Ne­tapp will Cloud-In­te­gra­tor sein

Wäh­rend vie­le In­fra­struk­tu­ran­bie­ter un­ter dem Trend zu Cloud Com­pu­ting lei­den, hofft Ne­tapp, da­von zu pro­fi­tie­ren. Der Spe­zia­list für Spei­cher- und Da­tenMa­nage­ment prä­sen­tier­te da­für ein vier­stu­fi­ges Mo­dell und et­li­che Tools.

Computerwoche - - Inhalt - Von Ka­rin Qu­ack, freie Au­to­rin und Edi­to­ri­al Con­sul­tant in Mün­chen (ba)

Der Spe­zia­list für Spei­cher- und Da­ten-Ma­nage­ment prä­sen­tier­te ein vier­stu­fi­ges Mo­dell und et­li­che Tools für die Cloud-In­te­gra­ti­on.

Wer Soft­ware, Re­chen­leis­tung und Spei­cher aus der Cloud be­zieht, braucht da­für kei­ne In­fra­struk­tur? Im Ge­gen­teil! Vor al­lem Un­ter­neh­men, die Ser­vices von un­ter­schied­li­chen „As-a-Ser­vice“-An­bie­tern mit haus­ei­ge­nen Sys­te­men kom­bi­nie­ren, soll­ten ih­re IT-Sys­te­me auf­ge­räumt ha­ben, um den Über­blick nicht zu ver­lie­ren. Für ei­ne naht­lo­se In­te­gra­ti­on der un­ter­schied­li­chen Ser­vices müs­sen sie die­se auf meh­re­ren Le­vels in­te­grie­ren: von der Spei­cher- und der Da­ten­ebe­ne her so­wie be­züg­lich der Ser­vices, über die Orches­trie­rung, In­te­gra­ti­on und Kon­trol­le und auch hin­sicht­lich der Sys­tem­ana­ly­se.

Dar­auf will Ne­tapp sein Ge­schäft aus­rich­ten. Das Un­ter­neh­men, das sich lan­ge Zeit vor al­lem auf An­wen­dungs­in­te­gra­ti­on und Da­ten­si­che­rung kon­zen­triert hat­te, po­si­tio­niert sich seit Kur­zem als In­te­gra­tor von hy­bri­den Mul­tiC­loud-Ar­chi­tek­tu­ren. En­de 2015 hat­te Ne­tapp zu­nächst den Flash-Spei­cher-An­bie­ter So­lid­fi­re ge­kauft, des­sen Tech­nik bei­spiels­wei­se in der „FlexPod“-In­fra­struk­tur von Cis­co und Ne­tapp Ver­wen­dung fin­det. Ein Jahr spä­ter brach­te der Da­ten-Ma­nage­ment-Kon­zern sein Be­triebs­sys­tem On­tap in ei­ner für den Flas­hSpei­cher maß­ge­schnei­der­ten Aus­füh­rung (Ver­si­on 9) auf den Markt. Laut An­bie­ter lau­fen heu­te al­le Kom­po­nen­ten der haus­ei­ge­nen „Hy­per-Con­ver­ged In­fra­struc­tu­re“(HCI) mit dem­sel­ben Be­triebs­sys­tem. Mit Hil­fe die­ses Pri­va­te-Cloud-Ge­rüsts könn­ten sich die Kun­den re­la­tiv schmerz­frei ei­ne ei­ge­ne In­te­gra­ti­ons­um­ge­bung bau­en. Ei­ne Flash-op­ti­mier­te Da­ten­ana­ly­se­soft­ware folg­te im Herbst 2016.

„Wir sind mehr ein Soft­ware- als ein Hard­ware­un­ter­neh­men“, kon­tert Jörg Hess­ke, Vice Pre­si­dent Ger­ma­ny, Aus­tria and Swit­z­er­land, die Ver­su­che, Ne­tapp im­mer noch in die Spei­cher­ecke zu stel­len. Die Top­the­men der zu­rück­lie­gen­den Kun­den- und Part­ner­kon­fe­renz Ne­tapp In­sight Eu­ro­pe lau­te­ten denn auch Da­ten­in­te­gra­ti­on, künst­li­che In­tel­li­genz und di­gi­ta­le Trans­for­ma­ti­on.

Laut CEO Ge­or­ge Ku­ri­an ist das „da­ten­ge­trie­be­ne“Un­ter­neh­men der Sta­tus, den es zu er­rei­chen gilt. „Di­gi­tal“be­deu­te in ers­ter Li­nie ge­steu­ert: „Ih­re Da­ten sind au­ßer­dem das ein­zi­ge As­set, das Sie Ih­rem di­gi­ta­len Dis­rup­tor vor­aus­ha­ben“, kon­sta­tier­te der Ne­tapp-Chef. Mit dem Kon­zept der Da­ta Fa­b­ric be­schäf­ti­ge sich Ne­tapp seit mitt­ler­wei­le vier Jah­ren, so Ku­ri­an wei­ter: „Aber in die­sem Jahr sind wir auch tat­säch­lich in der La­ge, die drei Markt­füh­rer im Cloud-Ge­schäft – und da­mit die in ih­ren Um­ge­bun­gen ge­spei­cher­ten Da­ten – über die HCI zu ver­bin­den.“

Wie DACH-Chef Hess­ke fest­ge­stellt hat, nut­zen fast al­le Kun­den min­des­tens zwei un­ter­schied­li­che Cloud-Pro­vi­der – aus Grün­den der Funk­tio­na­li­tät und der Ent­schei­dungs­frei­heit. Ei­ni­ge hät­ten ih­re IT, zu­min­dest in Teil­be­rei­chen, aber auch wie­der ins Haus ge­holt. „Wir nen­nen das, in Ana­lo­gie zum bri­ti­schen EU-Aus­stieg, den Cle­xit.“In ei­nem Un­ter­neh­men, das sei­ne Haus­auf­ga­ben ge­macht ha­be, stel­le sich eben

oft her­aus, dass man­che Ser­vices vor Ort preis­güns­ti­ger er­bracht wer­den könn­ten, so Hess­kes Be­grün­dung: „Die Idee, dass IT aus der Cloud per se bil­li­ger wä­re, ist nicht rich­tig.“Des­halb sei die häu­fig pro­pa­gier­te „Cloud­first“-Stra­te­gie ei­gent­lich schon wie­der über­holt: „Kor­rekt ist aber, dass die Cloud ein Un­ter­neh­men agi­ler und fle­xi­bler wer­den lässt.“Um die Cloud auch im si­cher­heits­be­wuss­ten Eu­ro­pa sa­lon­fä­hig zu ma­chen, bie­tet Ne­tapp den Kun­den sein „Pri­va­te-Sto­r­a­ge“-Mo­dell an. Da­bei wer­den die Da­ten von ei­nem se­pa­rat in­stal­lier­ten Spei­cher in die In­fra­struk­tur des Ser­vice­an­bie­ters über­tra­gen, dort ver­ar­bei­tet, al­so ana­ly­siert, und an­schlie­ßend di­rekt wie­der zu­rück­ge­spielt.

Trotz­dem wol­len vie­le Kun­den auch OnP­re­mi­ses-Ser­vice – par­al­lel zu den Di­ens­ten un­ter­schied­li­cher Cloud-An­bie­ter. Und Ne­tapp hat ge­gen die­sen Wunsch na­tur­ge­mäß we­nig ein­zu­wen­den. Zu­mal der Her­stel­ler ei­ni­ge Soft­ware­pro­duk­te an­bie­tet, die beim gleich­zei­ti­gen Ma­nage­ment un­ter­schied­li­cher Soft­ware-De­ploy­ments hel­fen kön­nen. Da­zu ge­hö­ren un­ter an­de­ren die Lö­sun­gen „AWS Cloud Vo­lu­mes“, „Goog­le Cloud Vo­lu­mes“und „Azu­re Ne­tapp Fi­les“so­wie das On-Pre­mi­se­sPen­dant „Cloud Vo­lu­mes On­tap“, das als ein Teil von HCI ge­hand­habt wird.

Erst im Sep­tem­ber 2018 über­nahm Ne­tapp den Ku­ber­ne­tes-Spe­zia­lis­ten St­ack­point­cloud. Der brach­te das Know-how mit, um ei­ne Mul­tiC­loud-Kon­trol­le­be­ne zu ent­wi­ckeln, mit der sich An­wen­dungs-Con­tai­ner zwi­schen un­ter­schied­li­chen Um­ge­bun­gen hin- und her­schie­ben las­sen. Mit dem „Ku­ber­ne­tes-Ser­vice“will Ne­tapp auch das Zu­sam­men­spiel von Ent­wick­lung und Be­trieb (De­vOps) un­ter­stüt­zen. Dank ei­ner Ver­län­ge­rung des Ser­vice in die Da­ten­schicht hin­ein blei­ben die Da­ten auch dann er­hal­ten, wenn der Mi­cro­ser­vice selbst nicht mehr exis­tiert.

Back­up für Sa­les­force-Da­ten

Die­se Soft­ware­pro­duk­te wur­den be­reits vor ei­ni­gen Wo­chen auf der Ne­tapp In­sight 2018 in Las Ve­gas vor­ge­stellt. Für die Ver­an­stal­tung in Bar­ce­lo­na hat­te sich Ne­tapp un­ter an­de­rem ei­nen Back­up-Ser­vice für Sa­les­force.com-An­wen­dun­gen (Ne­tapp SaaS Back­up) auf­ge­ho­ben.

Selbst­ver­ständ­lich müs­se der An­wen­der selbst da­für sor­gen, dass die Da­ten sei­ner SaaS-An­wen­dun­gen re­vi­si­ons­si­cher ab­ge­legt wür­den und im Fal­le ei­nes Fal­les ver­füg­bar blie­ben, er­in­ner­te der An­bie­ter sei­ne Kun­den. Mit dem neu­en Ser­vice lie­ßen sich sen­si­ble Da­ten kon­trol­lie­ren, au­to­ma­ti­sier­te Back­ups er­stel­len und Gra­nu­lar-on-De­mand-Re­struk­tu­rie­run­gen vor­neh­men. Auf die­se Wei­se sei­en Sa­les­forceDa­ten ge­gen ver­se­hent­li­ches Lö­schen so­wie Kor­rup­ti­on oder bös­wil­li­ge Ve­rän­de­rung ge­schützt.

Azu­re Ne­tapp Fi­les ist ein neu­er Ser­vice, der un­ter­neh­mens­wei­te Sto­r­a­ge- und Ma­nage­ment-Fä­hig­kei­ten be­reit­stellt. Da­mit las­sen sich Fi­le-ba­sie­ren­de Wor­kloads nach Azu­re mi­grie­ren und dort „aus­lie­fern“. Ent­wi­ckelt von Ne­tapp, wird der Ser­vice di­rekt von Mi­cro­soft ver­mark­tet und sup­por­tet. Der­zeit be­fin­det er sich im Pre­view-Sta­tus, er soll aber in den kom­men­den Mo­na­ten von Ams­ter­dam, Du­blin und den USA aus an­ge­bo­ten wer­den.

Ei­nen ähn­li­chen Ser­vice hat Ne­tapp für die Goog­le-Platt­form ge­baut. „Ne­tapp Cloud Vo­lu­mes for Goog­le Cloud Plat­form“soll die Kun­den da­bei un­ter­stüt­zen, da­ten­ge­trie­be­ne Ent­schei­dun­gen schnel­ler zu tref­fen, in­dem sie die Ana­ly­tics-An­wen­dun­gen in die Cloud ver­la­gern, High­speed-Tests und -Ite­ra­tio­nen über An­wen­dungs- und Wor­kload-Gren­zen hin­weg zu fah­ren (ein­schließ­lich Wie­der­her­stel­lungs-Ser­vices), die „Ti­me to va­lue“spür­bar zu ver­rin­gern; Dank Au­to­ma­ti­sie­rung las­sen sich an­geb­lich Hun­der­te von Ent­wick­lungs- und Te­st­um­ge­bun­gen in­ner­halb we­ni­ger Mi­nu­ten clo­nen.

Mit den neu­en Pro­duk­ten hofft Ne­tapp, auch den Ver­kauf kon­ven­tio­nel­ler An­ge­bo­te an­kur­beln zu kön­nen. Schließ­lich hät­ten et­wa 60 Pro­zent der ei­ge­nen Kun­den im­mer noch kei­ne mo­der­nen Flash-Spei­cher. „Wir bie­ten den An­wen­dern Si­cher­heit“, er­läu­tert Ant­ho­ny Lye, Se­ni­or Vice Pre­si­dent und Ge­ne­ral Ma­na­ger der Ge­schäfts­ein­heit Cloud Da­ta Ser­vices bei Ne­tapp: „Sie wis­sen, dass sie al­les, was sie on Pre­mi­ses kau­fen, spä­ter in der Cloud wei­ter­nut­zen kön­nen.“Ne­tapp ver­fah­re nach dem ByoL-Prin­zip: Bring your own Li­cence!

„Ih­re Da­ten sind das ein­zi­ge As­set, das Sie Ih­rem di­gi­ta­len Dis­rup­tor vor­aus­ha­ben“, er­in­ner­te Ne­tapp-CEO Ge­or­ge Ku­ri­an sein Pu­bli­kum auf den An­wen­der­kon­fe­ren­zen In­sight 2018 in Las Ve­gas und Bar­ce­lo­na.

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