Schnel­ler aus der Koh­le?

Bramscher Nachrichten - - DIALOG - Zum Ar­ti­kel „Zu­sätz­li­che Strom­au­to­bah­nen nö­tig“(Aus­ga­be vom 5. Fe­bru­ar).

„Ten­net stellt in Aus­sicht, dass der Netz­aus­bau ge­rin­ger aus­fal­len kön­ne als in ei­ner frü­he­ren Ver­si­on des Ent­wick­lungs­plans. Das freut zu­nächst den Bür­ger, der das ja al­les be­zah­len muss. Ge­ra­de jetzt an­ge­sichts des zu er­war­ten­den 25-Mil­li­ar­den-Haus­halts­lochs soll­te man doch über­le­gen, ob man nicht, statt viel Geld in wei­te­ren Über­tra­gungs­netz­aus­bau zu in­ves­tie­ren, die Ener­gie­wen­de volks­wirt­schaft­lich sinn­vol­ler ge­stal­ten könn­te.

Aber aus­ge­rech­net die Grü­nen, die im­mer ei­ne de­zen­tra­le Strom­ver­sor­gung für un­um­gäng­lich hiel­ten, se­hen jetzt ei­ne Not­wen­dig­keit für ei­ne wei­te­re Erd­ka­bel-Tras­se aus kli­ma­po­li­ti­schen Grün­den. Steckt da­hin­ter viel­leicht die va­ge Hoff­nung, schnel­ler als vor­ge­se­hen aus der Koh­le aus­tei­gen zu kön­nen? Die Pla­nung ei­ner wei­te­ren Tras­se lässt, wie der Netz­aus­bau­plan ins­ge­samt, vie­le Fra­gen un­be­ant­wor­tet. […]

Das Pro­blem der si­che­ren Strom­ver­sor­gung er­schöpft sich nicht im Aus­bau gro­ßer Wind­parks, Bau­en gro­ßer Tras­sen von Nord nach Süd und Er­rich­ten von Spei­cher­mo­du­len. Zu­kunft­wei­send und kli­ma­schüt­zend in die­sem Zu­sam­men­hang ist es, das Ener­gie­sys­tem ganz­heit­lich und ge­kop­pelt zu be­trach­ten und nicht nur den Strom­sek­tor und schon gar nicht die Wind­kraft al­lein. Wich­ti­ger als der Aus­bau gro­ßer Tras­sen ist der Auf­bau von Smart Grids, der Aus­bau der Strom­net­ze auf Nie­der­span­nungs­ebe­ne, der Ein­satz von Kurz­frist­spei­chern wie zum Bei­spiel Pump- oder Bat­te­rie­spei­cher. Lang­zeitspei­cher wie die Po­wer-to-Gas-Tech­no­lo­gie wer­den dann zu­sätz­lich not­wen­dig, wenn es im Strom­sys­tem ho­he und län­ge­re Strom­über­schüs­se gibt, wie sie ab An­tei­len der er­neu­er­ba­ren En­er­gi­en von min­des­tens 60 bis 70 Pro­zent zu er­war­ten sind. Hier ist es so­gar sinn­voll, zu­nächst das ge­won­ne­ne Syn­the­se­gas nicht rück­zu­ver­stro­men, son­dern es vor­wie­gend in an­de­ren Sek­to­ren wie zum Bei­spiel im Ver­kehrs­we­sen ein­zu­set­zen […].“

Gerd Hün­dorf Bis­sen­dorf

Fo­to: dpa

Wich­ti­ger als Strom­tras­sen sei­en Smart Grids, schreibt un­ser Le­ser.

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