Per­so­nal­dienst­leis­ter glau­ben nicht an KI als Re­cruit­ing-Wun­der­mit­tel

Das In­ter­es­se an IT-Frei­be­ruf­lern wird auch 2019 hoch blei­ben. Die Per­so­nal­ver­mitt­ler kon­kur­rie­ren um die Ta­len­te und den­ken in­ten­siv dar­über nach, wie sie die Ex­per­ten bes­ser an sich bin­den kön­nen.

Computerwoche - - Job & Karriere - Von Ingrid Weid­ner, freie Au­to­rin in Mün­chen (am)

Auf dem On­line-Markt­platz fre­e­lan­ce.de ha­ben 150.000 Selb­stän­di­ge ih­re Pro­fi­le hin­ter­legt. 25.000 Fir­men nut­zen die Platt­form, um frei­be­ruf­li­che Ex­per­ten zu fin­den. Ge­ra­de ex­pe­ri­men­tiert das Un­ter­neh­men mit künst­li­cher In­tel­li­genz (KI). Auch wenn Stefan Ober­dör­fer, Chief Brand & Sa­les Of­fi­cer von fre­e­lan­ce.de, noch nicht viel ver­ra­ten möch­te, sieht er das Pro­jekt als zu­kunfts­wei­send: „Ein Ziel ist es, dass Frei­be­ruf­ler auf Ba­sis ih­res Pro­fils au­to­ma­ti­siert auf sie zu­ge­schnit­te­ne Pro­jekt­vor­schlä­ge er­hal­ten.“Dass ei­ne in­tel­li­gen­te Soft­ware Per­so­nal­ver­mitt­ler er­set­zen wird, glaubt kei­ner der Di­enst­leis­ter, die am run­den Tisch der COMPUTERWOCHE dis­ku­tie­ren.

Lu­uk Hou­te­pen, Di­rec­tor Bu­si­ness De­ve­lop­ment von STh­ree, ist skep­tisch: „KI als Er­satz für das Per­so­nal-Re­cruit­ing hal­te ich der­zeit für un­rea­lis­tisch. Die Tech­no­lo­gie kann die Vor­aus­wahl von Kan­di­da­ten ver­bes­sern. Wenn un­se­re Be­ra­ter nur noch zehn statt 100 Frei­be­ruf­ler an­ru­fen müs­sen, ist das ein Vor­teil. Doch uns al­len fehlt die Da­ten­ba­sis, über die Xing oder Lin­ke­dIn ver­fü­gen.“

Fre­e­lan­ce-Mann Ober­dör­fer ver­tei­digt das KIEn­ga­ge­ment sei­nes Un­ter­neh­mens – das sei ein The­ma, das auch vie­le Kun­den be­we­ge. Ähn­lich prag­ma­tisch denkt Ma­xim Pro­bo­jce­vic von Sol­com. Für ihn geht es im Zu­ge der Di­gi­ta­li­sie­rung auch um Ser­vice­an­ge­bo­te für Kun­den. Der Mar­ke­ting-Chef kann sich in­tel­li­gen­te Emp­feh­lungs­al­go­rith­men à la Ama­zon vor­stel­len, die den Kun­den Vor­schlä­ge für Pro­jek­te un­ter­brei­ten, oder auch Tools, um mit Frei­be­ruf­lern in Kon­takt zu blei­ben. Doch die Per­so­nal­aus­wahl und das Zu­sam­men­füh­ren von Frei­be­ruf­lern und Pro­jek­ten möch­te Pro­bo­jce­vic eben­so we­nig wie die an­de­ren Dis­kus­si­ons­teil­neh­mer der Tech­nik über­las­sen – auch wenn er weiß, dass es in der Ver­mitt­lung auf Schnel­lig­keit an­kommt: „Ge­schwin­dig­keit ist ein Wett­be­werbs­fak­tor. Aber wenn uns ein Kun­de am Te­le­fon er­klärt, wen er sucht und wel­ches Pro­jekt er um­set­zen möch­te, kann kei­ne Ma­schi­ne be­ur­tei­len, wel­cher Frei­be­ruf­ler passt. Um die Si­tua­ti­on rich­tig ein­zu­schät­zen, braucht es auch Em­pa­thie und so­zia­le Kom­pe­tenz. Das kön­nen nur Men­schen.“

Groß­bri­tan­ni­en: Ver­mitt­lung über Platt­for­men

Auch Hou­te­pen setzt auf Ver­mitt­lungs­per­so­nal, das sein Hand­werk gründ­lich er­lernt hat. Al­ler­dings er­lebt er, dass Groß­kun­den be­gin­nen, für Pro­jek­te Ma­na­ged-Ser­vice-Pro­vi­der(MSP-) Platt­for­men zu nut­zen. „In Groß­bri­tan­ni­en wird schon ein Drit­tel des Um­sat­zes da­mit ge­macht. Die Platt­for­men sind neu­tral, Auf­trag­ge­ber stel­len dort ih­re An­fra­gen ein, und Pro­jekt­neh­mer la­den ihr An­ge­bot hoch. Es gibt Fra­ge­bö­gen, al­les ist stan­dar­di­siert. Oft fin­det kein per­sön­li­ches Ge­spräch statt, al­les wird di­gi­tal ab­ge­wi­ckelt.“Für Hou­te­pen äh­neln sol­che Platt­for­men schwar­zen Lö­chern. Es sei viel Auf­wand nö­tig, um die im Sys­tem hin­ter­leg­ten Käst­chen aus­zu­fül­len, die Aus­wahl­kri­tie­ri­en sei­en nicht trans­pa­rent. Nur für ein­fa­che Aus­schrei­bun­gen wie „Su­che ei­nen Ja­va-Ent­wick­ler für drei Mo­na­te“sei das Sys­tem ge­eig­net.

Ei­ne ak­tu­el­le und gut ge­pfleg­te Da­ten­bank bil­det das Herz­stück ei­ner er­folg­rei­chen Ver­mitt­lung, doch der per­sön­li­che Kon­takt ist eben­falls wich­tig. „Un­se­re In­dus­trie war stark vom Te­le­fon ge­prägt. Das ist an sich nicht schlecht, denn Frei­be­ruf­ler wol­len ger­ne um­wor­ben wer­den. Wäh­rend des Pro­jekts wol­len sie aber auch in Ru­he ar­bei­ten“, so Hou­te­pen.

Lu­uk Hou­te­pen, STh­ree: „In Groß­bri­tan­ni­en wird ein Drit­tel des Um­sat­zes mit Ma­na­ge­dSer­vice-Pro­vi­der-Platt­for­men ge­macht. Oft fin­det kein per­sön­li­ches Ge­spräch statt, al­les wird di­gi­tal ab­ge­wi­ckelt.“

Stefan Ober­dör­fer, fre­e­lan­ce.de: „Ei­nes der Zie­le un­se­res KI-Pro­jekts ist es, dass Frei­be­ruf­ler auf Ba­sis ih­res Pro­fils au­to­ma­ti­siert auf sie zu­ge­schnit­te­ne Pro­jekt­vor­schlä­ge er­hal­ten.“

Ma­xim Pro­bo­jce­vic, Sol­com: „Wenn uns ein Kun­de am Te­le­fon er­klärt, wen er sucht und wel­ches Pro­jekt er um­set­zen möch­te, kann kei­ne Ma­schi­ne be­ur­tei­len, wel­cher Frei­be­ruf­ler passt.“

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