Chronos

TU­DOR

Ro­lex-grün­der Hans Wils­dorf schuf Tu­dor als Zweit­mar­ke von Ro­lex. Doch seit ei­ni­gen Jah­ren tritt Tu­dor im­mer mehr aus dem Schat­ten der gro­ßen Schwes­ter und fer­tigt in­zwi­schen so­gar ei­ge­ne Wer­ke.

- TEXT RÜ­DI­GER BU­CHER Rolex SA · Australia · Canada · Prince · Tudor dynasty · Argentina · Italy · Israel · South Africa · Switzerland · Geneva · research and development · Fondation Hans Wilsdorf · Fleurier · COSC

Der Fak­ten­check zeigt, was die Ro­l­ex­schwes­ter und ih­re ver­gleichs­wei­se preis­wer­ten Uh­ren so be­liebt macht.

1 Wur­de die Mar­ke Tu­dor 1946 ge­grün­det?

Nein. 1946 grün­de­te Ro­lex-chef Hans Wils­dorf die Fir­ma „Mon­tres Tu­dor S.A.“. Die Mar­ken­rech­te an „The Tu­dor“hat­te er sich be­reits 1926 von der Uh­ren­fa­brik Veuve de Phil­ip­pe Hüt­her si­chern las­sen. 1932 wur­den Uh­ren mit „Tu­dor“-schrift­zug auf dem Zif­fer­blatt in Aus­tra­li­en ver­kauft, spä­ter auch in Ka­na­da. 1936 über­trug die Wit­we von Phil­ip­pe Hüt­her die Mar­ke Tu­dor kom­plett an Wils­dorf.

2 Wel­che Phi­lo­so­phie ver­folg­te Hans Wils­dorf für sei­ne Tu­dor-uh­ren?

Sie soll­ten ge­nau­so zu­ver­läs­sig sein wie Ro­lex-uh­ren, aber zu ei­nem güns­ti­ge­ren Preis ver­kauft wer­den. Die 1952 lan­cier­te Oys­ter Prin­ce ver­füg­te über das was­ser­dich­te Oys­ter-ge­häu­se mit ver­schraub­ter Kro­ne und ver­schraub­tem Bo­den. Der Na­mens­zu­satz „Prin­ce“stand für den au­to­ma­ti­schen Auf­zug.

3 Lie­fer­te Ro­lex Wer­ke für Tu­do­r­uh­ren?

Nein. Die Wer­ke stamm­ten von an­de­ren Her­stel­lern, oft von der Eta. In den Fünf­zi­gern kauf­te Tu­dor auch Hand­auf­zugs­wer­ke von FEF (Fa­b­ri­que d’ebau­ches de Fleu­ri­er), Val­joux und AS (Adolph Schild) und ver­sah die­se mit dem selbst­auf­zie­hen­den Ro­tor­sys­tem von Ro­lex – so et­wa beim Ka­li­ber 390 mit 18 000 Halb­schwin­gun­gen pro St­un­de und „But­ter­fly“- oder V-ro­tor, be­schrif­tet mit „Au­to­prin­ce“. Bis heu­te ver­wen­det Tu­dor Fremd­wer­ke, seit 2015 auch selbst ent­wi­ckel­te Ma­nu­fak­tur­ka­li­ber.

4 Wie ent­wi­ckel­te sich das Mar­ken­lo­go?

Die ers­ten Uh­ren zier­te noch kein rich­ti­ges Lo­go, son­dern ein ein­fa­cher „Tu­dor“-schrift­zug, bei dem der Qu­er­strich des T bis zum R reich­te. Bald än­der­te sich der Schrift­zug, und um 1936 er­schien erst­mals die Tu­dor-ro­se. An­fangs war sie ein­ge­bet­tet in ei­nen Wap­pen­schild, doch bald präg­te sie al­lein mit dem Mar­ken­na­men das Zif­fer­blatt. Ab 1969 wur­de die Ro­se all­mäh­lich von ei­nem neu­en Wap­pen­schild ab­ge­löst. Ro­lex-schrift­zü­ge auf Zif­fer­blatt und Bo­den ver­schwan­den früh, doch die Auf­zugs­kro­ne mit Ro­lex-lo­go ver­wen­de­te Tu­dor bis in die spä­ten Neun­zi­ger.

5 Wie mach­te Hans Wils­dorf sei­ne Tu­do­r­uh­ren be­kannt?

Wils­dorf nutz­te je­de Ge­le­gen­heit, sei­ne Tu­dor-uh­ren als hoch be­last­bar und ex­trem wi­der­stands­fä­hig her­aus­zu­stel­len. Er ließ die Uh­ren von Berg­leu­ten, St­ein­hau­ern und Ar­bei­tern mit Press­luft­häm­mern tra­gen, schnall­te sie ans Hand­ge­lenk von Tau­chern und Mo­tor­rad­renn­fah­rern – und do­ku­men­tier­te den Dau­er­stress in An­zei­gen­kam­pa­gnen. Auch bei der bri­ti­schen Nord­grön­land­ex­pe­di­ti­on von 1952 bis 1954 wa­ren Tu­dor-uh­ren im Ein­satz; die Ex­pe­di­ti­ons­teil­neh­mer lie­fer­ten Wils­dorf Gan­g­er­geb­nis­se, in­dem sie die Uhr­zeit ih­rer Tu­dors täg­lich mit dem Bbc-ra­dio­si­gnal ab­gli­chen.

Seit wann baut Tu­dor Tau­cher­uh­ren?

Die 1954 ein­ge­führ­te Tu­dor Oys­ter Prin­ce Sub­ma­ri­ner war Tu­dors ers­te Tau­cher­uhr. Die Ur-re­fe­renz 7922 war bis 100 Me­ter was­ser­dicht. 1956 gab es ers­te Mo­del­le mit 200 Me­tern Druck­fes­tig­keit, die an die fran­zö­si­sche Ma­ri­ne ge­lie­fert wur­den. Ab 1958 pro­du­zier­te Tu­dor sol­che Tau­cher­uh­ren in grö­ße­ren Stück­zah­len und ver­kauf­te sie als Re­fe­renz 7924, und zwar bis Mit­te der Acht­zi­ger. Eben­falls 1958 wur­den die U. S. Na­vy Se­als Kun­den von Tu­dor; wei­te­re See­streit­kräf­te aus Län­dern wie Ar­gen­ti­ni­en, Ka­na­da, Ita­li­en, Is­ra­el und Süd­afri­ka folg­ten.

7 Seit wann gibt es den Sno­wfla­ke-zei­ger?

1969 führ­te Tu­dor die zwei­te Ge­ne­ra­ti­on sei­ner Tau­cher­uhr Sub­ma­ri­ner ein, mit Da­tum (Prin­ce Oys­ter­da­te Sub­ma­ri­ner 7021) und oh­ne Da­tum (Oys­ter Prin­ce Sub­ma­ri­ner 7016). In St­un­den- und Se­kun­den­zei­ger wur­de je ein auf der Spit­ze ste­hen­des Qua­drat in­te­griert, um mehr Leucht­mas­se plat­zie­ren zu kön­nen. Un­ter Samm­lern wur­de die­se Zei­ger­form bald als „Sno­wfla­ke“be­kannt.

8 Wo baut Tu­dor sei­ne ei­ge­nen Ma­nu­fak­tur­wer­ke?

Die Fer­ti­gung der Roh­wer­ke und Werk­kom­po­nen­ten fin­det in ver­schie­de­nen Werk­stät­ten in der Schweiz statt. In der Tu­dor-zen­tra­le in Genf, die im Haupt­ge­bäu­de von Ro­lex un­ter­ge­bracht ist, wer­den die Roh­wer­ke mit der ei­ge­nen Hem­mung ver­se­hen, zu der auch ei­ne Si­li­zi­um­spi­ra­le ge­hört. In der Zen­tra­le er­fol­gen au­ßer­dem das Ein­scha­len der fer­ti­gen Wer­ke in die Uh­ren­ge­häu­se, sämt­li­che Tests und Qua­li­tät­schecks, das An­fü­gen der Bän­der und der Ver­sand. Auch For­schung und Ent­wick­lung so­wie De­sign sind hier an­ge­sie­delt. Im Rah­men ei­ner Ko­ope­ra­ti­on mit Breitling lie­fert Tu­dor das Au­to­ma­tik­ka­li­ber MT5612 an Breitling.

9 Wo­für ste­hen die Zif­fern in den Ka­li­ber­be­zeich­nun­gen?

Die ers­ten bei­den Zif­fern be­zeich­nen das Grund­werk: 54 und 56 sind die von Tu­dor selbst pro­du­zier­ten Au­to­ma­tik­wer­ke, wo­bei Ka­li­ber 56 mit über 30 Mil­li­me­tern Durch­mes­ser für grö­ße­re Uh­ren ver­wen­det wird als Ka­li­ber 54 mit 26 Mil­li­me­tern. Die letz­te Zif­fer steht für wei­te­re Un­ter­schie­de beim Durch­mes­ser: So be­sitzt Ka­li­ber MT5601 ei­ne ver­grö­ßer­te Grund­pla­ti­ne mit ei­nem grö­ße­ren Ein­schal­durch­mes­ser von 33,8 Mil­li­me­tern ge­gen­über Ka­li­ber MT5602 mit 31,8 Mil­li­me­tern. Die drit­te Zif­fer steht für Da­tum (1) oder kein Da­tum (0). Be­son­der­hei­ten sind die Ka­li­ber MT5621 mit zu­sätz­li­cher Gan­g­re­ser­vean­zei­ge und Ka­li­ber MT5652 mit Gmt-funk­ti­on. Ka­li­ber MT5813 hat als Ba­sis das von Breitling stam­men­de Chro­no­gra­phen­werk B01; Tu­dor ver­sieht es mit ei­ge­ner Un­ruh samt Si­li­zi­um­spi­ra­le und ei­ge­nem Ro­tor.

10 Sind Tu­dor-uh­ren chro­no­me­ter­zer­ti­fi­ziert?

Teil­wei­se. Die Top­mo­del­le mit den Ka­li­bern 54, 56 und 58 kom­men mit ei­nem of­fi­zi­el­len Schwei­zer Chro­no­me­ter­zeug­nis der COSC, das Gan­g­ab­wei­chun­gen zwi­schen –4 und +6 Se­kun­den pro Tag er­laubt. Zu­sätz­lich tes­tet Tu­dor die fer­ti­gen Uh­ren mit Ka­li­ber 54 und 56 noch ein­mal auf Gang­wer­te zwi­schen –2 und +4 Se­kun­den Ab­wei­chung.

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 ??  ?? Tu­dor-arm­band­uhr aus den 1930er Jah­ren, ver­kauft vom Ju­we­lier Ca­t­a­nach’s in Mel­bourne
Tu­dor-arm­band­uhr aus den 1930er Jah­ren, ver­kauft vom Ju­we­lier Ca­t­a­nach’s in Mel­bourne
 ??  ?? Ro­lex-grün­der Hans Wils­dorf schuf Tu­dor als preis­güns­ti­ge Al­ter­na­ti­ve zur Kro­ne
Ro­lex-grün­der Hans Wils­dorf schuf Tu­dor als preis­güns­ti­ge Al­ter­na­ti­ve zur Kro­ne
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 ??  ?? Er­schüt­tert bis zum Geht­nicht­mehr: Tu­dor-an­zei­gen­mo­tiv von 1954
Er­schüt­tert bis zum Geht­nicht­mehr: Tu­dor-an­zei­gen­mo­tiv von 1954
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Oys­ter Prin­ce Sub­ma­ri­ner 7016 von 1969 mit Sno­wfla­ke­zei­gern
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Tu­dor-ma­nu­fak­tur­werk MT5602 mit Au­to­ma­tik­auf­zug, aber oh­ne Da­tum
 ??  ?? Ge­prüf­ter Chro­no­me­ter: Tu­dor Black Bay Bron­ze mit Ka­li­ber MT5601 und Cosc-zer­ti­fi­kat
Ge­prüf­ter Chro­no­me­ter: Tu­dor Black Bay Bron­ze mit Ka­li­ber MT5601 und Cosc-zer­ti­fi­kat
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Die Fir­men­zen­tra­le von Tu­dor be­fin­det sich im Ro­lex-stamm­haus in Genf

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