­to­niert wer­den und Ma­vis-Syn­chron­spre­che­rin Se­le­na Go­mez ih­ren Mons­ter­song selbst schmet­tern darf. Die pop­kul­tu­rel­len An­spie­lun­gen um Grem­lins, Van Hel­sing und das Ber­mu­da­drei­eck dürf­ten dann eher was für die mit­schau­en­den El­tern sein.

„Ho­tel Trans­sil­va­ni­en 3: Ein Mons­ter Ur­laub“ist wun­der­schön an­zu­schau­en, un­heim­lich sym­pa­thisch und be­sitzt zün­den­de Gags für je­de Al­ters­grup­pe. Da die The­ma­tik trotz an­de­ren Set­tings nicht mehr ganz so frisch ist, fällt der drit­te Teil et­was ab, weiß aber den­noch zu un­ter­hal­ten und die Kin­der zu er­hei­tern. Scha­de nur, dass die un­ter­schied­li­chen Cha­rak­te­re á la De­ni­so­vich eher Rand­fi­gu­ren sind, die der Lie­bes­ge­schich­te un­ter­ge­ord­net wer­den. Auf der Disc sind durch­aus viel­fäl­ti­ge Bo­ni ent­hal­ten, wel­che vor al­lem den jün­ge­ren Zu­schau­ern ge­fal­len dürf­ten. So sind zwei knapp fünf­mi­nü­ti­ge Kurz­fil­me, meh­re­re Mit­sing-Lie­der und wit­zi­ge Bo­nus­clips (John­ny’s Ho­me­vi­de­os etc) so­wie Ma­king-Ofs (Wie zeich­net man Graf Dra­cu­la?) ein 17-Mi­nu­ten- Par­ty­vor­be­rei­tungs-Vi­deo und Ori­gi­nal­kom­men­ta­re ent­hal­ten. Ein Blick in die Ex­tras lohnt sich.

Wer Vam­pi­re mag, weiß: Mit ei­nem Van Hel­sing ist nicht wirk­lich zu spa­ßen

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