Tei­le­die­be hin­ter­las­sen mas­si­ve Schä­den

Re­pa­ra­tur ist oft auf­wen­dig und teu­er / BMW häu­fig be­trof­fen

Bramscher Nachrichten - - BLICK NACH OSNABRÜCK - Von Loui­sa Rie­pe

OS­NA­BRÜCK Sie kom­men in der Nacht, sie agie­ren laut­los und schnell. Pro­fes­sio­nel­le Ban­den räu­men in Os­na­brück und Um­ge­bung re­gel­mä­ßig teu­re Au­tos aus. Sie ha­ben es auf Na­vi­ga­ti­ons­ge­rä­te, Len­k­rä­der und Schalt­he­bel ab­ge­se­hen – und sie ge­hen bei ih­ren Die­bes­zü­gen nicht ge­ra­de fein­füh­lig vor.

Glas­split­ter, wo sonst ei­ne Fens­ter­schei­be sein soll­te. An­stel­le des Lenk­ra­des nur ein Stumpf mit Schalt­he­beln. Her­aus­hän­gen­de Ka­bel, in Ei­le ab­ge­schnit­ten. Und ein klaf­fen­des Loch, mit­ten im Ar­ma­tu­ren­brett. So wie die­ser BMW se­hen Au­tos aus, wenn sich Tei­le­die­be an der In­nen­aus­stat­tung be­dient ha­ben. Das pas­siert re­la­tiv häu­fig: 89 Fäl­le gab es im Jahr 2018 al­lein im Os­na­brü­cker Stadt­ge­biet. Das geht aus ei­ner Sta­tis­tik der Po­li­zei her­vor. Dem­nach sind be­son­ders hoch­wer­ti­ge Au­tos von Mar­ken wie Au­di, Mer­ce­des, Por­sche oder eben BMW be­trof­fen. Die Die­be schla­gen nachts zu, wenn die Wa­gen un­ge­schützt an der Stra­ße par­ken. Und je­des Mal hin­ter­las­sen sie ei­nen Ver­si­che­rungs­scha­den im fünf­stel­li­gen Be­reich. War­um die Re­pa­ra­tur so teu­er ist, das kann Tho­mas Hun­ke er­klä­ren.

Als Werk­statt­lei­ter beim BMW-Händ­ler Wal­ken­horst an der Sutt­hau­ser Stra­ße in Os­na­brück küm­mert er sich mit sei­nen Kol­le­gen um die Au­tos, in die ein­ge­bro­chen wur­de. „Das sind rich­ti­ge Pro­jek­te“, sagt Hun­ke, und be­legt auch gleich, was er meint. Mehr als 16.000 Eu­ro kos­te­te et­wa die Re­pa­ra­tur ei­nes BMW M2, die er als Bei­spiel aus sei­nen Ak­ten her­aus­ge­sucht hat.

Der Preis er­klärt sich bei ei­nem Blick auf die Lis­te der Tei­le, die nach dem Ein­bruch aus­ge­tauscht wer­den muss­ten. Sie ist gan­ze fünf DINA4-Sei­ten lang. So muss­te – ne­ben den ge­stoh­le­nen Tei­len – auch ei­ne Sei­ten­schei­be er­setzt wer­den, die bei dem Ein­bruch ein­ge­schla­gen wor­den war. Das split­tern­de Glas hat­te Krat­zer auf dem Lack vom Ar­ma­tu­ren­brett bis in den Kof­fer­raum und müs­sen kom­plett ge­tauscht wer­den,

und an der Le­der­aus­stat­tung hin­ter­las­sen. Da die Tä­ter Strom-, An­ten­nen- und Laut­spre­cher­ka­bel an Na­vi und Bord­com­pu­ter ein­fach ab­ge­schnit­ten hat­ten, muss­te der zen­tra­le Ka­bel­baum neu durch das Au­to ge­legt wer­den – von der Fah­rer­ka­bi­ne bis in den Kof­fer­raum. Ein Mecha­ni­ker war vier Ta­ge lang mit den Ar­bei­ten be­schäf­tigt.

Fahr­zeu­ge der Mar­ke BMW sind laut Po­li­zei­sta­tis­tik be­son­ders be­liebt bei den Tei­le­die­ben. Des­halb ar­bei­tet der Her­stel­ler dar­an, dass sei­ne Au­tos si­che­rer wer­den, sagt Tho­mas Hun­ke. Der Bord­com­pu­ter, das tech­ni­sche Herz­stück des Au­tos, ist in­zwi­schen schwe­rer er­reich­bar und wird mit Schrau­ben be­fes­tigt, die sich nicht mehr oh­ne Wei­te­res lö­sen las­sen. Bei­des soll den Die­ben die Ar­beit er­schwe­ren. Zu­dem wer­den hoch­wer­tig aus­ge­stat­te­te Wa­gen nur noch mit

Dieb­stahl­warn­an­la­ge ver­kauft. Ein ge­stoh­le­ner Bord­com­pu­ter lässt sich oh­ne­hin nicht ein­fach in ein an­de­res Au­to ein­bau­en, er­klärt Hun­ke. „Der muss in das Fahr­zeug ein­ge­bun­den und ent­spre­chend pro­gram­miert wer­den. Das kann nur die Fach­werk­statt, ei­gent­lich.“

Der Werk­statt­lei­ter weiß, dass sich die Au­to­her­stel­ler ei­nen stän­di­gen Kampf mit den Die­ben lie­fern. Rüs­tet der ei­ne auf, zieht der an­de­re nach. Im­mer­hin han­delt es sich um pro­fes­sio­nel­le Ban­den, die die Tei­le nach An­ga­ben der Po­li­zei bis nach Asi­en ver­kau­fen. In Deutsch­land ha­ben die Die­be im Jahr 2018 Schä­den im Wert von fast 200 Mil­lio­nen Eu­ro ver­ur­sacht, so die Sta­tis­tik des Ge­samt­ver­ban­des der Deut­schen Ver­si­che­rungs­wirt­schaft. Dem­nach sind die Ver­si­che­rungs­schä­den in den letz­ten zehn Jah­ren so­gar wie­der an­ge­stie­gen.

Fo­tos: BMW Wal­ken­horst

Mehr als 16 000 Eu­ro be­trug der Scha­den an die­sem BMW M2, der vom Werk­statt­team des Au­to­hau­ses Wal­ken­horst re­pa­riert wur­de.

Die Ka­bel ver­lau­fen

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