VER­HAN­DELN UN­TER­WEGS

Teil II von Ser­gey Franks Ko­lum­ne be­han­delt das Un­gleich­ge­wicht der Ge­schlech­ter in den Füh­rungs­eta­gen deut­scher Un­ter­neh­men

Business Traveller (Germany) - - Inhalt -

Stra­te­gi­en fürs Bu­si­ness auf in­ter­na­tio­na­lem Ter­rain von Personalberater Ser­gey Frank

Die­ses The­ma ist so ak­tu­ell, dass wir uns be­reits in un­se­rer letz­ten Aus­ga­be mit ei­ner Ist-Ana­ly­se weib­li­cher Ma­na­ger in Deutsch­land be­fasst ha­ben. Da­bei wur­de klar, dass sich Frau­en in Top-Po­si­tio­nen viel­fach durch Ei­gen­schaf­ten wie ei­ne ho­he Mo­ti­va­ti­on, sehr gro­ße Loya­li­tät und über­durch­schnitt­li­che Ar­beits­be­last­bar­keit aus­zeich­nen.

Heu­te drin­gen wir tie­fer in die Ma­te­rie ein und wid­men uns der Fra­ge, in wel­chen aus­ge­wähl­ten Be­rei­chen man be­son­ders gut von ei­nem eher weib­li­chen Ma­nage­men­t­an­satz ler­nen kann. Hier­bei geht es un­ter an­de­rem um die Kom­mu­ni­ka­ti­on.

IN­TER­NA­TIO­NA­LE KOM­MU­NI­KA­TI­ON VON FRAU­EN LER­NEN

Na­tür­lich gibt es nach wie vor Län­der, wie zum Bei­spiel Sau­di-Ara­bi­en, wo Frau­en auf den ers­ten Blick nicht in Er­schei­nung tre­ten. Die­se Län­der klam­mern wir in An­be­tracht der nach­fol­gend auf­ge­stell­ten The­sen aus.

Klar­heit und Trans­pa­renz der Kom­mu­ni­ka­ti­on – das ist oft der Schwer­punkt von Män­nern im Zu­ge in­ter­na­tio­na­ler Ge­sprä­che. Da­zu kom­men Ver­trau­en und Ver­bind­lich­keit – dar­auf le­gen häu­fig vor al­lem weib­li­che Ma­na­ger Wert. Wie stellt man in die­sem Zu­sam­men­hang Har­mo­nie im Rah­men der un­ter­schied­li­chen Prio­ri­tä­ten, ins- be­son­de­re im Hin­blick auf in­ter­na­tio­na­le Kom­mu­ni­ka­ti­on, her?

Die Tat­sa­che, dass Men­schen aus ver­schie­de­nen Län­dern auf Eng­lisch mit­ein­an­der re­den, be­deu­tet nicht au­to­ma­tisch, dass die Ver­stän­di­gung ge­nau­so gut funk­tio­niert wie auf Deutsch. Et­was aus­zu­spre­chen und da­bei vor­aus­zu­set­zen, dass Ihr Ge­sprächs­part­ner es nicht nur hört, son­dern auch ver­steht und vor al­lem ak­zep­tiert, ist zu­min­dest ris­kant. Des­sen un­ge­ach­tet, ge­hen vie­le deutsch­spra­chi­ge Ma­na­ger wie selbst­ver­ständ­lich da­von aus. Der an­de­re ver­steht zwar den we­sent­li­chen In­halt, aber, so­fern er nicht flie­ßend Eng­lisch spricht, eher in der ei­ge­nen Mut­ter­spra­che. Da­her fil­tert der Ge­sprächs­part­ner die In­for­ma­tio­nen, die er von Ih­nen ge­hört hat.

Im deutsch­spra­chi­gen Raum le­ben wir eher in ei­ner di­rek­ten Kom­mu­ni­ka­ti­ons­kul­tur. Dem­ge­gen­über be­steht vor al­lem in Asi­en vor­nehm­lich ei­ne in­di­rek­te Kom­mu­ni­ka­ti­ons­form, bei der be­stimm­te Aus­sa­gen oder spe­zi­ell Ab­sa­gen, vor al­lem aus Grün­den des Ge­sichts­ver­lusts, oft­mals um­schrie­ben wer­den.

Die Mög­lich­keit ei­ner un­mit­tel­ba­ren Kom­mu­ni­ka­ti­on durch In­ter­net und Sky­pe ist ei­ne gro­ße Er­run­gen­schaft, birgt gleich­zei­tig aber auch Ri­si­ken, die zu Miss­ver­ständ­nis­sen, Zeit-, Ge­sichts- und am En­de auch Geld­ver­lust füh­ren kön­nen. Rich­tig ge­nutzt, sind In­ter­net und Sky­pe dann ein we­sent­li­cher Ge­winn. Hier ist ein eher weib­li­cher An­satz, näm­lich zu­nächst Ver­bind­lich­keit und Ver­trau­en auf­zu­bau­en, von ent­schei­den­der Be­deu­tung. Es gilt, un­ter gleich­zei­ti­ger Be­ach­tung al­ler Ge­schäfts­prio­ri- tä­ten zu­nächst ei­ne per­sön­li­che Be­zie­hung zum Ge­gen­über auf­zu­bau­en und sich in sei­ne/ih­re in­di­vi­du­el­le La­ge hin­ein­zu­ver­set­zen. Hier­für braucht man Zeit, denn ein Ver­trau­ens­ver­hält­nis ent­steht nicht so­fort, son­dern schritt­wei­se. Ih­ren Ge­schäfts­part­ner er­rei­chen Sie, ins­be­son­de­re in hier­ar­chisch ge­präg­ten Kul­tu­ren, im We­sent­li­chen auf der per­sön­li­chen Ebe­ne, und das un­ab­hän­gig von maß­geb­li­chen Fak­to­ren wie Preis und Pro­dukt. Hat man ihn er­reicht, kann man das ei­gent­li­che Ge­schäft in An­griff neh­men.

FA ZIT: WIE REA­LIS­TISCH IST DIE UM­SET­ZUNG?

Prin­zi­pi­ell sind ein Um­den­ken in­ner­halb der Un­ter­neh­men und ein Wan­del hin zu mehr Frau­en in Ma­nage­ment­po­si­tio­nen drin­gend er­for­der­lich. Viel­mehr als um ei­ne vom Ge­setz ok­troy­ier­te Frau­en­quo­te geht es in die­sem Zu­sam­men­hang um das Be­wusst­sein, dass er­folg­rei­che Team­ar­beit in he­te­ro­ge­nen Grup­pen oft bes­ser funk­tio­niert als in rein ho­mo­ge­nen Teams. Dar­über hin­aus be­darf es ei­ner ge­leb­ten Pra­xis mit gu­ten Bei­spie­len – auch zum Vor­teil von ei­ni­gen, viel­leicht eher kon­ser­va­tiv den­ken­den Män­nern – von Frau­en, die Kar­rie­re ma­chen und da­für be­wun­dert wer­den, was sich po­si­tiv auf die ge­sam­te Ent­wick­lung so­wie auf al­le Be­tei­lig­ten und den Er­folg des Un­ter­neh­mens aus­wirkt. Die­se Er­kennt­nis aber er­for­dert ein grund­sätz­li­ches Um­den­ken, wel­ches nicht so­fort, son­dern erst nach und nach ein­tre­ten wird.

Der weib­li­che An­satz ist, zu­nächst ein­mal Ver­bind­lich­keit und Ver­trau­en auf­zu­bau­en

SER­GEY FRANK IST PERSONALBERATER UND BE­GLEI­TE T S E I T MEHR ALS 20 JAH­REN UN­TER­NEH­MEN AUF IH­REM WEG I N D I E I N TERNATIONALISIERUNG . Kon­tak t : ser­gey. f rank@ ser­gey- f rank . com

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