AL­LES ÜBER DIE DREHLÜNETTE

Wich­tigs­tes Merk­mal ei­ner Taucheruhr ist ei­ne dreh­ba­re Mi­nu­ten­ska­la für die Tauch­zeit. Die Mar­ken rea­li­sie­ren die­ses Fea­tu­re ganz un­ter­schied­lich.

Chronos - - Inhalt - TEXT JENS KOCH

HEU­TE GILT

die ein­sei­tig dreh­ba­re Lü­net­te mit Tauch­zeit­ska­la und Leucht­punkt bei null Mi­nu­ten als Stan­dard für Taucheruhren. Vorm Ab­tau­chen stellt man den Leucht­punkt auf den Mi­nu­ten­zei­ger und kann wäh­rend des Tauch­gangs ab­le­sen, wie lan­ge man be­reits un­ter Was­ser ist. Die Lü­net­te lässt sich aus Si­cher­heits­grün­den nur im Uhr­zei­ger­sinn dre­hen, da­mit sich bei ei­nem un­be­ab­sich­tig­ten Ver­stel­len die an­ge­zeig­te Tauch­zeit nur ver­län­gern kann, man al­so im Fall der Fäl­le frü­her und nie­mals ver­spä­tet zum Auf­tau­chen er­mahnt wird.

Heut­zu­ta­ge füh­ren al­le Tau­cher ei­nen Tauch­com­pu­ter mit, der die Län­ge und Tie­fe be­nö­tig­ter De­kom­pres­si­ons­stopps er­rech­net und an­zeigt. Ei­ne Taucheruhr eig­net sich als Re­ser­ve: An­hand ei­nes Tie­fen­mes­sers, ei­ner Tauch­zeit­ta­bel­le, die man mit­füh­ren kann, und der Uhr las­sen sich die De­kos­topps er­rech­nen.

Ge­schich­te

Ge­rä­te­tau­chen stellt ei­nen re­la­tiv jun­gen Sport da. Als sich in den 1950er Jah­ren so­wohl der zi­vi­le als auch der pro­fes­sio­nel­le Tauch­be­reich stär­ker ent­wi­ckel­te, zo­gen auch die Uh­ren nach. 1953 stell­te Rolex die Sub­ma­ri­ner mit dreh­ba­rer Lü­net­te und Mi­nu­ten­ein­tei­lung vor. Der Ring ließ sich in bei­de Rich­tun­gen be­we­gen. Blancpain ging bei sei­ner im glei­chen Jahr lan­cier­ten Taucheruhr Fif­ty Fa­thoms noch ei­nen Schritt wei­ter und setz­te ei­ne ein­sei­tig dreh­ba­re Lü­net­te, eben­falls mit Mi­nu­ten­ska­la, ein und ließ die­se pa­ten­tie­ren.

Aus dem Be­stre­ben, die Si­cher­heit wei­ter zu er­hö­hen, ent­stan­den ei­ni­ge Spe­zi­al­lö­sun­gen: So ver­fü­gen so­wohl die his­to­ri­sche als auch die ak­tu­el­le Ome­ga Sea­m­as­ter Plo­prof über ei­nen oran­ge­far­be­nen Drü­cker, der un­ten ge­hal­ten wer­den muss, um die Lü­net­te dre­hen zu kön­nen. Der Ring der Oris Pro­di­ver lässt sich erst dre­hen, nach­dem der äu­ße­re Teil der Lü­net­te nach oben ge­zo­gen wur­de; zum Ver­rie­geln nach der Ein­stel­lung drückt man die­sen Teil wie­der her­un­ter. Sinn hat ein et­was an­de­res Sys­tem: Bei der U 1000 und den Mo­del­len T1 und T2 muss man die Lü­net­te an zwei ge­gen­über lie­gen­den Punk­ten her­un­ter­drü­cken, be­vor man sie dre­hen kann. Au­ßer­dem nennt Sinn sei­nen Dreh­ring un­ver­lier­bar. Er ist nicht wie üb­lich nur auf­ge­steckt, son­dern durch seit­li­che Schrau­ben ge­si­chert, so­dass er bei ei­nem Stoß nicht ab­sprin­gen kann.

Ne­ben der klas­si­schen Drehlünette gab es früh auch schon die in­nen lie­gen­de Ska­la, die durch ei­ne zwei­te Kro­ne ge­dreht wer­den konn­te. Heu­te ver­wen­det bei­spiels­wei­se die Au­de­mars Pi­guet Roy­al Oak Off­s­hore Di­ver die­ses Sys­tem. IWC hat ei­ne ei­gen­stän­di­ge Lö­sung ge­fun­den: Bei den Aqua­ti­mer-mo­del­len be­wegt ei­ne äu­ße­re Drehlünette die innere Tauch­ska­la.

Ei­ne in­ter­es­san­te zu­sätz­li­che Funk­ti­on bie­tet Do­xa: Die meis­ten Taucheruhren der Mar­ke be­sit­zen zu­sätz­lich zur Mi­nu­ten­ska­la auf der Lü­net­te ei­ne Tief­en­ta­bel­le in Fuß, auf der sich ab­le­sen lässt, wie tief man bei der ak­tu­el­len Zeit noch tau­chen darf, oh­ne ei­nen De­kom­pres­si­ons­stopp ein­le­gen zu müs­sen.

Ma­te­ria­li­en

Heu­te fer­ti­gen vie­le Mar­ken ih­re Tauch­ska­la aus kratz­fes­ter Ke­ra­mik. Die frü­her üb­li­chen Alu­mi­ni­ums­ka­len wa­ren da­ge­gen recht emp­find­lich und gin­gen zu­dem häu­fi­ger ver­lo­ren. Blancpain schützt die Ska­la da­ge­gen mit ei­nem ge­wölb­ten Sa­phirglas. Noch bes­ser ist es na­tür­lich, wenn nicht nur die Ska­la, son­dern gleich die gan­ze Lü­net­te Krat­zern stand­hält. Schließ­lich liegt der Dreh­ring meist so ex­po­niert, dass er 90 Pro­zent der Schlä­ge ein­ste­cken muss.

Ome­ga sorgt bei ei­ni­gen Taucheruhren mit Ke­ra­mik­ge­häu­se und -lü­net­te für Ro­bust­heit. Sinn bie­tet ge­här­te­ten U-boot-stahl, teil­wei­se mit Hart­stoff­be­schich­tung. Vor al­lem aus De­sign­grün­den be­steht die Lü­net­te manch­mal auch aus Gold, Bron­ze oder, wie bei ei­ner Va­ri­an­te der neu­en Ome­ga Sea­m­as­ter Di­ver 300m, aus ei­ner Kombination von Tan­tal und Rot­gold.

Hap­tisch be­son­ders an­ge­nehm las­sen sich die Ro­l­exTauch­lü­net­ten be­die­nen. Sie klin­gen in et­wa wie ein Tre­sor­schloss und ras­ten sehr sau­ber und satt. Das liegt auch an ih­rem Auf­bau: Im Ge­häu­se be­fin­den sich drei ge­fe­der­te Ku­geln und ein ge­fe­der­ter Stift, auf dem die Lü­net­te mit ih­ren in­ne­ren 120 Sä­ge­zäh­nen läuft und ras­tet.

Es über­rascht schon, wie viel Ent­wick­lungs­ar­beit Tech­ni­ker in der Ver­gan­gen­heit in die Drehlünette in­ves­tiert ha­ben. Und si­cher kön­nen wir für die Zu­kunft noch mehr in­no­va­ti­ve und hoch­funk­tio­na­le Tauch­zeitrin­ge er­war­ten. [5003]

Zie­hen, um zu dre­hen: Oris Pro­di­ver GMT (Ti­tan, 3100 Eu­ro)

Ge­här­te­ter und hart­stoff­be­schich­te­ter U-boot-stahl: Sinn U1000 S (4300 Eu­ro)

In­nen lie­gen­de Tauch­zeit­ska­la: Au­de­mars Pi­guet Roy­al Oak Off­s­hore Di­ver (20100 Eu­ro)

Die Do­xa Sub 300 He­ri­ta­ge zeigt an, wie tief man oh­ne De­kos­topp tau­chen kann (2490 Eu­ro)

Bench­mark in Sa­chen Dreh­ring: Rolex Sub­ma­ri­ner Da­te mit satt ras­ten­der Ke­ra­mik­lü­net­te (7750 Eu­ro)

Bei der li­mi­tier­ten Ome­ga Sea­m­as­ter Di­ver 300m be­steht die Lü­net­te aus Tan­tal und Rot­gold (11 900 Eu­ro)

Sa­phirglas­ge­schüt­ze Tauch­ska­la: Blancpain Fif­ty Fa­thoms Gran­de Da­te (16230 Eu­ro)

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