„Das geht gar nicht“

Die „Os­ma­nen“be­wach­ten Flücht­lings­hei­me

Brettener Nachrichten - - SÜDWESTECHO - Von Ro­land Böhm und Chris­to­pher Tön­gi

Stutt­gart. An­ge­hö­ri­ge der tür­kisch-na­tio­na­lis­ti­schen Stra­ßen­gang „Os­ma­nen Ger­ma­nia“ha­ben ei­ne Zeit lang in Süd­ba­den als Wach­män­ner in Flücht­lings­hei­men ge­ar­bei­tet. Ein Spre­cher des Land­krei­ses Lör­rach be­stä­tig­te am Wo­che­n­en­de ei­nen ent­spre­chen­den Be­richt des Nach­rich­ten­ma­ga­zins „Spie­gel“. Dem­nach wa­ren „Os­ma­nen“zu Dut­zen­den als Wach­män­ner tä­tig – und be­ka­men über Um­we­ge staat­li­ches Geld.

Die Er­mitt­ler gin­gen da­von aus, dass die „Os­ma­nen“2016 zeit­wei­se 50 Mit­glie­der für acht Un­ter­künf­te im Land­kreis Lör­rach stell­ten, heißt es im „Spie­gel“. Die Auf­trä­ge er­hiel­ten sie oh­ne Wis­sen des Land­krei­ses of­fen­bar von ei­nem Sub-Su­b­un­ter­neh­mer, wie Land­kreis­spre­cher Tor­ben Pahl auf An­fra­ge mit­teil­te. Der Kreis ha­be die Be­wa­chung der Un­ter­künf­te an ein Si­cher­heits­un­ter­neh­men ab­ge­ge­ben, das ha­be wie­der­um ei­nen Su­b­un­ter­neh­mer be­auf­tragt und vom Ein­satz der „Os­ma­nen“nichts ge­wusst. Prahls An­ga­ben zu­fol­ge ging es um ei­nen Zei­t­raum von En­de 2015 bis En­de 2016, in dem die „Os­ma­nen“tä­tig wa­ren. Der Land­kreis ha­be da­von erst im März 2017 er­fah­ren. Grü­nen-In­nen­ex­per­te Uli Sckerl sprach am Sonn­tag von ei­nem „un­er­hör­ten Vor­gang“und for­der­te das In­nen­mi­nis­te­ri­um zur so­for­ti­gen Auf­klä­rung auf. Dass die „Os­ma­nen“ge­gen Ent­loh­nung Flücht­lings­hei­me be­wacht ha­ben „geht gar nicht“, sag­te auch der FDPBun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te aus dem Wahl­kreis Lör­rach und Kreis­rat Chris­toph Hoff­mann. Der Ro­cker­club „Os­ma­nen Ger­ma­nia BC“ha­be „er­staun­lich gu­te Be­zie­hun­gen zum tür­ki­schen Staat – bis nach ganz oben“. In Hes­sen wür­den die „Os­ma­nen“seit drei Jah­ren vom Ver­fas­sungs­schutz über­wacht, sag­te Hoff­mann. Ba­den-Würt­tem­bergs In­nen­mi­nis­ter Tho­mas Stro­bel (CDU) hin­ge­gen schaf­fe es nicht, der Ge­fahr zu be­geg­nen. Das In­nen­mi­nis­te­ri­um wies die Kri­tik zu­rück. „Nir­gend­wo in der gan­zen Bun­des­re­pu­blik wur­de so hart und er­folg­reich ge­gen die Os­ma­nen er­mit­telt und er­folg­reich straf­pro­zess­recht­lich ope­riert wie in Ba­den-Würt­tem­berg“, teil­te ei­ne Spre­che­rin mit. Die Vor­wür­fe der FDP sei­en oh­ne je­de Sub­stanz und gin­gen ab­so­lut ins Lee­re.

Acht bis zehn Eu­ro sol­len „Os­ma­nen“-Mit­glie­der laut „Spie­gel“pro St­un­de ver­dient ha­ben. Der Ex-„Welt­prä­si­dent“der „Os­ma­nen“und sein Vi­ze sol­len oft ei­ne Art Pro­vi­si­on er­hal­ten ha­ben. Ge­gen bei­de be­ginnt jetzt im Hoch­si­cher­heits­saal am Ge­fäng­nis Stutt­gart-Stamm­heim ein Pro­zess des Land­ge­richts. Die Staats­an­walt­schaft wirft ins­ge­samt acht Ban­den­mit­glie­dern un­ter an­de­rem ver­such­ten Mord vor.

Mi­nis­ter Strobl er­neut in der Kri­tik

WIE WAR DAS MÖG­LICH? Die Grup­pe soll mit Steu­er­geld für die Be­wa­chung be­zahlt wor­den sein. Sym­bol­fo­to: dpa

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