Die Zu­kunft des Cloud Com­pu­ting

Computerwoche - - Inhalt - Von Wolf­gang Herr­mann, De­pu­ty Edi­to­ri­al Di­rec­tor

Gart­ner hat sich in sei­nem be­rühmt-be­rüch­tig­ten Hy­pecy­cle mit den ver­schie­de­nen Clou­dTech­no­lo­gi­en be­schäf­tigt. Ei­ne Er­kennt­nis: Die Pri­va­te Cloud steckt tief im Tal der ent­täusch­ten Er­war­tun­gen

In Gart­ners be­rühmt-be­rüch­tig­tem Hy­pe Cy­cle steht Cloud Com­pu­ting kurz vor dem er­sehn­ten Pla­teau des brei­ten pro­duk­ti­ven Ein­sat­zes. Schon er­klimmt die nächs­te Wel­le von Cloud-ba­sier­ten Tech­no­lo­gi­en die Hy­pe-Kur­ve. Das The­ma Pri­va­te Cloud hängt noch im Tal der ent­täusch­ten Er­war­tun­gen fest.

Gart­ner-Ana­lyst Gre­gor Pe­tri ist sich si­cher: „In Zei­ten des di­gi­ta­len Wan­dels ist Cloud Com­pu­ting die pri­mä­re Op­ti­on und nicht mehr nur ei­ne von vie­len Mög­lich­kei­ten.“88 Pro­zent der Or­ga­ni­sa­tio­nen, die Cloud-Ser­vices nutz­ten, ver­folg­ten ei­ne Cloud­first-Stra­te­gie. Längst geht es nicht mehr dar­um, ob Cloud-Ser­vices im Rah­men der IT-Stra­te­gie sinn­voll sind, son­dern wie sich dar­aus der größ­te Nut­zen zie­hen lässt. Das her­aus­zu­fin­den ist kei­ne leich­te Übung. Das Ser­vice­port­fo­lio nicht nur der Cloud-Gi­gan­ten ver­grö­ßert sich stän­dig, hin­zu kom­men neue Tech­no­lo­gi­en et­wa aus der Open-Sour­ce-Com­mu­ni­ty und je­de Men­ge zu­sätz­li­che Fach­be­grif­fe, die Ent­schei­der ken­nen und ein­ord­nen kön­nen soll­ten. Als Ori­en­tie­rung für CIOs und an­de­re IT-Ent­schei­der hat Gart­ner die un­ter­schied­li­chen Clou­dTech­no­lo­gi­en und -Au­s­prä­gun­gen im „Hy­pe Cy­cle for Cloud Com­pu­ting 2018“po­si­tio­niert.

SaaS, IaaS und PaaS ha­ben sich be­währt

Ne­ben der schon seit ge­rau­mer Zeit eta­blier­ten Va­ri­an­te Soft­ware as a Ser­vice (SaaS) sieht Gart­ner das Mo­dell „IaaS+“auf dem „Pla­teau der Pro­duk­ti­vi­tät“. Im Un­ter­schied zum ein­fa­chen IaaS mit rei­nen Com­pu­te- und Sto­r­a­geDi­ens­ten ver­ste­hen die Ana­lys­ten dar­un­ter ein Sze­na­rio, in dem User ei­ne an­wen­dungs­be­zo­ge­ne In­fra­struk­tur in Form ei­ner Platt­form auf ei­nem IaaS-Lay­er in­stal­lie­ren.

Die Ebe­ne ober­halb von IaaS wer­de da­bei aber nicht vom Cloud-Pro­vi­der kon­trol­liert und ge­ma­nagt wie im Fall von Plat­form as a Ser­vice (PaaS), son­dern vom Kun­den. IaaS+ eig­ne sich des­halb vor al­lem für Or­ga­ni­sa­tio­nen, die die vol­le Kon­trol­le über ih­re Ap­pli­ka­ti­ons­in­fra­struk­tur be­hal­ten wol­len. Sinn­voll kann das et­wa in Lift-and-Shift-Mi­gra­tio­nen von ge­schäfts­kri­ti­schen An­wen­dun­gen sein. Un­term Strich bleibt die Ab­gren­zung zu klas­si­schen PaaS-An­ge­bo­ten aber un­scharf. IaaS- und Platt­for­m­an­ge­bo­te ver­schmel­zen im­mer mehr.

Leich­ter ab­grenz­bar ist der klas­si­sche SaaSBe­reich, in dem der Cloud-Pro­vi­der die ent­spre­chen­de Soft­ware be­sitzt, aus­lie­fert und ver­wal­tet. Be­zahlt wird üb­li­cher­wei­se nach der ge­mes­se­nen Nut­zung oder über ein AboMo­dell. Für vie­le An­wen­dungs­ty­pen hat sich SaaS mitt­ler­wei­le zum ge­setz­ten De­li­ver­yMo­dell ent­wi­ckelt, be­rich­tet Gart­ner. Da­zu ge­hö­ren un­ter an­de­rem Customer-Re­la­ti­ons­hip-Ma­nage­ment (CRM) und Hu­man-Ca­pi­talMa­nage­ment (HCM).

Im Be­reich ERP ge­be es noch ei­ni­ge we­ni­ge Ein­satz­fel­der, in de­nen Un­ter­neh­men ei­ne OnP­re­mi­se-Va­ri­an­te be­vor­zug­ten. Da­zu ge­hör­ten be­son­ders kri­ti­sche oder stra­te­gi­sche ERPIn­stal­la­tio­nen et­wa für Fer­ti­gungs­pro­zes­se. Vor al­lem wenn es um neue Ap­pli­ka­tio­nen geht, soll­ten Un­ter­neh­men aber ein SaaSMo­dell prä­fe­rie­ren, ra­ten die Ana­lys­ten.

Cloud-Mo­del­le auf dem „Pfad der Er­leuch­tung“

Kurz vor dem Pla­teau der Pro­duk­ti­vi­tät – Gart­ner spricht vom „Pfad der Er­leuch­tung“– ste­hen et­li­che be­kann­te Cloud-Va­ri­an­ten und -kon­zep­te. Dar­un­ter fin­den sich Cloud Se­cu­ri­ty As­sess­ments, IaaS-An­ge­bo­te und Cloud-ba­sier­te Tes­ting-Wek­zeu­ge. Auch PaaS und Pu­b­li­cC­loud-Sto­r­a­ge sind nach Ein­schät­zung der Au­gu­ren nicht mehr weit von ei­nem brei­ten und all­ge­mein ak­zep­tier­ten Ein­satz ent­fernt. Noch et­was Nach­hol­be­darf gibt es im Be­reich der Cloud-ba­sier­ten Of­fice-Soft­ware.

Ganz un­ten, im „Tal der Desil­lu­sio­nie­rung“, sieht Gart­ner das von vie­len eta­blier­ten ITAn­bie­tern pro­pa­gier­te Pri­va­te-Cloud-Mo­dell. Die Au­gu­ren ver­ste­hen dar­un­ter ei­ne Form des Cloud Com­pu­ting, die nur von ei­ner ein­zi­gen Or­ga­ni­sa­ti­on ge­nutzt wird.

Un­ter­neh­men, die sich dar­auf ein­lie­ßen, „emu­lier­ten“im Grun­de ei­ne Pu­b­lic Cloud, um sich ähn­li­che Vor­tei­le zu ver­schaf­fen. Häu­fig ge­he es da­bei um mehr Agi­li­tät ins­be­son­de­re für neue „Cloud-na­ti­ve“An­wen­dun­gen, er­läu­tern die Ana­lys­ten und war­nen zu­gleich: Die lau­fen­den Kos­ten und die Kom­ple­xi­tät, die der Auf­bau ei­ner ech­ten Pri­va­te Cloud mit sich brin­ge, könn­ten „ex­trem“sein. In der Pra­xis ver­lö­ren die Ar­gu­men­te für ei­ne Pri­va­te Cloud im­mer mehr an Be­deu­tung.

In der Bran­che wird der Be­griff Pri­va­te Cloud auch zur Be­schrei­bung ei­nes an­de­ren Trends ver­wen­det. Da­bei geht es um klas­si­sche In­fra­struk­tu­ren, die mit Hil­fe von Vir­tua­li­sie­rungs-, Au­to­ma­ti­on- und Self-Ser­vice-Tech­ni­ken mo­der­ni­siert wer­den. Nach Ein­schät­zung von Gart­ner kön­nen Un­ter­neh­men auf die­se Wei­se zu­min­dest ei­ni­ge Vor­tei­le des Cloud-Kon­zepts nut­zen und auf exis­tie­ren­de An­wen­dun­gen mit tra­di­tio­nel­len An­for­de­run­gen an­wen­den. Ge­he es al­so nur um Ef­fi­zi­enz oder die Mo­der­ni­sie­rung von Al­t­an­wen­dun­gen, kön­ne ei­ne sol­che „Just enough Cloud“durch­aus sinn­voll sein.

Cloud Mi­gra­ti­on – es fehlt noch an Er­fah­rung

Dass das The­ma Cloud Mi­gra­ti­on sich eben­falls weit un­ten in der Hy­pe-Kur­ve wie­der­fin­det, über­rascht auf den ers­ten Blick. Die Gart­ner-Ana­lys­ten mei­nen da­mit ei­nen gut ge­plan­ten Pro­zess des Ver­schie­bens von lo­ka­len An­wen­dun­gen oder Wor­kloads in ei­ne ex­ter­ne Cloud-Um­ge­bung. Die ver­füg­ba­ren Tools für das Iden­ti­fi­zie­ren und Trans­fe­rie­ren von in­ter­nen Wor­kloads sei­en zwar re­la­tiv aus­ge­reift, er­läu­tert Gart­ner-Ana­lys­tin Ly­dia Leong. Doch nur die we­nigs­ten Or­ga­ni­sa­tio­nen ver­füg­ten über aus­rei­chend Er­fah­rung, um ei­ne Mi­gra­ti­on sau­ber zu pla­nen und um­zu­set­zen. Das gel­te auch für et­li­che Ma­na­ged-Ser­vice-Pro­vi­der (MSPs), die sich in die­sem Feld po­si­tio­nie­ren. Vie­le Be­trie­be, so Leong, tä­ten sich schwer mit den trans­for­ma­ti­ven Aspek­ten von Cloud-Pro­zes­sen. So kom­me es vor, dass Mi­gra­tio­nen zwar tech­nisch ge­se­hen er­folg­reich ver­lie­fen, die da­mit ver­bun­de­nen Bu­si­ness-Zie­le aber ver­feh­len wür­den.

Groß an­ge­leg­te „All-in“-Mi­gra­tio­nen, die es er­lau­ben, die meis­ten oder al­le ei­ge­nen Da­ta Cen­ter auf­zu­ge­ben, ha­ben bis­lang nur we­ni­ge Or­ga­ni­sa­tio­nen be­wäl­tigt. Nach Leongs Ein­schät­zung brau­chen schon mit­tel­gro­ße Un­ter­neh­men da­für ty­pi­scher­wei­se zwei bis drei

Jah­re. In Groß­un­ter­neh­men kön­ne es fünf Jah­re oder län­ger dau­ern. Auch ei­ne kom­ple­xe SaaS-Im­ple­men­tie­rung neh­me nicht sel­ten bis zu ei­nem Jahr in An­spruch. An­de­rer­seits las­se sich die Mi­gra­ti­on ei­ner ein­fa­chen An­wen­dung durch­aus in Ta­gen oder Wo­chen er­le­di­gen. Die größ­ten Kos­ten­vor­tei­le in Sa­chen In­fra­struk­tur er­ziel­ten die­je­ni­gen Un­ter­neh­men, die in Mi­gra­ti­ons­pro­jek­ten kon­se­quent auf Stan­dar­di­sie­rung und Au­to­ma­ti­sie­rung setz­ten.

Auf dem Gip­fel: Mul­ti Cloud, Con­tai­ner, IoT

Die der­zeit hei­ßes­ten The­men im Hy­pe Cy­cle wer­den nicht nur in der Cloud-Sze­ne dis­ku­tiert. Auf dem „Gip­fel der über­zo­ge­nen Er­war­tun­gen“sieht Gart­ner IoT-Platt­for­men eben­so wie Con­tai­ner-Ma­nage­ment, Ma­chi­ne Le­arning so­wie den arg stra­pa­zier­ten Be­griff der Mul­ti Cloud.

Mul­ti-Cloud-Sze­na­ri­en kön­nen ge­plant oder un­ge­plant ent­ste­hen, wenn et­wa meh­re­re Ab­tei­lun­gen in Un­ter­neh­men Ser­vices von un­ter­schied­li­chen Pro­vi­dern ein­kau­fen. Theo­re­tisch las­sen sich da­mit Ab­hän­gig­kei­ten von ein­zel­nen An­bie­tern ein­däm­men. Hin­zu kommt die Mög­lich­keit, spe­zi­fi­sche An­for­de­run­gen be­stimm­ter Ge­schäfts­ein­hei­ten ab­zu­de­cken, die mit ei­nem ein­zi­gen Pro­vi­der nicht zu rea­li­sie­ren wä­ren.

Doch es gibt auch Nach­tei­le. Das Ma­nage­ment meh­re­rer An­bie­ter und un­ter­schied­li­cher Cloud-Ser­vices kann sehr auf­wen­dig und da­mit kos­ten­träch­tig wer­den. Un­ter­neh­men soll­ten des­halb Se­cu­ri­ty-, Ma­nage­ment- und Go­ver­nan­ce-Richt­li­ni­en for­mu­lie­ren so­wie auf Stan­dards ach­ten, rät Gart­ner-Ana­lyst Da­vid Mit­chell Smith. Um ei­ne Mul­ti-Cloud-Um­ge­bung im Griff zu be­hal­ten, be­dür­fe es ei­ner über­grei­fen­den Ko­or­di­na­ti­on und Stra­te­gie. Cloud Ma­nage­ment Plat­forms (CMP) und Lö­sun­gen für Cloud Ser­vice Bro­ker­a­ge (CSB) könn­ten da­bei hel­fen. Doch IT-Ver­ant­wort­li­che müss­ten dar­auf ach­ten, dass sie auf die­ser Ebe­ne nicht doch wie­der in ei­ne Her­stel­ler­ab­hän­gig­keit ge­rie­ten.

Con­tai­ner-Ma­nage­ment in frü­hem Sta­di­um

Wich­tig in die­sem Kon­text ist auch das The­ma Con­tai­ner-Ma­nage­ment. Ein­schlä­gi­ge Lö­sun­gen er­lau­ben es Un­ter­neh­men, ei­ne gro­ße Zahl von in Con­tai­nern ver­pack­ten An­wen­dun­gen in Pro­duk­ti­ons­um­ge­bun­gen ein­zu­set­zen. Die An­bie­ter be­to­nen da­bei die Mög­lich­keit, ei­ne Abs­trak­ti­ons­schicht zwi­schen ver­schie­de­nen Cloud- und On-Pre­mi­ses-Sys­te­men ein­zu­zie­hen. Con­tai­ner-Ma­nage­ment-Sys­te­me wür­den so die In­ter­ope­ra­bi­li­tät zwi­schen den di­ver­sen Wel­ten er­leich­tern und auch et­li­che In­te­gra­ti­ons­pro­ble­me lö­sen. Sie könn­ten so­wohl on Pre­mi­ses, auf Pu­b­lic-IaaS-Platt­for­men oder auch in bei­den Um­ge­bun­gen gleich­zei­tig lau­fen.

Noch steckt der Ein­satz von Con­tai­ner-Ma­nage­ment-Sys­te­men in den Kin­der­schu­hen, kom­men­tie­ren die Gart­ner-Ex­per­ten Den­nis Smith und Arun Chan­dra­se­ka­ran. Un­ter­neh­men soll­ten früh­zei­tig mit ein­schlä­gi­gen Tech­ni­ken ex­pe­ri­men­tie­ren, um bei­spiels­wei­se Li­nux-An­wen­dun­gen zu pa­ke­tie­ren und aus­zu­rol­len. Zu emp­feh­len sei­en Con­tai­ner-Lö­sun­gen ins­be­son­de­re Or­ga­ni­sa­tio­nen, die sich an ei­nem De­vOps-An­satz ori­en­tie­ren und künf­tig ei­ne Mi­cro­ser­vices-Ar­chi­tek­tur nut­zen wol­len.

ML – Cloud senkt die Ein­stiegs­hür­den

Im­mer mehr Or­ga­ni­sa­tio­nen sind da­bei, An­wen­dungs­sze­na­ri­en für Ma­chi­ne Le­arning zu er­for­schen. Vie­le ha­ben be­reits Pi­lot­pro­jek­te auf­ge­setzt und Proof-of-Con­cepts ent­wi­ckelt. Die meis­ten Un­ter­neh­men aber tun sich mit dem The­ma noch schwer, be­ob­ach­ten die Gart­nerAna­lys­ten. Das be­nö­tig­te Know-how zu fin­den und ge­eig­ne­te Rol­len in der Or­ga­ni­sa­ti­on zu

de­fi­nie­ren, be­rei­te da­bei die größ­ten Pro­ble­me. Tools und Platt­for­men aus der Cloud kön­nen hel­fen, sol­che Hür­den zu über­win­den. Gart­ner emp­fiehlt Ent­schei­dern, mit ein­fa­chen Bu­si­ness-Pro­ble­men an­zu­fan­gen und dann Schritt für Schritt kom­ple­xe­re Use Ca­ses für Ma­chi­ne Le­arning in An­griff zu neh­men. Ei­ne IoT-Platt­form er­mög­licht Un­ter­neh­men die Ent­wick­lung und den Be­trieb von An­wen­dun­gen, die Da­ten von ver­bun­de­nen IoT-End­punk­ten er­fas­sen und ver­wal­ten. Aus der Sicht von Gart­ner ge­hö­ren da­zu meh­re­re funk­tio­na­le Kern­be­rei­che: De­vice-Ma­nage­ment, In­te­gra­ti­on, Da­tenMa­nage­ment, Ap­p­li­ca­ti­on Ena­ble­ment und Se­cu­ri­ty.

Ent­spre­chen­de Sys­te­me wer­den nicht sel­ten als „hy­bri­de“Kom­bi­na­tio­nen aus Edge-Soft­ware und Cloud-ba­sier­ten IoT-Platt­for­men an­ge­bo­ten. Die di­ver­sen Vor­zü­ge und Use Ca­ses für sol­che Lö­sun­gen sind un­be­strit­ten. Doch Gart­ner ver­weist auch auf den von vie­len An­bie­tern ge­schür­ten Hy­pe so­wie auf et­li­che tech­ni­sche, kul­tu­rel­le und nicht zu­letzt si­cher­heits­re­le­van­te Her­aus­for­de­run­gen, die ei­nem brei­ten Ein­satz ent­ge­gen­stän­den. Auch des­halb ha­be das The­ma den Hö­he­punkt der über­zo­ge­nen Er­war­tun­gen be­reits über­schrit­ten und be­we­ge sich in der Hy­pe-Kur­ve wie­der nach un­ten. Bis IoT-Platt­for­men das Pla­teau der Pro­duk­ti­vi­tät er­rei­chen, kön­ne es noch fünf bis zehn Jah­re dau­ern, so die Au­gu­ren.

An­ders als das The­ma IoT fin­det sich Edge Com­pu­ting noch in der auf­stei­gen­den Kur­ve des Hy­pe Cy­cle, al­ler­dings nicht mehr weit ent­fernt vom Gip­fel der über­zo­ge­nen Er­war­tun­gen. Gart­ner will dar­un­ter ei­ne To­po­lo­gie ver­stan­den wis­sen, die die Ver­ar­bei­tung von In­for­ma­tio­nen nä­her an die „Din­ge“oder Men­schen bringt, die sie er­zeu­gen oder kon­su­mie­ren. Da­mit ver­bun­den sind Zie­le wie kür­ze­re La­tenz­zei­ten und ei­ne Re­du­zie­rung des Netz-Traf­fics. Die Tech­no­lo­gie zum Auf­bau der be­nö­tig­ten phy­si­schen In­fra­struk­tur ist weit­ge­hend vor­han­den. Prak­ti­sche Ein­satz­bei­spie­le gibt, es ab­ge­se­hen von ei­ni­gen bran­chen­spe­zi­fi­schen An­wen­dun­gen, bis­her nur we­ni­ge. Die Ana­lys­ten er­war­ten aber, dass das In­ter­es­se an Edge-Kon­zep­ten mit dem wach­sen­den Ein­satz von IoT-Sys­te­men schnell zu­nimmt. Ent­schei­der soll­ten das The­ma in ih­ren mit­tel- bis lang­fris­ti­gen Plä­nen be­rück­sich­ti­gen. Die gro­ßen Hy­per­s­ca­ler im Clou­dGe­schäft wür­den be­reits da­mit be­gin­nen, ih­re bis­lang sehr zen­tra­li­sier­ten Pro­gram­mier- und Ma­nage­ment-Mo­del­le durch Edge-spe­zi­fi­sche Fea­tu­res zu er­gän­zen.

Ser­ver­less Com­pu­ting/Ser­ver­less PaaS

Auch das The­ma Ser­ver­less Com­pu­ting ge­winnt im Cloud-Um­feld rasch an Be­deu­tung. Gart­ner be­vor­zugt den Be­griff Ser­ver­less PaaS und meint da­mit ei­ne Ser­vice-De­li­very-Me­tho­de, bei der die dar­un­ter­lie­gen­de In­fra­struk­tur für Ent­wick­ler und Nut­zer ver­bor­gen bleibt. Statt­des­sen küm­mert sich ein Cloud-Ser­vice je nach Be­darf um die Be­reit­stel­lung der be­nö­tig­ten Com­pu­te-, Sto­r­a­ge- und Netz­res­sour­cen. Um die so­ge­nann­te Pro­vi­sio­nie­rung muss sich der Ent­wick­ler ei­nes Soft­ware­diens­tes al­so theo­re­tisch kei­ne Sor­gen mehr ma­chen. Kos­ten fal­len zu­dem nur an, wenn tat­säch­lich Co­de auf der In­fra­struk­tur aus­ge­führt wird.

Mitt­ler­wei­le gibt es di­ver­se Au­s­prä­gun­gen von Ser­ver­less-Di­ens­ten. Zu den Pio­nie­ren ge­hört Ama­zon Web Ser­vices mit sei­ner Platt­form AWS Lamb­da. Aber auch an­de­re Cloud-Grö­ßen wie Mi­cro­soft und Goog­le of­fe­rie­ren längst ein­schlä­gi­ge Di­ens­te. Klas­si­sche IT-An­bie­ter wie Ora­cle, Pi­vo­tal und Red Hat sind eben­falls auf den Zug auf­ge­sprun­gen. Dar­über hin­aus gibt es mitt­ler­wei­le ei­ne Rei­he von OpenSour­ce-Frame­works für Ser­ver­less Com­pu­ting, dar­un­ter OpenFaaS, Fis­si­on, Ku­be­l­ess und Apa­che OpenWhisk.

Gart­ner geht da­von aus, dass Ser­ver­less PaaS schon bald den Gip­fel der Hy­pe-Kur­ve er­rei­chen und nach ei­ni­gen ent­täusch­ten Er­war­tun­gen schließ­lich das Pla­teau der Pro­duk­ti­vi­tät er­rei­chen wird.

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