„Das Eh­ren­amt gibt ei­nem viel zu­rück“

Kreis­sport­bund-Vor­sit­zen­der Beck­mann über FSJ­ler und Hilfs­an­ge­bo­te

Bramscher Nachrichten - - SPORT REGIONAL - Von Jo­han­nes Kapitza

Seit En­de Ok­to­ber ist Win­fried Beck­mann Vor­sit­zen­der im Kreis­sport­bund Os­na­brück-Land. Im In­ter­view spricht er über sei­ne ers­ten 100 Ta­ge im Amt, den Rück­halt in der Po­li­tik und den Reiz des Eh­ren­amts.

Herr Beck­mann, Sie sind et­was mehr als 100 Ta­ge im Amt. Wie ver­lief die Ein­ge­wöh­nung?

Nach vier Jah­ren als stell­ver­tre­ten­der Vor­sit­zen­der wuss­te ich ziem­lich gut, wie die Ar­beit läuft, auch weil ich zu mei­nem Vor­gän­ger Hans We­de­gärt­ner ei­nen en­gen Draht hat­te und ha­be. Viel Ein­ge­wöh­nungs­zeit gab es nicht: Am Don­ners­tag­abend wur­de ich ge­wählt, am Frei­tag war ich schon bei ei­ner Ver­an­stal­tung des TuS Gla­ne, am Sams­tag um kurz nach 7 Uhr saß ich im Zug zum Lan­des­turn­tag in Braun­schweig.

Sie ken­nen die Ver­ei­ne aus der Ar­beit im KSB und als ehe­ma­li­ger Sport­re­dak­teur un­se­rer Zei­tung. Da kann Sie nichts mehr über­ra­schen?

Im Ge­gen­teil: Ich se­he vie­les von dem be­stä­tigt, was ich schon er­lebt ha­be. Ich se­he über­all net­te Men­schen, die et­was für an­de­re tun. Das ist auch für mich ei­ne Mo­ti­va­ti­on.

Beim Amts­an­tritt ha­ben Sie ge­sagt: „Ich kom­me zu je­dem Ver­ein. Zur Not la­de ich mich selbst ein.“

Und das ma­che ich auch. Zu ei­nem Neu­jahrs­emp­fang bin ich auch oh­ne Ein­la­dung hin­ge­fah­ren. Es ist schön, vor Ort mit den Men­schen zu re­den. Das ist kei­ne neue Er­fah­rung für mich, aber ich er­le­be die Kon­tak­te in­ten­si­ver als frü­her.

Es gibt 303 Sport­ver­ei­ne im Land­kreis. Da ist der Ka­len­der gut ge­füllt? Bis­lang ha­be ich rund 40 of­fi­zi­el­le Ter­mi­ne hin­ter mir. Bis ich al­le Ver­ei­ne be­sucht ha­be, wer­de ich noch ein paar Jah­re brau­chen. Ich will nicht nur die gro­ßen Klubs be­su­chen, son­dern ge­ra­de auch die klei­nen. Dort ist manch­mal gar nicht be­kannt, was wir und der Lan­des­sport­bund al­les bie­ten. Die­se An­ge­bo­te müs­sen wir im­mer wie­der vor­stel­len. Das ist kein Vor­wurf an die Ver­ei­ne, aber sie könn­ten sich mehr Hil­fe bei uns ho­len.

In wel­cher Form? Es gibt För­der­gel­der, die teil­wei­se gar nicht ab­ge­ru­fen wer­den, weil die Ver­ei­ne nichts da­von wis­sen. Das gilt zum Bei­spiel für Sport­ge­rä­te und In­te­gra­ti­ons­pro­jek­te. Dar­über hin­aus bie­ten wir Be­ra­tun­gen in der Ver­eins- und Sport­ent­wick­lung, da­mit sich die Ver­ei­ne zeit­ge­mäß auf­stel­len kön­nen – ge­ra­de auch dann, wenn sie Struk­tu­ren im Vor­stand än­dern wol­len oder müs­sen. In ei­ni­gen Ver­ei­nen gibt es nicht mehr ei­nen ers­ten Vor­sit­zen­den, son­dern drei Vor­sit­zen­de, die sich die Auf­ga­ben tei­len. Das kann ein Weg sein, wenn sich nie­mand fin­det, der die Ver­eins­füh­rung al­lei­ne über­neh­men will, weil ihm die Fuß­stap­fen ei­nes ver­dien­ten Vor­gän­gers zu groß er­schei­nen.

Das Jahr ist noch re­la­tiv jung. Was ha­ben Sie sich für 2019 und Ih­re Amts­zeit vor­ge­nom­men?

Na­tür­lich möch­ten wir den Kon­takt zu den Ver­ei­nen aus­bau­en. Au­ßer­dem wür­de ich ger­ne im Brei­ten­sport wei­ter ei­nen Ak­zent set­zen. Im ver­gan­ge­nen Jahr wur­den 6600 Sport­ab­zei­chen im Land­kreis ver­lie­hen. Da­mit sind wir die Num­mer zwei in Nie­der­sach­sen, das ist schon ei­ne tol­le Leis­tung. Des­we­gen fah­re ich auch zu den Sport­ab­zei­chen­ver­lei­hun­gen der Ver­ei­ne, ger­ne bald auch mal nach Mel­le, wo Ute Pe­per­korn mit ih­rem Team 600 Sport­ab­zei­chen im Jahr ab­nimmt. Na­tür­lich freu­en wir uns, wenn es im Spit­zen­sport Er­fol­ge gibt, aber wir sind im Brei­ten­sport zu Hau­se. Das ist un­se­re Auf­ga­be, und da füh­len wir uns wohl.

Es gibt auch The­men, die nicht so an­ge­nehm sind. Die Su­che nach Eh­ren­amt­li­chen ist ein Dau­er­the­ma, das al­le Sport­ver­ei­ne um­treibt…

Vie­le kla­gen, dass sie kaum je­man­den fürs Eh­ren­amt fin­den. Wir sa­gen: Es ist leich­ter, wenn man die Auf­ga­ben auf­teilt. Für ein Amt, das zwei oder vier Jah­re dau­ert, ha­ben vie­le kei­ne Zeit oder kei­nen Bock dar­auf. Wir emp­feh­len klei­ne­re Pro­jek­te: Die Ver­ei­ne kön­nen je­man­den su­chen, der nur für ei­ne Sai­son ei­ne Fuß­ball­mann­schaft trai­niert. Wenn man Auf­ga­ben häpp­chen­wei­se auf­teilt, sind die Chan­cen grö­ßer, Men­schen da­für zu ge­win­nen. Hil­fe gibt es auch von jun­gen Men­schen, die ihr frei­wil­li­ges so­zia­les Jahr im Sport leis­ten…

Für mich ist das ein Er­folgs­mo­dell. Vor drei Jah­ren sind wir mit zehn jun­gen Men­schen an­ge­fan­gen. Heu­te ha­ben wir die Re­kord­zahl von 52 FSJ­lern im Land­kreis. Vie­le blei­ben den Ver­ei­nen auch noch er­hal­ten, wenn sie nicht mehr da­für be­zahlt wer­den. In Hun­te­burg re­geln die drei letz­ten FSJ­ler die Sport­ab­zei­chen­ab­nah­me und an­de­re Din­ge im Ver­ein.

Fi­nan­zi­el­le Un­ter­stüt­zung für die FSJ­ler gibt es vom Land­kreis Os­na­brück. Wie sieht all­ge­mein der po­li­ti­sche Rück­halt aus? Ins­ge­samt sehr gut. 2016 ha­ben wir in 20 Re­gio­nal­kon­fe­ren­zen mit Ver­tre­tern von Ver­ei­nen und Po­li­tik über die The­men vor Ort ge­spro­chen. Wenn ich heu­te die Ge­mein­den se­he, dann ha­ben wir über­all sport­li­che Bür­ger­meis­ter. Sie kön­nen zwar auch kein Geld aus dem Bo­den stamp­fen, aber al­le ha­ben ein of­fe­nes Ohr für den Sport und sind dank­bar, dass die Ver­ei­ne in den Ge­mein­den so viel tun. Die Po­li­tik weiß, was im Sport ge­leis­tet wird. Je­der drit­te Ein­woh­ner im Land­kreis ist Mit­glied in ei­nem Sport­ver­ein – das ist die größ­te Ge­mein­schaft, die wir im Land­kreis ha­ben.

Ihr Re­zept beim Eh­ren­amt heißt: Man darf nicht nur kla­gen, son­dern muss po­si­tiv über die Er­fah­run­gen spre­chen…

Es ist ja auch toll, Men­schen zu tref­fen, die et­was für an­de­re tun. Ich ver­ges­se nie ei­nen Abend in Hun­te­burg, wo ich ei­ne 71-jäh­ri­ge Übungs­lei­te­rin eh­ren durf­te, die noch je­den zwei­ten Tag in der Hal­le steht, ih­re Kur­se gibt und da­nach im­mer zu­frie­den mit ei­nem Lä­cheln nach Hau­se geht. Das müs­sen wir al­le noch deut­li­cher klar­ma­chen: Dass es toll ist, den Leu­ten im Eh­ren­amt et­was zu ge­ben, aber da­für noch viel mehr zu­rück­zu­be­kom­men. Das ist auch mein Emp­fin­den: Wenn ich ir­gend­wo in den Ver­ei­nen bin, dann se­he ich, wie sehr sich Eh­ren­amt­li­che für ih­re Mit­men­schen en­ga­gie­ren. Da­für gibt es Eh­ren­na­deln und gu­te Re­den – aber auch sehr viel Dank­bar­keit und in­ne­re Er­fül­lung.

Fo­to: Micha­el Grün­del

Kennt sich aus in den Sport­hal­len des Land­krei­ses: Kreis­sport­bund-Vor­sit­zen­der Win­fried Beck­mann.

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