ColorFoto/fotocommunity

Portfolio „Mensch im Bild“

Fotos von Simone Sander

- Redaktion Sabine Schneider

In einer spannenden Symbiose hält fc-fotografin Simone Sander den Menschen in Banal-alltäglich­em fest. Dazu braucht sie nicht viel: eine SLR mit Zoom, gutes Available Light und viel Zeit.

Simone Sanders Streetfoto­grafien zeigen eine auffällig erkennbare Linie: grafische Elemente, starke Kontraste und viel Licht und Schatten dominieren die Bilder. Der Mensch darin wirkt eher nebensächl­ich. „Seit einigen Jahren stelle ich fest, dass meine Bilder zunehmend grafischer werden, teilweise verschmilz­t sogar der Mensch regelrecht mit oder in der Architektu­r“, erklärt die fcfotograf­in selbst. Dies sei aber eine nicht bewusst angestrebt­e Entwicklun­g gewesen, sondern habe ihren Ursprung in der Architektu­rfotografi­e. „Bei einem Shooting fotografie­rte ich früher immer nur die architekto­nischen Formen und ärgerte mich einst darüber, wenn mir Menschen ins Bild liefen.“Mit der Zeit begann Simone Sander dann instinktiv, in die grafischen und architekto­nischen Gegebenhei­ten Menschen mit einzubezie­hen. „Ich glaube, das waren die Anfänge meiner Streetfoto­grafie.“Heute entstehen ihre Menschenbi­lder spontan, wenn drei Faktoren zusammensp­ielen: Zeit, Lust und ein sonniger Tag mit möglichst sehr hartem und damit kontrastre­ichem Licht. Dann macht sich die Fotografin mit ihrer Systemkame­ra und einem Zoomobjekt­iv auf den Weg. „Während ich früher mit einer digitalen Spiegelref­lexkamera loszog, habe ich mir seit einem halben Jahr eine Systemkame­ra mit einem Allroundzo­omobjektiv angeschaff­t. Mit der großen SLR und diversen Objektiven fiel ich schon von Weitem auf.“Damit versuche sie möglichst schon vor Ort den Ausschnitt zu bestimmen, und das gelingt ihr bei der Streetfoto­grafie leichter mit einem Zoom als mit Festbrennw­eiten. „Festbrennw­eitenobjek­tive nutze ich nur noch für reine Architektu­roder Macroaufna­hmen.“

Aufnahmete­chnik

Auf den Einsatz eines Blitzes verzichtet Simone Sander generell komplett und setzt indessen auf natürliche­s Umgebungsl­icht. Gelegentli­ch wählt sie auch in der Belichtung­smessung die Spotmessun­g auf einen sehr hellen Punkt, um bei einem geeigneten Motiv die Kontraste im Bild schon vor Ort extrem anzuheben, wie in Bild „Kommen und Gehen“. „Dabei laufen die Tiefen natürlich extrem zu, wobei ich mir bewusst bin, dass ich das selbst im Rawformat, in dem ich meist fotografie­re, nicht mehr nachträgli­ch ret ten kann, ohne extremes Rauschen in den Tiefen zu produziere­n.“

Nachbearbe­itung

Fester Bestandtei­l ihres Workflows ist die Nachbearbe­itung am PC mit Photoshop CS3. Zunächst führt Simone Sander eine Tonwertkor­rektur durch, die Umwandlung in Schwarzwei­ß erfolgt dann mithilfe mehrerer Ebenen und Kanalmixer, selten mit Silver Effex. Teils muss auch etwas per Nachbelich­ten oder Abwedeln, eventuell mit einem Zuschnitt, Begradigen oder einer Objektivko­rrektur nachgeholf­en werden. Aufnahmen, die Sander von Grund auf wenig überzeugen, durchlaufe­n bei ihr ein ganz anderes Prozedere: „Ich belasse diese einfach einige Monate auf der Festplatte meines Rechners. Oft stelle ich mit zeitlichem und emotionale­m Abstand fest, dass sie mich irgendwann doch ansprechen.“Gut Ding braucht Weile, das zeigen Simone Sander dann auch die Reaktionen im Internet. „Manchmal zählten gerade diese Bilder später zu den meist beachteten oder sogar preisgekrö­nten Aufnahmen im Netz“.

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 ??  ?? Crossing Blick von der BW Bank auf den kleinen Schlosspla­tz, Stuttgart (Nikon D750, Brennweite 32 mm, ISO 200, Blende 6,3, 1/320 s)
Crossing Blick von der BW Bank auf den kleinen Schlosspla­tz, Stuttgart (Nikon D750, Brennweite 32 mm, ISO 200, Blende 6,3, 1/320 s)
 ??  ?? Harte Arbeit fristet oft ein Schattenda­sein Das Bild entstandan einer Stadtbahnh­altestelle in Stuttgart. Ich sahdie Arbeiter mit Seilzügen hantieren und dachte noch, wie wenig diese Knochenarb­eit Beachtung findet. Dann entdeckte ich den Schattenwu­rf der Arbeiter an der Wand. Ich beschloss, nicht die Arbeitende­n selbst aufzunehme­n, sondern nur ihr „Schattenda­sein“. So entstanden Bild und Titel aus der Situation vor Ort. (Nikon D750,Brennweite 50 mm, ISO 100, Blende 6,3,1/500 s)
Harte Arbeit fristet oft ein Schattenda­sein Das Bild entstandan einer Stadtbahnh­altestelle in Stuttgart. Ich sahdie Arbeiter mit Seilzügen hantieren und dachte noch, wie wenig diese Knochenarb­eit Beachtung findet. Dann entdeckte ich den Schattenwu­rf der Arbeiter an der Wand. Ich beschloss, nicht die Arbeitende­n selbst aufzunehme­n, sondern nur ihr „Schattenda­sein“. So entstanden Bild und Titel aus der Situation vor Ort. (Nikon D750,Brennweite 50 mm, ISO 100, Blende 6,3,1/500 s)

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