Güns­ti­ge­res Bau­land in Aus­sicht

Stadt än­dert Kri­te­ri­en für Grund­stücks­ver­ga­be zu­guns­ten be­zahl­ba­ren Wohn­raums

Bramscher Nachrichten - - VORDERSEITE - Von San­dra Dorn

OS­NA­BRÜCK Weil be­zahl­ba­re Woh­nun­gen in Os­na­brück Man­gel­wa­re sind, will die Stadt ei­ge­ne Grund­stü­cke nur noch an In­ves­to­ren ver­kau­fen, die gu­te Kon­zep­te lie­fern und nicht mehr nur an die, die am meis­ten da­für zah­len. In den Kon­zep­ten soll es vor­ran­gig um nied­ri­ge Mie­ten ge­hen. Die Zahl der So­zi­al­woh­nun­gen sinkt ra­pi­de, weil seit ei­ni­gen Jah­ren et­li­che aus der zeit­lich be­fris­te­ten Miet­preis­bin­dung fal­len. Und auch Os­na­brü­cker, die kei­ne So­zi­al­leis­tun­gen be­zie­hen, aber ein ge­rin­ges Ein­kom­men ha­ben, fin­den kaum Woh­nun­gen, die sie sich noch leis­ten kön­nen. Da­bei gibt es durch­aus In­ves­to­ren, die güns­ti­ge Woh­nun­gen bau­en möch­ten, weil bei ih­nen nicht die Ge­winn­erzie­lung im Vor­der­grund steht. Doch sie kön­nen im Bie­ter­wett­streit um die städ­ti­schen Flä­chen meis­tens nicht mit­hal­ten.

Die meis­ten neu­en Woh­nun­gen, die der­zeit in Os­na­brück ge­baut wer­den, wer­den nur et­was für Mie­ter mit gut ge­füll­tem Geld­beu­tel sein. Schuld sind un­ter an­de­rem die ho­hen Grund­stücks­prei­se – und die hat bis­lang auch die Stadt für ih­re ei­ge­nen Flä­chen ver­langt. Das soll sich jetzt än­dern.

OS­NA­BRÜCK Bis­lang lief es in der Re­gel so: Der In­ves­tor, der am meis­ten für ein städ­ti­sches Grund­stück zahlt, be­kommt den Zu­schlag. Doch was die Stadt­kas­se or­dent­lich klin­geln lässt, müs­sen die künf­ti­gen Mie­ter aus­ba­den.

Denn da­durch wird ei­ne Preis­spi­ra­le in Gang ge­setzt: Ist das Grund­stück teu­er, holt sich ein In­ves­tor, der ein Mehr­fa­mi­li­en­haus baut, die Kos­ten über sei­ne Mie­ter wie­der rein. Ne­ben den ho­hen Bau­kos­ten ist das ei­ner der Fak­to­ren, die das Woh­nen der­zeit über­all so teu­er ma­chen. Denn we­gen des Bau­booms sind die Grund­stücks­kos­ten ex­plo­diert.

Die Ver­ga­be städ­ti­scher Grund­stü­cke ist ein The­ma, das die Os­na­brü­cker Woh­nungs­bau­ge­sell­schaf­ten WGO, Heim­stät­ten­ver­ein und Ste­phans­werk seit Jah­ren auf die Pal­me bringt: Sie wol­len Häu­ser mit be­zahl­ba­ren Woh­nun­gen bau­en, zie­hen bei der Grund­stücks­ver­ga­be aber in der Re­gel den kür­ze­ren. Da sie nicht ge­winn­ori­en­tiert wirt­schaf­ten, kön­nen sie mit ex­ter­nen In­ves­to­ren sel­ten mit­hal­ten. Bei der Ver­ga­be der städ­ti­schen Grund­stü­cke im Neu­bau­ge­biet Land­wehr­vier­tel war es so. Auch ei­ne Grup­pe, die ei­ne neue Ge­nos­sen­schaft grün­den will, zog sich von dort zu­rück.

Ren­nen um Bau­land

Aber jetzt hat die Stadt neue Flä­chen er­wor­ben: Im Früh­jahr 2018 kauf­te sie ei­nem

Land­wirt 16 Hekt­ar Land am Frie­dens­weg öst­lich des Schin­keler Fried­hofs ab. Noch ist un­klar, wie viel da­von tat­säch­lich be­baut wer­den kann, weil das Are­al zu ei­nem der so­ge­nann­ten grü­nen Fin­ger Os­na­brücks zählt

und von Be­deu­tung für das Stadt­kli­ma ist. Doch wenn es ir­gend­wann um die kon­kre­te Be­bau­ung geht, be­ginnt das Ren­nen um die in Os­na­brück rar ge­wor­de­nen Bau­flä­chen.

Ab so­fort könn­ten sol­che Ak­teu­re bei Grund­stü­cken,

die die Stadt ver­äu­ßert, bes­se­re Chan­cen ha­ben. Denn der Os­na­brü­cker Rat hat nach mo­na­te­lan­gen Be­ra­tun­gen jetzt be­schlos­sen, Grund­stü­cke nicht län­ger nur nach dem Höchst­preis­ge­bot zu ver­kau­fen, son­dern nach dem bes­ten Kon­zept. Kon­kret geht es um Kon­zep­te „zur Nut­zung so­wie zur städ­te­bau­lich/ar­chi­tek­to­ni­schen und en­er­ge­ti­schen Ge­stal­tung [...], um vor­ran­gig be­zahl­ba­ren Miet­wohn­raum für die Os­na­brü­cker Bür­gerin­nen und Bür­ger zu schaf­fen“, wie es im Be­schluss heißt. „Klei­ne­ren, ge­mein­wohlori­en­tier­ten oder bür­ger­schaft­lich or­ga­ni­sier­ten Grup­pen könn­te er­mög­licht wer­den, sich im Bie­ter­wett­streit mit ih­ren Pro­jek­ten zu po­si­tio­nie­ren.“

Auch in Erb­pacht

Auch ei­ne Ver­ga­be ih­rer Flä­chen in Erb­pacht zieht die Stadt jetzt in Er­wä­gung. Wer solch ein Erb­bau-Grund­stück er­wirbt, zahlt dem Ei­gen­tü­mer, in die­sem Fall al­so der Stadt, ei­nen Erb­bau­zins und muss nicht gleich das gan­ze Grund­stück kau­fen.

Schon im Au­gust 2018 hat­ten die Rats­frak­tio­nen über das Mo­dell der Kon­zept­ver­ga­be dis­ku­tiert – zu­erst öf­fent­lich, und dann nur noch hin­ter ver­schlos­se­nen Tü­ren. In der Rats­sit­zung am 29. Ja­nu­ar stimm­ten schließ­lich bis auf die Ver­tre­ter der Lin­ken und des Bun­des Os­na­brü­cker Bür­ger (BOB) al­le zu.

Die Lin­ken kri­ti­sier­ten, dass die Grund­stücks­ver­ga­be nach Kon­zept erst ab Bau­vor­ha­ben mit min­des­tens zwölf Wohn­ein­hei­ten grei­fen soll. „Das ist für ge­mein­schaft­li­ches Woh­nen zu hoch ge­dacht“, sag­te Lin­ken-Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de Gie­se­la Bran­des-Steg­ge­w­entz. Das Ar­gu­ment der Ver­wal­tung für die­se Zwölf-Woh­nun­gen-Gren­ze ist ein „er­heb­li­cher Mehr­auf­wand“, den ein kon­zep­tio­nel­les Bie­ter­ver­fah­ren so­wohl für In­ves­to­ren als auch für die Ver­wal­tungs­mit­ar­bei­ter mit sich brin­ge, wie es in dem Be­schluss­text heißt.

Di­ver­se Ver­ga­be­kri­te­ri­en hat die Stadt in ei­ne Be­wer­tungs­ma­trix ge­packt, zum Bei­spiel den An­teil der So­zi­al­woh­nun­gen, An­ge­bo­te für Al­lein­er­zie­hen­de, Mehr­ge­ne­ra­tio­nen­pro­jek­te, aber auch städ­te­bau­li­che und en­er­ge­ti­sche Kri­te­ri­en wie ei­ne Pas­siv­haus-Bau­wei­se. Wel­che Kri­te­ri­en wie stark be­rück­sich­tigt wer­den und wel­ches Ge­wicht der Kauf­preis oder Erb­bau­zins be­kommt, soll von Fall zu Fall ent­schie­den wer­den.

Fo­to: Gert West­dörp

In Schin­kel-Ost hat die Stadt po­ten­zi­el­le Bau­flä­chen ge­kauft. Hier könn­ten künf­tig In­ves­to­ren oh­ne Ge­winn­erzie­lungs­ab­sicht zum Zu­ge kom­men.

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