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Ca­non EOS R

So ho­len Sie mehr aus Ih­rer EOS R

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Ca­non EOSR. In die­ser Se­rie geht es um be­reits ge­tes­te­te Ka­me­ras aus prak­ti­scher Sicht. Wir durch­leuch­ten die Funk­tio­na­li­tät des je­wei­li­gen Ka­me­ra­mo­dells und hel­fen Ih­nen, die Be­die­nung zu op­ti­mie­ren. Die­ses Mal neh­men wir das AF-Sys­tem und das Be­di­en­kon­zept der Ca­non EOS R un­ter die Lu­pe.

Zur pho­to­ki­na 2018 stell­te Ca­non die EOS R als ers­te spie­gel­lo­se Sys­tem­ka­me­ra des Hau­ses mit Voll­for­mat­sen­sor (30 MP) vor. In­zwi­schen hat der Her­stel­ler die Sys­tem­ba­sis mit dem Ein­stei­ger­mo­dell RP (26 MP) er­wei­tert. Die R aber bleibt bis auf Wei­te­res das Flagg­schiff der neu­en Ka­me­ra­se­rie. Er­hält­lich ist sie für rund 2200 Eu­ro in­klu­si­ve Ad­ap­ter für EF-/EF-S-Ob­jek­ti­ve. Im Set mit dem Stan­dard­zoom RF 4/24-105mm L IS USM und Ad­ap­ter kos­tet die EOS R rund 3500 Eu­ro. Beim Ge­häu­se hat Ca­non ei­nen gu­ten Mit­tel­weg zwi­schen kom­pak­ten Ab­mes­sun­gen und Er­go­no­mie ge­wählt.

Die Ka­me­ra ist et­was brei­ter und hö­her als ei­ne So­ny A7III. Et­was mehr Bau­hö­he schafft Platz für ei­nen Hand­griff, auf den un­ter­halb des Aus­lö­se­fin­gers auch die üb­ri­gen Fin­ger pas­sen. Das Plus in der Brei­te hat den Vor­teil, dass trotz des gro­ßen Ba­jo­nett­durch­mes­sers von 54mm noch ge­nü­gend Spiel­raum für die Fin­ger zwi­schen dem Ob­jek­tiv­tu­bus und dem Hand­griff bleibt. Trotz­dem ist die EOS R deut­lich klei­ner als ei­ne Pa­na­so­nic Lu­mix S1. Im Ge­gen­satz zu die­sem Mo­dell bie­tet sie al­ler­dings kei­nen im Ge­häu­se ein­ge­bau­ten Bild­s­ta­bi­li­sa­tor. Da­mit lässt es sich le­ben, so­lan­ge man ein Ob­jek­tiv mit op­ti­schem Bild­s­ta­bi­li­sa­tor ver­wen­det wie das Ca­non RF 4/24-105mm L IS USM. Ein Stan­dard­zoom die­ses Brenn­wei­ten­be­reichs deckt ei­ne Viel­zahl von Auf­nah­me­si­tua­tio­nen ab, oh­ne dass man die op­ti­schen Schwä­chen ei­nes „Me­ga­zooms“in Kauf neh­men muss. Zur Aus­stat­tung der EOS R ge­hört ein sehr gu­ter OLED-Su­cher mit ei­ner Auf­lö­sung von 1,23 Mil­lio­nen RGBBild­punk­ten. Er liegt qua­li­ta­tiv auf dem Ni­veau der Ni­kon-Z-Su­cher und ist da­mit bes­ser als die So­ny-Su­cher der drit­ten A7-Ge­ne­ra­ti­on. Der TFT-Mo­ni­tor an der Rück­sei­te der Ka­me­ra misst 3,2 Zoll, bie­tet ei­ne Auf­lö­sung von

700 000 RGB-Bild­punk­ten und ist dreh- und schwenk­bar ge­la­gert. Zur Ener­gie­ver­sor­gung ver­wen­det die EOS R den Li­thi­um-Io­nen-Ak­ku LP-E6 mit 1800mAh, der deut­lich leis­tungs­fä­hi­ger ist als der LP-E17 (1040mAh) im Schwes­ter­mo­dell EOS RP. Der LP-E6 kann es mit den Strom­spei­chern der meis­ten Kon­kur­ren­tin­nen gut auf­neh­men – le­dig­lich der FP-FZ100 der So­ny-A7-Mo­del­le der drit­ten Ge­ne­ra­ti­on schafft deut­lich mehr Bil­der pro La­dung. Op­tio­nal ist für die EOS R der Bat­te­rie­hand­griff BG-E22 er­hält­lich, der zwei LP-E6 auf­nimmt. Re­kord­ver­däch­tig er­scheint das AFSys­tem der EOSR mit 5655 Pha­senAF-Punk­ten in „Du­al-Pi­xel“-Tech­nik: Al­le ak­ti­ven Pi­xel auf der Flä­che des CMOS sind aus zwei se­pa­ra­ten Fo­to­di­oden auf­ge­baut, die zum Fo­kus­sie­ren nach dem Pha­sen-AF-Prin­zip se­pa­rat und zum Er­zeu­gen von Bild­da­ten ge­mein­sam aus­ge­le­sen wer­den. Zu den da­mit ver­bun­de­nen Vor­tei­len ge­hört die ho­he Bild­feld­ab­de­ckung durch das AF-Sys­tem: 88 Pro­zent in der Ho­ri­zon­ta­len und 100 Pro­zent in der Ver­ti­ka­len. Wie Sie die Mög­lich­kei­ten des Sys­tems aus­rei­zen, ist ein Schwer­punkt die­ses Pra­xis­bei­trags, ein zwei­ter ist die Be­die­nung der Ka­me­ra mit Emp­feh­lun­gen für die Ein­stel­lun­gen.

AF-Be­triebs­ar­ten

Die Ca­non EOSR bie­tet zwei AF-Be­triebs­ar­ten: One-Shot-AF, bei an­de­ren Her­stel­lern Ein­zel­bild-AF oder AF-S ge­nannt, und Ser­vo-AF, was dem kon­ti­nu­ier­li­chen Au­to­fo­kus (AF-C) bei der Kon­kur­renz ent­spricht. Ver­wir­rend aber ist, dass man im AF-Me­nü der Ca­non zu­sätz­lich den „Kon­ti­nu­ier­li­chen AF“fin­det, der sich se­pa­rat vom Ser­vo-AF zu- oder ab­schal­ten lässt. Bei ge­naue­rem Hin­se­hen er­schlie­ßen sich die Un­ter­schie­de. Den AI-Ser­vo-AF ver­wen­det man bei Mo­ti­ven, die sich be­we­gen. So­lan­ge Sie den Aus­lö­ser halb oder die AF-onTas­te voll durch­ge­drückt hal­ten, bleibt der Fo­kus auf dem an­vi­sier­ten Mo­tiv­de­tail und kor­ri­giert nach, wenn Sie et­wa ei­nen Schritt nach vor­ne ma­chen oder das Mo­tiv sich et­was von Ih­nen ent­fernt. Das Mess­feld wird da­bei blau an­ge­zeigt, die AF-Mes­sung en­det erst mit der Aus­lö­sung bzw. wenn Sie – bei Se­ri­en­bil­dern – den Fin­ger vom Aus­lö­ser neh­men. Der Ser­vo-AF lässt sich in drei Pa­ra­me­tern ein­stel­len: AI-Ser­vo-Re­ak­ti­on, Nach­füh­rung Be­schleu­ni­gung/Ver­zö­ge­rung und AF-Mess­feld-Nach­füh­rung. Mehr zu die­sen Ein­stel­lun­gen fin­den Sie im er­wei­ter­ten Be­nut­zer­hand­buch, das Sie als PDF auf der Sup­port­sei­te des Her­stel­lers her­un­ter­la­den kön­nen (www.ca­non.de/sup­port). Un­ab­hän­gig da­von, ob Sie nun mit One-Shot- oder Ser­vo-AF fo­kus­sie­ren, kön­nen Sie den „Kon­ti­nu­ier­li­chen AF“ak­ti­vie­ren. Um Miss­ver­ständ­nis­se zu ver­mei­den, soll­te man hier viel­leicht bes­ser von per­ma­nen­tem AF re­den. Denn wenn die­se Funk­ti­on ak­ti­viert ist, ver­sucht die Ka­me­ra un­un­ter­bro­chen, das Bild scharf­zu­stel­len, auch wenn Sie den Fin­ger vom Aus­lö­ser neh­men. Im One-Shot-Mo­dus en­det die Fo­kus­sie­rung, wenn Sie den Aus­lö­ser halb oder die AF-on-Tas­te ganz durch­drü­cken; der je­weils letz­te Mess­wert wird da­bei ge­spei­chert. Im AI-Ser­vo-Mo­dus führt das AF-Sys­tem die Schär­fe bis zur Ver­schluss­aus­lö­sung nach. Wenn Sie beim Fil­men den „Mo­vie Ser­vo AF“ak­ti­vie­ren, ar­bei­tet das AF-Sys­tem mit per­ma­nen­ter Schär­fe­nach­füh­rung. Ist die Funk­ti­on de­ak­ti­viert, müs­sen Sie mit dem Aus­lö­ser oder der AF-onTas­te nach­fo­kus­sie­ren, wenn sich die Ent­fer­nung zum Mo­tiv än­dert.

Der per­ma­nen­te Au­to­fo­kus hat ge­ne­rell den Nach­teil, dass er die Ak­ku­lauf­zeit deut­lich ver­rin­gern kann. We­nig Er­klä­rungs­be­darf gibt es beim One-Shot-AF, der für sta­ti­sche Mo­ti­ve vor­ge­se­hen ist. Sie vi­sie­ren ein Mo­tiv an und plat­zie­ren das Mess­feld oder ei­ne Mess­feld­grup­pe auf dem Haupt­mo­tiv. Da­für ver­wen­den Sie ent­we­der die Rich­tungs­tas­ten des Mul­ti­funk­ti­ons­wäh­lers oder die bei­den Ein­stell­rä­der, nach­dem Sie die AF-Tas­te („Kreuz“-Tas­te“) in Reich­wei­te des Dau­mens ge­drückt ha­ben. Tipp: Wenn Ih­nen das zu um­ständ­lich ist, ord­nen Sie den Rich­tungs­tas­ten die Funk­ti­on „Di­rekt­aus­wahl AF-Feld“zu (Cust­om-Me­nü, S. 4, Tas­ten an­pas­sen). Al­ter­na­ti­ve: Nut­zen Sie zum Ver­schie­ben des AF-Punkts die Touch-Funk­ti­on des Mo­ni­tors, was auch mög­lich ist, wäh­rend Sie durch den Su­cher bli­cken. Wenn Sie da­nach den Aus­lö­ser halb oder die AF-on-Tas­te ganz durch­drü­cken, wird die Ent­fer­nungs­in­for­ma­ti­on bis zum Aus­lö­sen ge­spei­chert. Die Far­be des ak­ti­ven AF-Felds wech­selt von Weiß nach Grün. Wäh­rend der Wert ge­spei­chert ist, kön­nen Sie leich­te Aus­schnitt­kor­rek­tu­ren durch Ver­schwen­ken der Ka­me­ra vor­neh­men. Ist das Ob­jek­tiv da­bei je­doch nur we­nig ab­ge­blen­det oder voll ge­öff­net, soll­ten sie den Fo­kus­punkt nach der Aus­schnitt­kor­rek­tur neu set­zen, um die Fo­kus­sie­rung zu prä­zi­sie­ren. Im AF-Me­nü kann man

vor­ab wäh­len, ob beim One-Shot-AF die Schär­fe oder die (schnel­le­re) Aus­lö­sung Prio­ri­tät ha­ben soll. Meist dürf­te das die Schär­fe sein. Für den AI-Ser­voMo­dus gibt es die­se Wahl­mög­lich­keit nicht. Man darf ver­mu­ten, dass hier ge­ne­rell die schnel­le­re Aus­lö­sung Vor­rang hat. Al­ler­dings zeigt die Se­rie auf der lin­ken Sei­te, dass die AF-Nach­füh­rung vor al­lem mit Ge­sichts­er­ken­nung aus­ge­zeich­net funk­tio­niert. Tipp: Ge­wöh­nen Sie sich an, den Dau­men lo­cker an der Ka­merarück­sei­te auf­lie­gen zu las­sen. Wenn Sie ihn zu stark auf die Griff­flä­che pres­sen, kann es pas­sie­ren, dass Sie ver­se­hent­lich die AF-on-Tas­te drü­cken, die viel­leicht ei­ne Spur zu griff­güns­tig plat­ziert ist. Dann wun­dern Sie sich, dass der Au­to­fo­kus schein­bar ein­friert und nicht mehr auf hal­bes Durch­drü­cken des Aus­lö­sers re­agiert. Spä­tes­tens beim drit­ten Mal hat man es ka­piert.

AF-Au­to­ma­tik-Funk­tio­nen

Ak­tu­el­le Sys­tem­ka­me­ras bie­ten ei­ne Viel­zahl von AF-Mess­me­tho­den, die vie­le An­wen­der et­was über­for­dern dürf­ten. Zum Trost: Man muss nicht al­les nut­zen, was ge­bo­ten wird. Wer sich et­wa auf Land­schaf­ten oder Ar­chi­tek­tur kon­zen­triert, hat an­de­re An­for­de­run­gen an den Au­to­fo­kus als ei­ner, der sport­li­che Ak­ti­vi­tä­ten oder sei­nen Hund beim Stöck­chen­spiel fo­to­gra­fiert. Tipp: Im AF-Me­nü fin­den Sie die Op­ti­on „AF-Me­tho­den be­gren­zen“. Hier kön­nen Sie aus dem An­ge­bot von sie­ben Mess­me­tho­den je­ne aus­wäh­len, die tat­säch­lich zum Ein­satz kom­men sol­len und von der Ka­me­ra an­ge­bo­ten wer­den. Zu­nächst soll­te man aber al­le Mög­lich­kei­ten genau un­ter die Lu­pe neh­men, um her­aus­zu­fin­den, was der per­sön­li­chen Ar­beits­wei­se am bes­ten ge­recht wird. AF-Mess­feld-Au­to­ma­tik: Im Be­di­en­hand­buch zur EOS R fin­det sich für die au­to­ma­ti­sche Mess­feld­wahl die Be­zeich­nung „Ge­sichts­er­ken­nung + Ver­fol­gung“. Er­kennt die Ka­me­ra kein Ge­sicht in­ner­halb des Bild­felds, so wählt sie ent­spre­chend in­ter­ner Al­go­rith­men die Mess­punk­te selbst aus. Sie kön­nen aber auch selbst ei­nen Start­punkt für die Mes­sung fest­le­gen – am schnells­ten geht das mit­tels Touch-AF-Funk­ti­on. Be­fin­det sich ein Ge­sicht in­ner­halb des Bild­felds, so legt sich ein wei­ßer Rah­men dar­über, so­bald ei­nes er­kannt wird und noch be­vor Sie den Aus­lö­ser halb durch­drü­cken. Ver­schwen­ken Sie die Ka­me­ra oder be­wegt sich das Mo­tiv, so folgt der Rah­men dem Ge­sicht. Sind meh­re­re Ge­sich­ter im Bild, so wech­selt der Ziel­rah­men even­tu­ell zwi­schen ver­schie­de­nen Ge­sich­tern hin und her. Per Touch-AF kön­nen Sie ei­nen Fo­kus­punkt ma­nu­ell auf ein an­de­res Ge­sicht zie­hen, dann wech­selt der Er­ken­nungs­rah­men wunsch­ge­mäß sei­ne Po­si­ti­on. Oder Sie drü­cken die „Kreuz“-Tas­te, um dann mit den Rich­tungs­tas­ten links/rechts von ei­nem Ge­sicht zum nächs­ten zu sprin­gen. Ist das ge­wünsch­te Ge­sicht im Fo­kus, spei­chern Sie den Mess­wert bis zur Aus­lö­sung durch hal­bes Durch­drü­cken des Aus­lö­sers (al­ter­na­tiv mit AF-onTas­te), da­bei wech­selt die Rah­men­far­be von Weiß auf Grün. Prä­zi­sie­ren lässt sich die Ge­sichts- durch Au­gen­er­ken­nung, bei­des funk­tio­niert über­durch­schnitt­lich gut. Das Ge­sag­te gilt für den One-Sho­tMo­dus, denn in der Ser­vo-Be­triebs­art ver­hält sich die AF-Au­to­ma­tik et­was an­ders: Hier muss man zu­erst den Aus­lö­ser halb durch­drü­cken, be­vor der Au­to­fo­kus sei­ne Ar­beit auf­nimmt und ei­nen blau­en Rah­men über das er­kann­te Ge­sicht legt. Die AF-Mes­sung bleibt bis zum Aus­lö­sen ak­tiv, die Au­gen­er­ken­nung lässt sich nicht ak­ti­vie­ren. Sind meh­re­re Ge­sich­ter im Spiel, kön­nen Sie ei­nen Start­punkt für die Mes­sung fest­le­gen und auf die­se Wei­se si­cher­stel­len, dass die Ka­me­ra auf das von Ih­nen prä­fe­rier­te Ge­sicht scharf­stellt. Ent­spre­chend gilt das auch für an­de­re be­weg­te Ob­jek­te.

Ein­zel­feld- und Zo­nen-AF

AF-Feld-Mes­sung: Bei Ein­zel­feld-AF ha­ben Sie die Wahl zwi­schen zwei AF-Feld-Grö­ßen: nor­mal und klein. In den meis­ten Fäl­len reicht das aus, Mo­del­le von der Kon­kur­renz bie­ten in die­ser Hin­sicht aber deut­lich mehr Aus­wahl. Zur Er­wei­te­rung der Ein­zel­feld­mes­sung gibt es bei der EOS R zwei Op­tio­nen: In der ers­ten Stu­fe (AF-Be­reich er­wei­tern) wird das Mess­feld der Grö­ße „nor­mal“um vier an­gren­zen­de Fel­der links, rechts, oben und un­ten er­wei­tert, in der zwei­ten Stu­fe (AF-Be­reich er­wei­tern: Um­ge­bung) um acht Fel­der, die das ei­gent­li­che Mess­feld ein­rah­men. Tipp: Für al­le Va­ri­an­ten der AF-Fel­dMes­sung bie­tet das AF-Me­nü ein in­ter­es­san­tes Ex­tra. Sie kön­nen wäh­len, ob Sie für die ho­ri­zon­ta­le und die ver­ti­ka­le Ka­me­ra­hal­tung un­ter­schied­li­che Mess­feld­po­si­tio­nen vor­ge­ben wol­len. Bei­spiel: Sie fo­to­gra­fie­ren ein Mo­del und wech­seln häu­fig zwi­schen dem Quer­und dem Hoch­for­mat. Zo­nen­mes­sung: Wenn die Ein­zel­fel­dAF-Mes­sung ei­nen zu be­schränk­ten Mo­tiv­be­reich ab­deckt, schlägt die St­un­de der Zo­nen­mes­sung. Da­für bie­tet die EOS R fol­gen­de Va­ri­an­ten: „AFMess­feld­wahl in Zo­ne“grup­piert ein Qua­drat mit 25 Mess­punk­ten zu ei­ner Zo­ne, die wie ein Ein­zel­feld im Bild­feld be­wegt wer­den kann. In­ner­halb der Zo­ne ak­ti­viert die Ka­me­ra selbst die Mess­punk­te, die ihr zum Fo­kus­sie­ren ge­eig­net er­schei­nen. Das glei­che gilt für die zwei­te Op­ti­on „Mess­feld­wahl in gro­ßer Zo­ne: Ver­ti­kal“. Die­se Zo­ne ist ein ste­hen­des Recht­eck mit 45 Mess­punk­ten, das fast die ge­sam­te Hö­he des Bild­felds im Qu­er­for­mat ab­deckt. Die drit­te Mög­lich­keit ist „Mess­feld­wahl in gro­ßer Zo­ne: Ho­ri­zon­tal“. Da­bei han­delt es sich um ei­ne Zo­ne mit 55 Mess­punk­ten in Form ei­nes lie­gen­den Recht­ecks im „Pan­ora­ma­for­mat“, das den größ­ten Teil der Bild­feld­brei­te ab­deckt. Bei al­len drei Va­ri­an­ten der Zo­nen­mes­sung fo­kus­siert das AF-Sys­tem in der Re­gel auf das der Ka­me­ra am nächs­ten lie­gen­de Ob­jekt, Ge­sich­ter ha­ben ge­ne­rell Vor­rang. Ma­nu­el­le Fo­kus­sie­rung: Das Scharf­stel­len von Hand un­ter­stützt die EOS R durch „Pea­king“– kor­rekt fo­kus­sier­te Kan­ten im Bild wer­den far­big (rot, gelb oder blau) her­vor­ge­ho­ben. Prak­tisch ist auch der „Fo­ku­sas­sis­tent“: Er zeigt sich als zu­nächst wei­ßes Fo­kus­feld, das wie üb­lich im Bild­feld ver­scho­ben wer­den kann. Stellt man dann mit­tels Fo­kus

ring am Ob­jek­tiv scharf, so färbt sich das Fo­kus­feld grün. Als wei­te­re Ein‍ stell­hil­fe wer­den klei­ne Kei­le ein­ge‍ blen­det, die man zur De­ckung brin­gen muss. Ei­ne zu­schalt­ba­re Bild­schirm‍ lu­pe er­leich­tert das Scharf­stel­len auf wich­ti­ge De­tails, wäh­rend man auf ei­ner Bal­ken­an­zei­ge die ein­ge­stell­te Auf­nah­me­di­s­tanz ab­le­sen kann.

Touch-Funk­ti­on op­ti­mie­ren

Die Touch‍Funk­tio­na­li­tät der EOS R um­fasst die kom­plet­te Be­die­nung der Ka­me­ra. Im Haupt‍ wie im Schnell­ein‍ stell­me­nü kön­nen Sie Ein­trä­ge an­wäh‍ len und ver­än­dern, bei der Bild­wie­der‍ ga­be wech­seln Sie durch Wi­schen am Mo­ni­tor zum je­weils nächs­ten Bild oder zoo­men mit zwei Fin­gern. Und wie be­reits er­wähnt, kön­nen Sie AF‍ Punk­te/Zo­nen per Touch an be­lie­bi­ger Stel­le im Bild­feld po­si­tio­nie­ren. Touch‍AF funk­tio­niert im Su­cher‍ wie im Mo­ni­tor­be­trieb. Wird der Mo­ni­tor als Su­cher ver­wen­det, dann ist auch ei­ne Touch‍Aus­lö­sung mög­lich. Das heißt, dass di­rekt nach dem Set­zen des AF‍Punkts aus­ge­löst wird. Weil das sehr schnell von­stat­ten geht, lässt sich die Funk­ti­on gut bei bo­den­na­hen Ma­kro­auf­nah­men vom Sta­tiv nut­zen. Man muss sich nicht ver­ren­ken, um durch den Su­cher zu schau­en. Da die EOS R kei­nen Joy­stick zum Ver‍ schie­ben von AF‍Punk­ten be­sitzt und der 4‍We­ge‍Schal­ter da­für nicht das idea­le Werk­zeug ist, soll­te man sich auch im Su­cher­be­trieb mit der Touch‍ Funk­ti­on an­freun­den. Bei der EOSR funk­tio­niert das auch des­halb ganz gut, weil das Su­che­ro­ku­lar an der Rück­sei­te et­was wei­ter über­steht und man da­mit mehr Spiel­raum ge­winnt, um den Mo‍ ni­tor als Touch­pad zu ver­wen­den, wäh‍ rend man das Au­ge am Su­cher hat. Pro­bie­ren Sie es mit dem Dau­men der rech­ten Hand, wäh­rend der Zei­ge­fin‍ ger ent­spannt auf dem Aus­lö­ser liegt. Tipp: So­lan­ge Sie die kom­plet­te Mo­ni‍ tor­flä­che als Touch­pad ver­wen­den, wird es Ih­nen im­mer wie­der pas­sie­ren, dass Sie mit der Na­se un­ge­wollt ei­nen neu­en AF‍Punkt set­zen. Des­halb gibt es im AF‍Me­nü (S. 1) die Mög­lich­keit, die Touch‍Funk­tio­na­li­tät auf Tei­le der Mo­ni­tor­flä­che zu re­du­zie­ren. Für den Dau­men der rech­ten Hand wäh­len Sie im AF‍Me­nü die Ein­stel­lung „Rechts“oder „Oben rechts“. Um die Touch­pad‍Funk­tio­nen wahl‍ wei­se mit dem Dau­men der lin­ken oder rech­ten Hand nut­zen zu kön­nen, emp­fiehlt sich der un­te­re Teil der Mo­ni­tor­flä­che. Die Ver­klei­ne­rung der Touch­pad‍Flä­che hat ei­nen Nach­teil: Sie müs­sen öf­ter nach­fas­sen, um ein AF‍Feld an die ge­wünsch­te Po­si­ti­on zu bug­sie­ren, aber mit et­was Übung geht das ganz gut.

An­zei­gen und Be­die­nung

Im Ver­gleich zu ei­ni­gen Kon­kur­renz‍ mo­del­len wirkt die EOSR eher spar‍ sam mit Be­dien­ele­men­ten aus­ge­stat­tet, vor al­lem an der Rück­sei­te. Das liegt nicht nur am feh­len­den AF‍Joy­stick, son­dern auch dar­an, dass es nur zwei Ein­stell­rä­der – ei­nes für den Dau­men und ei­nes für den Zei­ge­fin­ger – gibt. Das vor­de­re Ein­stell­rad sitzt oben am Hand­griff und ist nicht dem Aus­lö­ser vor­ge­la­gert, wie et­wa bei Ni­kon oder So­ny – Ge­schmack­sa­che. Das Dau­men­rad schließt mit der Hin‍ ter­kan­te des Ge­häu­ses ab und be­sitzt ei­ne in­te­grier­te Mo­de‍Tas­te. Drückt man sie, kann man über das Ein­stell­rad ei­nes von sie­ben Be­lich­tungs­pro­gram‍ men, er­gänzt durch drei Sets von In­di‍ vi­dual­ein­stel­lun­gen (C1‍3), vor­wäh­len. Das ist platz­spa­ren­der als das sonst üb­li­che Mo­dus­wahl­rad und funk­tio‍ niert min­des­tens eben­so gut.

Für die Auf­nah­me re­le­van­te Pa­ra­me­ter zeigt er­gän­zend zum TFT-Mo­ni­tor das mo­no­chro­me Schul­ter-Dis­play an. Es lässt sich be­leuch­ten, wenn man die klei­ne Tas­te mit dem Lam­pen­sym­bol et­was län­ger drückt. Drückt man die Tas­te kurz, schal­tet das Dis­play auf ei­ne zwei­te An­zei­ge­n­ebe­ne. Auch nach dem Aus­schal­ten der Ka­me­ra zeigt das Dis­play das ein­ge­stell­te Be­lich­tungs­pro­gramm und ei­ne even­tu­ell ak­ti­vier­te Draht­los­funk­ti­on (Wi­Fi/Blue­tooth) an. Ne­ben den Stan­dard­be­lich­tungs­pro­gram­men (Au­to, P, A, S, M) bie­tet die EOS R als Be­son­der­heit ei­ne „Fle­xi­ble Au­to­ma­tik“(Fv). Wenn vor­ge­wählt, kann man Ver­schluss­zeit, Blen­de oder ISO-Wert wahl­wei­se ma­nu­ell wäh­len oder au­to­ma­tisch ein­stel­len las­sen und mit ei­ner Be­lich­tungs­kor­rek­tur kom­bi­nie­ren. De fac­to hat man da­mit vier Be­lich­tungs­pro­gram­me (P, A, S, M) im Di­rekt­zu­griff. Ob man mit die­ser Au­to­ma­tik gut zu­recht­kommt oder ins Schleu­dern ge­rät, ist wohl Typ­sa­che. Wir be­vor­zug­ten die klas­si­schen Pro­gram­me. Ei­ne Spe­zia­li­tät der EOS R ist die ho­ri­zon­tal an­ge­ord­ne­te Touch-Leis­te an der Rück­sei­te rechts vom Su­che­ro­ku­lar, die sich z.B. mit der ISO- oder WBEin­stel­lung ver­knüp­fen lässt. Zum Ein­stel­len strei­chen Sie ent­we­der über die Tas­te oder tip­pen mit der Fin­ger­spit­ze auf den Links- oder Rechts­pfeil. An sich ei­ne gu­te Idee, doch in der Pra­xis be­nö­tig­ten wir im­mer wie­der zu vie­le Strei­chel­ein­hei­ten, um den kor­rek­ten Wert ein­zu­stel­len. Tip­pen er­wies sich als prä­zi­ser, bes­ser dran als mit ei­nem Ein­stell­rad oder den Rich­tungs­tas­ten ist man da­mit aber nicht. Zu­dem pas­sier­te es wie­der­holt, dass wir beim Dre­hen des hin­te­ren Ein­stell­rads zur Be­lich­tungs­kor­rek­tur auch die Touch­leis­te be­rühr­ten und un­ge­wollt ei­ne Ein­stel­lung ver­än­der­ten. Tipp: Man­che Fehl­be­die­nung lässt sich aus­schlie­ßen, wenn man die Lo­ckTas­te rechts von der Vi­deo-Start­tas­te rich­tig kon­fi­gu­riert. Im Ein­stel­lun­genMe­nü (S. 6) un­ter „Mul­ti­funk­ti­ons­sper­re“de­fi­nie­ren Sie den Um­fang der Lock-Funk­ti­on. Zur Wahl ste­hen die bei­den Ein­stell­rä­der, die TouchS­teue­rung am Mo­ni­tor, die Touch­Leis­te und der Steue­rungs­ring am Ob­jek­tiv. Letz­te­ren nutz­ten wir oft und ger­ne – vor al­lem zum Ein­stel­len des ISO-Werts. Ob­wohl die EOS R nur ei­ne „Mul­ti­funk­ti­ons­tas­te“(M-Fn) be­sitzt, las­sen sich auch die meis­ten an­de­ren Tas­ten in­di­vi­du­ell mit Funk­tio­nen be­le­gen, so­dass an Di­rekt­zu­grif­fen kein Man­gel ist.

Me­nüein­stel­lun­gen

Ei­ne wei­te­re Ein­stel­l­e­be­ne fin­det sich mit dem Schnell­ein­stell­me­nü, er­reich­bar über die Set/Q-Tas­te im 4-We­geSchal­ter. Über die im Li­ve-Bild ein­ge­blen­de­ten Funk­ti­ons­fel­der hat man al­les Wich­ti­ge im Zu­griff. Ein­stel­lun­gen ver­än­dert man mit­tels Pfeil­tas­ten, Rä­dern oder Touch-Funk­ti­on. Al­ter­na­tiv lässt sich die ge­sam­te Mo­ni­tor­flä­che zur An­zei­ge von Funk­ti­ons­fel­dern nut­zen. Hier kann man ent­we­der di­rekt Ein­stel­lun­gen ver­än­dern oder in ein Un­ter­me­nü wech­seln. Das Haupt­me­nü der EOSR ist durch ho­ri­zon­tal an­ge­ord­ne­te Kar­tei­rei­ter mit den Ru­bri­ken Ka­me­ra, AF, Wie­der­ga­be, Ein­stel­lun­gen, In­di­vi­du­al­funk­tio­nen und MyMe­nu struk­tu­riert. Auf ei­ner Me­nü­sei­te ha­ben ma­xi­mal sie­ben Ein­trä­ge Platz, so­dass pro Ru­brik meh­re­re Un­ter­sei­ten nö­tig sind, um den ge­sam­ten Funk­ti­ons­um­fang der Ka­me­ra ab­zu­bil­den. Die größ­ten Pos­ten sind das Ka­me­ra-, Ein­stel­lun­gen- und Cust­omMe­nü mit je­weils sechs Un­ter­sei­ten, ge­folgt von AF (5) und Wie­der­ga­be (3). Das meis­te fin­det man dort, wo man es sucht, man­ches al­ler­dings erst beim zwei­ten Hin­se­hen: Die vor al­lem bei Ar­chi­tek­tur­mo­ti­ven prak­ti­schen Git­ter­li­ni­en or­tet man im Ein­stel­lun­gen-Me­nü (S. 4) un­ter „An­zei­ge Aufn.In­fo“. Im Wie­der­ga­be-Me­nü (S. 3) kön­nen Sie zu­dem „Wie­der­ga­be­ras­ter“ak­ti­vie­ren, dann se­hen Sie Git­ter­li­ni­en auch bei ge­spei­cher­ten Fo­tos im Su­cher oder am Mo­ni­tor. Be­son­ders mer­ken soll­ten Sie sich auch die vier­te Sei­te des Cust­omMe­nüs: Dort kön­nen Sie Tas­ten, Wahl­rä­der und die M-Fn-Touch­leis­te in­di­vi­du­ell mit Funk­tio­nen be­le­gen. Lei­der gibt es bei der EOSR im Auf­nah­me­mo­dus nur ei­ne Bal­ken­an­zei­ge für den La­de­zu­stand des Ak­kus. Auf ei­ne An­zei­ge in Pro­zent­wer­ten müs­sen Sie aber den­noch nicht ver­zich­ten – zu fin­den auf der 3. Sei­te des Ein­stel­lun­gen-Me­nüs un­ter „In­fo Ak­ku­la­dung“. Tipp: Wäh­len Sie „In­fo Ak­ku­la­dung“als ers­ten Ein­trag im Fa­vo­ri­ten-Me­nü, um ei­nen mög­lichst schnel­len Zu­griff auf die­se wich­ti­ge In­for­ma­ti­on zu er­hal­ten. Karl Stechl

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 ??  ?? Sys­tem-Sta­tus Der­zeit um­fasst das R-Sys­tem von Ca­non zwei Fest­brenn­wei­ten mit 35 und 50mm, zwei Zooms (2,8/28-70 und 4/24-105) und drei Ba­jo­nett­ad­ap­ter zur Ver­wen­dung vor­han­de­ner EF- und EF-SOb­jek­ti­ve. Mit op­ti­schem Bild­s­ta­bi­li­sa­tor aus­ge­stat­tet sind das RF 1,8/35mm Ma­cro IS STM und das RF 4/24-105mm IS USM.
Sys­tem-Sta­tus Der­zeit um­fasst das R-Sys­tem von Ca­non zwei Fest­brenn­wei­ten mit 35 und 50mm, zwei Zooms (2,8/28-70 und 4/24-105) und drei Ba­jo­nett­ad­ap­ter zur Ver­wen­dung vor­han­de­ner EF- und EF-SOb­jek­ti­ve. Mit op­ti­schem Bild­s­ta­bi­li­sa­tor aus­ge­stat­tet sind das RF 1,8/35mm Ma­cro IS STM und das RF 4/24-105mm IS USM.

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