Hart­mann: Tal­soh­le er­reicht

Ver­band Deut­scher Ree­der blickt po­si­tiv in die Zu­kunft

Bramscher Nachrichten - - WIRTSCHAFT - Von Ni­na Kall­mei­er

OS­NA­BRÜCK Die deut­schen Ree­der bli­cken wie­der po­si­tiv in die Zu­kunft. „Wir ha­ben die Tal­soh­le er­reicht“, sag­te Ver­bands­chef Al­f­red Hart­man im Vor­feld des Nie­der­säch­si­schen Haf­en­tags ge­gen­über un­se­rer Re­dak­ti­on. Vor­aus­ge­gan­gen war ei­ne Kri­se, wäh­rend der die Zahl der deut­schen Han­dels­schif­fe in den ver­gan­ge­nen acht Jah­ren um ein Drit­tel von 3716 auf zu­letzt 2404 Schif­fe am En­de des ers­ten Halb­jah­res 2018 ge­sun­ken ist. „Mehr als 1200 Schif­fe muss­ten ins Aus­land ver­kauft oder ver­schrot­tet wer­den“, so Hart­mann. Zu­letzt konn­ten in ei­ni­gen Märk­ten je­doch auch wie­der bes­se­re Fracht- und Char­ter­ra­ten er­zielt wer­den.

Dass nur noch we­ni­ge Schif­fe der Han­dels­flot­te un­ter deut­scher Flag­ge fah­ren, stört Hart­mann nicht. „Es kommt nicht auf die Flag­ge an, son­dern auf die Zahl der Ar­beits­plät­ze und die Wert­schöp­fung am Stand­ort Deutsch­land.“86 000 Be­schäf­tig­te und mehr als ei­ne Mil­li­ar­de an Steu­ern und So­zi­al­ab­ga­ben wür­den von den hier an­säs­si­gen Ree­dern un­ab­hän­gig von der Flag­ge ge­si­chert. „Bü­ro­kra­ti­sche Hür­den und da­mit ver­bun­de­ne Kos­ten sind ein we­sent­li­cher Grund, war­um die deut­sche Flag­ge für vie­le Un­ter­neh­men nicht at­trak­tiv ist.“

Ei­ne er­mu­ti­gen­de Ent­wick­lung ist für Hart­mann, dass auch deut­sche Ree­de­rei­en auf LNG-Schif­fe set­zen. „LNG ge­hört, wie auch Brenn­stoff­zel­len oder Metha­nol, zu den lang­fris­ti­gen Brenn­stoff-Al­ter­na­ti­ven. Nun sind Schiff­bau und Zu­lie­fer­in­dus­trie, aber auch Energieversorger ge­fragt, ge­mein­sam Tech­no­lo­gi­en und We­ge auf­zu­zei­gen, da­mit das Kli­ma­ziel der Schiff­fahrt er­reicht wer­den kann.“Bis 2050 sol­len die CO2E­mis­sio­nen der Schiff­fahrt hal­biert wer­den und der See­trans­port bis zum En­de des Jahr­hun­derts sein.

Auch die Hä­fen sieht Hart­mann in der Pflicht. „Da­mit sich LNG als um­welt­freund­li­cher Schiffs­brenn­stoff breit durch­set­zen kann, brau­chen wir ei­ne zu­ver­läs­si­ge Ver­sor­gung mit Gas in den Hä­fen.“Da­für müs­se nicht nur die In­fra­struk­tur ge­schaf­fen wer­den, auch bei den Vor­schrif­ten ge­be es noch gro­ße Un­ter­schie­de.

Um In­ves­ti­tio­nen zu tä­ti­gen, schau­en sich deut­sche Ree­der je­doch ver­mehrt nach Ka­pi­tal­quel­len im Aus­land um. „Et­wa in Os­lo, Lon­don oder in den USA. Es gibt vie­le gu­te Pro­jek­te in der Schiff­fahrt, in die es sich zu in­ves­tie­ren lohnt“, ist der Ver­bands­chef über­zeugt. In Deutsch­land wer­de das häu­fig von den Ne­ga­tiv-Meldungen über in­sol­ven­te Schiffs­kre­di­te über­la­gert. „Wir müs­sen aber auch nach vorn gu­cken, da­mit Deutsch­land in Zu­kunft ein star­ker Schiff­fahrts­stand­ort blei­ben kann.“ kli­ma­neu­tral

Wort­füh­rer im O-Ton: das Interview auf noz.de/wirt­schaft

Foto: SHZ

Al­f­red Hart­mann

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