TEST GRAND SEIKO

Die Grand Seiko Spring Dri­ve Diver’s über­zeugt nicht nur durch ih­re gu­ten Tauch­ei­gen­schaf­ten, son­dern auch durch ei­ne ein­ma­li­ge Gang­ge­nau­ig­keit. Mög­lich macht dies die von den Ja­pa­nern ent­wi­ckel­te Hy­brid­tech­nik Spring Dri­ve.

Chronos - - Inhalt - TEXT MAR­TI­NA RICH­TER

Die ja­pa­ni­sche Hy­briduhr mit me­cha­nisch-elek­tro­ni­schem Uhr­werk spricht Lu­xus­fans ge­nau­so an wie Tauch­pro­fis.

GRAND SEIKO ist die Top­mar­ke des ja­pa­ni­schen Uh­ren­her­stel­lers Seiko, und die Spring­dri­ve-tech­no­lo­gie gilt als ei­ne der größ­ten In­no­va­tio­nen, die der Uh­ren­gi­gant je her­vor­ge­bracht hat. So scheint es lo­gisch, dass der ein­zig­ar­ti­ge Hy­brid­an­trieb bei Grand Seiko Ein­zug hielt. Doch es hat ei­ne Wei­le ge­dau­ert, bis es end­lich so weit war: Das Feh­len ei­nes aus­rei­chend wirk­sa­men au­to­ma­ti­schen Auf­zugs und ei­ner ho­hen Gang­au­to­no­mie ver­hin­der­te zu­nächst die Auf­nah­me der 1999 vor­ge­stell­ten Tech­no­lo­gie in die Seiko-lu­xus­spar­te. Erst nach wei­te­ren Ent­wick­lungs­jah­ren ent­stand das Ka­li­ber 9R Spring Dri­ve, das als Ver­si­on 9R65A mit Da­tum und Gan­g­re­ser­vean­zei­ge auch in un­se­rer Te­stuhr steckt. Der au­to­ma­ti­sche Auf­zug ver­wen­det den „Ma­gic Le­ver“, al­so je­nen Klin­ken­auf­zug, der be­reits 1959 von Seiko ent­wi­ckelt wur­de, heu­te je­doch mit ef­fi­zi­en­te­rer Leis­tung, War­tungs­freund­lich­keit und län­ge­rer Halt­bar­keit zum Ein­satz kommt.

Hy­brid­an­trieb Spring Dri­ve

Spring Dri­ve ver­bin­det den tra­di­tio­nel­len Fe­der­an­trieb ei­nes me­cha­ni­schen Uhr­werks mit mo­der­ner Elek­tro­nik, die al­ler­dings oh­ne Bat­te­rie oder ei­ne an­de­re ex­ter­ne Ener­gie­quel­le aus­kommt. Die her­kömm­li­che Art der Ener­gie­er­zeu­gung er­mög­licht es der Uhr, völ­lig un­ab­hän­gig zu blei­ben.

Die Auf­zugs­fe­der treibt das Rä­der­werk an, an des­sen En­de die Hem­mung durch ein Re­gu­lier­sys­tem er­setzt wird, das ei­ne klei­ne elek­tri­sche La­dung er­zeugt, die ei­nen Quarz­os­zil­la­tor ak­ti­viert. An­stel­le des An­ker­rads voll­führt ein Glei­t­rad ei­ne gleich­mä­ßi­ge Dreh­be­we­gung über ei­nem Spu­len­kör­per und er­zeugt dort ei­ne elek­tri­sche Span­nung. Die­se wird an ei­nen in­te­grier­ten Schalt­kreis (IC) und ei­nen Quarz­kris­tall ge­lei­tet.

Wäh­rend der Quarz­kris­tall in gleich­mä­ßi­ge Schwin­gun­gen ver­setzt wird, be­rech­net der IC den er­for­der­li­chen elek­tro­ma­gne­ti­schen Kraft­im­puls, der die Dreh­ge­schwin­dig­keit des Glei­trads und da­mit den Gang des Uhr­werks re­gu­liert.

Weil im Ge­gen­satz zu ei­nem An­ker­rad kein me­cha­ni­scher Ein­griff am Glei­t­rad er­folgt, gibt es auch kaum Rei­bungs­ver­lus­te. Die Spring-dri­ve-tech­no­lo­gie ge­währ­leis­tet da­her ei­ne we­sent­lich hö­he­re Gang­ge­nau­ig­keit als ei­ne me­cha­ni­sche Hem­mung: Seiko gibt die ma­xi­mal zu­läs­si­ge Gan­g­ab­wei­chung mit ei­ner Se­kun­de am Tag und 15 Se­kun­den im Mo­nat an.

Ei­ne Mes­sung auf der Zeit­waa­ge ist mit Spring-dri­ve-uh­ren nicht mög­lich. Der Tra­ge­test er­gab je­doch ei­ne kaum wahr­nehm­ba­re Ab­wei­chung von 0,1 Se­kun­den am Tag; nach zwei Wo­chen ging die Te­stuhr ins­ge­samt nur zwei Se­kun­den vor.

Das Spring-dri­ve-ty­pi­sche Glei­t­rad dreht sich 28 800 Mal pro St­un­de im Uhr­zei­ger­sinn. Das ent­spricht der An­zahl der Un­ruh­halb­schwin­gun­gen in mo­der­nen me­cha­ni­schen Uhr­wer­ken. Da es – im Ge­gen­satz zum An­ker­rad – nie­mals an­ge­hal­ten wird, voll­führt auch der Se­kun­den­zei­ger auf dem Zif­fer­blatt ei­ne gleich­mä­ßi­ge und

kei­ne Schritt­be­we­gung. Ver­lo­ren geht na­tür­lich auch das ty­pi­sche Ti­cken. Dar­über kommt der Uh­ren­fan je­doch hin­weg, denn das stil­le Glei­ten des Se­kun­den­zei­gers ist ein ein­zig­ar­ti­ges Schau­spiel.

Funk­tio­na­le Tau­cher­uhr

Am kur­zen En­de des Zei­gers glei­tet da­bei ein Leucht­punkt übers Zif­fer­blatt. Die­ser ist wich­tig für die Gang­kon­trol­le der Uhr beim Tau­chen. St­un­den- und Mi­nu­ten­zei­ger sind eben­falls kräf­tig mit der von Seiko ent­wi­ckel­ten Leucht­far­be Lu­mi­bri­te ge­füllt und durch ih­re

For­men deut­lich un­ter­scheid­bar. Zu­sam­men mit den fa­cet­ten­rei­chen Leucht­ap­pli­ken bie­ten sie die für Seiko-tau­cher­uh­ren all­ge­mein be­kann­te gu­te Ables­bar­keit un­ter al­len Licht­ver­hält­nis­sen.

Am Tag las­sen star­ke Schwar­zweiß-kon­tras­te hin­ter dem ent­spie­gel­ten Sa­phirglas kei­nen Zwei­fel an der Zeit. Et­was un­ge­wöhn­lich er­scheint die seg­ment­för­mi­ge Gan­g­re­ser­vean­zei­ge bei acht Uhr, denn ihr Zei­ger be­wegt sich mit ab­neh­men­dem Ener­gie­vor­rat nach oben statt nach un­ten und er­reicht in der kri­ti­schen Pha­se ein un­auf­fäl­li­ges dun­k­les statt ei­nes si­gnal­star­ken wei­ßen Fel­des.

Gut ab­les­bar ist das Da­tum bei drei Uhr, das ei­ne St­un­de vor Mit­ter­nacht schlei­chend sei­nen Wech­sel

be­ginnt, kurz nach Mit­ter­nacht in die nächs­te Po­si­ti­on springt und über die mitt­le­re Kro­nen­po­si­ti­on kor­ri­giert wird.

Wie es sich für ei­ne Tau­cher­uhr ge­hört, ist die kräf­ti­ge, ge­rän­del­te Kro­ne ver­schraub­bar und durch seit­li­che Flan­ken vor Stö­ßen ge­schützt. Ih­re Be­die­nung er­folgt in je­der Si­tua­ti­on an­stands­los. Eben­so gut geht die Hand­ha­bung der ein­sei­tig dreh­ba­ren Tauch­lü­net­te von­stat­ten, die zu ei­nem Ge­häu­se aus ge­här­te­tem Edel­stahl ge­hört. Sie ras­tet ge­schmei­dig in Halb­mi­nu­ten­schrit­ten und ist mi­nu­ten­ge­nau ska­liert. In der Drehlü­net­te be­fin­det sich ei­ne Ti­t­an­car­bid­ein­la­ge. Die­se Ver­bin­dung aus Ti­tan und Koh­len­stoff ist be­son­ders hart und bruch­fest. An­ge­sichts

ih­rer Win­ke­lung und seit­li­chen Ker­ben lässt sich die Tauch­lü­net­te si­cher fas­sen. Zu gu­ter Letzt ist das bis 20 Bar druck­fes­te Ge­häu­se mit ei­nem mas­si­ven Schraub­bo­den ver­schlos­sen, der das Lö­wen-si­g­net der Mar­ke Grand Seiko zeigt.

Ein tech­ni­sches High­light ist die ein­sei­tig klap­pen­de Falt­schlie­ße: Ne­ben seit­li­chen Drü­ckern zum Öff­nen und ei­nem Si­cher­heits­bü­gel be­sitzt sie ei­ne hoch­funk­tio­na­le Ver­län­ge­rung. Oh­ne dass die Schlie­ße ge­öff­net wer­den muss, lässt sie sich mit­hil­fe der Si­cher­heits­klap­pe über 14 Rast­punk­te gut drei Zen­ti­me­ter ver­län­gern. Wie­der ge­kürzt wird sie durch ein­fa­ches Zu­rück­schie­ben. Wie das ge­sam­te Edel­stahl­band ist die Schlie­ße aus­ge­spro­chen ge­schmei­dig und liegt sehr an­ge­nehm am Hand­ge­lenk.

Mit 6200 Eu­ro ruft Grand Seiko für die Spring Dri­ve Diver’s ei­nen Preis auf, mit dem sie in Ge­sell­schaft der 6800 Eu­ro teu­ren Ro­lex Sub­ma­ri­ner ist und deut­lich über der 4800 Eu­ro teu­ren Ome­ga Sea­m­as­ter Diver 300M liegt. Bei den Schwei­zer Mar­ken be­kommt man da­für 100 Me­ter mehr Was­ser­dicht­heit und bei Ome­ga zu­dem ei­ne er­heb­lich hö­he­re Ma­gnet­feld­si­cher­heit. In die­sem Um­feld muss sich die Grand Seiko trotz ei­nes tech­no­lo­gisch ein­zig­ar­ti­gen Uhr­werks ih­ren Platz hart er­ar­bei­ten. [8359]

FO­TOS OLAF KÖS­TER

Ver­schluss­sa­che No. 1: Die Falt­schlie­ße mit Ver­län­ge­rung bie­tet Fle­xi­bi­li­tät und Si­cher­heit beim Tau­chen

Ver­schluss­sa­che No. 2: Das Spring-dri­ve-ka­li­ber 9R65A ar­bei­tet hin­ter ei­nem mas­si­ven Voll­ge­win­de­bo­den aus Edel­stahl

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