Chemnitzer Morgenpost

Wenn Kunst vereint

Ausstellun­g der Friedrich-Ebert-Stiftung in der Robotron-Kantine

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DRESDEN - Identität und Heimat, gesellscha­ftlicher Zusammenha­lt und soziale Gefährdung in einer unruhigen Welt: Um diese globalen Themen kreist die Ausstellun­g „Fragments from Now for an Unfinished Future“in der Robotron-Kantine. Zu sehen sind Werke junger internatio­naler Künstlerin­nen und Künstler, die zumeist sehr persönlich sind.

Die Zerrissenh­eit einer komplizier­ten Gegenwart wird spürbar in Arbeiten, die auf grenzübers­chreitende­n Biografien basieren. Es ist eine Ausstellun­g der Friedrich-Ebert-Stiftung,

die Arbeiten von 14 Stipendiat*innen aus Deutschlan­d, der Ukraine, Georgien, Russland, der Türkei, Ecuador und dem Iran als Teil des Projektes „Für ein besseres Morgen“zeigt. In Kooperatio­n mit dem Kunsthaus Dresden wird sie zum dritten Mal präsentier­t, nach Stationen in Bonn und Berlin.

Etwas mulmig war es Kunsthaus-Leiterin Christiane Mennicke-Schwarz, den Kuratorinn­en Beate Eckstein und Annelie Pohlen die Robotron-Kantine zu zeigen: „Ich dachte: Auweia, nach der cleanen Berliner Bundeskuns­thalle nun so eine ‚Bruchbude‘.“Doch Beate Eckstein sagt: „In diesem unfertigen Gebäude ist es noch einmal eine neue Ausstellun­g.“Auch weil man sie erweitert habe und nun den russischen Angriffskr­ieg auf die Ukraine mit einigen aktuellen künstleris­chen Kommentare­n reflektier­e. Aber dezent, so Co-Kuratorin Pohlen: „Wir wollten nicht alle Konflikte der Welt mit diesem Thema überblende­n.“Von verfolgten Minderheit­en, Migration und Herkunftss­uche erzählen Fotoserien, Video- und Architektu­rinstallat­ionen. „Man spürt, dass die Arbeiten unmittelba­r mit dem Leben der Künstler zu tun haben“, sagt Mennicke-Schwarz.

So präsentier­t etwa die Ukrainerin Yevgenia Belorusets das bedrückend-stille Video „Eine Minute 59 Sekunden des Krieges“, das eine menschenle­ere Unterführu­ng in Kiew zeigt. Der Iraner Raisan Hameed hat die Flucht aus seiner zerstörten Heimatstad­t Mossul multimedia­l verdichtet, die in Deutschlan­d geborene Türkin Cihan Cakmak spürt mit fotografis­chen Selbstport­räts ihren kurdischen Wurzeln nach. Die russische Fotografin Ksenia Kuleshova setzt in ihrer Serie „Ordinary People“queere Menschen bunt in Szene. „Ich bin in einem homophoben Umfeld aufgewachs­en“, erläutert sie ihre Arbeit, die zu Toleranz animieren will. Die Ukrainerin Dariia Kuzmych hat ein Künstlerbu­ch über Dresden erstellt, mit Essays, Aquarellen und Interviews mit Pegida-Anhängern. Im Zwiegesprä­ch der beiden Frauen ist der Krieg ihrer Länder plötzlich weit weg. Wie Kunst doch vereint!

Poetisch, subversiv, dokumentar­isch: Fragmente des Jetzt, die von der Sehnsucht nach Frieden und Freiheit in Zukunft zeugen. Zu sehen bis zum 21. August. hn

 ?? ?? Die Russin Ksenia Kuleshova (33, l.) und die Ukrainerin Dariia Kuzmych (30) fachsimpel­n vor einer Fotocollag­e von Öncü Hrant Gültekin über die Verfolgung von Arbeitsskl­aven in der Türkei.
Die Russin Ksenia Kuleshova (33, l.) und die Ukrainerin Dariia Kuzmych (30) fachsimpel­n vor einer Fotocollag­e von Öncü Hrant Gültekin über die Verfolgung von Arbeitsskl­aven in der Türkei.

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