Net­te Ko­mö­die oh­ne Biss

Die Kin­der-WG: „Woh­ne lie­ber un­ge­wöhn­lich“

Bramscher Nachrichten - - FILM -

Von Frank Jür­gens

OS­NA­BRÜCK. Der drei­zehn­jäh­ri­ge Bas­ti­en (Teï­lo Azaïs) ist fas­sungs­los. Zum drit­ten Mal be­reits steht sei­ne Frau Ma­ma (Ju­lie Gay­et) vor dem Trau­al­tar. Das ers­te Mal war sie mit dem drauf­gän­ge­ri­schen Phil­ip­pe (Thier­ry Neu­vic) ver­hei­ra­tet, der auch Bas­ti­ens Va­ter ist. Da­nach mit dem net­ten, aber lang­wei­li­gen Clau­de – dar­ge­stellt vom gar nicht lang­wei­li­gen Mu­si­ker, Schrift­stel­ler und Schau­spie­ler Phil­ip­pe Ka­te­ri­ne. Und jetzt ist Hu­go (Lu­ci­en Je­an-Bap­tis­te) an der Rei­he.

Für Bas­ti­en lässt dies nur ei­nen Schluss zu. Er­wach­se­ne sei­en ent­we­der „er­schre­ckend dumm oder blind“. Zu­mal er und sei­ne Stief­schwes­ter Cla­ra nur zwei Kin­der aus ei­ner weit­ver­zweig­ten Patch­work­fa­mi­lie mit sie­ben Ge­schwis­tern und acht Er­zie­hungs­be­rech­tig­ten sind, zwi­schen de­nen Bas­ti­en und sei­ne Halb­ge­schwis­ter stän­dig hin- und her­pen­deln müs­sen.

Aber dann ent­de­cken die Kin­der die leer ste­hen­de Pa­ri­ser Woh­nung von Hu­gos ver­stor­be­ner Mut­ter – und grün­den ih­re Kin­der-WG. Was na­tür­lich nicht lan­ge un­ent­deckt bleibt. Aber im­mer­hin zei­gen sich die El­tern – das und so­gar ei­ni­ge Groß­müt­ter der un­über­sicht­li­chen Groß­fa­mi­lie zu­nächst emp­fäng­lich für das Ex­pe­ri­ment der Jüngs­ten.

Auch wenn Bas­ti­en in der Funk­ti­on des Er­zäh­lers mehr­fach ge­gen die „Pha­sen“der Lie­be und Fa­mi­lie sti­chelt, liegt Re­gis­seur Ga­b­ri­el Ju­li­en-La­fer­riè­re nach dem Dreh­buch von Ca­mil­le Mo­reau und Oli­vier Tr­ei­ner nichts fer­ner, als ei­nen Ab­ge­sang auf die In­sti­tu­ti­on Fa­mi­lie an­zu­stim­men. Ganz im Ge­gen­teil. Hier wird frei nach Clau­de Lé­vi Strauss die mo­der­ne Patch­work­fa­mi­lie als „Keim­zel­le der Ge­sell­schaft“zi­tiert und ze­le­briert, wäh­rend al­len­falls ei­ni­ge über­zo­ge­ne Er­war­tun­gen, die die Er­wach­se­nen an die Lie­be und das Le­ben ha­ben, aufs Korn ge­nom­men wer­den.

Lei­der man­gelt es der net­ten Fa­mi­li­en­ko­mö­die an ge­sell­schafts­kri­ti­schem Biss. Aber da­für über­zeugt „Woh­ne lie­ber un­ge­wöhn­lich“durch zu­meist poin­tier­te Dia­lo­ge, tref­fen­de Si­tua­ti­ons­ko­mik und ein gu­tes Ti­ming.

Woh­ne lie­ber un­ge­wöhn­lich.

Fo­to: Neue Vi­sio­nen

Patch­work-WG in Zei­ten von Patch­work-Fa­mi­li­en wün­schen sich die Kin­der.

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