BREITLING

Chronos - - Test Breitling Navitimer 8 B01 Chronograph 43 -

Die Schwei­zer Uh­ren­mar­ke ist be­kannt für ih­re Flie­ge­ruh­ren Na­vi­ti­mer und Chro­no­mat. 2009 stell­te Breitling ein ei­ge­nes Chro­no­gra­phen­ka­li­ber vor und darf sich so­mit Ma­nu­fak­tur nen­nen. Au­ßer­dem en­ga­giert sich das Un­ter­neh­men stark in der Flie­ge­rei und baut auch Mul­ti­funk­ti­ons­uh­ren für Pi­lo­ten bis hin zur Emer­gen­cy, die über ei­nen No­t­rufs­en­der Hil­fe her­bei­ru­fen kann. 2017 über­nahm der ehe­ma­li­ge IWC-CHEF Ge­or­ges Kern das Steu­er und baut nun die Kol­lek­ti­on um.

Ne­ben dem Chro­no­gra­phen hält die Te­stuhr noch ei­ne wei­te­re Mög­lich­keit be­reit, Zeit­span­nen zu mes­sen: Wie bei al­ten Flie­ge­ruh­ren lässt sich die Lü­net­te mit dem klei­nen Drei­eck dre­hen und auf den Mi­nu­ten­zei­ger ein­stel­len.

Beim Ge­häu­se fal­len die schö­nen, ab­wech­selnd sa­ti­nier­ten und po­lier­ten Flä­chen auf, die sich am Edel­stahl­arm­band fort­set­zen. Die asym­me­tri­schen Glie­der des „Pro­fes­sio­nal Iii“-ban­des brin­gen et­was Dy­na­mik ins Spiel. Das sau­ber ver­ar­bei­te­te Band liegt sehr an­ge­nehm am Arm, und da die Glie­der im­mer ei­nen Ab­stand von­ein­an­der wah­ren, klem­men sie kei­ne Här­chen ein. Die Falt­schlie­ße mit Si­cher­heits­bü­gel fällt für das Preis­ni­veau al­ler­dings et­was ein­fach aus, denn sie be­steht aus ge­präg­tem Blech. Der Funk­ti­on scha­det das nicht: Die Schlie­ße lässt sich ein­fach be­die­nen und hält si­cher. Mit dem po­lier­ten Bü­gel und der an­sons­ten sa­ti­nier­ten Ober­flä­che nimmt die Schlie­ße ein Gestal­tungs­merk­mal von Ge­häu­se und Band wie­der auf.

Das De­sign der neu­en Na­vi­ti­mer-mo­del­le po­la­ri­sier­te bei der Vor­stel­lung. Ein­ge­fleisch­te Breitling-fans be­män­gel­ten die ge­rin­ge Nä­he zu bis­he­ri­gen Mo­del­len. Für sich ge­nom­men ver­mag die Te­stuhr aber mit ih­rem ge­lun­ge­nen De­sign zu ge­fal­len. Und wer ei­ne Tool­watch sucht, kann wei­ter­hin zu der klas­si­schen Na­vi­ti­mer grei­fen.

Ver­zier­tes Ma­nu­fak­tur­ka­li­ber

Dreht man die Te­stuhr um, so kann man durch den Sa­phirglas­bo­den das Ma­nu­fakt­ka­li­ber Breitling 01 be­trach­ten. Es zeigt ei­nen schö­nen Auf­bau, bei dem man auch von der Chro­no­gra­phen­me­cha­nik noch ge­nug er­ken­nen kann. Auch mit Ver­zie­run­gen geizt Breitling nicht: Zu se­hen sind Son­nen­schlif­fe, Gen­fer Strei­fen, po­lier­te Schrau­ben­köp­fe und an­glier­te so­wie po­lier­te Kan­ten. Die Grund­pla­ti­ne trägt da­ge­gen kei­nen Schliff, und die ge­stanz­ten He­bel und Fe­dern zei­gen – auch wenn sie mas­siv aus­fal­len, dass Breitling bei dem Werk auch auf die Kos­ten ach­tet. Nicht ge­spart hat die Ma­nu­fak­tur an der Chro­no­gra­phen­steue­rung, die von ei­nem gut sicht­ba­ren Schalt­rad über­nom­men wird. Die­ses tra­di­tio­nel­le und auf- wen­di­ge Sys­tem führt nor­ma­ler­wei­se zu sehr leicht­gän­gi­gen Drü­ckern. Da­von merkt man beim Star­ten je­doch nicht viel: Man muss kraft­voll drü­cken. Das liegt an dem un­güns­ti­gen He­bel­ver­hält­nis, mit dem der Null­stell­he­bel über das Schalt­rad beim ers­ten Start von den Null­stell­her­zen weg­be­wegt wird. Das Stop­pen und Null­stel­len geht dann viel leich­ter von der Hand.

Als wei­te­re Be­son­der­heit be­sitzt das Werk ein stoß­ge­si­cher­tes An­ker­rad, wo­durch es Schlä­ge bes­ser weg­steckt. Die Fein­re­gu­lie­rung er­folgt über ei­ne Rü­ck­er­zan­ge. Was man nicht se­hen kann: Das Ka­li­ber ar­bei­tet mit ei­ner mo­der­nen ver­ti­ka­len Kupp­lung, die un­ge­woll­te Sprün­ge des Stopp­se­kun­den­zei­gers beim Start ver­hin­dert. Das Werk lässt auch das Da­tum au­gen­blick­lich sprin­gen und er­laubt so­gar um Mit­ter­nacht Kor­rek­tu­ren an Ka­len­der und Uhr­zeit, oh­ne dass et­was be­schä­digt wer­den kann.

Prä­zi­se Gang­wer­te

Breitling lässt al­le Wer­ke auf Chro­no­me­ter­ge­nau­ig­keit tes­ten. Auf der Zeit­waa­ge mes­sen wir ent­sp­re-

chend gu­te Wer­te. Nur die von der Chro­no­me­ter­prüf­stel­le nicht ge­mes­se­ne La­ge „Kro­ne rechts“, die Chronos eben­falls be­wer­tet, läuft et­was ins Mi­nus. Die an­de­ren La­gen blei­ben zwi­schen +1 und +5 Se­kun­den Ab­wei­chung am Tag. Die er­rech­ne­te mitt­le­re Ab­wei­chung fällt mit 2,3 Se­kun­den Vor­gang pro Tag er­freu­lich nied­rig aus. Schal­tet man den Chro­no­gra­phen ein, fällt die Schwin­gungs­wei­te der Un­ruh im üb­li­chen Maß ab. Die Gang­ge­nau­ig­keit bleibt auf ei­nem ähn­lich ho­hen Ni­veau.

Er­freu­lich hoch fällt auch ein wei­te­rer wich­ti­ger Kenn­wert des Wer­kes aus: die Gang­au­to­no­mie. Kom­for­ta­ble 70 St­un­den hält das Ka­li­ber durch. Das reicht, um die Na­vi­ti­mer 8 am Frei­tag­abend ab­zu­le­gen und am Mon­tag­mor­gen oh­ne neu­es Auf­zie­hen wei­ter­zu­tra­gen.

Und wie sieht es mit dem Preis aus? 7300 Eu­ro kos­tet die ge­tes­te­te Ver­si­on. Ver­zich­tet man auf das Edel­stahl­band und nimmt statt­des­sen ein Kro­ko­band, kann man 300 Eu­ro spa­ren. Die klas­si­sche Na­vi­ti­mer kos­tet 640 Eu­ro mehr. Die Te­stuhr ver­zich­tet zwar auf die Re­chen­schie­ber­lü­net­te, bie­tet teil­wei­se aber so­gar mehr. So wi­der­steht sie dem Was­ser nicht nur bis 30, son­dern bis 100 Me­ter. Da­bei hilft ihr auch die ver­schraub­te Kro­ne. Sie bie­tet al­so ein ähn­li­ches Preis-leis­tungs-ver­hält­nis wie an­de­re Breitling-chro­no­gra­phen. Auch ver­gleich­ba­re Ma­nu­fak­tur­chro­no­gra­phen von Ome­ga und Ze­nith kos­ten in et­wa das Glei­che.

Ob die Na­vi­ti­mer 8 B01 Chro­no­graph nun als ech­te Na­vi­ti­mer gel­ten darf, ist eher ein Streit um Na­men. Wich­ti­ger er­scheint uns die Fra­ge, ob sie als Chro­no­graph über­zeugt. Und da kann sie mit dem aus­dau­ern­den Ma­nu­fak­tur­werk und gu­ten Gang­wer­ten punk­ten. Auch von Ables­bar­keit, Be­die­nung und Tra­ge­kom­fort gibt es nur Po­si­ti­ves zu be­rich­ten. Die hoch­wer­ti­ge Ver­ar­bei­tung zeigt zwar im De­tail Schwä­chen, aber der an­ge­mes­se­ne Preis und das ge­lun­ge­ne De­sign wie­gen das auf. [5914]

Für den Re­tro-look sor­gen die Pilz­drü­cker, die Rif­fe­lung der Lü­net­te und die Ty­po­gra­fie der Zif­fern

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