GÜNS­TIG. Und gut?

Zeit­mes­ser im drei­stel­li­gen Preis­be­reich kön­nen vie­les, aber nicht al­les leis­ten. Die fol­gen­de Check­lis­te be­wahrt Mecha­nik­ein­stei­ger und Men­schen, die auf der Su­che nach Ge­brauchs­uh­ren sind, vor Nach­kauf­frust.

Chronos - - 6 Gmt- Uhren - TEXT ALEX­AN­DER KRUPP

EIN ME­CHA­NI­SCHER Zeit­mes­ser für 300 Eu­ro, ei­ne norm­ge­rech­te Tau­cher­uhr für 600 Eu­ro, ein Chro­no­graph für 900 Eu­ro: Sind auch Sie schon über solch güns­ti­ge Prei­se ge­stol­pert und ha­ben sich ge­fragt, wie das sein kann? Müss­te ei­ne me­cha­ni­sche Uhr, de­ren Werk aus un­zäh­li­gen klei­nen Tei­len be­steht und von Hand zu­sam­men­ge­setzt wird, nicht viel mehr kos­ten? Und war­um sind so vie­le Mo­del­le tat­säch­lich deut­lich teu­rer?

Frei­lich kann ei­ne güns­ti­ge Uhr hoch­wer­tig ver­ar­bei­tet sein und in Sa­chen Funk­ti­on oder Prä­zi­si­on über­zeu­gen. Oft be­deu­tet ein über­ra­schend nied­ri­ger Preis je­doch, dass man als Käu­fer Ab­stri­che ma­chen muss. Die Chan­cen, ein sehr güns­ti­ges und zu­gleich sehr gu­tes Ex­em­plar zu fin­den, sin­ken pro­por­tio­nal zum Preis. Bei der Un­ter­schei­dung zwi­schen „gut und güns­tig“und „nur güns­tig“hilft die fol­gen­de Check­lis­te, die Sie wäh­rend des Ver­kaufs­ge­sprächs im Ju­we­lier­ge­schäft oder nach Er­halt ei­ner on­line be­stell­ten Uhr pro­blem­los durch­ge­hen kön­nen.

Wohl ge­merkt: Auch teu­re­re Uh­ren kön­nen beim ei­nen oder an­de­ren Punkt durch­fal­len. In der Sum­me han­delt es sich je­doch um Kri­te­ri­en, die auf Ein­spa­run­gen bei der Ver­ar­bei­tung hin­deu­ten und so­mit ge­bün­delt eher bei be­son­ders güns­ti­gen Uh­ren auf­tau­chen.

1. Zif­fer­blatt

Sit­zen die In­de­xe ge­ra­de? Lau­fen al­le Zei­ger waa­ge­recht zum Zif­fer­blatt, oder ste­hen sie un­schön nach oben? Ist die Leucht­mas­se auf Zei­gern und In­de­xen sau­ber und gleich­mä­ßig auf­ge­tra­gen? Fin­den sich mit der Lu­pe oder gar mit blo­ßem Au­ge Ve­r­un­rei­ni­gun­gen oder Staub auf dem Zif­fer­blatt? Rei­chen die Zei­ger bis zu den zu­ge­hö­ri­gen Ska­len, oder hat die Mar­ke aus Preis­grün­den auf zu kur­ze Stan­dard­zei­ger von der Stan­ge zu­rück­ge­grif­fen?

2. Be­die­nung

Lässt sich die Kro­ne ein­deu­tig auf die ver­schie­de­nen Po­si­tio­nen zie­hen und wa­ckelt im ge­zo­ge­nen Zu­stand nicht all­zu sehr? Gibt es ei­nen Se­kun­den­stopp, so­dass sich die Zeit se­kun­den­ge­nau ein­stel­len lässt?

Falls ja: Bleibt beim Zeit­ein­stel­len der Se­kun­den­zei­ger auf sei­ner Po­si­ti­on, wäh­rend man den St­un­den- und Mi­nu­ten­zei­ger ver­stellt, oder wa­ckelt er her­um (ty­pisch für ein­fach kon­stru­ier­te Wer­ke)? Tau­cher­uh­ren: Ras­tet die Drehlü­net­te sau­ber und lässt sich der Null­in­dex ex­akt auf die Zwölf-uhr-po­si­ti­on dre­hen?

3. Arm­band

Le­der­band: Sind das Arm­band und die Band­schlau­fen or­dent­lich ver­näht und ver­klebt, oder löst sich das Le­der an den Kan­ten? Dorn­schlie­ße: Be­steht der Dorn nur aus ei­nem ge­bo­ge­nen, wa­cke­li­gen Stift oder ist er hoch­wer­tig aus dem Vol­len ge­fräst? Greift er in ei­ne pass­ge­naue Nut im Schlie­ßen­bü­gel? Me­tall­band: Sind die Glie­der or­dent­lich mit­ein­an­der ver­stif­tet oder so­gar ver­schraubt, oder nur von ein­fa­chen Splin­ten ge­hal­ten (Band lässt sich dann schlecht kür­zen)? Falt­schlie­ße: Han­delt es sich um ei­ne der güns­ti­gen ge­stanz­ten Blech­schlie­ßen, die oft ei­nen et­was ha­ke­li­gen Si­cher­heits­bü­gel be­sit­zen, oder ist die Schlie­ße er­freu­li­cher­wei­se et­was hoch­wer­ti­ger und kom­for­ta­bler? Band­an­stö­ße: Sind die Boh­run­gen, die den Fe­der­steg auf­neh­men, tief ge­nug, oder be­steht die Ge­fahr, dass der Steg bei Be­las­tung zu schnell her­aus­springt? Über die ge­nann­ten Punk­te hin­aus gibt es zahl­rei­che wei­te­re mög­li­che Checks, die je­doch auch bei teu­ren Zeit­mes­sern häu­fig zu durch­wach­se­nen Er­geb­nis­sen füh­ren. Sie för­dern leicht schräg im Da­tums­fens­ter ste­hen­de Schei­ben eben­so zu­ta­ge wie we­nig grif­fi­ge Kro­nen, ble­chern schnar­ren­de Drehlü­net­ten oder, bei Chro­no­gra­phen, zu schwer- oder zu leicht­gän­gi­ge Drü­cker. Ober­fläch­li­che Bo­den­gra­vu­ren, scharf­kan­ti­ge Band­an­stö­ße oder Här­chen ein­klem­men­de Me­tall­bän­der sind wei­te­re Punk­te, die auch in hö­he­ren Preis­re­gio­nen auf­tre­ten kön­nen. Des­halb gilt hier ge­nau­so wie bei güns­ti­gen Uh­ren: Au­gen auf beim Uh­ren­kauf! [4751]

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