Be­ckert ver­passt Bron­ze um 2,7 Zen­ti­me­ter

Rod­ler be­ju­beln EM-Ti­tel / Bi­ath­le­tin­nen fei­ern Staf­fel­sieg und set­zen aus / Nur Gei­ger über­zeugt im Ein­zel

Bramscher Nachrichten - - SPORT - Fo­to: dpa/Don Em­mert dpa

IN­ZELL Die deut­schen Eis­schnell­läu­fer sind bei der Heim­welt­meis­ter­schaft oh­ne Me­dail­le ge­blie­ben – ob­wohl es ver­dammt knapp war. Bes­ser lief es für die Rod­ler bei der in ei­nen Welt­cup ein­ge­bet­te­ten Eu­ro­pa­meis­ter­schaft in Ober­hof. Die Bi­ath­le­ten trotz­ten in Ka­na­da eben­so der Käl­te wie die Ski­sprin­ger in Finn­land.

Eis­schnell­lauf: Mit ver­stei­ner­ter Mie­ne blick­te Patrick Be­ckert auf die An­zei­ge­ta­fel und ver­grub schließ­lich den Kopf in den Hän­den. Am En­de der längs­ten Dis­tanz bei der WM in In­zell hat­te der Er­fur­ter die Me­dail­le um zwei Tau­sends­tel­se­kun­den ver­fehlt. In der knapps­ten Ent­schei­dung der WM-Ge­schich­te über 10 000 Me­ter fehl­ten dem 28-Jäh­ri­gen 2,7 Zen­ti­me­ter zu Bron­ze. „Ein ganz bit­te­rer Mo­ment. Nach ei­nem Wahn­sinns-Lauf nichts in der Hand zu hal­ten ist ei­ne bit­te­re Pil­le“, mein­te der Er­fur­ter be­trof­fen. Er hat­te mit ei­ner star­ken Schluss­run­de (29,9 Se­kun­den) die per­sön­li­che Sai­sonBest­leis­tung von 12:57,402 Mi­nu­ten vor­ge­legt, doch der Rus­se Da­ni­la Se­me­ri­kow zog im Schluss­paar mit 12:57,400 noch um ei­nen Wim­pern­schlag vor­bei. So­mit wer­den die Deut­schen zum zwei­ten Mal nach 2016 ei­ne WM oh­ne Me­dail­le be­en­den – so wie schon zu­vor bei Olym­pia 2014 und 2018. Clau­dia Pech­stein war über 5000 Me­ter in ih­rem 50. WM-Ren­nen Sieb­te ge­wor­den und denkt auch mit fast 47 Jah­ren nicht ans Auf­hö­ren. „Ich bin ex­akt so schnell ge­lau­fen wie hier bei der WM vor acht Jah­ren. Das macht mich un­heim­lich stolz“, sag­te die Ber­li­ne­rin nach 7:00,90 Mi­nu­ten. Au­gen­zeu­ge Al­fons Hör­mann, der DOSB-Prä­si­dent, sprach von ei­nem „be­ein­dru­cken­den Ren­nen.“Im Mas­sen­star­t­ren­nen wur­de sie am Sonn­tag Zwölf­te.

Ro­deln: Mit zwei EM-Ti­teln star­ten die deut­schen Renn­rod­ler aus­sichts­reich ins Welt­cup-Fi­na­le am letz­ten Fe­bru­ar-Wo­chen­en­de in Sot­schi und kön­nen sich noch al­le drei Ge­samt­sie­ge bei Frau­en, Män­nern und Dop­pel­sit­zern si­chern. Beim vor­letz­ten Wett­be­werb der Sai­son in Ober­hof ge­wan­nen so­wohl Na­ta­lie Gei­sen­ber­ger bei den Frau­en als auch die Dop­pel­sit­zer To­bi­as Wendl/To­bi­as Arlt (Berch­tes­ga­den/Schö­nau) ih­re Welt­cup-Ren­nen und die gleich­zei­tig aus­ge­tra­ge­ne Eu­ro­pa­meis­ter­schaft. Gei­sen­ber­ger steht da­mit als ers­te Ath­le­tin über­haupt vor dem sieb­ten Ge­samt­welt­cup­sieg in Se­rie. „Sie ist ei­ne her­vor­ra­gen­de Ath­le­tin und ist in al­len Be­rei­chen die Bes­te“, sag­te Bun­des­trai­ner Nor­bert Loch.

Bi­ath­lon: Die klir­ren­de Käl­te in Can­mo­re war selbst für Lau­ra Dahl­mei­er zu ex­trem. Ei­gent­lich nutzt die Olym­pia­sie­ge­rin je­de freie Mi­nu­te zum Berg­stei­gen, Lang­lau­fen oder für Ski­tou­ren, doch bei Höchst­tem­pe­ra­tu­ren von um mi­nus 20 Grad wirk­te Trai­ning im war­men Kraft­raum nicht nur für die 25-Jäh­ri­ge ver­lo­cken­der. „Wenn dir ei­ne Böe durch die Kno­chen fährt, dann ist es rich­tig, rich­tig kalt“, sag­te Dahl­mei­er nach dem ers­ten Staf­fel­sieg der deut­schen Frau­en seit mehr als ei­nem Jahr und sprach von „grenz­wer­ti­gen Be­din­gun­gen“. Team­kol­le­gin Va­nes­sa Hinz er­gänz­te: „Ich bin ins Ziel ge­kom­men und ha­be mich ge­fragt: Oh Gott, ist über­haupt noch al­les dran?“Nach dem Tri­umph war in Ka­na­da aber nicht mehr an Wett­kämp­fe zu den­ken. Die Tem­pe­ra­tur sank tags­über auf un­ter mi­nus 25 Grad. Nachts hat­te es in den Ta­gen zu­vor so­gar schon 37 Grad un­ter null ge­ge­ben. Ent­spre­chend wa­ren die Ent­schei­dun­gen im Sprint erst von Sams­tag auf Sonn­tag ver­scho­ben wor­den. Schließ­lich beug­ten sich die Ver­an­stal­ter den ex­tre­men Be­din­gun­gen und sag­ten die Läu­fe ab.

Ski­sprin­gen: Erst der Ju­bel über Platz zwei mit dem Team, dann die Er­nüch­te­rung im Ein­zel: Die deut­schen Ski­sprin­ger sind zwei Wo­chen vor dem WM-Start noch zu in­kon­stant. Nach­dem am Sams­tag Karl Gei­ger, Ri­chard Frei­tag, Andre­as Wel­lin­ger und Ste­phan Ley­he im Mann­schafts­wett­be­werb nur von den star­ken Ös­ter­rei­chern knapp ge­schla­gen wor­den wa­ren, kam im Ein­zel Gei­ger nach ei­ner enor­men Stei­ge­rung im zwei­ten Durch­gang als bes­ter DSV-Ad­ler we­nigs­tens noch auf Rang sechs. Nach dem ers­ten Ver­such hat­te er noch auf Platz 16 ran­giert. Der Sieg ging nach Sprün­gen auf 132,5 und 129 Me­ter an den Po­len Ka­mil Stoch. „Das war doch sehr er­nüch­ternd“, sag­te Bun­des­trai­ner Wer­ner Schus­ter mit sor­gen­vol­ler Mie­ne, nach­dem sei­ne Schütz­lin­ge al­les an­de­re als sou­ve­rän vom gro­ßen Bak­ken der WM-Schan­ze von 2017 ge­gan­gen wa­ren.

Fo­to: dpa/Pe­ter Kneffel

Gro­ßes Pech hat­te Eis­schnell­läu­fer Patrick Be­ckert bei der WM.

Glück­li­ches Frie­ren: die deut­sche Bi­ath­le­tin­nen in Ka­na­da.

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