Pri­vat­mu­se­um zeigt Mo­der­sohns Wer­ke

In Teck­len­burg zeigt das Ot­to-Mo­der­sohn-Mu­se­um frü­he Wer­ke des be­kann­ten Land­schafts­ma­lers

Bramscher Nachrichten - - VORDERSEITE - Von Clau­dia Scholz

TECK­LEN­BURG Im west­fä­li­schen Teck­len­burg ent­deck­te Ot­to Mo­der­sohn sei­ne Be­ru­fung als Land­schafts­ma­ler. Hier zeigt ein lau­schi­ges Pri­vat­mu­se­um sein Früh­werk.

Vie­len ist Ot­to Mo­der­sohn als Mit­be­grün­der der Künst­ler­ko­lo­nie Worps­we­de be­kannt. Schon im west­fä­li­schen Teck­len­burg ent­deck­te der Künst­ler sei­ne Be­ru­fung zur Land­schafts­ma­le­rei. Hier zeigt ein lau­schi­ges Pri­vat­mu­se­um sein Früh­werk.

TECK­LEN­BURG Über ei­ne stei­ner­ne Trep­pe und durch ei­ne Wein­lau­be hin­durch ge­langt der Be­su­cher in das Ot­to-Mo­der­sohn-Mu­se­um Teck­len­burg. In den hel­len, wei­ßen Räu­men ist es ru­hig, wäh­rend sich auf dem Markt­platz Spa­zier­gän­ger und Kaf­fee­haus­be­su­cher tum­meln. Vom In­nern geht der Blick in den ro­man­ti­schen Gar­ten mit Pa­vil­lon, St­ein­mau­ern und Buchs­baum­he­cken. Auf ei­ner klei­nen Bank kann man Platz neh­men und den Blick über Ro­sen­bee­te und Wein­stö­cke schwei­fen las­sen.

Das Ot­to-Mo­der­sohn-Mu­se­um ist mit dem per­sön­li­chen Le­bens­weg des Künst­lers ver­knüpft. In den Jah­ren 1888 bis 1892 be­such­te Mo­der­sohn sei­nen äl­te­ren Bru­der, der in Teck­len­burg Amts­rich­ter war und ein Haus di­rekt am Markt, das heu­ti­ge „Haus des Gas­tes“, be­wohn­te, un­mit­tel­bar ne­ben dem Mu­se­um. Wohl fünf­mal be­zog der in Soest ge­bo­re­ne Künst­ler hier Quar­tier, wäh­rend er seit 1884 an der Düs­sel­dor­fer Kunst­aka­de­mie stu­dier­te.

In sei­ner Ju­gend lieb­te der Land­schafts­ma­ler Mo­der­sohn Teck­len­burg und die hü­ge­li­ge Um­ge­bung. Er schwärm­te in Ta­ge­buch­ein­trä­gen: „Ich war fast den gan­zen Tag drau­ßen. Die Ge­gend zog mich un­ge­mein an […] Wun­der­werk wa­ren die Aben­de zu­meist, wenn ich am Schloss­berg stand, so still, so klar, so fei­er­lich, wie da die Na­tur war; da konn­te ich lan­ge Zeit, ge­wis­ser­ma­ßen starr und stumm vor Ent­zü­cken, da­ste­hen.“

Sei­ne hier ent­stan­de­nen Ge­mäl­de zei­gen schon ei­ne Los­lö­sung von der tra­di­tio­nel­len, na­tur­ge­treu­en Darstel­lung der Land­schaft. Be­reits früh re­vol­tier­te der Kunst­stu­dent ge­gen die Leh­ren sei­ner Pro­fes­so­ren an der Düs­sel­dor­fer Aka­de­mie. Schon mit 21 Jah­ren war sich der Ein­zel­gän­ger si­cher über die Be­deu­tung der sub­jek­ti­ven Emp­fin­dung in der Ma­le­rei: „Lei­tet mich bei der Wahl der Mo­ti­ve und Stim­mun­gen mein poe­ti­sches Ge­fühl für die Na­tur, so muss der Er­folg ein schö­ner sein.“Spä­ter nann­te Rai­ner Ma­ria Ril­ke ihn den Ma­ler­poe­ten.

Sein Bild „Tüm­pel in Teck­len­burg“mal­te Mo­der­sohn mit be­we­gungs­vol­lem Pin­sel. Die Wie­se mit Früh­lings­blu­men, die frisch ge­pflüg­ten Äcker, die Bäu­me – al­les scheint zu schwin­gen. Von sei­nen Kunst­pro­fes­so­ren wur­de er für sol­che „plan­lo­sen“und nicht „voll­ende­ten“Bil­der kri­ti­siert.

Im­mer hat­te Mo­der­sohn ein Skiz­zen­buch zur Hand. Er er­freu­te sich an klei­nen Mo­ti­ven wie Bäu­men, Hüt­ten, He­cken, Wie­sen, Kirch­tür­men. Klein­for­ma­tig sind auch vie­le Bil­der im Mu­se­um. Ne­ben schnel­len Öl­skiz­zen, un­ter de­nen der ocker­far­be­ne Mal­grund durch­blitzt, gibt es de­tail­rei­che An­sich­ten wie das Bild des fried­lich in Schnee ver­sun­ke­nen Teck­len­burg zu se­hen. Es sind Mo­ment­auf­nah­men ei­ner idyl­li­schen Ge­gend. Die­se Ein­drü­cke kann man bei ei­nem Spa­zier­gang durch den Ort noch an vie­len Stel­len, zum Bei­spiel im Kur­park oder an der Burg­rui­ne, nach­emp­fin­den.

Die Initia­ti­ve zur Grün­dung des Mu­se­ums ging von ei­nem Teck­len­bur­ger Bür­ger­bünd­nis und den Nach­kom­men des Künst­lers aus, die in Fi­scher­hu­de bei Bremen das ers­te Mo­der­sohn-Mu­se­um füh­ren. Aus des­sen Be­stand steu­er­te die En­ke­lin des Künst­lers, Antje Mo­der­sohn, Früh­wer­ke aus Teck­len­burg als Leih­ga­ben bei. Wei­te­re Wer­ke ka­men aus Pri­vat­be­sitz da­zu. Ein lokaler Un­ter­neh­mer er­warb das denk­mal­ge­schütz­te Haus und stell­te es nach ei­ner auf­wen­di­gen Re­stau­rie­rung dem Mu­se­um zur Ver­fü­gung. Jo­han­nes Mo­der­sohn, Bru­der der Ma­le­ren­ke­lin und Ar­chi­tekt, plan­te den Um­bau. Seit der Er­öff­nung im Ok­to­ber 2015 un­ter­stützt der an­ony­me Mä­zen des­sen Er­halt. Das Mu­se­um fi­nan­ziert sich aus­schließ­lich pri­vat, auch über Spen­den, Füh­run­gen und die Bei­trä­ge der 250 Mit­glie­der des gleich­na­mi­gen För­der­krei­ses.

Mit Blei ein­ge­fass­te Fa­mi­li­en­em­ble­me am Fens­ter zeu­gen noch von den gut­bür­ger­li­chen Be­woh­nern des Hau­ses, die sich hier ver­ewigt ha­ben. Im Mu­se­ums­shop sieht man ein ge­mal­tes Fries, das un­ter dem Putz zum Vor­schein kam. Wo im Ga­le­rie­raum ei­ne Ni­sche zu se­hen ist, stand frü­her ein Ka­chel­ofen. Im Mu­se­ums­ein­gang fal­len die al­ten Flie­sen auf.

Ein Jahr­zehnt nach sei­ner Teck­len­bur­ger Zeit hei­ra­te­te Mo­der­sohn die da­mals 25jäh­ri­ge Pau­la Be­cker, wird ihr För­de­rer und Kri­ti­ker. Ob­wohl sie zu Leb­zei­ten nur we­ni­ge Bil­der ver­kauf­te, steht Mo­der­sohn, des­sen Werk auf 12 000 Bil­der ge­schätzt wird, bis heu­te in ih­rem Schat­ten. Dem will das Ot­to-Mo­der­sohn-Mu­se­um in Teck­len­burg ent­ge­gen­wir­ken und durch wech­seln­de Aus­stel­lun­gen die Er­in­ne­rung an den Land­schafts­ma­ler auch in der Re­gi­on wach­hal­ten.

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Fotos: Ot­to Mo­der­sohn Mu­se­um Teck­len­burg

Mit schnel­lem Pin­sel­strich: Das Ge­mäl­de „Tüm­pel in Teck­len­burg“mal­te der 26-jäh­ri­ge Ot­to Mo­der­sohn zum Miss­fal­len sei­ner Kunst­pro­fes­so­ren.

Ei­ne mar­kan­te Wein­lau­be bil­det den Ein­gang zum Pri­vat­mu­se­um, das Wer­ke des jun­gen Ot­to Mo­der­sohn (un­ten) zeigt.

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