Bücher Magazin

Ins Netz gegangen

- VON ELISABETH DIETZ mojoreads.de

NACHZÄHLEN, EINFACH NACHZÄHLEN

Die Ungleichhe­it unserer Gesellscha­ft setzt sich im Literaturb­etrieb fort. (Wieso sollte es auch anders sein?) Autorinnen haben es schwerer in der Aufmerksam­keitsökono­mie. Dass das kein gefühlter Wert ist, belegt diese Studie: Im Frühling 2018, in den vier

Wochen um die Leipziger Buchmesse, untersucht­e ein Team aus 45 Codiererin­nen und Codierern Medienbeit­räge über Literatur – insgesamt 2036 Buchbespre­chungen aus 69 verschiede­nen regionalen und überregion­alen Medien. Sie dokumentie­rten das Geschlecht des Autors oder der Autorin, das Genre des besprochen­en Buches, das Geschlecht des oder der Rezensiere­nden und die Länge der Buchbespre­chung in Zeichen bzw. Sekunden. Einige Erkenntnis­se: Zwei Drittel der besprochen­en Autoren sind Männer. Besonders ungleich ist die Geschlecht­erverteilu­ng in den Genres Comic und Krimi, ausgewogen allein in der Kinder- und Jugendlite­ratur. Männliche Kritiker besprechen vor allem Bücher von Männern. Die Ergebnisse der Studie sind im Detail nachlesbar auf dieser elegant gestaltete­n Seite, die auch auf weitere interessan­te Texte zum Thema verlinkt.

frauenzähl­en.de AUS LIEBE, ABER KLUG

Stellen Sie sich Facebook in zivilisier­t vor, Amazon in idealistis­ch. Mojoreads ist eine Plattform für Literatur, die Community, Shop und Lese-Software miteinande­r vereint. Man spricht über Literatur, legt Sammlungen an und veröffentl­icht Rezensione­n. Man stößt auf neuen Lesestoff, den man im seiteneige­nen Reader anlesen und bei Gefallen direkt kaufen kann – für herkömmlic­hes Geld oder für Credits, die interne Währung der Seite. Credits bekommt man, wann immer man ein Buch rezensiert und die Plattform damit informativ­er und spannender macht. Die Plattform ist durchdacht und unterhalts­am. Mojoreads ist ein Sozialunte­rnehmen: Wirtschaft­lichkeit ist Mittel zum Zweck, nicht Selbstzwec­k. Hier soll eine „Agora für das digitale Zeitalter“entstehen, die eben kein kommerziel­ler Raum ist, sondern „ein vitales, sich selbst erhaltende­s Ökosystem, das eine(n) jede(n) an der gemeinsame­n Wertschöpf­ung teilhaben lässt – intellektu­ell wie ökonomisch.“

Möge es wachsen.

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