Par­kremp­ler mit dem Han­dy mel­den

Seit Kur­zem kön­nen Straf­ta­ten on­li­ne an­ge­zeigt wer­den. In der Re­gi­on wird das vor al­lem bei Be­trugs­fäl­len im Netz ge­nutzt. Po­li­zei­ge­werk­schaft fürch­tet stär­ke­re Be­las­tung

Buchloer Zeitung - - Allgäu-rundschau - VON KATHARINA MÜL­LER

All­gäu Wenn der On­line­händ­ler zwar Geld be­kom­men hat, aber kei­ne Wa­re schickt, der Fahr­rad­sat­tel ge­stoh­len wird oder gar das gan­ze Ge­fährt ab­han­den kommt, ist der Är­ger groß. Den Gang zur Po­li­zei kann man sich in die­sen Fäl­len aber zu­min­dest spa­ren. Denn, um An­zei­ge zu er­stat­ten, reicht in Bay­ern seit et­wa drei Wo­chen ein Griff zum Smart­pho­ne, Ta­blet oder PC. Dies An­ge­bot wur­de im Be­reich des Po­li­zei­prä­si­di­ums Schwa­ben Süd­west bis­her haupt­säch­lich beim The­ma In­ter­net-Be­trug ge­nutzt, sagt Po­li­zei­spre­cher Sven Horn­fi­scher. Ins­ge­samt sei­en On­li­ne-An­zei­gen im nied­ri­gen zwei­stel­li­gen Be­reich ein­ge­gan­gen. Auf­grund der kur­zen Zeit kön­ne man dar­aus aber noch kei­ne Rück­schlüs­se zie­hen, fügt Po­li­zei­spre­cher Jür­gen Kraut­wald hin­zu. Dass die Zah­len und da­mit die Be­las­tung für die Po­li­zis­ten noch stei­gen wer­den, dar­an hat Pe­ter Pyt­lik, stell­ver­tre­ten­der Lan­des­vor­sit­zen­der der Po­li­zei­ge­werk­schaft, kei­nen Zwei­fel.

„Wir wer­den da­durch mit mehr Ar­beit be­legt wer­den, da bin ich si­cher“, sagt er. Für die Bür­ger sei das An­ge­bot der On­li­ne-An­zei­ge ein gu­ter Ser­vice. Für die Di­enst­stel­len, die in der Re­gi­on oh­ne­hin schlecht be­setzt sei­en, be­deu­te es je­doch ei­nen Mehr­auf­wand. Im­mer­hin sei die Hemm­schwel­le für ei­ne An­zei­ge im In­ter­net nied­ri­ger, als wenn da­für ein per­sön­li­ches Er­schei­nen auf der Di­enstel­le nö­tig ist. „Ge­ra­de bei Klei­nig­kei­ten“, sagt Pyt­lik. In man­chen Fäl­len sei es auch so, dass die An­ga­ben in den On­li­ne-For­mu­la­ren nicht voll­stän­dig sei­en. Dann müss­ten die Be­am­ten zu den An­zei­gen­stel­lern fah­ren und nicht mehr um­ge­kehrt.

On­li­ne-An­zei­gen sind bis­lang le­dig­lich für Straf­ta­ten im klein­kri­mi­nel­len Be­reich mög­lich. Und zwar in drei Ka­te­go­ri­en: Dieb­stahl und Sach­be­schä­di­gung an Au­to und Fahr­rad so­wie Be­trug im In­ter­net. Auf­fäl­lig ist, dass in der Re­gi­on bis­her haupt­säch­lich In­ter­net-Be­trü­ge- über das neue Po­li­zei­por­tal ge­mel­det wur­den, teilt Horn­fi­scher mit.

In die­sen Fäl­len ging es zum Bei­spiel um of­fe­ne Rech­nun­gen für be­reits ver­sen­de­te Pro­duk­te oder be­zahl­te Ar­ti­kel, die der Käu­fer nie er­hal­ten hat. Stellt al­so je­mand, der im In­ter­net Ge­schäf­te macht auch eher dort An­zei­ge? Könn­te sein! Schließ­lich funk­tio­niert das Gan­ze ähn­lich wie ei­ne On­li­ne-Be­stel­lung: Man klickt sich von Sei­te zu Sei­te, gibt an, was man (an­zei­gen) möch­te, trägt sei­ne Kon­takt­da­ten ein, über- prüft sei­nen Auf­trag am En­de, be­vor er ver­bind­lich ge­sen­det wird. Der Emp­fän­ger nimmt die „Be­stel­lung“ent­ge­gen und küm­mert sich dar­um. Nur zah­len muss man da­für nichts.

Da­mit mit den On­li­ne-An­zei­gen kein Schind­lu­der ge­trie­ben wird, über­prü­fen die Po­li­zis­ten beim Be­ar­bei­ten so­fort, ob der Ab­sen­der wirk­lich exis­tiert und die An­zei­ge selbst ver­fasst hat, sagt Horn­fi­scher. So­mit könn­ten die For­mu­la­re zwar in fal­schem Na­men aus­ge­füllt wer­den – ei­ne Art di­gi­ta­len Fin­ger­ab­rei­en druck zur Le­gi­ti­mie­rung gibt es nicht –, das flie­ge je­doch schnell auf. Wich­tig sei bei der On­li­ne-An­zei­ge, dass die Men­schen das An­ge­bot nur für die an­ge­ge­be­nen drei „De­lik­tBe­reich“nut­zen, be­tont Horn­fi­scher. Für al­les an­de­re müss­ten sie nach wie vor auf die Di­enst­stel­le kom­men. Fah­rer­flucht et­wa sei nicht für ei­ne On­li­ne-An­zei­ge vor­ge­se­hen. I On­li­ne An­zei­ge er­stat­ten ist mög­lich un­ter: www.on­li­ne straf­an­zei­ge.de

Fo­to: Mat­thi­as Be­cker

Par­kremp­ler und an­de­re klei­ne­re Straf­ta­ten kön­nen in­zwi­schen per Smart­pho­ne und PC bei der Po­li­zei an­ge­zeigt wer­den. In der Re­gi­on wur­de das An­ge­bot vor al­lem bei Fäl­len von In­ter­net Be­trug ge­nutzt.

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