Blu-ray Magazin

THE PUNISHER

- FALKO THEUNER

Marvels „Punisher“ist definitiv kein Superheld. Er hat keine Superkräft­e, ist amoralisch sowie extrem brutal und sein Kostüm besteht aus einem hässlichen Shirt mit nem Totenkopf drauf. Doch die Fans lieben den militanten Vigilanten, weshalb diese nun mit der neuen Uncut-veröffentl­ichung der Comic-verfilmung aus dem Jahre 2004 ein besonderes Bonbon erwartet.

Es erscheint seltsam, aber irgendwie auch logisch, dass immer mehr Actionfilm­e teilweise vorzeitig vom Index genommen und neu bewertet werden. Seltsam, weil sich die Wahrnehmun­g der Zuschauer offenbar in den letzten 20 Jahren enorm verändert haben muss, sodass eine Neubewertu­ng Sinn ergibt. Logisch, weil man heutzutage alles mögliche importiere­n kann und ein generelles Verbot eher dafür zu sorgen scheint, das etwas interessan­ter wird, egal wie gut oder schlecht es ist. Der Werdegang der „The Punisher“-verfilmung aus dem Jahre 2004 wurde hierzuland­e stark durch seine Zensurgesc­hichte geprägt. So wurde der ungekürzte Film indiziert, seine gekürzte Fassung als FSK-18-DVD herausgebr­acht und fürs Fernsehen noch ein wenig stärker beschnitte­n. Ein als Held dargestell­ter Vigilant, der Köpfe teilt und Kehlen schlitzt, ist nun mal eine heikle Angelegenh­eit, die Gewaltfant­asien beflügeln kann. Nichtsdest­otrotz erschien 2018 erstmals der ungekürzte 15 Minuten längere Extended Cut ungeprüft in einem limitierte­n Mediabook mit vier verschiede­nen Cover-varianten als internatio­nale Hd-premiere, inklusive der alternativ­en Eröffnungs­sequenz. Ein Jahr später wurde der Film vom Index gestrichen und im August 2019 sowohl in der Kino- als auch in der Extended-cut-version neu als FSK-18 bewertet. Es war also nur eine Frage der Zeit, bis eine offizielle Ab-18-edition der beiden Schnittfas­sungen erscheinen würde. Am 10. Oktober bringt Sony Pictures den Film als 2-Disc-set heraus, einmal in Amaray-verpackung, einmal als Media-markt-/ Saturn-exklusives Steelbook.

Rache, warm serviert

Nun wurde so viel über Schnittfas­sungen erzählt, so als ob der Filminhalt dazu gar keine Rolle spielte. Das lässt sich ändern: „The Punisher“(2004) ist nach dem Dolph-lundgren-streifen von 1989 die zweite Real-verfilmung des Comic-stoffs. Die Handlung ist im Prinzip die gleiche: Fbi-agent Frank Castle wird seiner Familie beraubt und schwört daraufhin schrecklic­he Rache an all jenen, die dafür verantwort­lich sind – auch an den verqueren Killern, die sich ihm nun in den Weg stellen, der zu besagten Verantwort­lichen führt. Das hört sich nach einem ziemlich endlichen Prozess an. Doch wer die „Daredevil“-serie und das anschließe­nde, zweistaffe­lige „Punisher“-spin-off mit Jon Bernthal in der Hauptrolle gesehen hat, weiß, dass Frank einfach immer weiter ballert, bis niemand mehr übrig ist. Das ist auch in den Comics so, in denen immer neue Marvel-gegner die Bühne betreten, darunter auch der allseits beliebte Anti-held Venom, dessen schwarzwei­ßes Kostüm schon fast eine geistige Bruderscha­ft zu Mr. Castle symbolisie­rt. 2008 erhielt der Bestrafer übrigens noch eine filmische Fortsetzun­g, die es in Deutschlan­d nur als gekürzte Version mit einem FSK-18-LOGO in die Verkaufsre­gale geschafft hat.

Sympath und Brutalo

Hauptdarst­eller Thomas Jane ist auch ohne Superstar-status kein Unbekannte­r. Wer ihn nicht in der gelungenen Stephen-king-verfilmung „Der Nebel“(2007) gesehen hat, kennt ihn spätestens seit seinem coolen Detektiv-auftritt in der empfehlens­werten Science-fiction-serie „The Expanse“(2015). Auch in anderen mehr oder weniger großen Produktion­en war er bereits zu sehen, so bewies er beispielsw­eise in „Boogie Nights“(1997), „Der schmale Grat“(1998) und „Predator Upgrade“(2018), dass er im gleichen Maße Sympath und knallharte­n Soziopath spielen kann. Man kann seine Karriere vielleicht annähernd mit jener Robert-downey Jrs vergleiche­n, nur dass Thomas Jane immer noch auf seine „Sherlock Holmes“- oder „Iron Man“-rolle wartet. Immerhin hat es der 50jährige schon zu einem Marvel-helden geschafft. Und dieser ballert sich besonders brutal durch das Regiedebüt von Jonathan Hensleigh, der zuvor als Drehbuchau­tor diverse Erfolge feierte, darunter „Jumanji“(1995), „Stirb langsam – Jetzt erst recht“(1995) und „Armageddon“(1998). Weltweit spielte der Film seine Kosten gerade so ein, was unter anderen mit der durch die hohe Alterseins­tufung geschmäler­ten Zielgruppe, aber auch mit der enttäuscht­en Erwartungs­haltung der Fans zusammenhi­ng. Dennoch ist der Streifen gerade für Sammler interessan­t, die ihre Marvel- oder auch Action-sammlung vervollkom­mnen wollen. Merkwürdig, dass der gleiche Erzähl-ansatz (man tausche Familie durch Hund) nur zehn Jahre später mit dem Beginn der stylisch inszeniert­en „John Wick“-filmreihe solch hohe Wellen schlug und wesentlich größere Erfolge erzielte. Auch hier wird eine Mafia-familie Schritt für Schritt per Guerilla-taktik dekonstrui­ert, bis nur noch der Boss übrig ist. Bei „The Punisher“ist dies niemand geringerer als John Travolta, der sich nach seiner 1990er-jahre-renaissanc­e in „Pulp Fiction“(1994) und „Im Körper des Feindes: Face/off“(1997) Anfang 2000 wieder auf dem absteigend­en Ast befand. Inzwischen hat sich seine Karriere durch den Serienbere­ich („American Crime Story“) wieder ein wenig erholt. Die am 10. Oktober erscheinen­de Blu-ray wird deutschen und englischen DTS-HD MA 5.1-Sound haben, wobei auch der längere Extended Cut komplett deutsch synchronis­iert ist. Als Extras gibt es laut Sony Pictures einen Setbericht, ein Making-of, ein Musikvideo, einen Beitrag zu den Stunts, entfallene Szenen, der alternativ­e Anfang sowie die Kurzdoku „Drawing Blood Bradstreet Style“.

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 ??  ?? Oberbösewi­cht Howard Saint (John Travolta) befiehlt auf Drängen seiner eiskalten Frau Livia die Ermordung von Frank Castles Frau und Tochter
Oberbösewi­cht Howard Saint (John Travolta) befiehlt auf Drängen seiner eiskalten Frau Livia die Ermordung von Frank Castles Frau und Tochter
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Joan ist einer der wenige Menschen, die noch etwas mit Frank Castle zu tun haben wollen
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