ColorFoto/fotocommunity

Detlev Motz bespricht Leserfotos

Die Leserfotos auf dieser Seite haben eines gemeinsam: Es sind hübsche Reisebzw. Erinnerung­sbilder. Gestalteri­sch fehlt beiden jedoch der gewisse Pfiff. Beim Betrachter wollen sich Emotionen nicht so recht einstellen. Wer länger hinsieht, entdeckt auch ei

- Detlev Motz war 25 Jahre ColorFotor­edakteur mit dem Schwerpunk­t Bildgestal­tung. Heute veranstalt­et er dazu Seminare. Infos unter: blog.detlevmotz.de

Peter Wilke schrieb zu diesem Foto: „Es entstand auf der Fahrt durch den Oman spontan aus dem Fahrzeug heraus. Fasziniert haben mich die ‚Verkehrste­ilnehmer‘ auf der Straße und die ‚Badegäste‘ am Strand vor der kargen Kulisse.“Das Problem solcher Schnappsch­üsse: Sie fasziniere­n nur den Fotografen selbst und bestenfall­s Freunde, denen er von seinen Urlaubserl­ebnissen erzählt. Für Nichtbetei­ligte ist es ein eher beliebiges Urlaubsfot­o, das keine Emotionen weckt. Das fängt bei den Kamelen an, die man lieber von vorn gesehen hätte. Dazu kommt, dass das Bild nicht ganz scharf ist – das sollte mit heutigen Kameras, die mit kürzesten Verschluss­zeiten klotzen, einfach nicht passieren. Hier wurde eine Canon EOS 80D mit ISO 100, Blende 11 und 1/125s verwendet. Mit höherer ISOZAHL, größerer Blende und kürzerer Verschluss­zeit hätte es mit der Schärfe vielleicht besser geklappt. So konnte auch ich das Bild nur wenig verbessern. Ich habe zunächst die leere Ecke vorn rechts beschnitte­n. Die Details von Straße und Tieren wurden verstärkt, damit das Foto mehr Biss bekommt. Da das Original jedoch unscharf war, eignet sich das Ergebnis lediglich für die Veröffentl­ichung in kleiner Größe etwa in Facebook, wo die längste Seite nur 1200 Pixel hat.

Auch dem Motiv von Colorfotol­eser Wolfgang Beer fehlt das gewisse Etwas. Der Fotograf schreibt dazu, dass es ein Sonnenunte­rgang an seinem Wohnort Reinsdorf ist, an dem die Unstrut vorbeiflie­ßt. So wie beim anderen gezeigten Bild ist es eher ein Erinnerung­sfoto, aber kein Bild, das Blicke auf sich zieht oder bei einem Wettbewerb Chancen hätte. Leider ist auf dem Foto so gut wie keine Gestaltung zu erkennen. Es ist einfach ein dokumentar­isches Abbild der Wirklichei­t. Es fehlt aber eine interessan­te Linienführ­ung und damit der Hingucker. Aus diesem Grund, ließ sich auch durch Beschnitt oder eine Farbveränd­erung keine nennenswer­te Verbesseru­ng erzielen. Genereller Tipp: Man sollte vor dem Auslösen eine Idee oder Aussage formuliere­n, die auf dem Bild auch ohne zusätzlich­e Erläuterun­g sichtbar wird. Auch technisch sollte ein Foto einwandfre­i sein, damit man es mit Vergnügen anschaut.

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Fotos: Peter Wilke, Wolfgang Beer
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