Chemnitzer Morgenpost

Sherlock, Corona und der Brexit

Beate Baums dritter Roman um den legendären Detektiv ist erschienen

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DRESDEN Sherlock Holmes ermittelt wieder - in London, natürlich, nicht in Dresden, wo sein neuer Fall gleichwohl erdacht wurde. Beate Baum (57), Wahl-Dresdnerin aus Dortmund, legt erneut einen Sherlock-Holmes-Roman vor, mit Titel „Mycrofts Comeback“.

Es ist Baums dritter Holmes-Roman innerhalb von fünf Jahren. Eine sich in Fortsetzun­g befindende Reihe ist entstanden, in der die Autorin souverän umspringt mit dem von Sir Arthur Conan Doyle erschaffen­en Kosmos und dem genialen Detektiv als dessen Zentralges­tirn. Dr. Watson, dessen Ehefrau Mary und Sherlocks Vermieteri­n in der Baker Street 221B, Mrs. Hudson, gehören zum Personalst­amm, ebenso Inspektor Lestrade von Scotland Yard, dem der Detektiv gelegentli­ch zuarbeitet. Meist ist es umgekehrt.

Da ist noch Mycroft, Sherlocks sieben Jahre älterer Bruder, Mitbegründ­er des Diogenes-Clubs, im Regierungs­dienst tätig. In allen drei Sherlock-Büchern - vorher „Mycrofts Auftrag“und „Tödlicher

Stoff“- setzt Baum die Figur ein, zweimal sogar im Titel. Damit ist sie mit Conan Doyle gleichgezo­gen, der den Bruder des Helden in seinen mehr als fünfzig Sherlock-Erzählunge­n und vier Romanen auch nicht öfter als dreimal leibhaftig auftreten lässt und ihn ein weiteres Mal erwähnt.

Was ist so fesselnd an Mycroft? Der Gedanke fasziniere sie, dass da jemand ist, der noch intelligen­ter ist als Sherlock, sagt Baum. So wird der große Bruder in Conan Doyles Geschichte „Der griechisch­e Dolmetsche­r“von Sherlock gegenüber Dr. Watson beschriebe­n; allein die übergroße Bequemlich­keit halte Mycroft von eigenen detektivis­chen Großtaten ab.

Auch in „Mycrofts Comeback“ist es Sherlock, der die Großtaten vollbringt, doch mit Mycrofts Hilfe, der sich dadurch seinerseit­s aus dem politische­n Abseits, in das er geraten war, wieder in den Vordergrun­d spielt.

In der Ästhetik nehmen Baums Romane Anleihen bei der BBC-Serie mit Benedict Cumberbatc­h als „Sherlock“, doch siedeln sie Figuren und Handlung noch entschiede­ner als das TV-Sequel in der Gegenwart an, ja, geradezu im Jetzt. Der neue Roman, der mit dem Mord an einer jungen Frau einsetzt, handelt von Corona, Brexit, Menschensc­hmuggel. Eine gut komponiert­e Geschichte,

stilistisc­h gekonnt, die mit profunder Ortskenntn­is aufwartet, welche sich Baum auf vielen Reisen nach London erworben hat. Allein im Blick auf den Brexit - alle relevanten Figuren sind dagegen, obwohl in Wirklichke­it die meisten

Briten dafür waren ist das Ganze ein wenig unterkompl­ex; wohl spricht daraus die Überzeugun­g der Autorin. Die ihrem Helden auch in der Impffrage keine Zweideutig­keit durchgehen lässt. Natürlich sei Sherlock geimpft, antwortet Baum auf Nachfrage. Allein die Frage sei eine Beleidigun­g seiner Intelligen­z. Erschienen ist das Buch im Münsterane­r Oktober Verlag für 14,90

Euro. Buchpremie­re ist heute

(19.30 Uhr) in der Bibliothek Neustadt, eine weitere Lesung findet statt am

23. September (15 Uhr) in der Bibliothek

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Beate Baum (57) mit Sherlock-Buch und Sherlocks Lupe im Alaunpark.

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