St­ein­reich und un­sicht­bar

Ei­ne se­hens­wer­te TV-Do­ku­men­ta­ti­on auf der Spur von Deutsch­lands Mil­li­ar­dä­ren

Bramscher Nachrichten - - WELTSPIEGEL -

kein „Wünsch Dir was“. Die bei­den an­de­ren Su­per­rei­chen, die in Opitz’ Film zu Wort kom­men, sind Micha­el Ot­to, Auf­sichts­rats­vor­sit­zen­der der Ot­to Group, und ein Self­made-Mil­lio­när der be­son­de­ren Art: Rai­ner Schal­ler düst gern mit dem Rol­ler durch die Ge­gend oder kommt in ei­ner Le­der­ja­cke zum Ge­schäfts­ter­min.

Nach dem Re­al­schul­ab­schluss mach­te er ei­ne Leh­re als Ver­käu­fer, wur­de Markt­lei­ter drei­er Su­per­märk­te und grün­de­te schließ­lich mit McFit ei­ne Ket­te von Fit­ness­stu­di­os, die sein Ver­mö­gen mitt­ler­wei­le auf ge­schätz­te 250 Mil­lio­nen Eu­ro an­wach­sen ließ. Dass er zwi­schen­durch als Ver­an­stal­ter der Ka­ta­stro­phen-Love-Pa­ra­de von Duis­burg in Er­schei­nung trat, hat sei­nen Auf­stieg nicht spür­bar ge­bremst.

Gu­te drei Jah­re hat Flo­ri­an Opitz für sei­nen Film re­cher­chiert, 200 mög­li­che Prot­ago­nis­ten an­ge­ru­fen und -ge­schrie­ben, meh­re­re hat­ten be­reits zu­ge­sagt, um in letz­ter Mi­nu­te dann doch wie­der ei­nen Rück­zie­her zu ma­chen. Das ha­be ihn „fast in den Wahn­sinn ge­trie­ben“, be­rich­tet Opitz im Ge­spräch mit un­se­rer Re­dak­ti­on.

Doch zum Glück zieht al­le Jah­re wie­der die Re­dak­ti­on des „Ma­na­ger Ma­ga­zins“durch die Lan­de, um für ein Son­der­heft die ak­tu­el­le Lis­te der 1000 reichs­ten Deut­schen zu­sam­men­zu­stel­len. Prak­tisch für den Fil­me­ma­cher – er konn­te sich an­hän­gen und auf die­se Wei­se die Re­cher­che ein we­nig er­leich­tern. Auch wenn die Lis­te größ­ten­teils auf Schät­zun­gen be­ruht und nicht auf Fak­ten. Denn – so for­mu­liert es Opitz in sei­nem Film – die wirk­lich rei­chen Deut­schen mei­den die Öf­fent­lich­keit wie der Teu­fel das Weih­was­ser.

Für den Ba­ron und Fug­gerNach­fah­ren Chris­ti­an von Bech­tols­heim, des­sen Fo­cam AG ei­ni­ge der größ­ten Fa­mi­li­en­ver­mö­gen Deutsch­lands ver­wal­tet und mehrt, lie­gen die Grün­de da­für auf der Hand: Die Öf­fent­lich­keits­scheu vie­ler Wohl­ha­ben­der lie­ge vor al­lem dar­an, dass sie Angst ha­ben, ne­ga­tiv dar­ge­stellt zu wer­den. Au­ßer­dem fra­gen sie sich, was sie da­von ha­ben. Die Ant­wort gibt der Ba­ron selbst: Nichts – im Ge­gen­teil: „Dann wird nur ir­gend­ein Ver­rück­ter auf mich auf­merk­sam und bricht bei mir ein oder ent­führt ei­nes mei­ner Kin­der.“Bei Er­ben, so von Bech­tols­heim, kom­me schließ­lich noch hin­zu, dass de­ren Ver­mö­gen teil­wei­se durch das Drit­te Reich „kom­pro­mit­tiert“sei. Aber das wä­re ein an­de­rer Film.

Ganz oben – Die dis­kre­te Welt der Mil­li­ar­dä­re. Das

Fo­to: rbb/EIKON Me­dia/An­dy Leh­mann

Von den we­ni­gen Mil­li­ar­dä­ren, die sich vor der Ka­me­ra äu­ßern woll­ten, ist Dro­ge­rie­ket­ten­in­ha­ber Dirk Roß­mann der aus­kunfts­freu­digs­te.

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