In Feind­schaft ver­bun­den

Ei­ne Nor­ma­li­sie­rung der Be­zie­hun­gen zwi­schen den USA und dem Iran ist nicht in Sicht

Bramscher Nachrichten - - HINTERGRUND - AFP

Für die USA da­tiert der Bruch mit dem Iran auf den 4. No­vem­ber 1979, als ra­di­ka­le Stu­den­ten die USBot­schaft in Teheran be­setz­ten. Aus Sicht des Iran je­doch geht die Feind­schaft mit dem „Gro­ßen Sa­tan“auf den 19. Au­gust 1953 zu­rück, als der US-Ge­heim­dienst ei­nen Putsch ge­gen den de­mo­kra­tisch ge­wähl­ten Mi­nis­ter­prä­si­den­ten Mo­ham­med Mossa­degh or­ga­ni­sier­te und Schah Mo­ham­med Re­za Pahlavi wie­der ein­setz­te, der den Iran bis zur Re­vo­lu­ti­on 1979 mit har­ter Hand re­gier­te.

Heu­te, da sich die Re­vo­lu­ti­on zum 40. Mal jährt, ste­hen sich Teheran und Wa­shing­ton so un­ver­söhn­lich ge­gen­über wie eh und je. Zwar gab es von bei­den Sei­ten im­mer wie­der Ver­su­che, das Kriegs­beil zu be­gra­ben und die di­plo­ma­ti­schen Be­zie­hun­gen zu nor­ma­li­sie­ren. Doch in bei­den Län­dern sitzt das Miss­trau­en tief, und am En­de blo­ckier­ten die Hard­li­ner im­mer ei­ne Ver­söh­nung.

In Wa­shing­ton hat die Gei­sel­nah­me in der Te­he­ra­ner Bot­schaft ein tie­fes Trau­ma hin­ter­las­sen. Zwar war es nicht das ers­te Mal, dass USDi­plo­ma­ten in ei­ner Bot­schaft als Gei­seln ge­nom­men wur­den, doch die ge­schei­ter­ten Ver­su­che von US-Prä­si­dent Jim­my Car­ter, die 444 Ta­ge fest­sit­zen­den Di­plo­ma­ten frei­zu­be­kom­men, wa­ren ei­ne na­tio­na­le De­mü­ti­gung, die 1980 we­sent­lich zu sei­ner Wahl­nie­der­la­ge bei­trug.

Als die Stu­den­ten die Bot­schaft stürm­ten, ge­schah dies oh­ne Kennt­nis des ira­ni­schen Re­vo­lu­ti­ons­füh­rers Aja­tol­lah Khomei­ni. Die mo­de­ra­te Über­gangs­re­gie­rung von Meh­di Ba­zar­gan woll­te die Gei­sel­nah­me rasch be­en­den, doch Khomei­ni er­kann­te die Chan­ce, in der Kri­se sei­ne Macht zu stär­ken. Als er die Be­set­zung zur „zwei­ten Re­vo­lu­ti­on“er­klär­te, trat Ba­zar­gan zu­rück.

Mit der Gei­sel­nah­me woll­ten die Be­set­zer ver­hin­dern, dass die USA dem ge­flo­he­nen Schah Asyl ge­wäh­ren. Zugleich be­stand die Furcht, dass der US-Ge­heim­dienst aus dem „Nest der Spio­ne“er­neut ei­nen Putsch ge­gen die noch un­ge­fes­tig­te Is­la­mi­sche Re­pu­blik or­ga­ni­siert. Vie­le Ira­ner ha­ben den USA bis heu­te den Putsch nicht ver­ge­ben, mit dem die ers­te un­ab­hän­gi­ge, de­mo­kra­ti­sche und sä­ku­la­re Re­gie­rung im Iran ge­stürzt wur­de. Eben­falls nicht ver­ges­sen ist, wie die USA an­schlie­ßend 25 Jah­re das au­to­ri­tä­re Re­gime des Schahs stütz­ten und als Boll­werk ge­gen die So­wjet­uni­on hoch­rüs­te­ten, ob­wohl es die Op­po­si­ti­on bru­tal ver­folg­te. Die­se Po­li­tik der USA war ei­ner der Grün­de für die Re­vo­lu­ti­on 1979. Nach ih­rem Sieg wur­de der Slo­gan „Tod Ame­ri­ka“zum Schlacht­ruf der is­la­mis­ti­schen Füh­rung, die ei­ne Po­li­tik von „We­der Ost noch West“pro­pa­gier­te.

We­gen der Gei­sel­nah­me brach Wa­shing­ton sei­ne di­plo­ma­ti­schen Be­zie­hun­gen zu Teheran ab, wo sei­ne In­ter­es­sen seit­dem von der Schwei­zer Bot­schaft ver­tre­ten wer­den. Im April 1980 ord­ne­te Car­ter ei­nen Mi­li­tär­ein­satz an, um die US-Gei­seln zu be­frei­en. Die ris­kan­te Ak­ti­on schei­ter­te je­doch, als ei­ner der Hub­schrau­ber in der ira­ni­schen Wüs­te mit ei­nem Tank­flug­zeug kol­li­dier­te und acht Sol­da­ten star­ben.

Trotz des Trau­mas der Gei­sel­nah­me, die erst nach dem Amts­an­tritt von US-Prä­si­dent Ro­nald Rea­gan im Ja­nu­ar 1981 ein En­de fand, gab es Ver­su­che, die Feind­schaft zu be­en­den. 1986 lie­fer­ten die USA so­gar heim­lich Waf­fen an Teheran, um US-Bür­ger aus der Hand der li­ba­ne­si­schen His­bol­lah-Mi­liz frei­zu­be­kom­men, doch schei­ter­te das Waf­fen-ge­gen-Gei­sel-Ge­schäft. Zu­letzt ver­such­te der mo­de­ra­te Prä­si­dent Has­san Ru­ha­ni, mit der Bei­le­gung des Streits um das ira­ni­sche Atom­pro­gramm den Weg für ei­ne Nor­ma­li­sie­rung mit Wa­shing­ton frei zu ma­chen.

Als noch Ba­rack Oba­ma im Wei­ßen Haus re­gier­te, schien ei­ne Ent­span­nung tat­säch­lich mög­lich. Seit der Amts­über­nah­me des Iran-Fein­des Do­nald Trump ist ei­ne Aus­söh­nung je­doch wie­der in wei­te Fer­ne ge­rückt.

Fo­tos: dpa

Der Erz­feind: An­ti-US-Wand­bild in der ira­ni­schen Haupt­stadt.

„Zwei­te Re­vo­lu­ti­on“: Ra­di­ka­le Stu­den­ten stür­men 1979 die US-Bot­schaft in Teheran.

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