Mis­ter „Stop Br­ex­it“

Por­trät Ste­ve Bray ist ein über­zeug­ter Eu­ro­pä­er. Er wird nicht mü­de, sei­ne bri­ti­schen Lands­leu­te auf die Ge­fah­ren ei­nes Aus­stiegs aus der EU hin­zu­wei­sen

Buchloer Zeitung - - Meinung & Dialog -

Vor dem West­mins­ter-Pa­last herrscht Auf­re­gung. Ge­ra­de hat Ste­ve Bray von ei­ner Be­kann­ten am Te­le­fon er­fah­ren, dass im Fernsehen wäh­rend ei­nes live aus­ge­strahl­ten In­ter­views „Lea­ve“Pos­ter im Hin­ter­grund zu se­hen sind. In Mes­singrot ste­chen die ProB­rex­it-Pla­ka­te aus dem Meer der blau­en Flag­gen mit den zwölf gol­de­nen Sternen her­aus. „Holt mehr Fah­nen her“, ruft Bray ei­ner Grup­pe zu. So­fort brin­gen ihm an­de­re Ak­ti­vis­ten Fah­nen so­wie ein Ban­ner, das der Bri­te nun vor der Na­se der Pro­test-Kon­kur­renz aus­rollt. Er streckt es gen Him­mel und da­mit in Sicht­wei­te der TV-Ka­me­ras, die auf dem Ra­sen vor dem bri­ti­schen Par­la­ment ste­hen. „Wir wol­len ei­ne Volks­ab­stim­mung“, kön­nen die Zu­schau­er nun le­sen.

Ste­ve Bray at­met kurz durch. Es ist viel los die­ser Ta­ge, ins­be­son­de­re für den 49-Jäh­ri­gen, der im Kö­nig­reich als Ober-Ak­ti­vist mitt­ler­wei­le ei­ne Be­rühmt­heit dar­stellt. Er ist Mis­ter „Stop Br­ex­it“. Un­er­müd­lich steht Bray seit Sep­tem­ber ver­gan­ge­nen Jah­res fast täg­lich zwi­schen 10 und 18 Uhr vor dem Par­la­ment, um ge­gen den Aus­tritt des Kö­nig­reichs aus der EU zu kämp­fen.

Ein eu­ro­pa­skep­ti­scher Ab­ge­ord­ne­ter kommt aus dem alt­ehr­wür­di­gen Ge­bäu­de. Bray eilt hin­ter­her, fragt freund­lich nach den Vor­tei­len der an­ste­hen­den Schei­dung. „Wie wird Groß­bri­tan­ni­en da­von pro­fi­tie­ren?“Der Par­la­men­ta­ri­er winkt ab und wirft ihm le­dig­lich ein „Ab­war­ten“hin. Bray schüt­telt den Kopf und sagt wie zu sich selbst: „Was ist das für ei­ne Art, ein Land zu füh­ren?“Nicht we­ni­ge fin­den, Ste­ve Bray nervt. Der nimmt das fast als Kom­pli­ment auf – zu be­deu­tend sei die Sa­che, für die er ein­tritt, als dass er auf­hö­ren könn­te. „Je­de Form des Br­ex­its fügt al­len Be­tei­lig­ten Scha­den zu.“Die Eu­ro­pa­freun­de auf der In­sel be­wun­dern den hart­nä­cki­gen Mann, des­sen Uni­form un­ter an­de­rem aus ei­nem blau­en Zy­lin­der mit der Auf­schrift „Stop Br­ex­it“be­steht. Zu­dem trägt er stets ei­ne EU-Flag­ge um die Schul­tern und Pla­ka­te in der Hand.

Das Ge­sicht der Anti-Br­ex­it-Be­we­gung stammt aus Port Tal­bot, ei­ner Stadt in Süd­Wales, die für ih­re Stahl­wer­ke be­kannt ist. Und wo 57 Pro­zent der Men­schen für den Aus­tritt ge­stimmt ha­ben. „Ich ha­be die EU im­mer als selbst­ver­ständ­lich be­trach­tet und hät­te nie ge­dacht, dass ich mal für un­se­ren Platz in der Ge­mein­schaft kämp­fen muss“, sagt Bray, der im Sep­tem­ber 2017 nach Lon­don kam und nur für ein paar Mo­na­te ge­gen „die­sen Wahn­sinn“de­mons­trie­ren woll­te. Er soll­te blei­ben. Heu­te teilt er sich im Lon­do­ner Sü­den ei­ne Woh­nung mit ei­nem Freund, der aus­se­he wie Bo­ris John­son, der Wort­füh­rer der Br­ex­i­teers. „Ist das nicht iro­nisch?“Bray lacht.

Lan­ge hat der Münz­samm­ler von Er­spar­tem ge­lebt. Das ist mitt­ler­wei­le auf­ge­braucht. Aber er be­nö­ti­ge nicht viel und über­haupt, fast je­der Pen­ny, der durch Spen­den oder den Ver­kauf von Anti-Br­ex­it-Zu­be­hör her­ein­kom­me, wer­de in die Kam­pa­gne ge­steckt. Ka­trin Pribyl

Fo­to: im­a­go

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