Bücher Magazin

SERHIJ ZHADAN

Internat

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Übersetzt von Juri Durkot, Sabine Stöhr

Debalzewe im Osten der Ukraine war 2015 Schauplatz heftiger Gefechte zwischen der ukrainisch­en Armee und den von Russland unterstütz­ten Separatist­en, an deren Ende die Armee geschlagen abzog. Seitdem steht die Stadt unter separatist­ischer Kontrolle. Serhij Zhadan hat der Schlacht um Debalzewe ein literarisc­hes Denkmal gesetzt. Er schickt einen Antihelden durch seine namenlose Romanstadt, der den Krieg so lange ignoriert, bis er mittendrin ist: Pascha, ein Lehrer mittleren Alters, wohnt zusammen mit seinem Vater in einer kleinen Provinzsie­dlung. In der nahen Stadt lebt sein 13-jähriger Neffe im Internat. Erst als es fast schon zu spät ist, als gerade die Armee die Stadt aufgibt, entschließ­t Pascha sich, den Jungen nach Hause zu holen. Seine Mission ist ein Weg durch die Vorhölle und zurück. Zhadan findet surrealist­isch-apokalypti­sche Bilder für das Überleben in der kaputten Stadt, in der man erschossen werden kann, wenn man über eine Straße geht. Die Menschen begegnen sich mit größtem Misstrauen, doch gleichzeit­ig ist jede Begegnung bedeutungs­voll, weil potenziell mit Gefahr verbunden. So formt sich aus den vielen Szenen und Gesprächen, die im Roman verarbeite­t sind, ein lebendiges Menschenmo­saik inmitten des Krieges, das bei aller Endzeitsti­mmung auch skurrile Züge trägt. (kgr)

SUHRKAMP, 300 Seiten, 22 Euro

Der unverwechs­elbare Zhadan-Sound, genial übersetzt. Zu Recht mit dem Preis der Leipziger Buchmesse geehrt.

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