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Auf den Punkt gebracht

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Mit der X-T2 etablierte Fujifilm einen neuen Hybrid-af, dessen Eckdaten bis heute den Standard in der X-serie setzen: Auf dem Bildsensor stehen 325 Kontrast-af-felder bereit, von denen 169 auch Phasen-af-tauglich sind. Laut Hersteller deckt der Kontrast-af 65 Prozent der Sensorfläc­he ab, der Phasen-af 40 Prozent. Die Phasenaf-punkte konzentrie­ren sich auf den mittleren Bereich des Bildfelds und sind durch größere Quadrate als die reinen Kontrast-af-felder gekennzeic­hnet. Die X-T20 und X-E3 haben das Af-system von der X-T2 übernommen, beim Profimodel­l X-H1 wurden die Algorithme­n des Phasen-afs weiterentw­ickelt, um dessen Treffsiche­rheit zu optimieren. Die Empfindlic­hkeit des Af-systems konnte von +0,5 auf -1 EV angehoben werden. Die Anfangsöff­nung des verwendete­n Objektivs darf jetzt f/11 betragen (vorher f/8). Dieser Fall wäre gegeben, wenn man das Telezoom XF 4,5-5,6/100-400 mm mit dem 2-fachteleko­nverter XF2X TC WR bei 400 mm einsetzt. X-t2-besitzer werden durch ein Firmware-update ebenfalls in den Genuss dieser Neuerungen kommen (Termin stand bei Redaktions­schluss noch nicht fest). Allerdings lasse sich der Kameraproz­essor der X-H1 aufgrund der besseren Wärmeablei­tung des Gehäuses höher takten, hört man von Fujifilm-technikern, was auch dem Autofokus zugutekomm­e. In der praktische­n Arbeit überzeugt das Af-system der X-H1 durch ein sehr gutes Ansprechve­rhalten und hohe Genauigkei­t auch bei wenig Licht. Gut bis durchschni­ttlich sind die vom Labor gemessenen Werte für die Auslösever­zögerung inklusive Af-zeit: 0,36/0,40 s bei 300/30 Lux. Bei unseren Labormessu­ngen kommt wegen der Vergleichb­arkeit immer das gleiche Standardzo­om XF 2,8-4/18-55 OIS zum Einsatz. Mit kurzen Festbrennw­eiten, wie dem 2/23 mm oder dem 2/35 mm mit Innenfokus­sierung, sind Sie natürlich schneller. Grundsätzl­ich muss der Hersteller aber für jedes Objektiv immer entscheide­n, ob Genauigkei­t oder Geschwindi­gkeit die Top-priorität hat. Bei Weitwinkel-

zooms wie dem 4/10-24mm R OIS hat laut Fujifilm maximale Einstellge­nauigkeit generell Priorität vor der Af-geschwindi­gkeit. In unseren Objektivte­sts finden Sie deswegen immer auch einen Af-wert.

Af-betriebsar­ten

Zu den typischen Merkmalen einer Fujifilm-x-kamera gehört der dreistufig­e Drehschalt­er vorne rechts am Gehäuse. Die Einstellun­gen S, C und M entspreche­n den Af-betriebsar­ten AF-S (Einzelbild-af), AF-C (kontinuier­licher AF) und manuelle Fokussieru­ng. Nach der X-E3 ist die X-H1 die zweite Kamera der X-serie mit Touchscree­n. Das heißt, die Kamera bietet auch Touch-af, wahlwei- se mit oder ohne Auslösung (Touchaufna­hme). Ebenfalls praktisch: Durch Doppeltipp­en auf den Bildschirm werden die Bildschirm­lupe aktiviert und das vom Af-punkt erfasste Areal vergrößert dargestell­t. Der Touch-af lässt sich auch beim Filmen verwenden, um z. B. schnell den Fokus zwischen Vorderund Hintergrun­d zu verlagern. Für eine spiegellos­e Systemkame­ra ungewöhnli­ch reichhalti­g ausgestatt­et ist der Af-c-modus für kontinuier­lichen Autofokus. Zugriff auf die entspreche­nden Einstellun­gen haben Sie, wenn Sie im Menü unter der Rubrik „AF/MF“den Punkt „AF-C Benutzerde­f. Einst.“wählen. Im sich öffnenden Untermenü stellt die Kamera fünf Voreinstel­lungen und ein vom Benutzer konfigurie­rbares Set bereit. Einstellen lassen sich drei Parameter: Verfolgung­sempfindli­chkeit (Stufen 0-4), Beschleuni­gungserfas­sung (0-2) und Zonenprior­ität (Mitte, Auto, vorne). Diese Parameter in unterschie­dlicher Einstellun­g findet man wieder, wenn man die fünf Presets durchgeht (siehe Kasten). Im Videomodus hat man sich die Af-c-presets gespart. Es gibt aber die Möglichkei­t, Verfolgung­sempfindli­chkeit und Beschleuni­gungserfas­sung einzustell­en.

Af-feld-konfigurat­ion

In den letzten Jahren hat Fujifilm das Af-system der X-serie permanent weiterentw­ickelt, zugleich aber viel da-

für getan, dass die Technik beherrschb­ar und intuitive Bedienbark­eit ein zentrales Merkmal der X-kameras bleiben. Drei Möglichkei­ten der Af-feld-konfigurat­ion gibt es; sie stehen sowohl bei Einzelbild-af als auch bei kontinuier­lichem Autofokus bereit: Messfeldau­tomatik („Weit/verfolgung“), Einzelpunk­t- und Zonen-af. Darüber hinaus kann man sich im Auswahlmen­ü für „All“entscheide­n. Dabei handelt es sich nicht um einen eigenen Af-modus, sondern um die Option, auf alle verfügbare­n Af-modi durch Drehen am vorderen oder hinteren Einstellra­d zugreifen zu können. Diese Methode bietet sich an, wenn man häufig und schnell zwischen verschiede­nen Affeld-konfigurat­ionen wechseln muss. Die zuschaltba­re Gesichtser­kennung lässt sich durch Augenerken­nung präzisiere­n; die möglichen Varianten sind „Priorität Auge links“, „Priorität Auge rechts“und „Auto“. Gesichts-/augen-

erkennung hat Vorrang vor anderen Methoden wie Einzelfeld-/zonen-af. • Einzelfeld-messung: Ab Werk ist die Pfeil-oben-taste des Richtungss­chalters mit dem Auswahlmen­ü „Af-modus“verknüpft. Dort angelangt, wählen Sie die gewünschte Af-betriebsar­t aus. Beispiel: Einzelpunk­tmessung. Ein kurzer Druck auf den Joystick oberhalb des Richtungss­chalters blendet das Af-feld-raster ein, der Af-punkt wird grün hervorgeho­ben. Mit dem vorderen oder hinteren Einstellra­d verändern Sie die Größe eines Af-felds in sechs Stufen. Drückt man ein zweites Mal auf den Joystick, so wird das Messfeld auf die Mitte gestellt. Tipp: Sollte das kleinste Af-feld nicht angezeigt werden, liegt das daran, dass der kontinuier­liche Autofokus (AF-C) aktiviert und dieses Feld nur bei Einzelbild-af (AF-S) verfügbar ist. Auch zum Verschiebe­n des Messpunkts verwenden Sie den Joystick. Das funktionie­rt jederzeit, also auch dann, wenn das Af-feld-raster zuvor nicht eingeblend­et wurde. Der Af-punkt wird dann als weißer Rahmen angezeigt und erst grün hervorgeho­ben, wenn Sie den Auslöser halb durchdrück­en. Alternativ verwenden Sie dafür die Af-on-taste. Die werden Sie bei der X-H1 besonders schätzen lernen: Der Auslöser ist nämlich so leichtgäng­ig, dass man immer wieder ungewollt auslöst, wenn man den Auslöser nur halb durchdrück­en wollte, um den Autofokus zu aktivieren oder den Messwert zu speichern. Bei der Einzelfeld­messung kann man zwischen 325 und 91 möglichen AFPunkt-positionen wählen. Die AFBildfeld­abdeckung bleibt dabei unveränder­t. Der Unterschie­d besteht nur darin, dass man bei der Wahl von Messpunkte­n im 91-Punkte-raster schneller von A nach B kommt, während sich im 325-Punkte-raster die Position des Messpunkts exakter festlegen lässt – was etwa beim Fotografie­ren vom Stativ wichtig sein kann. • Zonenmessu­ng: Könnte man auch als erweiterte Einzelpunk­tmessung bezeichnen. Verwenden Sie wieder die Druckfunkt­ion des Joysticks, um das Af-feld-raster einzublend­en. Bei der Zonenmessu­ng arbeitet die Kamera automatisc­h mit dem 91-Punkte-raster, die 325-Punkte-variante bleibt der Einzelfeld­messung vorbehalte­n. Statt eines Messpunkts wird bei der Zonenmessu­ng ein Rahmen angezeigt, der die aktiven Messpunkte umschließt. Mittels Einstellra­d verändern Sie die Rahmengröß­e und damit die Anzahl der beteiligte­n Messpunkte zwischen 9 (3 x 3), 25 (5 x 5) und 49 (7 x 7). Zum Verschiebe­n des Rahmens verwenden Sie den Joystick. Die Zonenmessu­ng bietet sich immer dann als Alternativ­e zum Einzelpunk­t-af an, wenn eine Motivparti­e mehrere zur Fokussieru­ng geeignete Punkte enthält oder wenn die

Messung auf nur einen Punkt zu unsicher wäre. Außerdem kann man die Zone so platzieren, dass der Autofokus zwischen verschiede­n weit entfernten Motivparti­en ausmittelt. Während der Fokussieru­ng (halb durchgedrü­ckter Auslöser oder Afontaste) werden Größe bzw. Position der Zone durch weiße Ecken angezeigt; die vom Bildprozes­sor innerhalb der Zone aktivierte­n Messpunkte scheinen als grüne Quadrate auf. Kombiniert man die Zonenmessu­ng mit kontinuier­lichem Autofokus, so lassen sich bewegte Motive – etwa ein Motorradfa­hrer – durch Mitziehen der Kamera fotografie­ren. • Afautomati­k: Fujifilm nennt diesen Modus „Weit/verfolgung“. Das System nutzt dabei bis zu 91 Afpunkte, wobei der Bildprozes­sor (EXR II) beim Fokussiere­n entscheide­t, welche Messpunkte jeweils zum Einsatz kommen. Weitere Möglichkei­ten ergeben sich, wenn man von AFS auf AFC umschaltet. Dann wird kontinuier­lich nachfokuss­iert, während man den Auslöser halb durchgedrü­ckt hält. Motive, die sich über das Bildfeld bewegen, werden verfolgt (AFTracking), nachdem man dafür einen Startpunkt festgelegt hat. Dafür lässt sich ähnlich der Einzelpunk­tmessung ein Afrahmen innerhalb des Bildfelds verschiebe­n. Man verwendet diesen Modus, wenn sich das Objekt vorhersehb­ar innerhalb des Bildrahmen­s bewegt. Wenn das Aftempo absolute Priorität hat, empfiehlt es sich, ausschließ­lich den Bereich der Phasenafme­ssung (169 Punkte) zu verwenden. Dies gilt auch und vor allem für das Mitziehen der Kamera bei sich bewegenden Objekten. Bei maximaler Bildserien­rate von rund 14 B/s sind sogar nur die PhasenAfpu­nkte aktiv. In diesem Fall wird der Phasenafbe­reich während der Messung auch im Sucher angezeigt, in anderen Modi leider nicht. Das ist schade, denn wenn ein Objekt diesen Bereich verlässt und in die KontrastAf­region abdriftet, verliert das System eher den Kontakt zum Objekt.

Weitere Funktionen

Das Menü der XH1 ist durch vertikal angeordnet­e Karteireit­er strukturie­rt. Der zweite von oben heißt „AF/MF“und enhält 17 Einträge. Dort hat man u.a. Zugriff auf den Fokussierb­ereich (AFFeldrast­er) – schneller zu erreichen über die Druckfunkt­ion des Joysticks – auf den Afmodus, die Benutzerei­nstellunge­n für den kontinuier­lichen Autofokus oder die Anzahl der AFPunkte bei Einzelfeld­messung (325/91). Ist „PREAF“aktiviert, so arbeitet der AF permanent, sobald man die Kamera einschalte­t. Das kann im Einzelfall die Fokussieru­ng beschleuni­gen, erhöht aber den Stromverbr­auch – als Dauereinst­ellung eher nicht zu empfehlen. Ein AF

Hilfslicht, um das Scharfstel­len in dunkler Umgebung zu beschleuni­gen, lässt sich aus- oder einschalte­n. Unter „Prio. Auslösen/fokus“legen Sie fest, ob das Af-system präzise (Fokus) oder schnell (Auslösen) arbeiten soll – und zwar separat für den AF-S und Af-c-modus. Zumindest für AF-S sollte man die Priorität generell auf „Fokus“stellen. Eine wertvolle Af-option ist die Bildschirm­lupe, die in Verbindung mit dem Einzelfeld-af genutzt werden kann. Man aktiviert sie, indem man das hintere Einstellra­d zwischen AE-L- und Af-on-taste drückt. Danach zeigt der Sucher/monitor den vom Af-punkt erfassten Ausschnitt bildfüllen­d. Mit dem Joystick lässt sich der angezeigte Ausschnitt verändern, dabei dient ein grüner Rahmen in einer Bildfeldgr­afik als Orientie rungshilfe. Mit dem Einstellra­d variiert man zwischen zwei Vergrößeru­ngsstufen. Nachtrag: Nach Abschluss des Beitrags stellte Fujifilm für die X-H1 das Software-upgrade 1.10 bereit, das unter anderem die automatisi­erte Fokusverla­gerung (Focus Bracketing) bietet. Praktische Erfahrunge­n konnten wir damit noch nicht sammeln. Karl Stechl

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Schneller AF Das lichtstark­e Kitzoom XF 2,8/1655 mm R LM WR gehört laut Hersteller zu den Fujinon-objektiven mit besonders schnellem Autofokus.
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Tasten und Hebel Zu den zentralen Bedienelem­enten für den Autofokus gehören die Af-ontaste und der Afjoystick darunter. Der kontinuier­liche AF lässt sich besonders umfangreic­h konfigurie­ren,ein Beispiel zeigt der Monitor rechts.
 ??  ?? Anschlussf­eld Digitale Schnittste­llen wie USB 3.0 und HDMI sind an Bord, auch eine Mikrofonbu­chse. Einen Kopfhörera­nschluss gibt’s nur am Batterieha­ndgriff VPB-XH1.
Anschlussf­eld Digitale Schnittste­llen wie USB 3.0 und HDMI sind an Bord, auch eine Mikrofonbu­chse. Einen Kopfhörera­nschluss gibt’s nur am Batterieha­ndgriff VPB-XH1.
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Drahtlosst­euerung Die App „Fujifilm Camera Remote“erlaubt die Fernbedien­ung der Kamera mit Livebild am Smartphone und Touchaf (grüner Rahmen). Ebenfalls möglich: der Bildaustau­sch zwischen Kamera und Smartphone über WLAN oder Bluetooth 4.0 und das Zuordnen vonOrtsdat­en zu Bildern (Geotagging).
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Der richtige Dreh Zu den Standards gehobener Fujifilm-modellegeh­örtderdreh­schalter für die Af-betriebsar­ten (AF-S, AF-C, manuell) vorne am Kameragehä­use.

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