Vir­tu­el­le Ei­gen­tü­mer­ver­samm­lun­gen

Rea­li­tät oder Zu­kunfts­mu­sik?

Bramscher Nachrichten - - WOHN WELT - Dpa/tmn

BER­LIN/BONN Die Tei­lungs­er­klä­run­gen lie­gen auf dem Ser­ver der Haus­ver­wal­tung und sind je­der­zeit ab­ruf­bar. Die Ei­gen­tü­mer tref­fen sich vir­tu­ell, so kann je­des Mit­glied der Woh­nungs­ei­gen­tü­mer­ge­mein­schaft (WEG) an der Ver­samm­lung teil­neh­men - oh­ne kom­pli­zier­te An­rei­se. Tech­nisch ist das schon jetzt mög­lich. Doch nicht nur das WEG-Ge­setz aus dem Jahr 1951 setzt Ei­gen­tü­mern Gren­zen. Ein Über­blick, was on­line geht - und was nicht.

E-Mails: Sie ge­hö­ren zum All­tag wie frü­her das Brie­fe­schrei­ben. Wol­len die WEG und ih­re Ver­wal­tung per EMail kom­mu­ni­zie­ren, müs­sen da­mit al­le Ei­gen­tü­mer ein­ver­stan­den sein. Lehnt ein Ei­gen­tü­mer di­gi­ta­le Nach­rich­ten ab, muss er die In­for­ma­tio­nen wei­ter­hin ganz klas­sisch per Brief be­kom­men. „Nie­mand darf von wich­ti­gen Un­ter­la­gen aus­ge­schlos­sen sein, nur weil er kei­nen PC hat“, sagt Sa­bi­ne Feu­er­sän­ger vom Ver­band Woh­nen im Ei­gen­tum.

Der Vor­teil der E-MailKom­mu­ni­ka­ti­on: Das geht schnell, die Un­ter­la­gen sind für die WEG-Mit­glie­der über­all ver­füg­bar und die Ver­wal­tung spart Ar­beit, Kos­ten und Pa­pier. Ver­schickt man die Ein­la­dun­gen zur jähr­li­chen Ei­gen­tü­mer­ver­samm­lung mit al­len not­wen­di­gen Un­ter­la­gen, macht es sich be­merk­bar: „Bei 200 Ei­gen­tü­mern fal­len 2000 bis 3000 Blatt Pa­pier an“, sagt Tho­mas Mei­er, Prä­si­dent des Bun­des­fach­ver­bands der Im­mo­bi­li­en­ver­wal­ter.

Down­load: Prak­tisch, wenn Ei­gen­tü­mer die Jah­res­ab­rech­nung aus dem Kun­den­por­tal der Ver­wal­tung her­un­ter­la­den könn­ten. Das ist mög­lich, wenn die Ver­wal­tung ei­ne Art News­room ein­ge­rich­tet hat - dort kann sie dann et­wa die Haus- und Ge­mein­schafts­ord­nung, Tei­lungs­er­klä­rung, Wirt­schafts­plan, Ener­gie­aus­weis und An­ge­bo­te von Hand­wer­kern so­wie Miet­ver­trä­ge aus der Son­der­ver­wal­tung hin­ter­le­gen. Da­für sei laut Mei­er kein Be­schluss der Ei­gen­tü­mer­ver­samm­lung nö­tig. Wer mit­macht, be­kommt ein Pass­wort, die an­de­ren Post.

Vir­tu­el­le Ver­samm­lun­gen: Tech­nisch sind Web-Kon­fe­ren­zen über PC, Ta­blet und Smart­pho­ne kein Pro­blem – vie­le ken­nen sie be­reits aus dem Job. Da­durch spart man oft Zeit. Da­von könn­te auch ei­ne WEG pro­fi­tie­ren, de­ren Jah­res­tref­fen häu­fig dünn be­sucht ist. Doch ob Ei­gen­tü­mer­ge­mein­schaf­ten vir­tu­el­le Ver­samm­lun­gen ab­hal­ten dür­fen, ist recht­lich stark um­strit­ten. „Im WEGGe­setz steht da­zu nichts. Als das Ge­setz in den 1950er Jah­ren ent­stand, gab es das The­ma nicht“, sagt Feu­er­sän­ger. Und was nicht im Ge­setz steht, ist nach An­sicht der meis­ten Ju­ris­ten nicht er­laubt.

Laut WEG-Ge­setz sei von „er­schie­ne­nen stimm­be­rech­tig­ten Ei­gen­tü­mern“die Re­de (Pa­ra­graf 25, Ab­satz III), er­klärt ei­ne Spre­che­rin vom Dach­ver­band Deut­scher Im­mo­bi­li­en­ver­wal­ter. „Er­schei­nen“wird mit „kör­per­lich prä­sent“über­setzt.

Nach An­sicht von Feu­er­sän­ger kann die WEG den­noch „ent­schei­den, ob sie sich künf­tig on­line oder ana­log tref­fen will“. Mit dem Ri­si­ko, dass ein sol­cher Be­schluss ei­nem Ei­gen­tü­mer „nicht pas­se“und er die­sen an­fech­tet. Dann lan­det die Sa­che un­ter Um­stän­den vor Ge­richt.

Mei­er hält die Ein­füh­rung von Vi­deo- und Te­le­fon­kon­fe­ren­zen für zu­läs­sig und mach­bar. Aber nur, wenn die WEG dies in der Ge­mein­schafts­ord­nung ver­an­ke­re. Da­für müss­ten dies al­le Ei­gen­tü­mer ver­ein­ba­ren und beim No­tar un­ter­schrei­ben – sie könn­ten aber auch „per Be­schluss den Ver­wal­ter er­mäch­ti­gen, dass er die Ver­ein­ba­rung auf­setzt und zum No­tar bringt“, er­läu­tert er das Vor­ge­hen. Er räumt aber ein: „Ich ken­ne kei­ne WEG, die das ge­macht hat.“Feu­er­sän­ger rät, ana­lo­ge Tref­fen bei­zu­be­hal­ten.

Fo­to: Andrea War­ne­cke/dpa-tmn

Tech­nisch ist es mög­lich, dass sich Ei­gen­tü­mer zur jähr­li­chen Ver­samm­lung vir­tu­ell tref­fen – doch recht­lich ist ei­ne Web­kon­fe­renz um­strit­ten.

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