Det­lev Motz be­spricht Les­er­fo­tos

Ob Tier­por­trät oder per­fek­tes Still­le­ben: oh­ne Ge­duld ge­lin­gen kei­ne gu­ten Fotos. Ein­füh­lungs­ver­mö­gen, ei­ne ru­hi­ge Hand, ein Pin­sel für den Staub – Det­lev Motz zeigt an­hand von Bil­dern, was man für den gol­de­nen (Schnapp-)Schuss braucht.

ColorFoto - - Inhalt 2/2019 -

Dies­mal wid­me ich mich zwei völ­lig ver‍ schie­de­nen Mo­tiv­be­rei­chen. Das Tier­por­trät und das Still­le­ben ha­ben aber trotz al­ler Ge‍ gen­sät­ze ei­nes ge­mein­sam: Für bei­des ist beim Fo­to­gra­fie­ren viel Ge­duld nö­tig. Beim Shoo­ting mit der Kat­ze kann ein ein‍ zi­ger Schritt zu viel ein jä­hes En­de set­zen. Denn vor al­lem bei frem­den Kat­zen ist der Flucht­re­flex sehr aus­ge­prägt. Ich ha­be das Glück, dass fast al­le Kat­zen mich in­ter­es­siert mus­tern statt Reiß­aus zu neh­men. Al­lein die­ser Um­stand hat die­ses Por­trät mög­lich ge­macht. Trotz­dem wur­de es erst durch die Nach­be­ar­bei­tung se­hens­wert. Ge‍ ra­de Kat­zen­bil­der gibt es ja end­los vie­le in den so­zia­len Me­di­en, die Zahl geht in die Mil­lio­nen. Wer für sein Kat­zen­fo­to „Li­kes“ern­ten möch­te, muss schon ein stim­mungs‍ vol­les Bild lie­fern – und da ge­hö­ren see­len‍ vol­le Kat­zen­au­gen ein­fach da­zu. Mit ei­nem SW‍Por­trät ist man auf der Er­folgs­spur. Eben­so an­spruchs­voll sind aber auch Still‍ lifes, die zum Bei­spiel zu Wett­be­wer­ben in gro­ßer Zahl ein­ge­sandt wer­den. Kle­mens Kordt hat­te nicht ge­nü­gend Ge­duld für die per­fek­te Auf­na­me. Für ein stim­mungs­vol­les Ge­mü­se‍Still­le­ben hät­te er das Ve­sper­brett nicht ganz so voll­pa­cken sol­len, und es fehlt ei­ne schlüs­si­ge Farb­ge­stal­tung. Für mei­nen Ge­schmack ist das Mes­ser nicht ide­al ge‍ wählt: Es wirkt nicht sehr fo­to­gen, und mit ei­nem sol­chen Mes­ser schnei­det si­cher nie‍ mand Zwie­beln. Pla­ka­ti­ver wä­ren z.B. nur die Zwie­beln mit ei­nem ge­eig­ne­ten Mes­ser und vor pas­sen­dem Hin­ter­grund ge­we­sen. Denn das Grau wirkt nicht sehr ein­la­dend, ob­wohl es neu­tral ist. Als Be­leuch­tung wä­re ein Spot bes­ser ge­we­sen. Er hät­te das Ge‍ mü­se stär­ker be­tont und dem grau­en Un­ter‍ grund die Do­mi­nanz ge­nom­men. Bei ge­nau­em Hin­se­hen ent­deckt man zu­dem an den To­ma­ten im Hin­ter­grund Re­tu­sche‍ feh­ler. Hier woll­te der Fo­to­graf die Was­ser‍ trop­fen ent­fer­nen. Die et­was zu bra­ve Be‍ leuch­tung in­Ver­bin­dung mit der feh­ler­haf­ten Re­tu­sche und der ein­tö­ni­gen Farb­ge­stal­tung wür­de in ei­nem Wett­be­werb wahr­schein­lich das Aus der an sich gu­ten Bild­idee be­deu­ten.

Ein frem­der Raum, ei­ne frem­de Kat­ze – nicht ge­ra­de diebes­ten Vor­aus‍ set­zun­gen für denFo­to­gra­fen. Ei­ne fal­sche Be­we­gung – und das Tier ist weg. Mit ei­nem Zoom‍Ob­jek­tiv kann man es erst ein­mal aus si­che­rer Dis­tanz pro­bie­ren.Die Ka­me­ra war auf laut­los ge­stellt. Die ers­te Auf­nah­mein Far­be konn­te nicht über­zeu­gen: Ge­sicht zu dun­kel, Au­gen ge­sch­los‍sen, stö­ren­des Um­feld. Al­so nä­her ran! Jetzt öff­net dieKat­ze die Au­gen und bleibt lie­gen – ein Glücks­fall! Das far­bi­ge Por­trät ha­be ich auf ein Qua­drat in SW be­schnit­ten. Nicht nur, dass mir die­ser Look bes­serge­fiel, auch der ro­te Schnör­kel in der lin­ken un­te­ren Ecke ist als „Bild‍ ge­stal­tungs­feh­ler“eli­mi­nert. Üb­ri­gens: Ich war­te noch aufIh­re Fotos von Hund & Katz für ei­ne Be­spre­chung?

Fotos: Det­lev Motz, Kle­mens Kordt

Fo­to­graf Kle­mens Kordt schreibt zu die­ser Auf­nah­me: „Mei­ne Frau kam mit ei­nem Korb Ge­mü­se aus dem Gar­ten. So­fort kam mir der Ge­dan­ke, die­se Si­tua­ti­on in ei­nem Bild fest‍ zu­hal­ten.“Was mir bei die­sem Bild so­fort durch den Kopf ging: War­um hat er das Ge­mü­se zum Fo­to­gra­fie­ren aus dem Korb ge‍ nom­men? Da­rin wür­de es au­then­ti‍ scher wir­ken als auf dem brau­nen Ve­sper­brett.

Det­lev Motz war über 25 Jah­re lang Co­lor‍Foto‍Re­dak­teur mit dem Schwer­punkt Bild­ge­stal­tung. Heu­te ver­an­stal­tet er da­zu Se­mi­na­re. In­fos un­ter: blog.det­lev­motz.de

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